Frohe Weihnachten, frohe Ostern, frohe Pfingsten – Hauptsache froh!

Veröffentlicht: 2014-04-10 in Analysen, Hintergründe, Kommentare

 

Die Stadt Buchholz wünscht jetzt schon frohe Ostern.

Die Stadt Buchholz wünscht jetzt schon frohe Ostern.

Von Kristian Stemmler

Jedes Jahr scheint es mehr zu werden. Schon drei, vier Wochen vor Ostern hängen die ersten farbige Plastik- oder Keramikeier in den Sträuchern vieler Gärten. Zwei Wochen vorher hängen sie dann schon in fast jedem zweiten Garten und auf jedem zweiten Balkon. Zugleich wird in den Läden Schokoladeneier und Osterkrimskrams aufgefahren, was das Zeug hält – ich habe diesen Konsumrausch bereits in einem eigenen Beitrag vor einer Woche kritisiert. In diesem Text soll es um etwas anderes gehen.

Natürlich könnte man sagen, es ist doch schön, dass sich so viele Menschen auf Ostern freuen. Das ist doch ein harmloser und netter Brauch, Ostereier aufzuhängen. Auf den ersten Blick ist es das auch, aber wenn man genau hinschaut, ist dieser Umgang mit Ostern nur ein erneutes Indiz dafür, wie beliebig und belanglos der Umgang mit den christlichen Hochfesten geworden ist und wie wenig die meisten Menschen im Grunde von diesen Festen wissen – resp. wie wenig es sie noch interessiert.

Die Logik des Osterfestes ist eine ganz andere als die des Weihnachtsfestes. Freuen wir uns im Advent auf die Geburt eines Kindes, so ist die vorösterliche Fastenzeit eine Zeit der Trauer, denn an ihrem Ende steht die Kreuzigung. Der große Umkehrschub, die völlig überraschende Verwandlung passiert erst am Ostermorgen, wenn es heißt: „Er ist auferstanden!“ Erst dann bricht eine überschäumende Freude auf, ein grenzenloser Jubel. Erst dann sollten, wenn man denn der Logik des Osterfestes folgen will, Ostereier aufgehängt werden.

Natürlich kann man sich auf all diesen christlichen Geschichten ein Ei backen und sie für einen veralteten Aberglauben erachten, und ich fürchte, so halten es auch viele inzwischen. Für viele ist Ostern, ich schrieb es bereits, ein netter Anlass sich zu treffen, essen zu gehen etc. pp. Nur dann müssen sie auch zugeben, dass sie sich den Direktiven und Rhythmen des Einzelhandels unterwerfen. Auch das ist im Grunde eine Art Religion.

Wie durcheinander es mit den alten Sitten und Bräuchen schon geht, zeigt auch der Umstand, dass die ersten schon anfangen, den Menschen „Frohe Ostern“ zu wünschen, die Stadt Buchholz zum Beispiel. Das aber ist ein Gruß, den man frühestens am Ostersonntag austauscht. Also nach dem Karfreitag. Aber diese Erkenntnis wird sich wohl nicht durchsetzen.

 

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Kommentare
  1. Natürlich ist das in Ordnung, Krischan! Auch wenn ich von Ex-Genossen immer noch auf offener Straße beleidigt werden…

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  2. Hans-Christian Keunecke sagt:

    Also Leute ich finde die Osterfeiertage sind eine gute Gelegenheit im positiven Sinne etwas mit der Familie zu unternehmen. Z.B. Faulenzen im Garten, Grillen, Radtour, Ausflug. Bei Regen gemütlich zu Hause, in Ruhe Lesen, keine Schoko-Orgie, natürlich wer will zur Kirche. Geschenke, wenn nur ganz…..kleine !!!!!

    Auf jedenfall aber bei Regen und Sonne zum Ostermarsch wo auch immer für FRIEDEN UND ABRÜSTUNG.

    Z.B:Ortsnah 2. Ostermarsch am Samstag den 19.4.14. um 14. 00 Uhr.

    Unter dem Thema: „NIE WIEDER FASCHISMUS– SCHLUSS MIT DEN KRIEGEN !

    lautet das Motto des Friedensmarsches der von Buchholz nach Seppensen / Heideruh führt..
    Treffpunkt ist um 14.00 Uhr auf dem Marktplatz in Buchholz.

