Abschied von Wilfried Geiger – der „Neue“ bekam schon mal die Bürgermeisterkette

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Von Kristian Stemmler

Seinen markanten grammatikalischen Fehler hat er bis zum Schluss nicht abgelegt, wie in seiner Dankesrede deutlich wurde. Mit seiner Sekretärin Ramona Schlüter habe er in den acht Jahren als Bürgermeister mehr Zeit zugebracht „wie mit meiner Frau“, erklärte Wilfried Geiger in der Rathauskantine, wurde aber diesmal von einem Zuhörer korrigiert: „Es heißt: als.“ Das Publikum nahm’s mit Humor. Rund 250 Buchholzer und Vertreter des Landkreises waren heute gegen mittag gekommen, um Geiger, der am 1. November von Jan-Hendrik Röhse abgelöst wird, Lebewohl zu sagen.

Auch wenn durchaus einige „funktionslose“ Bürger zum Frühschoppen mit Bier und Bratwurst erschienen waren, in der Mehrheit sah man die bekannten Gesichter. Viele Ratsmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter wie Stadtbaudezernentin Doris Grondke, Vertreter von Sportvereinen, der Kultur, der Wirtschaft, der Chef des Tierschutzvereins, der Stadtwerke, der Empore, Landrat Rainer Rempe, sein Stellvertreter Heiner Schönecke etc. pp. Bei solchen Gelegenheiten stellt man immer wieder fest, dass Buchholz doch ein Dorf ist, zumindest was die handelnden Personen angeht.

In seiner Dankesrede bemühte sich Geiger nach Politikerart, keinen zu vergessen, hob einige Personen und Organisationen aber gezielt hervor. So dankte er Heiner Schönecke dafür, „dass er in Hannover viele Türen für Buchholz aufgemacht“ hätte. Auch seine Sekretärin bekam ein Sonderlob: „Frau Schlüter war mein Libero, sie hat dafür gesorgt, dass ich zur rechten Zeit am rechten Ort war und nicht in größere Fettnäpfchen getreten bin.“ Das „Mädchen für alles“ Birgit Diekhöner, die auch diesen Abschied organisiert hatte, bekam von ihrem scheidenden Chef einen Blumenstrauß.

Natürlich vergaß Geiger auch nicht, die unterschiedlichen Bereiche gesellschaftlichen Lebens zu erwähnen. Kunst und Kultur seien für das Buchholzer Leben ebenso wichtig wie die Sportvereine, die Kirchen und die Hilfs- und Rettungsdienste. Ganz besonders dankte er den Männern und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Buchholz, die „eine ganze Menge an Entbehrungen“ auf sich nehmen würden, um Menschen in Not zur Hilfe zu kommen. Auch zu diesem Frühschoppen war die FF übrigens angerückt, um das Catering zu besorgen.

Einen kleinen Seitenhieb gab es für den Stadtrat. Er wünsche sich, „dass der Rat noch weiter zusammenwächst“, bekannte Geiger, und dass er sein Handeln noch öfter an Visionen ausrichte. Dieser Hinweis war vermutlich auch dem Umstand geschuldet, dass die Parteien, denen Geiger nahesteht, CDU und FDP, seit der letzten Kommunalwahl im Rat in der Minderheit sind. Aber immerhin gaben Vertreter aller Fraktionen dem scheidenden Rathauschef heute die Ehre.

„Gehen zu müssen, gehen zu wollen“ falle ihm doch schwer, bekannte Geiger. Beim Gottesdienst in St. Paulus vor dem Frühschoppen, bei dem es zugleich noch eine Taufe gab, sei ihm wieder klar geworden, „dass es im Leben immer einen Anfang und ein Ende gibt – so ist das im Leben“. Er wolle „jungen, dynamischen Menschen“ jetzt das Feld überlassen. In den acht Jahren seiner Amtszeit habe er sehr viel für Buchholz gearbeitet, seine Familie doch eher selten gesehen.

Damit nahm Geiger auf die Begründung Bezug, mit der er im November 2013 seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt hatte. „Ich bin seit fast 45 Jahren im Dienst, seit fast sieben Jahren als Bürgermeister, das ist eine Stressnummer, bei der ich in letzter Zeit merke, dass das Abschalten zu Hause nicht mehr so einfach ist“, hatte er damals erklärt. Buchholz brauche keinen über 60-jährigen, sondern einen jüngeren Bürgermeister. Ausschlaggebender Grund für seinen Verzicht war aber womöglich eher, so wurde spekuliert, dass die CDU eine erneute Kandidatur nicht mittragen wollte.

Wie dem auch sei, dass Geiger umtriebig war, lässt sich nicht bestreiten. Nur ob seine Vorstellungen, wie das Wachstum einer Kommune auszusehen hat, noch modern und zeitgemäß sind, lässt sich zumindest bezweifeln. In seiner Dankesrede durfte der Hinweis nicht fehlen, dass Buchholz gut aufgestellt sei. Aber hinter diese Feststellung kann man ein Fragezeichen setzen, wenn man etwa auf die ungelösten Verkehrsprobleme oder die Hypothek GE III schaut. Und ob die Buchholz Galerie, deren Bau Geiger als Pluspunkt sieht, wirklich so erfolgreich ist, sei ebenso dahingestellt – das Center ist jedenfalls oft ganz schön menschenleer.

Vermutlich wird sich erst im Abstand, also in einigen Jahren, wirklich erkennen lassen, ob Wilfried Geiger wirklich ein guter Bürgermeister war. Jetzt liegt das Augenmerk erst mal auf seinem Nachfolger Jan-Hendrik Röhse (CDU). Der hat als Erster Stadtrat und Schuldezernent nicht immer ein glückliches Händchen gehabt. Intellektuelle Schärfe und Managementfähigkeiten sind ihm nicht abzusprechen, aber festzustellen ist auch ein gewisser Hang zu rechtspositivistischem Auftreten, um das mal so zu nennen. Röhse ist aber zuzutrauen, dass er den Juristen in sich zurückdrängt und zum Politiker und Stadtoberhaupt reift.

Wohin mit ihm die Reise inhaltlich geht, da hat er sich bisher ziemlich bedeckt gehalten. Auch heute mittag begnügte er sich mit einem kurzem Statement, zumal sein Vorgänger gebeten hatte, auf Redebeiträge zu verzichten. Geiger hinterlasse ihm „ein gut aufgestelltes Rathaus, was mir den Einstieg leichter macht“, so erklärte er. Symbolisch überreichte der Noch-Bürgermeister seinem Nachfolger die Amtskette. Die Stadt ist zweifellos im Umbruch – man darf gespannt sein!

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