Nach Aktion in der Silvesternacht: Polizei ermittelt gegen Neonazis +++ AG Nordheide hetzt gegen Asylbewerber

AG Nordheide Asylbewerber 1Von Kristian Stemmler

Nach dem Auftritt einer Gruppe von Neonazis vor dem Gedenkstein auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus in der Silvesternacht (der blog berichtete) ermittelt jetzt die Polizei. „Der Staatsschutz hat Ermittlungen wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet“, bestätigte Jan Krüger, Sprecher der Polizeiinspektion Harburg dem buchholzblog. Zu der Frage, ob nach Einschätzung der Polizei Aktionen der Neonazis gegen Asylbewerber zu befürchten sind, wollte sich Krüger mit Blick auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Wie die neuesten Aktivitäten auf der Homepage der Aktionsgruppe (AG) Nordheide, die vom Buchholzer Neonazikader Denny Reitzenstein und seinem Umfeld betrieben wird, zeigen, versuchen sie jedenfalls die verstärkte Zuwanderung von Asylbewerbern im Landkreis zu nutzen, um Wasser auf ihre Mühlen zu leiten. Unter der Überschrift „Stoppt den Flüchtlingsstrom!“ hetzen die Neonazis gegen Asylbewerber und andere Migranten und versuchen Ängste vor „Überfremdung“ zu schüren.

„Buchholz wird zum Sammelbecken etlicher Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge“, heißt es in dem Beitrag. Dann werden Unterkünfte für Asylbewerber und Migranten an der Bremer Straße, der Hermann-Stöhr-Straße, der Rütgersstraße und am Fischbüttenweg erwähnt und Zahlen der Zuwanderer in Stadt und Landkreis aufgeführt. „Im Landkreis Harburg leben 245.000 Menschen, davon sind alleine 11.000 Menschen (4,5 Prozent) nicht deutscher Herkunft und kommen aus mehr als 140 verschiedenen Nationen. Die Tendenz in den nächsten Jahren wird noch weiter nach oben steigen, so dass sich der Anteil von nicht deutscher Bürger im Landkreis vervielfacht.“

Die Neonazis scheuen auch nicht davor zurück, die aus der NS-Zeit bekannte Assoziierung von Menschen mit Ungeziefer und Müll zu inszenieren. „Wenn noch mehr Asylbewerber und „Kriegsflüchtlinge“ nach Buchholz kommen, wird das schöne Stadtbild verschandelt“, schreiben sie, „denn wenn man sich zum Beispiel die Asylunterkunft in der Rütgersstraße anschaut, dort sieht es aus wie auf einer Müllhalde, da sich der Müll auf den Grundstück stapelt.“

So könne es bei allen Unterkünften aussehen und das schade nicht nur dem Stadtbild, „sondern es zieht auch Ungeziefer, wie zum Beispiel Ratten an“. Und weiter: „Durch die Asylbewerber und Flüchtlinge steigt die Kriminalität, das sieht man schon in anderen Städten wo solche Unterkünfte entstanden sind, da die Fremden sich nicht an die deutsche Kultur und sich an unsere Gegebenheiten anpassen wollen.“

Dann wird es endgültig skurril: „Wenn man zum Beispiel nach Berlin schaut, wird durch die Fremden das christliche Fest Weihnachten verboten und in Kiel darf in einem Kindergarten keine Currywurst mehr gegessen werden. Es verstoße gegen die Kultur der Fremden. Wir wollen unsere Kultur bewahren und schützen, deshalb sind wir gegen diese Kulturbereicherung der BRD GmbH und deren Politiker.“ Der hetzerische Text schließt mit der Aufforderung: „Überfremdung stoppen!“

Nach Einschätzung der Behörden ist die Buchholzer Neonaziszene überschaubar. Auszugehen ist von einer Handvoll oder einem Dutzend Aktivisten, deren Kopf offenbar Reitzenstein ist und die der Polizei zum größten Teil namentlich bekannt sind. Allerdings kann natürlich auch von einer relativ kleinen Gruppe Gefahr ausgehen. Ob die Buchholzer Neonazis tatsächlich planen, Asylbewerber oder deren Unterkünfte zu attackieren, ist schwer zu beurteilen. Es ist aber sicher nicht falsch, wachsam zu bleiben.

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