Kreis kündigt Bau von Flüchtlingsunterkünften in Tostedt an – Unbekannte starten am selben Tag Online-Petition gegen das Vorhaben!

Screenshot Petition TostedtVon Kristian Stemmler

Der Landkreis hat lange gewartet, bis er Asylbewerber in Tostedt untergebracht hat. Offenbar aus gutem Grund, wie sich jetzt zeigt. In der immer wieder durch Aktivitäten von Neonazis aufgefallen Samtgemeinde hat sich bereits am gestrigen Donnerstag Widerstand gegen den Bau von zwei neuen Unterkünften zur Unterbringung von 116 Flüchtlingen formiert – am selbem Tag, an dem der Landkreis Harburg den Plan zum Bau der Containerdörfer veröffentlicht hat.

Auf einer Internetplattform der US-Organisation Avaaz, auf der User weltweit Petitionen starten können, ist gestern eine Petition „Landkreis Harburg – keine Containerdörfer für Tostedt“ eingestellt worden. Als Absenderin ist eine „Stephanie Daniela D. Deutschland“ genannt. Zur Begründung reichen zwei karge Sätze: „Tostedt verfügt nicht über die notwendige Infrastruktur, um Asylbewerbern gerecht zu werden. Kitaplätze, Kinderärzte, Ärzte sind längst schon ausgelastet.“

In Tostedt sollen, wie der Landkreis am Donnerstag meldete, zwei neue Unterkünfte für insgesamt 116 Asylbewerber gebaut werden, auf dem Gelände Am Helferichheim und einem Areal an Wellerstraße/Elsterbogen. „Bereits im Herbst des letzten Jahres haben wir dem Landkreis eine Reihe von Immobilien und Grundstücken für Asylbewerber-Unterkünfte benannt“, wird Tostedt Samtgemeindebürgermeister Dirk Bostelmann (CDU) zitiert. „Wir kommen damit unserer im Grundgesetz verankerten Verpflichtung nach, Asyl suchenden Menschen während ihres Asylverfahrens Hilfe und Schutz zu bieten.“

Die Anwohner Am Helferichheim und Elsterbogen würden zurzeit über die Bauvorhaben informiert, so der Landkreis weiter. Gleichzeitig sprächen Landkreis und Samtgemeinde mit Unterstützergruppen, Kirchenvertretern und Initiativen wie dem Tostedter Forum für Zivilcourage über Möglichkeiten zur Vorbereitung auf die Ankunft der neuen Nachbarn. Die beiden Anlagen bieten jeweils 58 Personen eine Unterkunft auf Zeit. Sie sollen von einem Betreiber mit Heimleiter und Sozialarbeiter betreut werden, dazu laufen derzeit Ausschreibungen für geeignete Partner.

„Wir sind bei der Suche nach Asylunterkünften im ganzen Landkreis angewiesen auf die enge Kooperation mit den Städten und Gemeinden ebenso wie auf das bürgerschaftliche Engagement der Bevölkerung“,wird Reiner Kaminski, Bereichsleiter Soziales von der Kreisverwaltung, in der Pressemitteilung zitiert. „Ich hoffe sehr, dass auch die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde Tostedt die neuen Nachbarn mit offenen Armen empfangen werden“ – diese Hoffnung scheint sich, zumindest teilweise nicht zu erfüllen.

Angesichts der anhaltend hohen Zahl von Menschen, die aus Kriegs- und Krisengebieten nach Deutschland kommen, weist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) dem Landkreis Harburg seit dem letzten Sommer wöchentlich 15 bis 20 Asylsuchende zu, für die Wohnraum geschaffen werden muss. Im Jahr 2013 wurden rund 450 Flüchtlinge im Landkreis aufgenommen, dafür wurden 22 Unterkünfte neu geschaffen. Für das Jahr 2014 werden erneut mehr als 400 Flüchtlinge erwartet.

Avaaz ist eine 2007 gegründete Organisation mit Sitz in New York, die über ihre Internetplattform weltweit politische Kampagnen, vorwiegend der Themenkreise Klimawandel, Menschenrechte, Tierschutz, Korruption, Armut und Konflikte organisiert, wie es bei wikipedia heißt. Online-Petitionen sind eine der Aktionsformen. Avaaz (persisch für die Stimme) arbeite auf 15 Sprachen, habe nach eigenen Angaben fast 25 Millionen Mitglieder in 194 Ländern. Laut wikipedia ist Avaaz eher linksliberal ausgerichtet.

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1 Comment

  1. “ In der immer wieder durch Aktivitäten von Neonazis aufgefallen Samtgemeinde hat sich bereits am gestrigen Donnerstag Widerstand gegen den Bau von zwei neuen Unterkünften zur Unterbringung von 116 Flüchtlingen formiert“

    -Es ist schade, dass solch ein Ereignis mit Neonazis in Verbindung gebracht wird. Mit Ausländerfeindlichkeit hat die Petition nichts zu tun. Im Mittelpunkt stehen eher Probleme mit Integrations- und Resozialisierungsprogrammen seitens der Samtgemeinde, welche ohnehin schon mit der jetzigen Situation überlastet ist, seien es die Schulen, Kindergärten & Kitas. Zudem haben auch ortsansässige Jugendliche u. Erwachsene Schwierigkeiten, im näheren Umkreis Arbeit bzw. eine Ausbildung zu finden. Diese Möglichkeiten bieten sich erst im näheren Raum Hamburg.

    Betrachtet man die Situation aus der Perspektive der Asylbewerber, würde man sich höchstwahrscheinlich ausgegrenzt oder ausgeschlossen fühlen, wenn man in einem „Containerghetto“ zusammengepfercht wird, abgegrenzt von den Bürgern in normalen Wohnungen und Häusern. Folglich würde dies eine Integration in die Gesellschaft hindern
    und man kann in näherer Zukunft von Kriminalität und Gewaltübergriffen in diesen Gegenden lesen.

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