Neues aus Frankfurt: EZB-Gewalttäter beziehen 185 Meter hohen Tower

Veröffentlicht: 2015-03-18 in Überregionales, Kommentare
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DSC_0863Von Kristian Stemmler

Sondersendungen im Fernsehen, Newsticker im Internet, Bilder von brennenden Barrikaden und schwarzgekleideten Randalierern – die Reflexe der Qualitätsmedien funktionieren. Das Geschehen heute in Frankfurt wird mit den üblichen Bildern und Phrasen verhandelt, der Reporter im TV spricht von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ von einer „nie gekannten Dimension von Gewalt“, die Polizei sei so was von schockiert vom Ausmaß der Gewalt. Na sowas!

Natürlich werden auch Sprecher der Blockupy-Bewegung vor die Mikros gezerrt, auch Abgeordnete der Partei Die Linke, die sich pflichtschuldig von der Gewalt distanzieren und erklären, ihre Absicht sei es immer gewesen, friedlich zu demonstrieren. So unterwirft man sich dem herrschenden Diskurs. Die bürgerliche, systemimmanente Definition von Gewalt setzt sich wieder mal auf ganzer Linie durch – zumindest in den Medien.

Wenn Menschen durch Steinwürfe oder anderes verletzt werden, ist das sicher in keiner Weise erfreulich. Aber muss man sich angesichts der herrschenden Politik denn noch wundern, dass die Wut irgendwann mal kulminiert. Muss man sich nicht vielmehr darüber wundern, dass es so wenige Ausschreitungen dieser Art gibt – bisher!

Der Kapitalismus ist doch pure Gewalt. Die Europäische Zentralbank, die heute mit dem 185 Meter hohen Turm in Frankfurt ein martialisches Symbol der Macht eingeweiht hat, ist die mit Abstand mächtigste Behörde Europas, wie Kollege Klaus Fischer in der jungen welt konstatiert: „In der Beletage wird über Leben und Tod entschieden, über Aufstieg und Absturz, über Reichtum und Armut. In einer Welt der Märkte und der Renditen, der demokratisch verbrämten Kungelei mit dem Großkapital und der Selbstherrlichkeit privilegierten Mittelmaßes entscheidet das Geld, wohin die gesellschaftliche Reise geht.“

Die EZB, die Mächtigen in Europa stürzen Millionen vor allem in den südlichen Ländern Europas in Arbeitslosigkeit und Armut, damit die Banken und Konzerne ihre Profite machen können. Das wird in die Qualitätsmedien nicht thematisiert – aber wenn ein paar Steine fliegen und ein paar Barrikaden brennen, ist die Empörung groß. Wenn die große Politik so weitermacht, sind die Geschehnisse von Frankfurt nur ein kleiner Vorgeschmack!

PS: Hier noch ein Link zu einem weiterführenden Beitrag:

https://linksunten.indymedia.org/de/node/138142

Und noch ein Link: http://www.nachdenkseiten.de/?p=25477#more-25477

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Kommentare
  1. Ich habe das versucht zu erklären und einzuordnen. Das ist keine Bagatellisierung. Wenn ich mir die Selbstmordrate in Griechenland angucke – warum berichten die Medien hierzulande nicht darüber mit der selben Diktion der Empörung?

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  2. Mittelschichtler sagt:

    Ich verstehe schon, worum es Ihnen geht.
    Ich kritisiere aber Ihre Bagatellisierung der in Frankfurt stattgefundenen Gewalt.

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  3. Darum geht es nicht. Es geht um eine Diskussion über den Begriff der Gewalt.

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  4. Mittelschichtler sagt:

    Wenn Sie sich schon bei den Nachdenkseiten bedienen (und das tun Sie doch mit Ihrem Büchner-Zitat, oder?), dann sollten Sie auf den ganzen Beitrag verweisen („Über die Gewalt“):

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=25509

    Hier wird in Ihrem Interesse argumentiert (und übrigens auch in meinem), aber es findet sich auch dieser Satz:

    „Es gibt bei Teilen der Linken eine wertabstrakte, inhaltslose Militanz, die die Motive dessen trägt, wogegen sie zu kämpfen vorgibt.“

    Ich bleibe dabei: Verdammung jeglicher Gewalt. Oder wollen Sie den Richter darüber spielen, welche Gewalt legitim ist und welche nicht?

