New York, Rio, Buchholz – PR-Grinsebacke soll die Nordheidestadt wachküssen

Von Kristian Stemmler

New York, Rio, Buchholz – dieser Slogan ist ja allgemein bekannt. Durchaus naheliegend also, dass ein neues Marketingkonzept, das für die Nordheide-Metropole derzeit in Planung ist, sich auch auf Hilfe aus New York stützen will. „Video für Buchholz aus New York“ überschreibt das Nordheide Wochenblatt einen Beitrag über diese Sensation. Taxifahrer aus der amerikanischen Weltstadt sollten die „Vorzüge“ von Buchholz preisen, heißt es da, wie das genau aussehen werde, sei aber noch nicht klar.

Im Ernst, lieber Leser, der eingangs erwähnte Slogan ist natürlich Quatsch, aber der Rest stimmt. Offenbar ist man bei den Verantwortlichen des vor einem Jahr gegründeten Stadtmarketingvereins jetzt endgültig größenwahnsinnig geworden. Jedenfalls klingt das, was über das ominöse neue Marketingkonzept für Buchholz im Wochenblatt steht, ganz danach. Und nicht nur die geplante Einbindung von New York lässt Schlimmes befürchten.

Eine PR-Grinsebacke namens Matthias Kuchel, der seine Firma ganz bescheiden „By Kuchel“ genannt hat, stellte seine Pläne küzlich zusammen mit Freddy Brühler vom Stadtmarketingverein im Verwaltungsausschuss vor. Dieser Ausschuss ist leider nicht öffentlich. Das Wochenblatt erfuhr aber immerhin, dass der VA weitere 20.000 Euro für die Umsetzung von Maßnahmen freigab. Die Stadt und der Verein hatten sich darauf geeinigt, für zunächst drei Jahre insgesamt jeweils 80.000 Euro in das Stadtmarketing zu investieren.

Substanzielles über das neue Konzept ist den Beiträgen des Wochenblattes auf den Seiten 1 und 3 nicht zu entnehmen. Das hält die Redaktion natürlich nicht davon ab, das Projekt hochzujubeln. So wird der FDP-Fraktionschef im Stadtrat, Arno Reglitzky, mit dem Satz zitiert, Kuchel sei „ein Querdenker mit erfrischenden Ansätzen“. Wenn Reglitzky einen Mann als Querdenker bezeichnet, ist höchste Vorsicht geboten!

Selbstverständlich darf sich auch Wolfgang Schnitter, Steuerberater in Buchholz und bis vor kurzem Vorsitzender des Stadtmarketingvereins, abendfüllend äußern. „Wir wollen mit einer gemeinsamen Strategie ein Wir-Gefühl in Buchholz schaffen“, deliriert er. Natürlich verbittet sich der Verein irgendwelche Kritik. „Wir müssen die Maßnahmen vorgeben können und dürfen sie nicht in endlosen Diskussion kleinreden“, diktiert der Steuerberater. Mit anderen Worten: Politik und Verwaltung sollen die Klappe halten!

Schnitter versäumt es natürlich nicht, der Verwaltung bei der Gelegenheit noch eins überzubraten. Jahrelang habe das städtische Marketing brach gelegen, behauptet er frech, und es sei Zeit, was Vernünftiges auf die Beine zu stellen. „Sonst würde man noch 27 Stadtspaziergänge machen.“ Das ist ein Seitenhieb auf die Stadtbaudezernentin Doris Grondke, den Kollege Oliver Sander natürlich genüsslich zitiert, steht doch Grondke auf der Abschussliste des Blattes.

Lieber Herr Schnitter, schreiben Sie sich folgendes mal hinter die Ohren. Doris Grondke hat es in der noch relativ kurzen Zeit, die sie in Buchholz ist, immerhin geschafft, mit dem ISEK und den „Buchholzer Dialogen“ einen Dialog über die Stadtentwicklung in Gang zu bringen und so etwas wie ein bisschen großstädtisches Flair in die Nordheide zu importieren. Dass Frau Grondke Ihnen und dem Wochenblatt nicht passt, ist klar, da sie ihre Aufgabe nicht darin sieht, Investoren und der Wirtschaft den roten Teppich auszurollen.

