Das Programm am Vatertag: Saufen, Pöbeln, die Natur zumüllen

Veröffentlicht: 2014-05-28 in Lokales
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Von Kristian Stemmler

In unser feierwütigen Zeit wird jede Gelegenheit wahrgenommen, um einen drauf zu machen. Da kommt der morgige Donnerstag, Christi Himmelfahrt oder auch Vatertag, gerade recht. Bekanntlich wird dieser Tag vor allem von Jugendlichen, aber auch jungen Erwachsenen vor allem dazu genutzt, sich die Birne zuzuknallen. Mit Bollerwagen zieht man durch die Gegend, haut sich ein Bier nach dem anderen rein, grölt rum und belästigt gern auch mal andere Leute.

Für die Polizei ist der Tag darum ein Hauptkampftag. Die Polizeiinspektion Harburg drückt das in einer Pressemitteilung so aus: „Erfahrungsgemäß nehmen auch zahlreiche Jugendliche den Feiertag zum Anlass, sich zu treffen und Spaß zu haben. Üblicherweise werden dabei alle Arten alkoholischer Getränke mitgeführt und verzehrt. Aufgrund dessen muss die Polizei mit zunehmender Tageszeit leider vermehrt einschreiten, um alkoholbedingte Streitigkeiten zu schlichten oder sich um hilfsbedürftige Personen zu kümmern.“

Gerade die Jugendlichen seien sich oft über die Gefahren eines exzessiven Alkoholkonsums nicht im Klaren. Im schlimmsten Falle führe das zu einer Alkoholvergiftung und einem Klinikaufenthalt. Auch wenn es vermutlich wenig nützt, appelliert die Polizei: „Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Gefahren eines exzessiven Alkoholkonsums! Besprechen Sie mit Ihrem Kind Möglichkeiten, Konsumangebote abzulehnen! Kaufen Sie Minderjährigen keinen Alkohol! Seien Sie sich ihrer Vorbildfunktion bewusst und trinken Sie Alkohol nur in Maßen!“

So lange es in unserer Gesellschaft als erstrebenswert gilt, einen loszumachen, von Event zu Event zu hüpfen, sich zu amüsieren und „sich selbst zu verwirklichen“, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen – so lange können solche Appelle wenig bewirken, so lange kann die Polizei nur das Schlimmste verhüten. Und die Jugendlichen machen im Grunde nur das nach, was ihnen viele Erwachsene vorleben.

Dass der Vatertag für viele ein Persilschein ist, sich kräftig daneben zu benehmen, kann man auch jedes Jahr am Brunsberg feststellen. Der sieht nämlich am Ende dieses Tages immer aus wie eine Müllkippe. Der Brunsberg ist seit Jahren ein bevorzugtes Ziel an Himmelfahrt, und die meisten Besucher hinterlassen ihren Müll einfach in der Natur – und das obwohl der Brunsberg in einem streng geschützten Naturschutzgebiet liegt.

Auch der Landkreis sieht sich darum genötigt vor dem Vatertag einen Appell zu veröffentlichen. „Genießen Sie die schöne Natur am Brunsberg, aber entsorgen Sie Ihre Abfälle nicht einfach in der Landschaft“, wird Kreisrat Björn Hoppenstedt zitiert. Der Landkreis und die Stadt Buchholz werden zum Vatertag extra Mülltonnen am Brunsberg aufstellen. Der noch amtierende Bürgermeister der Stadt, Wilfried Geiger, appelliert: „Und Ihr Leergut nehmen Sie bitte wieder mit nach Hause, das hat in der freien Natur wirklich nichts zu suchen.“ Die Beseitigung der Vatertagsreste kostet den Steuerzahler Jahr für Jahr ein paar Tausend Euro.

Der Liedermacher Wenzel hat in einem wunderbaren Text den ganzen Wahnsinn des Vatertags eingefangen:

Wer nicht mehr kann, der zählt schon fast als Leiche,

S´ist Herrentag! Die Glatzen zeigen Seele.
Es klatschen Patrioten in die grünen Teiche
Gefüllt mit Volkslied, Schlamm und Schlick die Kehle.

Dann schäumt das Bier aus dicken, wunden Pfoten.
Die Zoten dröhnen, jeder Schuß ein Treffer.
Steh ihnen bei, mein Gott, den Schwarzen, Gelben, Roten,
Und laß sie bleiben, wo er wächst, der Pfeffer.

Dann klingen Glocken und die Straßen wanken.
Jetzt aber Schluß mit den bescheidenen Dekaden.
Wir sind zu Hause! Grölen betrunken die Gedanken.
Geschecktes Kampfhundsvolk verbeißt sich in den Waden.

Auf Pferdewagen häufen sich die Leiber.
Die Gäule, irr von Flieder, sieht man sich verneinen.
Tief in der Nacht noch stehen frierend Weiber
Vor Krankenhäusern, wo sie sittsam weinen.

Als wäre Krieg. Die Männer an den Fronten.
So hart die Witwentrauer! Wie ein Pimmel hart.
Vertan die Küsse, die sie heut nicht küssen konnten.
S´ist Herrentag, der Tag der Himmelfahrt.

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Kommentare
  1. Dagmar Schaller-Wolf sagt:

    Das seltsame ist für mich, dass eher Männer, die noch keine Väter sind sich sinnlos voll laufen lassen und so den Vatertag „feiern“. In meiner Welt haben Väter hoffentlich was Besseres zu tun!

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  2. Hat dies auf Andreas Fiedler Blog rebloggt und kommentierte:
    Gedanken zum Männertag 🙂

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  3. Senior sagt:

    Die jungen Leute haben Spaß, 45 Cent der Halbe.
    Und wenn dabei der Brunsberg an einem Tag im Jahr zugemüllt wird, na und.
    Dann kommt halt der Reinigungstrupp.

    Vermüllung schaffen Sonntagsausflügler genauso, nur über eine größere Fläche verteilt.

    Es ist alles reglementiert, etwas Ungehorsam darf sein…
    ein einziger Tag, lasst die Kirche im Dorf.

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