Wetten, dass hier Süchtige Geld verspielen! – Warum tipico freie Bahn hat

 

DSC_0882Ein Gastbeitrag von Frank Piwecki

Soll sich die Politik um ein Wettbüro in der Buchholzer Innenstadt kümmern, oder ist „Jeder seines Glückes Schmied““? Sorgen wir uns um pathologische Spieler und ihre Familien oder schauen wir indigniert zur Seite, wie die Buchholzer Verwaltung es gerade tut?

Sportwetten sind durchaus ein attraktiver Bestandteil des sportlichen Geschehens, man denke nur an die berühmten Pferdewetten, um die sich Sagen, Geschichten und Kinofilme ranken. Leider hatte aber in der Vergangenheit die Methode des Betrugs dermaßen überhand genommen, dass sich der Gesetzgeber genötigt sah, strenge Regeln und Überprüfungen durchzuführen. Pferdewetten sind daher nicht in der Lottoannahmestelle und Casino- und Livewetten nicht in der Spielhalle um die Ecke zu tätigen.

Hintergrund: Je nach Definition sind zwischen 100.00 und 600.000 Menschen in Deutschland spielsüchtig. Dabei spielt nicht der wöchentliche Lottoschein, der auch schon Sucht sein kann, eine Rolle, sondern häufig die so genannte Livewette. Dabei kann auf sportliche Wettbewerbe und dabei wieder meist auf Fußballspiele gewettet werden.

Aggressivster und in der Öffentlichkeit bekanntester Anbieter ist die Firma Tipico, mit Sitz und Genehmigung in Malta und Frankfurt/Main. Vor einigen Wochen hat Tipico in Buchholz an der Kirchenstraße eine Niederlassung eröffnet. Möglich macht dies eine komplizierte Neuregelung des sogenannten Staatsvertrages über Glücksspiel, was die alte Bundesregierung nicht zum erfolgreichen Abschluss gebracht hat, so dass sich nun jedes Bundesland selbst um die Wettbüros kümmern muss.

Eine Anfrage der Politik bei der Verwaltung der Stadt Buchholz führte zu irritierenden Antworten. Da es keine offizielle Genehmigung für diese Wettbüro gäbe, so der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse, müsse man sich ja auch nicht um Jugend- und Suchtschutz kümmern. Diese Antwort gefiel besonders gut…

Leider kann nun jeden Abend, besonders bei internationalen Fußballspielen, beobachtet werden, wie (fast nur) Männer in das Büro in der Buchholzer Innenstadt schlendern und (auch) online ihr Glück versuchen. Die wenigen Geschichten über glückliche Gewinner werden von der Vielzahl der enttäuschten Verlierer überdeckt. Online werden Gewinne kaum und wenn nur unter Vorlage vielfältiger Dokumente mit Zeitverzögerung ausgezahlt, die Vorlage von Gewinnschein, Personalausweis, sogar Meldebescheinigungen scheint Standard zu sein, um die Auszahlung zu verzögern.

In Buchholz sind inzwischen Ehen und Familien in Gefahr, weil sich Wettschulden innerhalb kürzester Zeit elementar angehäuft haben. Spielsucht gilt inzwischen als die zweitgrößte Persönlichkeitsgefährdung in Deutschland nach dem Drogenkonsum. Es kann nicht sein, dass sich die Behörden bei diesem Thema zurücklehnen, frei nach dem Motto: Wir waschen unsere Hände in Unschuld!

Frank Piwecki ist Mitglied im Buchholzer Stadtrat für die SPD

 

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6 Comments

  1. Motivation für diesen Gastbeitrag waren verschiedene Antworten der Verwaltung, die zum einen keine Notwendigkeit zum Sucht-und Jugendschutz sahen, weil das Wettbüro ja nicht genehmigt worden sei (schriftliche Antwort auf die erste Anfrage Ende 2013) und zum anderen die mündliche Antwort zu Beginn der letzten Stadtratssitzung, wo sehr süffisant auf die Zuständigkeit des Landes verwiesen wurde. Da mir die schriftliche Ausfertigung der Antwort nicht vorliegt, kann ich auch nicht klären, WER nun gesagt hat, es gäbe andere Prioritäten in diesem Bereich, da in der Ratssitzung mitgeteilt wurde, der Minister Pistorius (Innenministerium) hätte geantwortet. Hier heisst es „mein Parteifreund Lies“ hätte dies getan…Nun ja. Es tut mir leid, wenn ich als Kommunalpolitiker meinen Wählerauftrag wahrnehme und Fragen an die Verwaltung stelle.
    Und die Idee mit der Petition finde ich sehr erstrebenswert. Vielen Dank dafür.
    Übrigens habe ich Olaf Lies tatsächlich kennen und schätzen gelernt, da bin ich gern Parteifreund.
    (Ich hoffe, das war jetzt nicht zu geschwollen ausgedrückt?)