Jetzt mit New York anzukommen und sich über die „Stadtspaziergänge“ zu erheben, ist ebenso billig wie absurd. Fassen Sie sich als Wirtschaftsvertreter lieber mal an die eigene Nase! Wenn ich mir allein die unglaublich provinzielle, mit irgendwelchen Neuwagen von Köhnke oder sonstwem vollgestellte Buchholz Galerie ansehe oder den ebenso langweiligen wie spießigen Weihnachtsmarkt – dann kann ich nur sagen: Wo ist denn da bitte Profil, wo ist da Niveau? Und davon, dass das Gesicht der Innenstadt von Buchholz mit der Galerie und dem Volksbank-Gebäude gegenüber zerstört worden ist, will ich erst gar nicht reden.

Einziger Lichtblick im Moment: Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) ist offenbar noch nicht richtig überzeugt von dem neuen Konzept. „Das Konzept hat gute Ansätze, aber mir fehlt noch die Nachhaltigkeit“, zitiert ihn das Wochenblatt, „wir brauchen noch mehr Details, was wir für die 80.000 Euro im Jahr bekommen.“ Na, das ist ja frech, dass ein Politiker jetzt auch noch Gegenleistungen von der Wirtschaft fordert…

Advertisements

2 Comments

  1. Also Leute, um es vorweg zunehmen ich würde die 240 000.-Euro für drei Jahre “ QUERDENKEN MIT ERFRISCHENDEN ANSÄTZEN „, wie der FDP- Ratsherr, Arno Reglitzki, es formuliert, nicht ausgeben. Ich finde diese Formulierung umschreibt zu wenig Stadt-Marketing für soviel Geld welches Herr Kuchel aus dem Stadtsäckel bekommen soll.
    Warum hat eigentlich der Verein Stadtmarketing bisher nichts bewirkt Herr Schnitter?
    Sagen Sie nicht es fehlten 240 000.,Euro von der Stadt !!??
    Evt. könnten ja Aktivitäten der Geschäftsleute wie gleiche Öffnungszeiten , nicht jeder wie er lustig ist, auch Samstags /Markttag, Heiligabend und Sylvester die Lust in Buchholz einzukaufen, steigern.
    Könnte der Weihnachtsmarkt mehr Anziehungskraft haben und vielseitiger sein wenn die Standgebühren geringer wären.?
    Verkaufoffene Sonntage würden durch Kultur und Musikangebote – finanziert durch die Geschäftsleute-auch mehr Anziehungskraft haben. Es gibt sicher noch andere Punkte !!

    Ansonsten halte ich es für sinnvoll, dass die Buchholzer Bevölkerung einmal befragt wird, ob und wie sie es möchte in Zukunft mehr vermarktet zu werden.und sich Buchholzer Stadtmarketing vorstellt. Ich denke die Leute kaufen ja doch da wo sie preiswert kaufen
    können und vernünftige Waren bekommen !! Eine psychologische Beeinflussung brauchen sie nicht.

    Ich hoffe, Herr Röhse unser Bürgermeister bleibt weiter der Ansicht dieses Geld bei der Buchholzer Haushaltslage hierfür nicht auszugeben.Evt gibt es ja Mehrheiten dafür.

    Christian keunecke

    _____________________________________________________

    V E R A N S T A L T U N G S H I N W E I S

    AM M o n t a g , d e n 9. 3. 15 , 18. 00 U h r,

    BUCHHOLZ in der NORDHEIDE , Am EMPORETEICH / CITY CENTER

    M A H N W A C H E ZUM 4. JAHRESTAG der

    FUKUSHIMA— ATOMKATASTROPHE in JAPAN

    Veranstalter: Greenpeace Buchholz, BUND-Gruppe Buchholz, KLIMA-FORUM Buchholz,
    Friedensgruppe in der Nordheide

    Vorträge Infos Gedenken / ATOMKRAFT !! —- NEIN DANKE !

    _____________________________________________________________

    Kristian ich hoffe es ist auch in ´Deinem Sinne. Evt hast Du ja Zeit und kannst auch kommen für ein Foto und einen kleinen Bericht im Buchholz Express.

    Gruß Christian Keunecke

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s