Kommentar – Opernball in der Empore: Die Elite feiert sich im Dreivierteltakt

Von Kristian Stemmler

Halleluja! Buchholz hat mit Wien fast gleichgezogen. Zwar haben wir noch keinen Prater und der Steinbach erreicht nicht ganz die Durchflussmenge der Donau – aber wir haben immerhin schon einen Opernball. Wer es noch nicht mitbekommen hat: Dieser Opernball ging am Sonnabend in der Empore über die Bühne. Natürlich war es ein voller Erfolg!

„Die Festkultur kehrt zurück“, behauptet zum Beispiel die Harburger Rundschau des Hamburger Abendblattes. Auftragsgemäß findet der Kollege Thomas Sulzyc alles wunderbar und prima. Mehr als 400 Menschen, „viele davon Unternehmer aus Buchholz und Umgebung“, hätten den von der Buchholzer Wirtschaftsrunde veranstalteten Ball bis gegen halb fünf morgens gefeiert. Soweit, so nachrichtlich richtig!

Weniger wahr ist wohl das Zitat, das der Kollege von Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke serviert bekam. „Es ist ein Ball für die Bürger und kein Promi-Event“, behauptet der einfach. Dazu passt dass die Idee bei einem Grünkohlessen geboren worden sei, wie Steuerberater Wolfgang Schnitter, Chef der Wirtschaftsrunde kolportiert. Alles ohne rot zu werden!

Den Rest des Beitrags ersparte ich Ihnen, liebe Express-Leser. Nur noch einen Satz muss ich unbedingt wiedergeben, der ist zu schön: Sulzyc schreibt, in Buchholz seien Abendkleid und Smoking vorgeschrieben: „Und die Currywurst trägt Blattgold.“ Das sind Sätze für die Ewigkeit.

Den Kommentar zum Ereignis hat kein Geringerer als der Chef der Harburger Rundschau, Frank Ilse, geschrieben. Bei einer derartigen Zusammenballung von Anzeigenkunden kommt er natürlich nicht umhin, den Opernball ebenfalls großartig zu finden und sich „mehr davon“ zu wünschen. Ich erspare Ihnen den Rest, natürlich sieht Ilse das Fest als „rundum gelungen“ an, nur die Größe der Tanzfläche sei eine Diskussion wert.

Erwartungsgemäß findet der Buchholz Express das alles so nicht. Eine Veranstaltung wie diese, bei der sich die Eliten der Region selbst bespiegeln und beweihräuchern braucht doch tatsächlich kein Mensch. Um noch etwas konkreter darzustellen, wer hier wen und wie gefeiert hat, zitiere ich aus dem Hochglanzflyer zum Opernball. Darin stehen Dinge, die man in der Presse nicht zu lesen bekommt.

Natürlich hat Grinsebacke Geiger ein Grußwort geschrieben, das nur so trieft vor Lobhudelei. Er zeigt sich „wie immer überrascht, was wir Buchholzer gmeinsam in dieser Stadt auf die Beine stellen“. Also, mich kann er mit diesem „wir Buchholzer“ nicht gemeint haben, da ich mit der Planung und Organisation des Opernballs eigentlich nichts zu tun hatte.

Natürlich weiß Geiger, auch wie immer, wem er zu Dank und Gehorsam verpflichtet ist und listet in seinem Grußwort die Sponsoren, sorry, „die Partner aus der Wirtschaft“ auf: Autohaus Tesmer (Mercedes), Wirtschaftsrunde, Nordheide Wochenblatt und die Sparkasse Harburg-Buxtehude. Geiger: „Ohne ihr Engagement wäre diese Veranstaltung so nicht möglich.“

Sehr erhellend ist auch der Punkt „Attraktionen und Vorteile für Opernball-Gäste“ im Flyer. Im Angebot: Dittmer Hanstedt gewährt zehn Prozent beim Kauf von Abendgarderobe. Zehn Prozent gibt es auch bei Friseur Thomas Ernst. Fotograf Hauke Gilbert ist mit seinem Team vor Ort, also gibt es auch noch Fotos für lau. Na ja, und schließlich bringt das Autohaus Tesmer die Gäste mit seinen Limousinen nach Hause…

Opernball – eine runde Sache für Leute, die den Hals nicht vollkriegen.

