Der Krieg in den Jobcentern – Wieder Mitarbeiter erstochen, diesmal in Rothenburg ob der Tauber

Veröffentlicht: 2014-12-03 in Politik
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Von Kristian Stemmler

Die systematische Ausgrenzung von immer mehr Menschen in diesem Land lässt den Druck im Kessel steigen, führt zu Aggressionen und wachsender Gewalt und immer wieder zu Explosionen an den Orten der Demütigung, den Jobcentern. Deren Mitarbeiter müssen die Folgen einer brutalen Segregationspolitik tragen!“ – Diese Zeilen habe ich Ende September 2012 geschrieben, als ein arbeitsloser Mann eine 32 Jahre alte Sachbearbeiterin eines Jobcenters in Neuss erstochen hatte und am 22. Dezember 2012 wiederholt, als ein 27-Jähriger in der Agentur für Arbeit in Harburg ausrastete und Security-Leute mit einer Eisenstange attackierte.

Jetzt ist es wieder passiert! In einem Jobcenter von Rothenburg ob der Tauber in Mittelfranken soll ein 28 Jahre alter Mann einen 61 Jahre alten Mitarbeiter der Behörde erstochen haben. Der Angreifer wurde überwältigt und festgenommen.

Es geht nicht darum, die Tat zu verharmlosen oder zu entschuldigen, denn natürlich hat es hier einen Unschuldigen getroffen, einen Mitarbeiter des Jobcenters, der nur das ausführt, was die Herrschenden ausgebrütet haben. Aber ich habe Verständnis für die Verzweiflung vieler ALG-II-Empfänger, die von den Jobcentern kontrolliert, gemaßregelt und sanktioniert werden. Womit Hartz-IV-Empfänger im ganzen Jahr auskommen müssen, von dem Geld pflastern Grundstückseigentümer in Bendestorf ihre Garagenauffahrt.

Die Gewalt in den Jobcentern ist die direkte Folge der Umverteilung von unten nach oben. Nur wenn es endlich gelingt, in dieser Gesellschaft für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen, wird die Eskalation der Gewalt zu stoppen sein. Andernfalls fliegt uns der Laden, wie bereits mehrfach im blog angemerkt, um die Ohren, uns allen.

Aber Ereignisse wie diese Bluttat sind ja nur noch eine Randnotiz – während der Tod des Mädchen Tugce A. einen unglaublichen Medienhype ausgelöst hat. Die Gewalttaten in Jobcentern sagt mindestens ebensoviel über die soziale Realität in diesem Land wie der Überfall eines jungen Mannes auf die Offenbacherin. Aber die Leute wollten Geschichten von Mut und Zivilcourage, die sie diese (ihre) Wirklichkeit vergessen lassen.

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Kommentare
  1. Ich verteidige mich ja nicht, sondern polemisiere nur ein wenig. Und das finde ich eigentlich ganz spaßig. Also, keine Angst, für die konstruktive Diskussion ist auch immer noch Platz.

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  2. In Bendestorf leben aber die Profiteure. Und übrigens: Als ob es irgendetwas mit Intelligenz zu tun hätte, ob jemand Kohle hat. Wenn ich mir die Vollpfosten ansehe, die z.T. in diesen Karren rumfahren. Diese Hartz-IV-Rechnungen, wie unglaublich viel jemand vom Staat bekommt, die kenne ich übrigens auch schon zur Genüge. Im übrigen kann jedermann und -frau gern hier im blog seine Meinung vertreten. Ich erlaube mir allerdings, wenn es gar zu blödsinnig wird und ich persönlich attackiert werde, entsprechend zu antworten.

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  3. Realistin sagt:

    @Kristian

    Mittlerweile empfinde ich es als absolut befremdend, dass sich hier die Kommentatoren über Dein Verhalten auslassen. Auch Dein, auf Verteidigung gestelltes, Kommentieren ist nicht für eine konstruktive Diskussion geeignet. Lasse Dich doch einfach nicht provozieren und versuche nur darauf einzugehen, was unmittelbar mit dem von Dir verfassten Artikel zu tun hat. Kennst Du den Spruch: wer sich verteidigt, klagt sich an? Tue den Leuten diesen Gefallen einfach nicht.

