Fahrradschutzstreifen: Geiger hält sie für sinnvoll

Jetzt greift auch der scheidende Bürgermeister Wilfried Geiger in die Diskussion um das Thema Fahrradschutzstreifen ein. In einer ausführlichen Presseerklärung legt er sich für die umstrittenen Streifen ins Zeug. Was den Schutzstreifen an der Bremer Straße angeht, betont Geiger, dass er im Gegensatz zur Mehrheit des Verwaltungsausschusses keine Möglichkeit sieht, den Gehweg für den Radverkehr als zweite Option freizugeben. Hier die Pressemitteilung im Wortlaut:

Das Thema Radfahrschutzstreifen beschäftigt die Buchholzerinnen und Buchholzer. Auf den Leserbriefseiten von Zeitungen wird das Für und Wider debattiert, in Web-Blogs über Sinn und Unsinn der Regelung geschrieben. Während die Gegner von Fahrradstreifen in diesem Angebot eine Gefährdung für Radler sehen, ist der Streifen für seine Befürworter das genaue Gegenteil, ein Zuwachs an Sicherheit für Radfahrer. Ob Radweg, Fahrradschutzstreifen oder -straßen – „diese Wege müssen für Radfahrer sicher sein. Tatsächlich, rechtlich und gefühlt“, sagt Bürgermeister Wilfried Geiger. Wie sicher sind also Radfahrschutzstreifen?

In der Verkehrswissenschaft ist man sich in dieser Frage offenbar weitgehend einig. So kommen verschiedene Studien, etwa die der Bundesanstalt für Straßenwesen, zu dem Ergebniss, dass Fahrradschutzstreifen tatsächlich sicher sind. Auch in Baden-Württemberg zeigt ein Modellprojekt, das von der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) mit finanzieller Unterstützung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg und wissenschaftlicher Begleitung durch das Aachener Verkehrsingenieurbüro SVK erarbeitet wurde, eindeutige Ergebnisse.

Danach würden Fahrradfahrer mit größeren Sicherheitsabständen überholt; die Sicherheitsabstände der Radfahrer zum Bordstein und zu parkenden Fahrzeugen vergrößerten sich; der Radverkehr sei besser an Knotenpunkten und Einmündungen erkennbar; es gebe weniger Konflikte zwischen Fußgängern, Fahrradfahrern und Kraftfahrzeugen.

Rechtlich regelt die Straßenverkehrsordnung, dass Fahrradfahrer grundsätzlich auf die Straße gehören. Ausnahmen bestätigen diese Regel: Kinder müssen bis zum vollendeten achten Lebensjahr den Gehweg nutzen, wenn sie mit dem Rad unterwegs sind. Bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres dürfen sie den Gehweg befahren. So betrachtet, sind Fahrradschutzstreifen, wie es sie in Buchholz derzeit in der Schützenstraße sowie in der Bremer Straße gibt, also etwas wie Sicherheitszonen für Radfahrer.

Gefühlt stellt sich das für manche Radfahrer allerdings immer noch anders dar. Trotz Unfällen wie jüngst in Jesteburg und Buchholz. In Jesteburg war eine Radfahrerin auf einem Radweg an einer Einmündung von einem Auto erfasst worden. In Buchholz stieß erst Anfang August ein Radler auf dem Radweg an der Bremer Straße mit einem Auto zusammen. Nach Polizeiangaben sei der Mann gegen die Fahrtrichtung auf dem Gehweg gefahren und habe den Fahrradschutzstreifen auf der rechten Fahrbahnseite nicht genutzt.

„Wir müssen die Menschen mitnehmen, ihnen verständlich machen, dass Maßnahmen wie der Schutzstreifen sinnvoll sind“, sagt Bürgermeister Geiger. Zumal der Fahrradverkehr ständig an Bedeutung gewinne. Auch wenn in den vergangenen Jahren rund eine Million Euro in den Radverkehr investiert worden sei, räumt Geiger „erheblichen Nachholbedarf“ ein. Dem werde die Stadt aber begegnen.

„Wir erarbeiten derzeit ein Radverkehrskonzept, das wir im Herbst vorstellen wollen“, sagt Geiger. „Danach werden wir hoffentlich die Verbesserungen für Radfahrer nicht wieder an den am höchsten belasteten Straßen umsetzen, sondern Abschnitte wählen, auf denen sich Radfahrer gleich sicherer fühlen.“ Dann, ist Geiger überzeugt, würden die Buchholzerinnen und Buchholzer die Vorteile von Fahrradschutzstreifen schätzen lernen.

Bis zum Herbst sollen auch die rechtlichen Fragen in Sachen Radfahren auf dem Gehweg an der Bremer Straße abschließend geklärt sein. Vor der Sommerpause hatte der Verwaltungsausschuss beschlossen, diesen für jene Radfahrer wieder freizugeben, die den Schutzstreifen aus Unsicherheit nicht nutzen wollen. Demgegenüber vertritt die Verwaltung die Auffassung, dass die Benutzung von Fahrradschutzstreifen grundsätzlich verpflichtend, die Freigabe von Gehwegen in diesen Fällen nicht möglich sei. Unabhängig von Rechts- und damit auch von Versicherungsfragen ergebe aus Rathaussicht eine Regelung freilich nur dann Sinn, wenn sie eindeutig sei und von allen auch entsprechend verstanden und gelebt werde.

„Diese Fragen werden wir während der Sommerpause beantworten“, sagt das Stadtoberhaupt und betont: „Ich wünsche mir ein gutes Nebeneinander aller Verkehrsträger, deshalb sind Verbesserungen für den Radverkehr so wichtig.“ (hh)

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