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  2. Sollte dem Schreiber jr etwa nicht bekannt sein, dass nicht nur das SPD-geführte Niedersachsen, sondern sämtliche Bundesländer einen einheitlichen Glücksspielvertrag unterzeichnet haben, der z.Zt. noch viele rechtliche Unklarheiten enthält und es den Wirtschaftsministerien deshalb schwer macht, gegen Anbieter wie Tipico vorzugehen? Insofern kann auch der heftig gescholtene Olaf Lies herzlich wenig machen, selbst wenn ihm die Gefahren durchaus bekannt sein dürften.
    Und dass hier ganz billige CDU-Polemik verbreitet wird, sieht man schon daran, dass mit keinem Wort erwähnt wird, dass im Frühjahr 2012 von dem damals noch von CDU und FDP regierten Schleswig-Holstein eine eigene Regelung zum Glücksspiel verabschiedet worden war. Diese sah eine viel größere Liberalisierung des Glücksspiels vor als der Staatsvertrag – man muss der Wirtschaft ja was bieten, gelle? Erst die neue SPD-geführte Regierung beschloss – selbstverständlich gegen die Stimmen von CDU und FDP sowie der Piratenpartei – per Gesetzesänderung eine Rückkehr zum wesentlich strengeren Staatsvertrag.
    Aber solche Fakten stören wahrscheinlich nur, wenn man eine Gelegenheit sieht, dem politischen Gegner mal eben schnell eins auszuwischen und ihm Unredlichkeit zu unterstellen. Nicht wahr jr, wer immer Sie auch sein sollten?

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  3. Ich habe in dem Beitrag von Herrn Piwecki erst einmal kein Wahlkampf gesehen, sondern ein Beitrag zu einem Thema was wirklich zu denken gibt.
    Wahlkampfgetöse hat erst der letzte Kommentar hier reingebracht, der unbdingt wiederholt und irgendwie auf der SPD herumhacken muss. Wer auch immer hier jr sein mag.
    Was hier wohl der Bürger wieder von seinen Kommunalpolitikern halten mag ?
    Gut das die CDU so eine „bürgerfreundliche und ehrliche“ Partei ist.

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  4. Lieber Herr Piwecki,
    ja, der Wahlkampf beginnt – aber den Faktencheck übersteht Ihr Beitrag nicht für 3 Zeilen.
    Tatsache ist: Nach dem Glücksspielstaatsvertrag liegt die Zuständigkeit für die Schließung des Wettbüros ausschließlich bei dem von Ihrem SPD-Parteifreund Olaf Lies geführten Wirtschaftsministerium in Hannover. Wie in der letzten Ratssitzung berichtet – und Ihnen deshalb auch bekannt – hat das Wirtschaftsministerium, Referat Glücksspiel – auf mehrfaches Ersuchen der Verwaltung im März schriftlich geantwortet, dass die Schließung des Wettbüros derzeit für das Ministerium keine Prioriät hat, weil man sich vornehmlich um andere Etablissements kümmern wolle. Das Sie diese Aussage Ihres SPD-Parteifreundes irritiert, mag sein, ändert an der Sachlage aber nichts.

    Es wäre eventuell hilfreich, wenn Sie Ihrem Parteifreund Lies einmal einen Vortrag über Spielsucht und die Folgen hielten, statt wider besseres Wissen die Verwaltung verantwortlich zu machen, die eben gerade nicht „indigniert“ ( was soll eigentlich diese geschwollene Ausdrucksweise? ) zur Seite schaut. Etwas Selbstkritik bei den eigenen Freunden schadet gelegentlich nicht – schützt aber vor Fettnäpfchen!

    Ich hätte von dem Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft und Soziales im Rat der Stadt Buchholz bei diesem durchaus ernsten Thema etwas mehr Fingerspitzengefühl und vor allem etwas mehr Ehrlichkeit – trotz Wahlkmapf – erwartet!

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  5. Man könnte jetzt auch das unangenehme Mittel „Petition“ benutzen um den Druck zu erhöhen. Ich selbst bin auch kein Freund dieser Wetteinrichtung und würde mich sofort bereit erklären an der Petition mitzuwirken. Ich denke das auch sehr viele unterschreiben würden. Man könnte auch an den Informationsständen der Bgm. Kandidaten Unterschriften sammeln oder einfach mal alle Kandidaten zusammen in die Fußgängerzone stellen um Unterschriften zu sammeln. Das würde schon ein Zeichen setzen!

    Ich bin jedenfalls davon überzeugt das man Frank Piwecki unterstützen sollte, und die Parteizugehörigkeit lassen wir dabei komplett aus dem Spiel, es geht hier um Menschen.
    Mein Kommentar hier darf als Zusage verstanden werden.

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