AUS DEM RAT Hallenneubau Mühlenschule: Grondke kontert Kritik – Geiger stellt sich hinter seine Stadtbaurätin

 

Von Kristian Stemmler

Dass die Ratsmehrheit im Stadtrat auf offener Bühne Bürgermeister Wilfried Geiger Beifall zollt, das hat es in der laufenden Ratsperiode auch noch nicht so oft gegeben. Gestern abend in der Rathauskantine war es so weit, und zwar weil sich Geiger überraschend deutlich für seine Stadtbaurätin Doris Grondke in die Bresche warf – und damit auch – ohne das Blatt zu erwähnen – klar gegen das Nordheide Wochenblatt und seine Kampagne gegen Grondke Stellung bezog.

Das Thema, an dem das Wochenblatt Hand in Hand mit der FDP seine Aufregekampagne seit Wochen hochgezogen hat: der nach dem Brand der Sporthalle der Mühlenschule Holm-Seppensen im Mai 2012 notwendig gewordene Neubau der Halle. Seit Wochen wiederholt die Gratiszeitung aus dem Hause Schrader wie ein Mantra den Vorwurf, die Bauzeit sei viel zu lang, die Kosten seien explodiert. Doris Grondke bewies gestern in einem sehr sachlichen und detaillierten Vortrag vor dem Rat, dass diese Behauptungen völlig aus der Luft gegriffen sind.

Dass mit dem Neubau der Halle erst vor kurzem begonnen werden konnte, sei der Brandversicherung anzulasten. Neun Monate habe die Regulierung gedauert, erst dann konnte überhaupt mit der Beauftragung begonnen werden, so die Stadtbaurätin. Dass sie sich statt für die üblichen Verfahren für ein Hochbauliches Gutachterverfahren entschieden habe, habe zu keinerlei weiteren Verzögerungen geführt.

Grondke nannte das Verfahren, bei dem externe Fachleute herangezogen wurden, „die bestmögliche Art des Umgangs mit der Entscheidungsfindung“. So seien renommiere Architekten aus Hamburg in die Jury aufgenommen worden, die Sportvereine und die Schule hätte ihre Wünsche äußern können. Es sei auf diesem Wege eine Halle nach Maß entworfen worden und keine Halle von der Stange, wie sie in vielen anderen Kommunen gebaut werden.

Der Siegerentwurf des Hamburger Büros Dohse habe sich am besten mit den Erwartungen und Anforderungen der Nutzer – zum Beispiel eine größere Spielfläche vor der Halle und ein Foyer für Feiern etc. – auseinandergesetzt. Zudem habe der Entwurf die größte Nutzfläche geliefert. Er habe zu recht das Verfahren gewonnen.

Zu den Mehrkosten erklärte Grondke, diese resultierten vor allem aus 307.000 Euro für technische Arbeiten, die vorher nicht absehbar gewesen seien. „Jeder andere Planer, der das Verfahren gewonnen hätte, hätte diese Kosten genauso gehabt“, sage sie. Dann seien noch 90.000 Euro für bewegliche Geräte dazugekommen. So sei man statt der angepeilten 1,8 Millionen bei 2,197 Euro gelandet.

Die Stadtbaurätin betonte, dass man im Grunde für 320.000 Euro eine halbe Halle dazu bekommen habe. Dass die Versicherungsleistungen die Kosten nicht abdeckten, läge schlicht daran, dass das Gebäude unterversichert gewesen sei, nämlich nur zu 90 Prozent. Energisch wies Grondke erneut darauf hin, dass es keine fertige Planung für eine Halle gegeben habe. Dies wird vor allem vom Wochenblatt immer wieder kolportiert.

Grondke verwies darauf, dass auch bei gegenwärtigen und zurückliegenden Projekten Mehrkosten auflaufen und Verzögerungen entstehen, so etwa bei der Zukunftswerkstatt des Kreises (der buchholz express berichtete). Sie entschuldigte sich dafür, dass der Ortsrat nicht einbezogen worden war: „Das hätte besser laufen können.“ Derzeit sei man gut im Zeitplan, Ende April, Anfang Mai komme das Dach für den Rohbau.

