Wir fressen durch bis Weihnachten!

Veröffentlicht: 2014-11-18 in Analysen, Hintergründe, Politik
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Prospekt Aldi 2Von Kristian Stemmler

Dass Dominosteine und Spekulatius schon im Frühherbst in den Supermärkten auftauchen, daran haben wir uns gewöhnen müssen. Auch dass wir bereits Wochen vor dem Fest mit Werbung für Tablets, Notebooks, Konsolen und anderen potenziellen Geschenken zugeballert werden, ist nicht neu. Kaum möglich, diesen Hype noch zu steigern, sollte man denken – aber die Konsumgüterindustrie findet immer noch etwas Neues, um Kasse zu machen!

In diesem Jahr soll offenbar die große Fresserei schon lange vor dem Fest eröffnet werden, frei nach dem Motto: Wir fressen durch bis Weihnachten! Deutschlands größter Discounter Aldi schickte in der vergangenen Woche Prospekte in die Haushalte, auf deren Vorderseite ein Teller mit Gänsebraten und Rotkohl abgebildet war, also ein typisches Weihnachtsessen – und das ganze drei Wochen vor dem Beginn der Adventszeit. Perverser geht’s nicht!

Im Inneren des Prospektes sind die entsprechenden Angebote zu finden, die Keule von der jungen Hafermastgans für 7,29 Euro, dazu Bio-Apfel-Rotkohl, Rösti-Ecken, Semmelknödeln und die Flasche Vino Rosso della Puglia. Natürlich gibt es auf den benachbarten Seiten Angebote für Spielzeug, Mikrowellen, Fritteusen und was man sonst so verschenken kann. Um die Stimmung abzurunden werden auch noch Räuchermännchen, LED-Acrylsterne und Teelichtpyramiden feilgeboten.

Dem Ganzen setzt ein zusätzlicher kleiner Prospekt die Krone auf, in dem Aldi unter der Überschrift „Genuss pur“ die Delikatessen seiner Marke „Freihofer Gourmet“ anpreist. Da gibt es den Sockeye Wildlachs für 3,79 Euro für 100 Gramm, die Meersalzbutter (1,99 Euro die Packung), das Wolfsbarschfilet (5,99 Euro für 400 Gramm), den Garnelenkranz (3,99 Euro die Packung) und den Brunello di Montalcino (12,99 Euro die Flasche. Zu alldem werden auch noch passende Rezepte dargeboten.

Ehrlich gesagt, mir wird speiübel, wenn ich das sehe! Hier geht es offenbar nur noch darum, dass wir uns vollstopfen und dass ein angenehmes Umfeld fürs Konsumieren geschaffen wird. Der Gänsebraten auf der Vorderseite soll sicher nicht dazu anleiten, jetzt schon das Essen für Heiligabend zu besorgen, sondern ist als Signal gedacht: Es geht los! Fangt an zu feiern! Wir sollen uns auf Weihnachtsmärkten die Kante geben, auf Betriebsfeiern die Wampe vollhauen und vor allem kaufen, kaufen, kaufen.

In dieser Gesellschaft geht es doch in Wahrheit nur noch ums Fressen, Saufen und Abfeiern, die Masse lebt besinnungslos, traditions- und geschichtsvergessen vor sich hin. Wer weiß denn noch, dass die Adventszeit ursprünglich eine Fastenzeit ist, die der Vorbereitung auf die Weihnachtszeit, der inneren Einkehr dienen soll? Und wen würde das noch interessieren?

Das Gerede über die abendländischen Werte, die unbedingt verteidigt werden müssen, ist vor diesem Hintergrund doch nur hohl und verlogen. Was soll denn da bitte verteidigt werden? Die verkaufsoffenen Sonntage? Unser unveräußerliches Recht, in den nächsten Media Markt zu laufen, um den neuesten Flachbildfernseher zu kaufen?

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Kommentare
  1. Eben, lokale Berichterstattung muss auch sein, aber die spannenden Themen haben oft keinen lokalen Bezug, gehören aber auch in diesen blog.

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  2. Sie und andere. – Dass diese WElt vor die Hunde geht, ist doch gar nicht zu übersehen. Wachen Sie doch mal auf! Kriege und Krisen überall, der nächste Finanzcrash steht vor der Tür und so weiter, das sind doch finale Zuckungungen des Turbokapitalismus.

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  3. Mittelschichtler sagt:

    „Es ist ganz einfach: In diesem Land leben viele Menschen in sozialer Sicherheit. Die können natürlich oft nicht nachvollziehen, wie man sich über soziale Ungerechtigkeiten, über die Sauerei der Hartz-IV-Gesetzgebung u. ä. aufregen kann. Und die schlucken auch gern die Berichterstattung der bürgerlichen Medien z. B. in Sachen Russland.“

    Ja, es ist ganz einfach: In obiger Aussage finden sich vor allem Vorurteile made by Stemmler – mehr ist es nicht. Auch Sie konstruieren sich Ihre Welt, wie sie Ihnen gefällt. Und das ist nun meine Sicht der Dinge.

    „ARgumentieren Sie doch mal inhaltlich! Sie finden den Konsumrummel vorm Fest normal???“

    Ich weiß nicht, ob Sie damit mich meinen, das lässt sich nicht eindeutig festmachen.

