Die AfD im Landkreis Harburg – Rechtspopulistische Stammtischtruppe trappelt mit den Hufen

Veröffentlicht: 2014-09-30 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Eigentlich sollte man über diese Truppe kein Wort verlieren. Aber da sie im Osten zuletzt bereits zweistellige Ergebnisse eingefahren haben und über kurz oder lang mit ihrem Auftreten in westdeutschen Parlamenten zu rechnen ist, muss man sich wohl oder übel mit der Alternative für Deutschland (AfD) befassen. Zumal die lokalen Vertreter, angespornt durch die aktuellen Erfolge, im Landkreis gehörig mit den Hufen trappeln und davon auszugehen ist, dass die AfD im nächsten Stadtrat von Buchholz und im nächsten Kreistag vertreten sein wird. Lieber jetzt darüber reden, als später überrascht sein!

Bisher versucht man in der großen Politik und in den bürgerlichen Medien die Tatsache kleinzureden, dass mit der AfD die lang erwartete rechtspopulistische Partei entstanden ist. Jahrelang wurde immer wieder verkündet, die deutsche Demokratie sei stabil, in Deutschland werde es keine nennenswerte rechtspopulistische Strömung in den Parlamenten geben – was natürlich vor allem ein Pfeifen im Walde war.

Tatsächlich mühen sich die AfD und ihr Vortänzer, der Winsener Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke, nach Kräften, dem Vorwurf des Rechtspopulismus zu begegnen. Aber auch wenn man sich zahmer gibt als etwa Marine Le Pen und ihre Front National in Frankreich oder Geert Wilders und seine Parij voor de Vrijheid, ist doch unübersehbar, dass die AfD zunehmend die Stimmen der Unzufriedenen und Zu-Kurz-Gekommenen einsammelt. Also die Stimmen derjenigen, die für xenophobische Stimmungen anfällig sind.

In den vergangenen Jahren sind diese Stimmungen durch eine Drosselung der Zahl der Asylbewerber niedergehalten worden. Aber in diesen Monaten, in denen nicht zuletzt dank westlicher Politik weltweit Krisen eskalieren und Kriege toben und immer mehr Flüchtlinge bei uns Schutz suchen, kommt das Alles wieder hoch. Denn auch wenn die Medien etwas anderes vermitteln – Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus sind tief verankert in dieser Gesellschaft.

Die Debatte um das Buch von Thilo Sarrazin hat das gezeigt, und die Langzeituntersuchung zur „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“ des Bielefelder Forschers Wilhelm Heitmeyer belegt es seit Jahren. Dabei fand man zum Beispiel heraus, dass zuletzt 12,6 Prozent der Befragten die Auffassung vertraten, dass die Weißen zu Recht führend in der Welt seien, und 15,6 Prozent meinten, die Juden hätten zu viel Einfluss in Deutschland. 54,7 Prozent der Befragten äußerten die Ansicht, dass zu viele Ausländer in Deutschland leben würden – also mehr als die Hälfte! – und 29,7 Prozent unterschrieben, es sei richtig, Ausländer zurückzuschicken, wenn die Arbeitsplätze knapp würden.

Man sieht, die AfD hat ein reiches Reservoir und das auch im Landkreis Harburg. Die Aktiven der AfD wissen, wie man Ressentiments bedient und weckt. Ihr Kreisvorsitzender Jens Krause vermischte zuletzt zum Beispiel geschickt alte anti-kommunistische Reflexe mit den Ängsten vor einem verstärkten Zustrom von Flüchtlingen. Über das Nordheide Wochenblatt attackierte er die antifaschistische Begegnungsstätte Heideruh in Holm-Seppensen. Zwar warfen sich sofort die Redaktion selbst und zahlreiche Leser per Leserbrief für Heideruh in die Bresche, aber Krause hatte sein Ziel erreicht, eine Debatte vom Zaun zu brechen.

Das Wochenblatt raunte gar von einer „Extremismusdebatte“, zumal in Buchholz eine Schrift von „Anonymen FDGO-Verteidigern Buchholz i. d. N.“ kursiere, in der eine angebliche Kooperation von Heidruh und der Stadt Buchholz beklagt wird. Nun, der Begriff Extremismusdebatte ist ein bisschen viel der intellektuellen Ehre sowohl für die AfD als auch für das politisch doch eher provinzielle Buchholz. Aber man sieht an diesen Diskussionen immerhin, dass sich die Braunen und Bräunlichen in der Region offenbar tummeln.

Wie gesagt, die AfD-Kader operieren dabei ganz geschickt, gern nach der Devise „Man wird ja wohl noch mal fragen dürfen“. Der im Kreisvorstand für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Hans-Jürgen Bletz etwa nutzt diese Technik in Leserbriefen im Wochenblatt oder in Kommentaren in diesem blog. Die Fragen enthalten dabei meist implizit waghalsige Tatsachenbehauptungen oder suggerieren Halbwahrheiten: „Wieso sind unter den Flüchtlingen eigentlich so viele junge Männer?“ – so zum Beispiel.

Der designierte Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse (CDU) hat sich zuletzt in erfrischender Deutlichkeit von der AfD distanziert. Ob ihm die ganze Rathausfraktion der Union darin folgt, bleibt aber abzuwarten – vor allem, wenn die AfD 2016 Vertreter in den Rat entsendet und diese womöglich das Zünglein an der Waage sind…

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Kommentare
  1. …von wem jetzt: Landesamt für Verfassungsschutz? Dass da Geld geflossen ist, kann ich mir jedenfalls auch vorstellen.

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  2. Paule sagt:

    @kristian: weißt du wieviel kohle die fdgo für ihre volksverhetzung kriegen?

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  3. Realistin sagt:

    Laut Forsaumfrage vom Sonntag ist der Zulauf zur AfD wohl rückläufig, was ich nur begrüßen kann. Nach der Anfrage über „Heideruh“. Dabei muss ich zugeben, dass mir die linken politischen Gruppierungen wesentlich näher stehen als die rechtsdenkende AfD.

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  4. Sorgen Sie mal lieber dafür, dass die Anonymen FDGO-Verteidiger nicht für teures Geld einen solchen Schwachsinn verbreiten…

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  5. FreeScotland! sagt:

    Mensch Mr. Stemmler! Das soll der einzige Kommentar sein? Oder ist der Rest genauso pro Stammtischtruppe und wurde wegzensiert? Für einen linken „Demokraten“ ja ein alltäglicher Vorgang. Nur Mut, alles wird gut!

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  6. Anonymous sagt:

    Kommen Sie mal weg vom dumpfen Gebashe und Gesalber über rechte Spacker, die sich irgendwo einschleichen. Worum es wirklich geht ist, dass es bei CDU, SPD und Grünen Konsens ist, dieses Szenario alternativlos zu unterstützen:

    „Die EZB will für ihr neues Wertpapier-Ankaufprogramm bis zu eine Billion Euro in die Hand nehmen.“

    http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/geldpolitik/-liveticker-ezb-ezb-kauft-jetzt-auch-ramschpapiere/10787668.html

    Wie kann man da auf Euro-Fanboy machen und bei den gleichheschalteten Medien abschreiben?

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