Die Idylle zwischen Hamburger Straße und „Bronx“ – so verarscht die Sparda-Bank ihre Kunden

Veröffentlicht: 2015-03-16 in Hintergründe, Kommentare, Lokales, Politik
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Lilienzwilling ScreenshotVon Kristian Stemmler

Dass der Kunde in der Werbung gern für dumm verkauft wird, ist ja wahrlich nichts Neues. Wie aber die Tochter der Sparda-Bank, Sparda Immobilien, im Nordheide Wochenblatt vom Sonnabend potenzielle Interessenten verarscht, das ist schon nicht mehr feierlich. In einer dreispaltigen Anzeige preist das Unternehmen zwei geplante Neubauten am Lilienweg mehr als vollmundig an.

Natürlich hat man dem Projekt einen peppigen Namen gegeben. „Lilienzwilling Buchholz“ nennt man die in der üblichlichen fantasielosen postmodernen Architektur gestalteten Bauten, die in der schönen Computeranimation in dem Inserat natürlich ganz wunderbar aussehen. Dann steht da noch „Stadt und Land aufs Schönste vereint“, was ja nun wirklich kompletter Blödsinn ist.

Wie jeder weiß, der sich ein wenig auskennt, ist der Lilienweg im Grunde schon mitten in der Stadt, auch wenn man von dort recht schnell etwa in der Feldmark nördlich der Märchensiedlung ist. Aber dass man in wenigen Minuten ein Wäldchen oder freies Feld erreichen kann, das gilt ja nun fast für alle Standorte in Buchholz. Die Stadt ist nun mal nicht so riesig und von Natur umgeben.

Ausgemachter Quatsch ist auch die Beschreibung „ruhige, idyllische Wohnlage“. Die Blocks werden in Sichtweite einer der meistbefahrenen Ausfallstraßen von Buchholz gebaut, nämlich der Hamburger Straße. Vom Baugrundstück ist der Autolärm noch gut zu vernehmen. Auf der anderen Seite des Grundstücks liegt die Brandenburger Straße, so etwas wie die Bronx von Buchholz.

Das soll keine Kritik an den Anwohnern dort sein, im Gegenteil, aber Käufer von Eigentumswohnungen stellen sich Idylle vermutlich doch anders vor. Andererseits gibt es im näheren Umfeld des Baugrundstücks immer mehr neue Wohnblocks mit teuren Eigentumswohnungen und entsprechenden Bewohnern, zum Beispiel am Kamillenweg.

Man könnte von einer Gentrifizierung der Gegend in kleinem Maßstab sprechen. Das zeigt uns auf der einen Seite, dass es in der Gesellschaft im allgemeinen und in der Nordheide im besonderen immer noch genug Leute gibt, die sich mal eben eine Wohnung für über 150.000 oder auch 200.000 Tacken leisten können. Und es demonstriert auf der anderen Seite, wie sich Buchholz – aller Versuche einer durchdachten Stadtplanung zum Trotz – weiter zum Negativen verändert.

Überall schießen diese gesichtslosen Blocks für die Bessergestellten aus dem Boden. Wohnraum für die sozial Marginalisierten bleibt dagegen ebenso selten wie eine ansprechende architektonische Formsprache. Dass diese Bessergestellten ihre Kohle für Wohnungen ausgeben, deren Balkons zum Teil direkt auf Hauptstraßen wie der Hamburger Straße oder der Schützenstraße zulaufen, ist mir allerdings ein Rätsel. Sind die alle taub oder einfach nur schmerzfrei?

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Kommentare
  1. Klaus sagt:

    So erfolgreich scheint das Projekt ja auch nicht gewesen zu sein, einige Wohnungen stehen ja schließlich immer noch zum Verkauf…

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