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  4. "Gans" merkwürdig ... sagt:

    Schon komisch, da möchte jemand lieber über die regionalen Themen berichtet wissen, aber alle kotzen sich über den Beitrag „Wir fressen durch bis Weihnachten“ aus, aber zum Artikel „Hell, freundlich, modern – neue Turnhalle an die Mühlenschule übergeben“ kein Sterbenswörtchen … sprich NULL Anmerkung. Nun gut, sonne olle Turnhalle polarisiert halt nicht genug. Ich denke hier müssen sich einige Kommentatoren mal an die eigene Nase fassen.

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  5. ARgumentieren Sie doch mal inhaltlich! Sie finden den Konsumrummel vorm Fest normal???

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  6. Es ist ganz einfach: In diesem Land leben viele Menschen in sozialer Sicherheit. Die können natürlich oft nicht nachvollziehen, wie man sich über soziale Ungerechtigkeiten, über die Sauerei der Hartz-IV-Gesetzgebung u. ä. aufregen kann. Und die schlucken auch gern die Berichterstattung der bürgerlichen Medien z. B. in Sachen Russland.

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  7. Mittelschichtler sagt:

    „Dass man in der Mittelschicht, mit DHH und Familienvan in der Rückhand und Aussicht auf zwei Fernreisen im Jahr, nicht nachvollziehen kann, dass jemand sich so über die Verhältnisse aufregt, ist klar… Allein das Phänomen, wie die bürgerlichen Medien eine Treibjagd auf Putin veranstalten und wir in Europa auf einen neuen kalten oder sogar heißen Krieg zutreiben, müssten einen doch zur Verzweifelung treiben.“

    Manche Dinge werden nicht richtiger, nur weil man sie ständig wiederholt. Die obigen Sätze sind einfach nur plump, stehen in keinem Zusammenhang…
    Ich möchte diesen Blog gerne ernst nehmen, weil ich es begrüße, dass lokale Themen aufgegriffen werden. Aber obige Kommentare erschweren es mir doch sehr.

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  8. Mag sein, Martin, dass es auch um eine Martinsgans gehen sollte, aber das Umfeld ist nun mal ganz und gar weihnachtlich in dem Prospekt. Und das Martinsfest rechtfertigt ja auch nicht das ausgiebige Anpreisen von Delikatessen in dem anderen Prospekt. Und was das Auskotzen angeht, ist mir klar, dass dieser polemische Stil in bürgerlichen Kreisen nicht gut ankommt – da hält man es eher mit der SZ, der Zeit und FAZ. Ich halte es mit einer deutlicheren Sprache, die auch Emotionen erkennen lässt. Dass man in der Mittelschicht, mit DHH und Familienvan in der Rückhand und Aussicht auf zwei Fernreisen im Jahr, nicht nachvollziehen kann, dass jemand sich so über die Verhältnisse aufregt, ist klar… Allein das Phänomen, wie die bürgerlichen Medien eine Treibjagd auf Putin veranstalten und wir in Europa auf einen neuen kalten oder sogar heißen Krieg zutreiben, müssten einen doch zur Verzweifelung treiben.

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  9. Martin ohne Gans sagt:

    „… also ein typisches Weihnachtsessen“ – Naja Kristian, mit etwas mehr Wohlwollen würde das tote Tier vielleicht auch als Martinsgans (11.11.) durchgehen (s.u. wikipedia). Aber Wohlwollen (und Objektivität) scheint Dir in Deinem blog mittlerweile gänzlich abhanden gekommen zu sein. Du kotzt Dich ja nur noch selbst aus – schade auch, so wird aus dem blog nie etwas wirklich Journalistisches!

    „Martinsgans

    Martinigans mit Rotkohl und Serviettenknödel
    Als Brauch ist heute vor allem das traditionelle Martinsgansessen (in Österreich auch Martinigans oder Martinigansl genannt) verbreitet. Gern wird erzählt, dass es seinen Ursprung in einer Legende über Martins Leben habe: Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. Asketisch und bescheiden, wie er sein Leben führte, hielt er sich unwürdig für solch ein hohes Amt und habe sich deshalb in einem Gänsestall versteckt. Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte. Nach einer anderen Erzählung griffen die Bürger von Tours zu einer List: Ein Rusticus (Bauer) sei zu Martins Versteck gegangen und habe diesen gebeten, seine kranke Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, habe er seine Sachen genommen und den Rusticus nach Hause begleitet. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus – als habe er eine Zeit lang in einem Gänsestall gelebt. Eine weitere Geschichte besagt, dass eine schnatternde Gänseschar in den Kirchraum gewatschelt sei und dabei Bischof Martin bei seiner Predigt unterbrochen habe. Sie sei gefangen genommen und zu einer Mahlzeit verarbeitet worden.

    Ein historischer Erklärungsversuch der Gänselegende geht davon aus, dass in Zeiten des Lehnswesens eine am Martinstag fällige Lehnspflicht, eine Abgabe namens Martinsschoß, der Ursprung war.[2] Da diese häufig aus einer Gans bestand, bildete sich die Bezeichnung Martinsgans heraus, und weil der Martinstag traditionell mit einer Kirmes oder einem Tanzmusikabend gefeiert wurde, bot es sich an, die Gans zum Festessen zu machen und an diesem Abend festlich zu verspeisen.[3]

    Traditionell wird die Gans in Deutschland mit Rotkohl und Semmelknödeln oder Kartoffelklößen gegessen“

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