Für schwarze Bootsflüchtlinge gibt’s kein halbmast – ein Zwischenruf

Von Kristian Stemmler

Angesichts der neuerlichen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer wird erst richtig deutlich, wie grotesk die Hysterie in Deutschland nach dem Absturz der Germanwings-Maschine war. Tagelange Trauer und Bestürzung, alle Flaggen auf halbmast, jeder Hans und Franz musste irgendwelche belanglosen Beileidsbekundungen von sich geben, der Bundespräsident brach eine Reise ab, die Bundeskanzlerin eilte zum Unglücksort. Aber natürlich, das waren ja auch (weiße) Deutsche – jetzt sind es ja nur Schwarze, „Wirtschaftsflüchtlinge“, die gestorben sind. Da geht hier keine Flagge auf halbmast!

Immerhin, in den Medien sind doch hier und da deutliche Kommentare zu lesen: „Die Kaltschnäuzigkeit des Innenministers verschlägt einem den Atem“, schreibt der Tagesspiegel, „tausende Flüchtlinge ertrinken Jahr für Jahr jämmerlich im Mittelmeer, direkt vor unserer europäischen Haustür, alleine in den vergangenen Tagen waren es Hunderte. Doch Thomas de Maizière lehnt ein EU-Seenotrettungsprogramm als Beihilfe für Schlepper ab. Was für eine erschreckende politische Armut zeigt sich da!“

Und Spiegel Online notiert: „Zur Wahrheit gehört, dass sich unter anderem die deutsche Regierung dafür eingesetzt hat, dass die Italiener ihre große Rettungsmission Mare Nostrum aufgaben.“ Genau das aber war, und viele haben davor lange schon gewarnt, das Todesurteil für Hunderte von Flüchtlingen – denn angesichts der katastrophalen Lage in vielen afrikanischen Ländern hält die Flüchtlinge gar nichts davon ab, den Versuch zu wagen, übers Mittelmeer nach Europa zu kommen. Wenn man also ein Rettungsprogramm vor der Küste beendet, kommen nicht weniger, dafür ertrinken aber mehr.

Es ist leider zu befürchten, dass sich die wachsende (xenophobische) Mehrheit in diesem Land hinter die kaltherzige Politik der Bundesregierung stellt. Denn was können wir dafür, dass die Afrikaner ihren Kontinent nicht in den Griff bekommen! Genau das aber ist er Irrtum: Wir können sehr viel dafür! Seit die Portugiesen an der Westküste Afrikas die ersten Schwarzen gejagt und versklavt haben, hat Europa diesen Kontinent ausgebeutet und kaputt gemacht, inzwischen im Verein mit den USA, Kanada und China.

Zuletzt hat der Westen dafür gesorgt, das noch relativ stabile Libyen zu chaotisieren. Dasselbe gilt für Syrien und den Irak. Für Rohstoffe und geostrategische Vorteile produziert man überall Krieg, Krise, Chaos. Wenn dann die Menschen aus aus diesen Gebieten fliehen, weil ihr Land zerstört wird und sie keine Zukunft mehr haben, schlagen wir ihnen die Tür vor der Nase zu: „Herberge? Versucht es doch mal ein Haus weiter..!“

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