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9 Comments

  1. Gott sei Dank leben wir weder in Russland, noch der Ukraine noch der Türkei oder in anderen diktatorisch, kommunistisch oder korrupt regierten Ländern, und wir dürfen alle unzensiert unsere Meinung frei sprechen oder im Internet danieder schreiben.

    Herr Stemmler Sie sind echt.. das/der .. Letzte !!..

    Noch am Tag des Opernballs selbst hatte jede und auch jeder die Möglichkeit ein Eintrittskärtchen zu erwerben und am Tisch der Buchholzer „BONZEN“ mit zu sitzen oder für, wie oben erwähnt, kleineres Geld solch ein Event mit zu feiern. Jede Karte für ein normales Konzert im Hamburger Stadtpark ist teurer. Also was sollen immer diese Angriffe auf etwas Schönes, was versucht wird in Buchholz zu veranstalten. Ich selbst habe nicht teilgenommen, kann mich aber darüber freuen, dass andere einen schönen und besonderen Abend erleben durften.
    Einen Herrn Stemmler im Smoking kann ich mir auch schwer vorstellen…!! Auch ein Herr Puttin glaubt, bzw möchten andere Glauben machen, dass er für die Krim nur das Beste tut…
    aber ich bin trotzdem froh, dass man hier schreiben kann was man empfindet. Mein Beileid hatten Sie ja schon einmal .

    mit fröhlichen Grüßen

    Susanna Vellguth

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  2. Ich stelle mir gerade die Schlagzeilen vor, wenn der Buchholz-Blog den Bürgermeister stellen würde.
    1. Bürgermeister Stemmler weiht feierlich den 10. Ein-Euro Shop ein. Mit den Worten, „Ich begrüße die vielfältige Shoplandschaft in Buchholz“ bestätigte der neue Bürgermeister seine Politik der günstigen (Ramsch-) Läden in Buchholz.
    2. Im Rahmen der neuen Kulturoffensive wurde an die Stelle der abgerissenen Empore der neue „Volksimbiss mit Tanzgelegenheit“ eröffnet. Zudem dürfen Kulturveranstaltungen, die mehr als 2,- Euro Eintritt kosten wegen der neuen „Dekadenzverordnung“ nicht mehr im Stadtgebiet von Buchholz stattfinden.

    Na gute Nacht.

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  3. Ja, FRank, Wandelkarten, aber ich gehe mal davon aus, dass die Tischkarten in der Masse vorher weggegangen sind und die Tische gezielt bestückt wurden. Und Du glaubst hoffentlich nicht im Ernst, dass sich ein ALG-II-Empfänger bei dem Event wohlgefühlt hätte…

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  4. Mmmh, mag man mal 2 Dinge richtig stellen….es gab „keine Fotos für lau“ von Gilbert und es wurde niemand „eingeladen“, sondern, wie bei allen Events kaufte Mensch sich eine Eintrittskarte…, und es war nun mal eine andere Stimmung, als wenn ich zu einem Konzert von U2 gehe…oder auch die Stones, die zwar gesellschaftskritisch singen, aber 100 Euro Eintritt verlangen…“I can’t get no…Satisfaction!“
    Dieses Event war, mit einer Karte für 25,- Euro, allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich!

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  5. Ich habe gehört, dass unser Immobillionär nicht dabei war. Ich hoffe, er ist nicht über eine bekannte Barriere aus seinem Sport-Rollstuhl geflogen. Vielleicht war das ja auch der Grund, warum er in einen normalen gewechselt ist. Oder die Sportausführung war so bunt wie sein Namens-Vetter von Mecces und er wollte einer Verwechslung aus dem Wege fahren. Zu Herrn Schulze: Der Gedanke ist gut, nur vorher sollten wir alle aber einen „Mörtel“ und eine „Mausi“ wählen, sonst wäre es weniger spaßig.

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  6. @ BlueBear: man schaue sich nur allein die Liste der „Eingeladenen“ an, dann weiß man dass dies eine ganz andere Liga ist in der dort gespielt wird.
    Es wäre aber richtig und ein genialer Gedanke, dieses Event allen zugänglich zu machen.

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  7. Also, ich war als Buchholzer nicht nur nicht an der Organisation beteiligt,
    ich war nicht mal eingeladen. Empörend !
    Oder vielleicht auch ganz gut so …

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