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  4. Nachteule sagt:

    Nun kommen Sie doch mal wieder runter Herr Stemmler. Sie klingen langsam, also wollten Sie in den Dschihad gegen Bendestorfer und SUV-Fahrer ziehen. Im Gegensatz zu Ihnen kann ich mir durchaus vorstellen, dass es in den genannten Personengruppen Leute gibt, die scheiße finden, was die Amis und Mutti Merkel tun. Was sollen diese dämlichen Feindbilder? Sie entwickeln in letzter Zeit einen erschreckenden Scheuklappen-Fanatismus und schreien hier jeden an, der nicht EXAKT Ihrer Meinung ist. Kritisieren und seine Meinung sagen ist doch wunderbar, aber deshalb muss man nicht einfach blindlings um sich schlagen.

    Und wo ist denn bitte schön ein Zusammenhang zwischen SUV-Fahrern und dem Sozialstaat? Ich finde diese Karren auch grottig, aber ich glaube nicht, dass es irgendeinem Hartz 4-Empfänger besser ginge, würde man sie verbieten.

    Überhaupt, diese ständige „Hartz 4-Weinerei“ geht mir gehörig auf den Sack! Mal eine kleine Rechnung – Faktencheck sozusagen: Man kann (wie ich aus dem Bekanntenkreis weiß) als Alleinstehender über 500,- im Monat für Miete und Heizkosten bekommen und weitere 400,- als „Taschengeld“. Dazu GEZ (17,-) und Krankenkasse (unter 150,- für den Normalbürger wohl kaum zu bekommen). Auch z.B. Zahn-Zusatzkosten, für die der Arbeitsmann ordentlich in die Tasche greifen muss, werden übrigens übernommen. Lassen wir letztere Peanuts mal beiseite, komme ich somit auf ca. 1070 Euro – und zwar sozusagen NETTO! Würde ich als Selbstständiger diese Summe (12.800,-/Jahr) verdienen, müsste ich noch 1000,- Euro Steuern drauf zahlen – so sieht´s aus (schauen Sie mal in http://www.grundtabelle.de/Grundtabelle-2013.pdf).

    Da gibt´s nun wirklich Schlimmeres und schon gar keine Rechtfertigung für Gewalt, erst recht nicht in diesem Maß. Sie jedoch scheinen schon wieder zumindest ein Mindestmaß an Anteilnahme für diesen „armen Messerstecher“ zu fühlen. Ach, eigentlich kann er ja gar nix dafür, diese schlimmen Umstände haben ihn dazu gebracht … ja, geht es noch?

    Sie müssen mal erkennen, dass es dem von Ihnen so gerne beschworenen Staat schlichtweg nicht möglich ist, alle seine Bürger mit einem Mindestmaß von Intelligenz auszustatten und dass sie daher auch nicht alle eine qualifizierte und damit gut bezahlte Arbeit bekommen können.

    Es ist ja vollkommen richtig, dass die Schere inzwischen bis zum Anschlag aufgerissen ist, aber Sie arbeiten sich hier an den falschen Feindbildern ab. Schauen Sie mal ins Handelsblatt, da können Sie jeden zweiten Tag lesen, wie Herr Draghi und Konsorten uns immer weiter in die Scheiße reiten und wie irgendwelche miesen Großkonzerne es wieder mal geschafft haben, mit 2 Euro fuffzich Steuern hinzukommen. Da spielt die Musik und nicht in Bendestorfer Garageneinfahrten.

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  5. Ihr begreift gar nichts, Ihr Konsumidioten! Lasst Euch ruhig weiter einlullen. Die Amis stürzen uns in den nächsten Weltkrieg und Ihr schaut zu!

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  6. Unbekannte sagt:

    Wenn doch alles so scheiße hier in diesem unseren schönen Land ist, warum bist du dann hier?????
    Es gibt bestimmt ne einsame Insel, die nur für dich gemacht ist und auf dich wartet!!! Dort gibt es dann auch nichts zu meckern und da kannst du dann deinen Staat gründen, wie er dir gefällt! Da musst du auch nicht mehr kotzen, wenn du die SUV siehst, die kannste dann alle verbieten und nur Tretautos zulassen. Vorausgesetzt, auf deiner Insel will einer leben!

