Gedicht der Woche

Der alte Kettenhund

Ich bin allein, es ist schon Nacht und stille wird’s im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht, dort ruht mein Herr sich aus.

Er liegt im warmen Federbett, deckt bis ans Ohr sich zu,
und ich auf meinem harten Bett bewache seine Ruh.

Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,
der Wind aus Ost weht kalt,
die Kälte ins Gebein mir kriecht,
ich bin ja auch schon alt.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,
mein Winseln niemand hört,
und wüsst mein Herr auch, was mir fehlt,
er wird nicht gern gestört.

Die Nacht ist lang,
zum zehnten Mal leck‘ ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich jüngst versteckt,
den grub ich längst schon aus.

Die Kette, die schon oft geflickt,
sie reibt den Hals mir bloß.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück und nie werd‘ ich sie los.

Was Freiheit ist, das lern ich nie,
doch weiß ich, ich bin treu.

(Verfasser unbekannt, gefunden auf http://www.dobermann-nothilfe.de)

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6 Comments

  1. Bürgerlich ist das ja wohl auf jeden Fall und gesicherte Verhältnisse sind das auch. Darum ging es hier. Mir reicht diese Selbstgefälligkeit von Mittelschichtlern, die andere Menschen, die nicht wissen, woher sie morgen das Geld nehmen sollen, zu mehr „Selbstverantwortung“ auffordern.

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  2. Manchmal trügt die Erinnerung. Ein Blick in Wikipedia hätte gezeigt:
    Albert Schweitzer wurde in einem Pfarrhaus geboren.

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  3. Was soll mir Ihr Kommentar sagen,Herr Stemmler?
    Leute, die nicht aus einer großbürgerlichen Familie stammen, haben kein Recht auf diesen Anspruch? Kein Recht auf Selbstbestimmtheit? Kein Recht und auch nicht die Pflicht zur Selbstverantwortung?

    Schade, das wäre eine vortreffliche Gelegenheit über einen Diskurs über den Begriff der Ehre – und im Vorgriff auf Ihre kommende Argumentation: Sogar der Sozialismus kannte die Arbeiterehre. Aber wie schrieben Sie an anderer Stelle:
    „Manchmal ist ein Diskurs nicht angezeigt und auch nicht zielführend.“

    Nun sollten wir über Ihre Ziele nachdenken…

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  4. Ich will unter keinen Umständen ein Allerweltsmensch sein.
    Ich habe ein Recht darauf, aus dem Rahmen zu fallen – wenn ich es kann.
    Ich wünsche mir Chancen, nicht Sicherheiten.
    Ich will kein ausgehaltener Bürger sein, gedemütigt und abgestumpft, weil der Staat für mich sorgt.
    Ich will dem Risiko begegnen, mich nach etwas sehen und es verwirklichen, Schiffbruch erleiden und Erfolge haben.
    Ich lehne es ab, mir den eigenen Antrieb mit einem Trinkgeld abkaufen zu lassen.
    Lieber will ich den Schwierigkeiten des Lebens entgegentreten, als ein gesichertes Dasein führen; lieber die gespannte Erregung des eigenen Erfolgs, statt die dumpfe Ruhe Utopiens.
    Ich will weder meine Freiheit gegen Wohltaten hergeben, noch meine Menschenwürde gegen milde Gaben.
    Ich habe gelernt, selbst für mich zu denken und zu handeln, der Welt gerade ins Gesicht zu sehen und zu bekennen, dies ist mein Werk.
    Das alles ist gemeint, wenn wir sagen:

    Ich bin ein freier Mensch!

    (Albert Schweitzer, 1875 – 1965)

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