Neuer Blog proTostedt: Nazihetze gegen Flüchtlinge von „ganz normalen Bürgern“

Screenshot proTostedtVon Kristian Stemmler

Bekanntlich ist es seit geraumer Zeit die bevorzugte Strategie von Nazis und Rechtspopulisten als Anwalt des „kleinen Mannes“ aufzutreten oder sich selbst als „ganz normale Bürger“ auszugeben, um auf diese Weise das Rassistische und Menschenverachtende ihrer Ziele zuzudecken. Zu diesem Vorgehen passt eine neue Homepage, mit der im Internet gegen Asylbewerber in Tostedt gehetzt wird – offenbar vor dem Hintergrund der Entscheidung des Landkreises Harburg, an der Todtglüsinger Straße eine dritte Unterkunft in der Stadt für bis zu 120 Flüchtlingen zu errichten.

„proTostedt“ nennt sich die Seite, was schon mal eindeutig auf einen rechtsradikalen Hintergrund hindeutet, denn Parteien oder Initiativen mit ähnlichem Namen wie „Pro Köln“ oder „Pro Deutschland“ sind eindeutig Nazi-Organisationen. Bisher ist es nur ein Blog bei WordPress, den auch ein einzelner ohne großen Aufwand installieren und betreiben kann. Ein Impressum gibt es nicht, nirgendwo tritt jemand namentlich in Erscheinung, auch nicht bei den (angeblichen) Leserzuschriften.

In der Vorstellung „Wir über uns“ heißt es lediglich: „Wir, eine Gruppe Tostedter, haben uns zusammengetan und es uns zur Aufgabe gemacht, die Bürger über das Geschehen in Tostedt zu informieren. Speziell geht es um das Thema Flüchtlingsunterkünfte am Helferichsheim, Elsterbogen und in der Todtglüsinger Straße.“ Wohin da die Reise gehen soll, wird in den folgenden Sätzen und vor allem in den bereits eingestellten Beiträgen deutlich.

Wie es dem Vorgehen von Nazis und Rechtspopulisten derzeit allerorten entspricht, wird dem Leser suggeriert, Behörden und Medien würden Straftaten von Asylbewerbern und andere negative Entwicklungen verschweigen. „Unzensierte Aufklärung über Vorfälle in den Tostedter Flüchtlingsheimen“ steht auf der Aufrufseite des Blogs, in der Vorstellung heißt es: „In den vergangenen Wochen gab es den einen oder anderen Vorfall in den Flüchtlingsunterkünften, über den nichts in der Polizei- bzw. Lokalpresse berichtet wurde.“

Diese angebliche Lücke möchte man mit dem Blog schließen, dazu sollen auch noch einmal im Monat Flyer verteilt und „der älteren Generation“ übermittelt werden. Schon im ersten Beitrag des Blogs werden Informationen auf unappetitliche Weise mit Unterstellungen zusammengerührt, ohne dass klar wird, was wirklich geschehen ist.

In der Nacht auf den 26. Februar habe es in der Unterkunft für Asylbewerber am Elsterbogen Ausschreitungen gegeben. „Bewohner“ der Unterkunft – das Wort wird in Anführungszeichen – gesetzt, hätten randaliert. Mit Bezug auf „einige Anwohner“ behauptet der Blog, es habe in der Unterkunft „eine sehr aggressive Stimmung“ geherrscht. Als Beleg wird ein Zaun mit einem leicht eingerissenen Zaun präsentiert. Dummdreister geht es nicht!

Im zweiten Beitrag wird noch einer draufgesetzt. Man habe am Freitagabend, dem 27. Februar, einen Anruf bekommen, dass es einen Polizeieinsatz am Elsterbogen geben würde, wegen „Lautstärke, Vandalismus und starkem Alkoholkonsum“. Weiter heißt es da: „Bei einem späteren Telefonat mit der Buchholzer Polizei wurde schnell klar, das unsere Flüchtlinge nicht kooperativ sein wollten und einige sich den Beamten gegenüber aggressiv vom Acker machten.“

Was davon stimmt und was hinter den behaupteten Einsätzen tatsächlich steht, war am Freitag nicht mehr in Erfahrung zu bringen, weil der Pressesprecher der Polizeiinspektion Harburg nicht zu erreichen war. Es spricht jedenfalls einiges dafür, dass die „besorgten Bürger“, die hinter proTostedt stecken, die altbekannten Nazis sind. Typisch ist etwa die Strategie, Flüchtlinge in Zusammenhang mit Kriminalität, Vandalismus und Verschmutzung zu bringen. Ein anderes Indiz sind die Autorenkürzel zu den Beiträgen wie „d14“ oder „m11“. Nazis haben bekanntermaßen einen Hang zu Zahlen- und Buchstabencodes. Auch der zynische Schreibstil, wenn es um die Flüchtlinge geht – zum Beispiel: „unsere Flüchtlinge“ – ist absolut typisch für „unsere Neonazis“.