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  5. Vorschlag: Denken Sie doch da mal drübernach
    „Man wirft den jungen Leuten den Gebrauch der Gewalt vor. Sind wir denn aber nicht in einem ewigen Gewaltzustand? Weil wir im Kerker geboren und großgezogen sind, merken wir nicht mehr, dass wir im Loch stecken mit angeschmiedeten Händen und Füßen und mit einem Knebel im Munde.“
    (Georg Büchner)

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  6. Wenn Sie den Zusammenhang nicht sehen, ist das Ihr Problem – was täglich auf den deutschen Autobahnen an Aggressionen zum Vorschein kommt, macht mir persönlich Angst. Und da sind alle dabei: jung und alt, Ober- bis Unterschicht, Frau, Mann, ganz egal.

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  7. Mittelschichtler sagt:

    „Das ist ja weitgehend alles richtig, was Du schreibst, aber die ganze Diskussion geht in die falsche Richtung.“

    Es ist richtig, aber doch falsch. Aha.

    „Das lenkt nur ab von der tagtäglichen Gewalt des Kapitalismus. Fahr doch beispielsweise nur mal eine halbe Stunde über eine beliebige deutsche Autobahn – da erlebst Du mehr Straftaten (Nötigung, versuchte fahrlässige Körperverletzung etc.) als an dem gesamten Demotag in Frankfurt.“

    Wo ist denn hier der inhaltliche Zusammenhang?

    Vorschlag: Verdammen Sie doch einfach jede Gewalt, egal ob von links, rechts oder sonst wie ideologisch motiviert.

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  8. Das ist ja weitgehend alles richtig, was Du schreibst, aber die ganze Diskussion geht in die falsche Richtung. Linke lassen sich da schnell in einen verfehlten Diskurs über die Gewaltfrage hineintreiben. Das lenkt nur ab von der tagtäglichen Gewalt des Kapitalismus. Fahr doch beispielsweise nur mal eine halbe Stunde über eine beliebige deutsche Autobahn – da erlebst Du mehr Straftaten (Nötigung, versuchte fahrlässige Körperverletzung etc.) als an dem gesamten Demotag in Frankfurt. Das ist doch alles ein Irrsinn, was in dieser Gesellschaft passiert, aber die Leute halten es für normal.

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  9. hans-christian keunecke sagt:

    Also Kristian nochmal, ich finde es inakzeptabel wenn in Menschenmengen Feuerwerkskörper geworfen werden (Augenverletzungen bis zur Erblindung können der „Erfolg“ sein), Steine gegen Menschen (auch Polizeibeamte ) geworfen werden (erhebliche Verletzungsgefahr) und ich finde es immer noch inakzeptabel wenn Brandsätze
    auch in Richtung und somit gegen Menschen geworfen werden. (Verbrennungen gönnen wir
    alle niemandem). Diese Gewalt war ein Teil der Vorfälle in Frankfurt. Da muß man sich von
    distanzieren ansonsten ist man nicht mehr glaubwürdig.
    Ich halte es für konfus zu sagen, mit dieser Ansicht betreiben wir das Geschäft der B anken und EZB!!??
    Bei den Auseinandersetzungen um Stuttgart 21 haben wir uns zu Recht über die Gewalt beim Einsatz
    der Polizei mit Wasserwerfer/Tränengas Pfeffersprei gegen die friedliche Bevölkerung aufgeregt als dann noch ein friedlicher älterer Demonstrant so gut wie erblindete.
    Wen es stimmt was Spiegel online berichtet haben sich offensichtlich auch noch rechte
    gewaltbereite Schlägertrupps an den Ausschreitungen b eteiligt und ihre Neigungen befriedigt.!!?? Auch solche Gurgen zieht man natürlich mit solchen Gewaltorgien an.

