Buchholzer Dialoge: Container fürs Wohnen – „Lassen Sie Architekten ran!“

Veröffentlicht: 2015-03-05 in Lokales, Politik
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Buchholzer Dialoge Grondke + ReferentBuchholz (hh) ­ – Wir kennen das von Schulhöfen und der grünen Wiese: Weiß lackierte Container als Klassenraum oder Flüchtlingsunterkunft meist mehr oder weniger fantasielos über- oder nebeneinander gestapelt in den öffentlichen Raum gestellt. Dass es auch anders geht, zeigte Han Slawik, Professor und Architekt aus Amsterdam bei der jüngsten Veranstaltung aus der Reihe Buchholzer Dialoge. Unter der Überschrift „Containerarchitektur“ referierte Skawik vor knapp 100 Zuhörern in der Empore über „die Leichtigkeit der Niederländer beim mobilen Wohnen und Bauen“.

Die Geschichte des Containers begann in den 60er Jahren. Zum ersten Mal setzte eine Firma namens Sealand Container im Güterverkehr ein. „Die Frachtcontainer revolutionierten das Transportwesen“, sagt Slawik. Stückgutfrachter wurden rasend schnell zu Altmetall, Containerschiffe zu den neuen Königen der Weltmeere. Als – im Wortsinn – Baustein wurden 20- und 40-Fuß-Container erst Mitte der 80er Jahre entdeckt.

Seine Maße hat der Container von der Straßenverkehrsordnung bekommen. „Der ist für die Straße ideal“, analysierte Slawik, „aber nicht unbedingt fürs Bauen.“ Zwar könnten bis zu acht Behälter übereinander gestapelt werden – statisch kein Problem. Doch sei „ein Stapel Container noch keine Architektur“. Davon kann sich auch heute noch jeder selbst überzeugen. Man braucht dafür nur mal bei den jüngst errichteten Unterkünften für Flüchtlinge vorbeizuschauen, etwa an der Bremer Straße.

Wie es besser gehen könnte, zeigte Slawik bereits Anfang des Jahrtausends in Hannover. Unter der Überschrift „Bed by Night“ wurden dort bunte Container für ein Straßenkinderprojekt aufgebaut. Der Clou dabei: Um die Behälter herum wurde eine Hülle errichtet. Die Anlage wird bis heute genutzt und geschätzt. Der nächste Schritt in der Evolution des Bausteins Container: Von dem Behälter bleibt nur noch der Rahmen, Wände können dann nach Bedarf gesetzt werden.

Das, so Slawik, ermögliche endlich auch die Konstruktion großer lichter Räume. Und schaffe Freiräume. Im Idealfall könnten künftige Bewohner ihre Wohncontainer sogar selbst ausbauen, so dass sie sich damit (stärker) identifizierten. Slawik sieht diese Rahmenbausweise denn auch als Zukunft des Containerbaus „wenn man an Wohnen denkt“.

Das schlechte Image von Containern – weiße Baubuden in Reihe und Stapeln in der städtischen Landschaft – ließe sich leicht verbessern, wenn seine Zunft, die Architekten, ins Spiel kämen. So seien farbige Container nicht teurer als die schlichten weißen Kisten. Überdies seien Container mobil. Werden sie an dem einen Ort nicht mehr gebraucht, könnten sie demontiert und am neuen Standort wieder aufgebaut werden. Dann rechne sich auch ein höherer Einstandspreis. Slawiks Bilanz: „Container sind mobil, demontierbar und flexibel. Lassen sie Architekten ran – die machen was Gutes draus.“

Die Buchholzer Dialoge werden am Sonnabend, 6. Juni, fortgesetzt. Die Initiatorin der Reihe, Stadtbaurätin Dois Grondke, und Spaziergangsfoscher Bertram Weishaar laden zum „Stadtspaziergang + Sommerworkshop – Auf der Suche nach urbanen Räumen in Buchholz“.

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