Für die stramm rechte Ausrichtung der Homepage spricht auch, dass man keine Scheu hat, sich von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide des Buchholzer Nazikaders Denny Reitzenstein promoten zu lassen. Auf der Seite der AG findet sich aktuell ein Pseudo-Interview mit proTostedt. Wie hier der Leser für dumm verkauft werden soll, grenzt schon an Lächerlichkeit. „Was uns erstaunt hat, dass hinter der neuen Seite keine politischen Aktivisten stecken, sondern ganz normale besorgte Bürger aus Tostedt“, heißt es im Vorspann. Aber klar doch!

Natürlich hat man bei proTostedt kein Problem mit den Nazis aus Buchholz. Reitzenstein & Co. Klingeln da erst mal ganz ungeniert an: „Moin Moin! Wir als nationale Bewegung begrüßen natürlich jede bürgerliche Initiative gegen diesen Überfremdungswahn und heißen euch natürlich herzlich Willkommen. Wir hätten mal ein paar Fragen an euch und es wäre nett wenn ihr uns kontaktieren könntet!“ Aus Tostedt kommt die Antwort: „Grüßt Euch. Wir bedanken uns für euer Interesse an unserer bürgerlichen Initiative und würden euch gerne eure Fragen beantworten!“

Interessant auch diese Einlassung der AG Nordheide: „Wir haben zu danken, da ihr anscheinend wisst, wer wir sind und somit keine bürgerliche Initiative, sondern dass wir schon aus dem nationalen politischen Umfeld kommen und nicht unbekannt in und um Buchholz/Tostedt sind!“ Dazu proTostedt: „Es ist uns bewusst mit welcher Gruppierung wir grad zu tun haben und haben auch kein Problem damit, dass der Verlauf auf eurer Seite veröffentlicht wird. Denn das Thema Asylanten und deren Unterkünften geht jedem was an.“

Na, dann ist ja alles im Lack! Natürlich kommt danach noch das übliche braune Geseiere, wie man es auf der Seite der AG ja schon zur Genüge gelesen hat. „Dadurch dass wir nun eine 3. Unterkunft bekommen und das Geschehnisse in anderen Städten beobachtet haben, sind wir halt auf die Idee gekommen eine eigene bürgerliche Initiative zu gründen und somit die Öffentlichkeit genauer aufklären. Denn wir können uns es nicht weiter mit ansehen, wie wir von den Politikern und den Polizeipräsidenten aus Tostedt belogen werden.“

Schließlich darf dieser Satz nicht fehlen: „Wir möchten aber betonen, dass wir keine Rechten sind sondern ganz normale Bürger!“ Das ständige Herumreiten auf diesem Punkt ist so auffällig und blöd, dass es eigentlich auch dem Ahnungslosesten auffallen müsste. Es ist aber zu befürchten, dass die Strategie der Rechten einen gewissen Erfolg verzeichnen wird – vor allem weil die Alternative für Deutschland (AfD) und der rechte Flügel der CDU beim Thema Flüchtlinge im Prinzip die selbe Argumentation fahren, nämlich: mehr Flüchtlinge gleich mehr Kriminalität.

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3 Comments

  1. Hallo Leute ! Hallo Kristian!

    Gebt mal „PanEuropa -Nationale -Pantheisten- ein oder klickt sie oben im Kommentar an !
    Ihr werdet Euch wundern !! Aus meinerSicht wirbt dort die abgespaltete Faschistische und Ausländerfeindliche Sekte von Rechten Unterwanderte PEGIDA und stellt sich als neue Partei im Aufbau vor. Der Ausländerhasser „BACHMANN “ mit seinem HITLERGESICHT
    der die PEGIDA gespalten hat scheint auch dazu zu gehören!! Sollte sich dahinter auch die
    neue Interessengemeinschaft „Pro Tostedt“ v erbergen ??

    Klickt auch einmal ihre Inhaltlichen Vorstellungen an !

    Bekommen die Rechtspopulisten und Pegidafreunde der AFD Konkurernz !!?? Spaltet sich die AFD ??

    Kristian ist das ganze nicht einen eigenen Artikel wert ? Soll man so etwas verbreiten ??
    Ich bin mir unsicher ? Die bekommen wo möglich zulauf!

    Gruß Christian

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