    Überleg mal, Du nimmst an solch einer Demo Teil, vor Deinem Auge explodiert ein Knallkörper–Sehkraft wird schlechter– oder auf deinen Beinen landet ein Brandsatz (großflächig verbrannte Haut soll ein geiles Gefühl sein).Niemand gönnt Dir sowas.

    Christian

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  10. Tut mir leid, aber man betreibt das Geschäft der Herrschenden, wenn man sich von der Gewalt in Frankfurt distanziert. Lies mal den Text auf linksunten.indymedia.org.

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  11. hans-christian keunecke sagt:

    Hallo Kristian !

    Mit Steinen, Brandsätzen und Feuerwerkskörper auf Menschen zu werfen ist inakzeptabel.
    Dieses ist durch nichts zu entschuldigen oder zu begründen. Polizisten sind Menschen und werden in allen Staatsformen gebraucht weil es den perfekten Bürger oder Genossen nicht gibt.Man sieht es im rusischen und chinesischen Kapitalismus.
    Offensichtlich sind die 2000 Autonomen Täter Schwachköpfe mit dringenden Therapiebedarf.
    Sie besorgen und Unterstützen das Geschäft der EZB und der Banken und Konzerne und der sehr einseitigen Berichterstattung vieler öffentlicher Medien. Dem Anliegen der 20 000
    tausend friedlichen Demonstranten haben sie jedenfalls einen „Bärendienst“ erwiesen.
    Es wird Zeit das in Europa 100 000 auf die Straße gehen und für ihre Interessen GEWALTFREI demonstrieren.!!!!! Lebenwichtige Themen gibt es genug.

    NAchfolgend ein Artikel zum Thema von JANA FRIELINGHAUS aus der JUNGEN WELT von Freitag den 20.03.15 . Ich finde er ist lesenswert.

    Gruß Christian

    __________________________________________________________________________
    ZITAT ANFANG:
    MEDIENBERICHTE ZU BLOCKUBY__PROTESTEN

    GEWALT—–cui bono ?

    “ Redet man über die Gewalt die am Mittwoch in Frankfurt am Main von Demonstranten
    zweifelsfrei ausgegangen ist, muß man fragen; Wem nützt es?

    Die Gewalt am Main ging von mehreren Seiten aus—-ganz klar auch vom Staat, ganz klar auch dort, wo es keine Attacken von Demonstranten gab. Letztere wurden von der hessischen Polizei, von Politik und bürgerlichen Medien systematisch herbeigeschrieben —
    und es war von Anfang an klar, worauf sich die Mehrheit der Journalisten bei ihrer Berichter-
    stattung konzentrieren würde: ausführlichste Darstellung von Randale, Exzessen, der Chaoten und Krawalltouristen einerseits—das Vokabular ist seit Jahrzehnten unverändert,
    Lächerlichmachen und Schulmeistern der Aktiven im Blockuby–Bündnis andererseits , sofern
    deren Forderungen überhaupt thematiesiert werden.

    Es ergibt keinen Sinn, Autos in Brand zu stecken, wenn man gegen die von der EZB ausgehende strukturelle Gewalt, gegen Ausplünderung durch Privatisierung und Kürzungsprogramme protestieren will. Und gänzlich verantwortungslos sind Leute, die in Menschenmengen mit Pyrotechnik um sich werfen. Völlig verhindern lassen sich solche Vorkommnisse aber von keinem Demobündnis der Welt– insbesondere in Zeiten, in denen Empörte und von EZB–Bankenlobbyismus unmittelbar Betroffene aus Griechenland , Italien
    oder Spanien vor Ort sind.