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  7. Da ja in diesem Land Massen von Konsumidioten rumlaufen, die alles in sich reinfressen und alles hinnehmen, sehe ich mich gezwungen, Dinge zu kritisieren. Kollegen, die alles so wunderschön und toll finden, gibt es genug. Und zum Thema „Sozialstaat“ – wenn ich die ganzen Arschlöcher in ihren SUVs durch die Straßen kurven sehe, wird mir speiübel. Ihnen nicht? Dann ist das Ihr Problem.

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  8. Ich glaube, da haben Sie sich verrechnet. Aber sei’s drum. Nehmen Sie mal lieber eine Alleinerziehende mit einem Kind, da sieht es schon anders aus. Und was soll das heißen: fürs Nichtstun? Diese Scheißgesellschaft ist ja nicht in der Lage, jedem angemessene Arbeit mit angemessener Bezahlung zur Verfügung zu stellen.

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  9. unbekannt sagt:

    Ach was ich noch zufügen wollte:

    Eine Hartz 4 Familie (2 Erwachsene, 2 Kinder unter 18) bekommen 1335,- € im Monat plus Unterkunftskosten (welche natürlich im Verhältnis stehen muss, was nicht heißen soll, eine Bretterbude im Wald)

    Ich finde, für nichts tun und dass das Sozialgelder sind, ist das gar nicht so schlecht. Und man kann damit leben!

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  10. unbekannt sagt:

    Zitat: Stemmler
    Womit Hartz-IV-Empfänger im ganzen Jahr auskommen müssen, von dem Geld pflastern Grundstückseigentümer in Bendestorf ihre Garagenauffahrt.
    Zitatende.

    Und dürfen Sie das nicht? Oder soll er nur weil er das Glück oder die passende Ausbildung oder was auch immer hat, einen Job hat in Armut leben? Ich finde NEIN!!! Es ist schade, dass nicht alle einen Job haben, aber ich bin Realist und bezweifle ganz stark, dass es irgendwann den Zeitpunkt gibt, dass alle einen Job haben. Vielleicht zu DDR Zeiten wo man mehr oder weniger unproduktiv war.

    Aber als ein Mensch der selber von Hartz 4 lebt ist es einfach für diese Menschen eine Lanze zu brechen und zu sagen, dass System sei schuld, dass man so in Armut lebt. Vielleicht muss man sich ja auch fragen: Was kann ich für das System tun und nicht, was tut das System für mich. Es ist halt immer einfacher, die anderen zu beschuldigen als sich selbst. Was nicht heißen soll, man ist immer selber schuld an seiner eigenen Armut, Arbeitslosigkeit. Aber zu sagen, so ich bin jetzt Arbeitslos und ich will finanziell genauso gut dastehen, wie einer der mindestens 8 Stunden am Tag arbeitet und am besten noch einen hochdotierten Job hat. Das kann nicht funktionieren und wer soll das bezahlen. Hartz 4 ist dafür gedacht, dass man nicht verhungert und ein Dach über den Kopf hat und dass kann auch funktionieren. Nicht das man in Saus und Braus leben kann. Und Hartz 4 soll auch nur eine Notlösung sein, dass es leider Menschen gibt, die bis zu ihrem natürlichen Tod damit auskommen müssen ist traurig aber leider auch wahr.

    Letztendlich können wir noch froh sein, dass wir ein noch so gut funktionierendes Sozialsystem haben, es gibt Länder da ist das nicht so. Wenn man da nichts hat, muss man wirklich auf der Straße leben und aus der Gosse essen. Ich glaube, das will hier keiner!

    Auf jeden fall ist mir eins aufgefallen, Herr Stemmler, Sie sind nur an meckern, meckern, meckern. Scheint die Sonne: ist es zu heiß. Regnet es: ist es zu nass. Schneit es: ist es zu weiß. Ist Nebel: ist es zu trüb.

    Also ich muss schon sagen, Herr Stemmler, Sie machen den Ruf der Deutschen alle Ehre. Man sagt uns ja nach, wir sind ein Volk der Jammerlappen. Danke für Ihre Unterstützung

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