Thema Flüchtlinge – Die Hysterie zieht Kreise: Brandstifter von Escheburg ein Nachbar +++ Und die AG Nordheide hetzt wieder

So hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge
So hetzt die AG Nordheide auf ihrer Homepage gegen Flüchtlinge

Von Kristian Stemmler

Die Agitation der Rechtspopulisten von Alternative für Deutschland (AfD) und der Pegida-Bewegung zeigt Wirkung. Im Ort Escheburg nahe Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) ist jetzt, wie Medien berichten, ein 38 Jahre alter Mann festgenommen worden, der in einem Haus Feuer gelegt hatte, das als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen war. Überführt wurde er durch DNA-Spuren an der Verschlusskappe des bei der Tat verwendeten Benzinkannisters und an einem abgebrannten Streichholz.

Es ist nicht der erste Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft oder ein als solches vorgesehenes Gebäude in den vergangenen Wochen – aber die Umstände des Falls erschrecken und alarmieren! „Ein Biedermann als Brandstifter“, titelt die Hamburger Morgenpost. Tatsächlich handelt es sich bei dem Täter um einen Familienvater (Frau, ein Kind), der in einer Doppelhaushälfte an einer ruhigen Straße der 3300-Seelen-Gemeinde Escheburg wohnt. Als er erfuhr, dass im benachbarten Doppelhaus Flüchtlinge untergebracht werden sollten, drehte der Mann durch.

Erst suchte er mit anderen Nachbarn zusammen den Bürgermeister auf, verfasste danach einen Wutbrief an den Bürgermeister und eine Wählergemeinschaft des Ortes. „Ich fordere Euch auf, Euch schützend vor uns Anwohner zu stellen!“, schrieb er, „solltet Ihr dazu nicht die Eier in der Hose haben – dann solltet Ihr zurücktreten.“ Vor der Wählergemeinschaft soll der Mann nach Informationen der Mopo die Flüchtlinge als „Verbrecher, Mörder und Vergewaltiger“ beschimpft haben. Er habe Angst um sein Kind.

An diesem Fall kann man gut erkennen, was die Hysteriesierung des Themas in der Öffentlichkeit und die Propaganda rechter und rechtspopulistischer Kreise auslösen kann. Schauen wir uns an, vor wem der Täter solche Angst hatte: In dem Nachbarhaus sollten sechs Iraker einziehen, in Worten: sechs! Menschen, die aus einem Land kommen, das westliche Mächte in den letzten Jahren ins Chaos gestürzt haben, in dem nur noch Krieg und Gewalt regieren. Menschen, die vermutlich ebenso harmlos wie schwer traumatisiert sind. Vor Verbrechen, Mord und Vergewaltigung sind diese Menschen geflohen.

Es war zu befürchten, dass angesichts steigender Flüchtlingszahlen das xenophobische Potenzial in der Bevölkerung wieder aktiviert wird. Daran haben nicht nur die Ausländerhasser von der AfD, von Pegida und Nazigruppen Schuld, sondern auch all die Vertreter bürgerlicher Parteien, von CSU, CDU und SPD, die meinen, man müsse „die Sorgen der Bevölkerung ernstnehmen“. Damit gibt man dem Affen Zucker! Wenn etwa CSU-Chef Horst Seehofer einen Wahlslogan der NPD übernimmt: „Wir sind nicht das Sozialamt der Welt!“, dann ist er mitverantwortlich für Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte.

Es gibt nur eine Antwort auf die Agitation und Gewalt gegen Flüchtlinge. Und zwar diese: Es geht nicht um die Sorgen deutscher Wohlstandsbürger, die Gefaren für ihre Kinder und ihre Grundstückspreise herbeifantasieren, es geht um die Sorgen der Flüchtlinge! Es ist unsere verdammte Pflicht, diese Menschen bei uns aufzunehmen, und das ist immer noch ein lächerlich kleiner Beitrag zur Lösung der humanitären Probleme auf der Welt, an deren Entstehung Deutschland seinen Anteil hat.

Der Landkreis Harburg ist bisher zum Glück von Gewalt gegen Asylbewerber verschont geblieben, aber Escheburg ist nicht weit – praktisch nur auf der anderen Elbseite. Und Proteste hat es im Landkreis ja leider auch schon gegeben bzw. es gibt sie nach wie vor. Natürlich haben auch die Buchholzer Nazis von der Aktionsgruppe (AG) Nordheide erkannt, dass sie die Ankündigung, dass im Landkreis Harburg in diesem Jahr noch mehr Flüchtlinge aufgenommen werden, zu neuer Hetze nutzen können.

Unter der Überschrift „Landkreis Harburg: Asylflut reißt nicht ab!“ wird die Nachricht, dass der Landkreis Harburg voraussichtlich in diesem Jahr etwa doppelt so viele Flüchtlinge aufnehmen wird wie im vorigen, propagandistisch ausgeschlachtet. In dem Beitrag auf der Homepage der AG ist natürlich nur von „Wirtschaftsflüchtlingen“ die Rede. Ein Argument der Nazis ist, dass die Steuerzahler für die Kosten der Unterbringung aufkommen müssen. Das zweite Argument ist die Behauptung, die Sicherheit im Landkreis werde „auf eine sehr große Probe gestellt“, da „bei der Masse an neuen Wirtschaftsflüchtlingen“ weiterhin die Straftaten steigen würden.

Wie zu erwarten war, wird auch der Messerangriff eines sudanesischen Flüchtling auf einen Landsmann in der Unterkunft in Hollenstedt noch angesprochen. „Dieses mal gab es zum Glück kein deutsches Opfer“ heißt es da zynisch. Der Beitrag schließt mit den Worten: „Wenn diese Asylflut so weiter geht, wird bald das deutsche Volk unter einem Trauma leiden müssen! Die Bevölkerung sollte endlich die wahren Fakten zu lesen bekommen und nicht mehr belogen werden.“

Diese Rhetorik ist nicht weit weg von AfD und Pegida. Und da sollte sich auch der hiesige Kreisverband der AfD überlegen, wem er nach dem Munde redet. Bisher ist es der Kreisverwaltung und der Polizei gelungen, durch ihren engagierten Einsatz die Proteste gegen Asylbewerberunterkünfte im Rahmen zu halten. Man kann nur hoffen, dass das so bleibt.

Wie berichtet, läuft zum Thema Flüchtlinge demnächst im Kino der Dokumentarfilm „Willkommen auf Deutsch“ an, der sich mit der Unterbringung von Asylbewerbern im Landkreis Harburg und den Protesten dagegen befasst. Im Buchholzer Kino Movieplexx Dehli-Center soll der Film ab dem 12. April (20 Uhr) gezeigt werden. „Willkommen auf Deutsch“ ist schon jetzt für das Schulkino buchbar (http://www.willkommen-auf-deutsch.de/). Aktuelleren und sinnvolleren Unterricht zu diesem Thema als das Vorführen dieses Films kann man sich kaum vorstellen.

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1 Comment

  1. Die Nazis von der rechtsfaschistischen AFD sind noch schlimmer als die imperialistische Nordheidespacken. Die tun nämlich keinem was und spacken nur rum. Die AFDler sind Nazis untem Tarnmantel und müssen entzaubert werden

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