Obwohl Grondke in ihrer Ansprache mit klaren Zahlen und Fakten die Lage erklärte hatte, ging FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky nach ihr in die Bütt, um in einer wirklich haarsträubenden Rede die Märchen von gestern zu wiederholen. Man habe offenbar geglaubt, Buchholz aus seinem Schlaf wecken zu müssen, indem man irgendwelche Kapazitäten aus Hamburg herbeischleppe. Es sei bei dem Entwurf doch vor allem um „Schönheit“ und nicht um Funktionalität gegangen. Was Grondke da gemacht habe sei „ein Husarenritt auf der Rasierklinge“ (bitte nicht bildlich vorstellen!!).

Diese Abstrusitäten des Liberalen veranlassten Geiger zu einer Erwiderung, die an Deutlichkeit nichts vermissen ließ. Durch „zwei Ehrenrunden“ der Versicherung habe man enorm an Zeit verloren. Der Haushaltsansatz von 1,8 Millionen sei zustande gekommen, weil man sich an der zu erwartenden Versicherungssumme orientiert hatte, von der man nicht zu weit wegkommen wollte. Man habe da das „Delta aber gehalten“. Geiger: „Die Halle ist keine Elbphilharmonie.“

Er lasse es nicht zu, so der Bürgermeister, dass die Reputation einer engagierten Mitarbeiterin beschädigt werde, die mit Power, Dynamik und großen Kenntnissen nach Buchholz gekommen sei. Und er stehe auch zu dem Gutachterverfahren, dass man für die Auftragsvergabe gewählt hatte. Wie oben erwähnt, gab es hier den Applaus der Ratsmehrheit. FDP und CDU rührten keine Hand.

Geiger appellierte noch an alle, es jetzt mit dem Thema gut sein zu lassen. Herr Schrader, damit sind, glaube ich, vor allem Sie gemeint!

 

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5 Comments

  1. Die Kritiker des Verfahrens, die vor allem auch die Vergabe der Planung an das im Schul- und Sporthallenbau erfahrene Architektur-Büro Dohse kritisieren, bringen immer wieder und sehr auffällig den Entwurf des Mitbewerbers MRO in Spiel. Es ist richtig, dass dieser funktionale Typenhallen bauen kann, von denen es auch Beispiele im Landkreis Harburg gibt. Sie vergessen dabei, dass es klare Gründe gab, weswegen der Entwurf abgelehnt worden ist. Wesentlich war hierbei, dass sich die Schule eine Halle mit großzügigen Nebenflächen wünschte. Diese Anforderungen konnte oder wollte MRO auch nach konkreter Aufforderung im Zwischenkolloquium nicht erfüllen. Für mich fiel der Entwurf von MRO endgültig durch, als der Präsentierende auf die Anmerkung, dass die Umkleideräume für Rollstuhlfahrer zu klein geplant wären, antwortete: Dieses sei unerheblich, da sich Behinderte ohnehin lieber in der separaten Behindertentoilette umziehen würden.

    Ich habe das Gutachterverfahren als großen Gewinn für eine seriöse und sachgerechte Entscheidung des Rates empfunden. Die Kritik hieran fiel erwartungsgemäß aus. Durch ihren Ansatz Städtebau ganzheitlich und langfristig zu betrachten und auch auf die Erfahrungen anderer Städte zurückzugreifen, hat sich Frau Grondke schon in kurzer Wirkungszeit große Verdienste für die Stadt Buchholz erworben. Dass durch dieses Vorgehen auch in Buchholz einige Fehlplanungen der Vergangenheit vermieden worden wäre, mag für Manchen schwer zu ertragen sein.