    Angesicht des extremen Machtgefälles zwischen jenen, die in den Institutionen vom Schreibtisch aus über Leben , berufliche Existenz und Gesundheit ganzer Völker entscheiden, und der Mehrheit derer, die darunter leiden—und nur durch eine vergleichsweise kleine Zahl politisch engagierter repräsentiert werden, sind die Distanzierungserklärungen und Verurteilungsorgien, die nun von Sozialdemokratie und Grünen , aber auch von Linken kommen, peinlich und reaktionär.—wie jene der Grünen JugendHessen: Diese gewalttätigen Aktivisten schaden dem Protest in einem unerträglichen Ausmaß..Nötig sei gute,logische und gewaltfreie Kritik. Den Umgang des Bürgertums und seiner Medien mit logischen Argumenten aber hat der Schriftsteller Roland
    M. Schernikau schon vor einem Vierteljahrhundert zusammengefaßt: Ich habe an reaktionären schon immer bewundert, dass sie aufhören zu reden wenn ihnen etwas nicht paßt. Das bestehende braucht keine Münder.()siehe Junge Welt vom 14/15.3.)
    Das Prinzip des Totschweigens gilt bis heute—daran ändern auch gelegentlicheTalkshowauftritte Linker oder Interviews mit Blockupy–Aktivistinnen im Staatsrundfunk nichts.
    GEWALT AUF DEMOS HILFT DEN HERRSCHENDEN UND IHREN PRESSESPRECHERN;
    NICHT ÜBER RAUBTIERKAPITALISMUS REDEN ZU MÜSSEN.

    Jana Frielinghaus

    ZITAT ENDE
    ___________________________________________________________________________

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  12. Hier noch ein Link: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/blockupy-in-frankfurt-gewalt-gegen-gewalt-augstein-kolumne-a-1024351.html
    Ziemlich genau das, was ich geschrieben habe – ungestraft von Jacob Augstein auf Spiegel Online!

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  13. …und nennen Sie das, was wir da haben, wirklich noch Demokratie?? Formal vielleicht, aber auch nicht mehr. Wir sind doch längst in einer Art übergesetzlichem Notstand. Ich habe Respekt vor allem für die jungen Leute, die sich für die Bewegung in Frankfurt den Kameras stellen und dabei nicht dem bürgerlichen Impuls und Zwang folgen, sich von der Gewalt zu distanzieren.

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  14. Herr Krause, was Sie an Volksverhetzendem ungestraft verbreiten können, geht doch auch auf keine Kuhhaut. Und ich habe die Gewalt ja nicht gerechtfertigt, sondern nur eingeordnet. Dass es oft kleine Polizeibeamten trifft, die auch nur verheizt werden, ist sicher nicht gut. Aber wer in dieser gesellschaftlichen Situation Polizist wird, muss wissen, dass es auch dazu kommen kann, dass er die Rübe für die Reichen und Mächtigen hinhalten muss.

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  15. J. Krause sagt:

    „Wenn Menschen durch Steinwürfe oder anderes verletzt werden, ist das sicher in keiner Weise erfreulich“

    Genau: Schließlich hätten die Polizisten ja garnicht kommen brauchen. Selber schuld, wenn Sie die Rübe hinhalten! So hätten die armen Demonstranten schließlich viel besser direkt auf die bösen Geldattentäter einprügeln können und es hätte die richtigen getroffen.

    Lieber Herr Stemmler, dass ist wieder mal ein Höhepunkt an Menschenverachtung – aber zugegeben: Mainstream at it`s best!

    Wie man ein solches geistiges Vakkuum erzeugen kann, nötigt mir echten Respekt ab.

    Ich bin wahrlich nicht im Ansatz einverstanden mit dem, was die Eurokraten da verzapfen – keine Diskussion. Aber ist eine adäquate Reaktion darauf, „Kollateralschäden“ bei Polizisten in Kauf zu nehmen?

    Ich bin zutiefst beunruhigt, dass Sie das offensichtlich ungestraft verbreiten können. Das zeugt von Ihrem Demokratieverständnis. Aber: Sie bleiben konsequent!

    J. Krause

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