Zwischenruf zur WM – Spielt gut Fußball, aber verkauft uns nicht für dumm!

Von Kristian Stemmler

Nur noch wenige Tage bis zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Die Fußballfans fiebern dem Ereignis entgegen und das zu recht. Eine WM ist natürlich ein besonderes Ereignis, mit tollem Fußball am laufenden Band, viel Spannung, großer Dramatik. Aber auch wenn man sich auf die Spiele freut, sollte das kein Grund sein, den kritischen Verstand auszuschalten – und zu vergessen, dass die Fußballweltmeisterschaft auch ein riesiger Kommerzzirkus ist.

Dass der brasilianische Staat Milliarden für die WM ausgibt, während etwa für Bildung zu wenig Geld da ist und Millionen dort in bitterer Armut leben, ist die bittere Kehrseite eines solchen Events. Diejenigen, die unten auf dem grünen Rasen gegen den Ball kicken, betrifft das allerdings weniger, denn sie haben in der Regel mit ihren Ballkünsten schon Millionen verdient. Die Stars der deutschen Nationalmannschaft machen da keine Ausnahme.

Ihren Ruhm, der im Grunde ja nur ein Ergebnis der Begeisterung ihrer Fans ist, beuten sie natürlich gern noch weiter aus, wie man jeden Tag im Fernsehen beobachten kann. Im Vorfeld der WM werden die Zuschauer mit Werbespots bombardiert, in denen die WM selbst und/oder deutsche Nationalspieler eine Rolle spielen. Da wird etwa für Genussmittel geworben, die nicht gerade für einen gesunden Lebensstil stehen: Bastian Schweinsteiger knabbert Chips vor der Kamera, Manuel Neuer wirbt für Coca Cola, die ganze Elf für Bitburger.

Auch die beiden anderen Produkte, für die die ganze Nationalmannschaft als Werbeträger herhält, kann man kritisch sehen. Ausgerechnet für die Commerzbank zu werben, die mit hunderten Millionen Steuergeld gerettet werden musste, ist schon peinlich genug. Aber das ein Team, das auf die Rückendeckung der gesamten Bevölkerung Wert legt, auch noch für Mercedes wirbt, ist noch erheblich schlimmer. Mercedes steht wie keine andere Marke für Luxus und Reichtum, ein Großteil der Fußballfans können sich die Fahrzeuge mit dem Stern sicher nicht leisten.

Da zeigt sich eben, dass Fußball heute vor allem auch ein Geschäft ist. Und wenn es um soviel Geld geht, darf man in Südtirol eben auch mal ein paar Straßen absperren, um Fußballstars und Autorennsportstars gemeinsam für Mercedes werben zu lassen. Pech dass es dabei Verletzte gegeben hat. Aber gottseidank ist ja den Stars nichts passiert! Nicht auszudenken!

Was ihre Lebenswelt angeht, sind die Nationalspieler sicher meilenweit entfernt von der Lebenswirklichkeit der meisten Fans. Vor diesem Hintergrund ist es besonders abstoßend, wenn in einem Spot mit Nationaltrainer Jogi Löw für Nivea Men das große Gemeinschaftsgefühl beschworen wird. Da sind Feuerwehrleute und Facharbeiter mit Bauhelmen zu sehen, die hier den einfachen Mann von der Straße darstellen sollen. Für sie mache man das alles, so die Aussage des Spots.

Die Fußballnationalelf soll in Brasilien gut Fußball spielen und Löw soll sie so gut einstellen, wie es geht. Die Fans sollen ihre Freude an den Toren haben. Und von mir aus sollen die Kicker dafür auch abkassieren. Aber für dumm verkaufen, sollten sie uns bitte nicht!

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