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  2. Danke für diesen Bericht. Herr Reglitzky hat sich selbst disqualifiziert, ich dachte die ganze Zeit während seiner Rede, er sagt ja genau, was im Wochenblatt stand, dort hat man allerdings auf den Gipfel der Geschmacklosigkeit (Husarenritt……..) verzichtet. Ich bin auch keine Freundin von Herrn Geiger, aber wie er Frau Grondke verteidigt hat, war prima. Brauchen wir solche Egomanen wie Reglitzky eigentlich im Stadtrat, die eine gute Sache so verunglimpfen?????? Wer hat ihn nur gewählt?

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  3. Beide vorherigen Komentare passen ins Biild, dass man sich als Bürger von Teilen der Kommunalpolitik in Buchholz macht. Die Arroganz von CDU und FDP den Bürgern gegenüber ist sehr häufig unerträglich. Mein Eindruck ist, die Stadt gehört den Röhses und Reglitzkys, und wie sie alle heißen, und da sind die Bürger nur im Weg, vor Allem wenn sie dann auch noch impertinent sind und unbotmäßigerweise eine eigene Meinung haben.
    Und so ein Schmierblatt, dass mit W anfängt unterstützt diese armseligen Verhaltensweise noch und machen so etwas auch noch vor.

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  4. Die Scheinheiligkeit des Fraktionsvorsitzenden Arno Reglitzky (FDP), ich habe Sie mit erlebt.

    Ich stimme den scheidenden Bürgermeister Geiger zu, obwohl ich kein Freund von ihm bin.

    Da hat man endlich eine fähige Mitarbeiterin gewinnen können, die sich richtig ins Zeug für die Stadt Buchholz legt, und was passiert, man versucht Frau Grondke mithilfe des Wochenblatts fertigzumachen, was für asozialer still.

    Herr Reglitzky sollte lieber mal nicht so laut rum frotzeln, mir wird immer noch schlecht, wenn ich an diesen Kletterturm denke, sage und schreibe 180.000 € hat er für seinen Verein damals bewilligt bekommen, und wenn man diese Ungetüm sich mal genau anschaut, frage ich mich wie kann man eigentlich nur so schlau sein und die Natur so verschandelt.

    Im Übrigen schlug in die gleiche Kerbe Herr Kempf von der gleichen Partei, der es sich nicht nehmen ließ seinen unqualifizierten Kommentar dazu ab zugeben.

    Als endlich die zweite Bürger frage Stunde kam, fragte ein Bürger diese beiden Herrn was sie den positives zum Hallenneubau dazu beigetragen haben.

    Die Antwort war sehr aufschlussreich, es gab keine Antwort noch nicht einmal ein “ Face to Face“ es wurde nur die kalte Schulter(Rücken) gezeigt so nach dem Motto, Bürger du kannst mich mal, oder noch besser LMAA.

    So meine Herrn, geht man nicht mit den Bürgern um die sie vertreten, schämen sie sich.

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  5. Die gestrige Ratssitzung habe ich sehr interessiert verfolgt und ebenso auch den Beitrag von Frau Grondke.
    Mir war es wichtig ein realistisches Bild der Situation zu bekommen, also eines neben dem Bild welches das Wochenblatt erzeugt hat.
    Die Darlegung von Frau Grondke war plausibel und in sich schlüssig.
    Die Kritik der Herren aus der FDP konnte ich nicht nachvollziehen.

    Hingegen war ich sehr angenehm überrascht dass Herr Schulze als Kandidat für das Bürgermeisteramt seine berechtigte Frage an die FDP Vertreter stellte.
    Sehr bezeichnend empfand ich den Umgang der beiden Herren mit der Frage von Herrn Schulze.
    Mir wurde sehr deutlich, dass die Frage eines Bürgers im Stadtrat, oder besser in der FDP keinen Wert hat.

    Meine Frage:“ Warum ist seitens Stadtrat nicht auf die Beantwortung der Frage von Herrn Schulze bestanden worden?“

    Jedenfalls hat sich mein Bild von Herrn Schulze stark bestätigt, er ist der richtige für die Nachfolge von Herrn Geiger.

    Herr Stemmler, vielen herzlichen Dank für Ihre Berichterstattung hier.

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