    Aufrufer zu dem Ostermarsch in Buchholz sind Heideruh e.V., Antifaschistische Jugend,
    Solid-Jugend, Friedensgruppe Nordheide

    Also Leute wir sehen uns und trotz “ Konsumterror “ FROHE OSTERN

    PS: Herr Chefredakteur ich hoffe ein wenig Werbung in der Sache war in Ordnung

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  3. Sehe ich auch so und ich versuche auf dieser Seite, den von Ihnen geschilderten Trends entgegenzuwirken. Aber Werbung, Medien, Kulturindustrie reichen halt heutzutage in jeden Winkel und infizieren schon die Jüngsten. Das Problem ist m. E. der allgemeine Konsumismus und Materialismus. Karl Jaspers umschrieb den Begriff Aberglaube mit „Fesselung ans Objekt“.

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  4. Schade, dass der Beitrag am Ende mutloser wird. Unsere Gesellschaft latscht so ziemlich jedem noch so dümmlichen Trend hinterher, riskiert Gesundheit, Zufriedenheit, Harmonie, den Einklang von Leib und Seele und Wohlergehen der Natur. Aber wenn es um die Abschaffung von Traditionen und Religionen und deren Gebräuche geht, haben wir eine große Klappe und sind klüger als Gott und die Welt. Genug vom Menschen geredet!!! Es wird wieder Zeit, die Seele von allem zu achten und zu pflegen. Ostern oder gar Weihnachten abzuschaffen oder lächerlich zu machen, mag geistigen Tieffliegern genehm sein. In Wirklichkeit gehören solche Gedanken zu den törichtesten, die man haben kann. Und die Kirchen machen darauf – manchmal ungeschickt und zu kleinlaut – Gott sei Dank noch aufmerksam! Zuhören wäre gerade zu Ostern eine prima Alternative. Man muss ja nicht jeden Hühnerkram mitmachen!

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  5. RBO sagt:

    Ich denke auch, dass es unproblematisch ist sich von dem religiösen Grundgedanken der christlichen Festtage zu entfernen. Wer sich stattdessen in der oberflächlichen Götzenanbetung des Großen Konsums eine neue Religion sucht, kann das in einer freien Gesellschaft tun, lässt damit aber natürlich auch Rückschlüsse auf die eigene Geisteshaltung zu.

    Zeiten ändern sich nun einmal, wenn auch nicht immer zum Besseren. Ich halte es wie BlueBear und wünsche daher an dieser Stelle allen Lesern dieses schönen Blogs schon einmal frohe Feiertage.

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  6. Nix dagegen, BlueBear, ich will auch niemandem das Fest vermiesen. Ich sehe da nur Anzeichen einer Erosion von Bräuchen und Sitten, die mich beunruhigt, wenn ich zugleich andere Phänomene betrachte.

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  7. BlueBear sagt:

    Ich glaube, ich sehe das etwas lockerer. Wenn sich jemand schreckliche, bunte Plastikeier in seine Vorgarten hängen möchte, soll er doch. Wenn sich jemand an Ostern dem Diktat der Schokoladenindustrie unterwerfern möchte, soll er doch. Und wenn jemand an Ostern in die Kirche gehen möchte, wird ihm das auch sicher keiner vorwerfen. ich jedenfalls freue mich auf ein paar ruhíge Tage im Kreise meiner allerengsten Familie und darauf dass man ein paarschöne Stunden miteinander verbringen kann, Das ist für mich „froh“ genug.

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  8. Ich sehe sehr viel Positives in dem Feiertag. Es geht in meinem Beitrag ja um den Umgang der Menschen damit. Ich gehe zum Beispiel, wenn ich einrichten kann, gern am Ostersonntag zum Frühgottesdienst. Das ist ein wirkliches Erlebnis.

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  9. Buchholzer sagt:

    Ihre Sichtweise auf die Kehrseite eines so bedeutenden Feiertags machen mich nachdenklich. Ich finde ein zu frühes FROHES OSTERN oder den kommerziellen Gedanken hinter so einem Fest trotzdem nicht verwerflich, stattdessen freue ich mich über strahlende Kinderaugen und leckeres Essen bei Schwiegermutter. Ich würde Sie gerne mit meiner Freude anstecken, damit in Ihrem nächsten Beitrag zu einem Feiertag auch mal etwas Positives steht.

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