John und sein bestes Stück – plumper Sexismus im Wochenblatt

Veröffentlicht: 2013-12-22 in Hintergründe, Kommentare
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Ausriss StripperreportageVon Kristian Stemmler

In unserer durchsexualisierten Medienwelt ist man ja einiges gewohnt. Mit ein paar Klicks kann jeder Internetnutzer heutzutage pornographische Bilder und Videos aufrufen, in der Werbung und in der Filmbranche ist Sex ein bewährter Faktor zur Steigerung der Aufmerksamkeit. Aber ist das eine Entschuldigung dafür, wenn eine frei zugängliche Zeitung, die an alle Haushalte geht, sexistische Texte und Bilder transportiert?

Das Nordheide Wochenblatt fühlte sich bemüßigt, in seiner Ausgabe zum vierten Advent eine große Reportage über einen Auftritt dreier Stripper bei der „Ladies Night“ in Brackel, organisiert von den Sportvereinen MTV Brackel und MTV Marxen, zu drucken. Dieser Beitrag ist in Aufmachung, Bebilderung und Inhalt als durch und durch sexistisch zu bezeichnen – und das auf unterstem Niveau!

Schon der Anriss für die Reportage der jungen Kollegin Katja Bendig auf der ersten Seite mit einem Stripper in Weihnachtsmannmontur, ist unterirdisch, aber noch harmlos gegen die Aufmachung der Reportage auf Seite 5. „Ich hol den Knüppel raus“, heißt die Schlagzeile, darunter ist ein großes Foto zu sehen von „Stripper John“, der nur mit Unterhose bekleidet auf dem Schoß einer Frau sitzt. Mit beiden Händen hält er einen Vibrator zwischen seinen Beinen.

Das Wochenblatt gibt sich gern als Familienblatt, es bringt gern Human-Touch-Geschichten über krebskranke Kinder oder bedürftige Senioren (letzteres auf derselben Seite wie die Stripper-Reportage). Das Wochenblatt kommt als Anzeigenblatt fast in jeden Haushalt im Landkreis, es liegt auf vielen Küchentischen. Kinder und Jugendliche haben freien Zugang, es wird von 14-, 15-Jährigen ausgetragen. Es hat nichts mit Prüderie zu tun, wenn man vor diesem Hintergrund diesen Beitrag nur geschmacklos und daneben findet!

Dass in diesem Fall über strippende Männer geschrieben wird, macht die Sache keinen Deut besser, das ist nicht weniger sexistisch als ähnliche Beiträge über Frauen. Nur regen sich viele offenbar weniger auf. Der Beitrag der Kollegin fängt mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Muskeln und viel nackte Haut…“ an. Man stelle sich vor, ein Beitrag im Wochenblatt über Stripperinnen würde beginnen mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Titten und viel nackte Haut…“ – der Aufschrei wäre wohl kaum zu überhören.

Im Text der Kollegin ist keine Spur von Kritik an der Veranstaltung zu erkennen. Auftragsgemäß fand sie alles offenbar unheimlich witzig. „John hält sich dezent ein Tuch vor sein bestes Stück“, schreibt sie und endet mit der Feststellung: „Er tritt nachher als Weihnachtsmann auf. Die Frage, ob er seine Rute zeigen wird, spare ich mir.“ Irrsinnig komisch!

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wochenblatt sich mit sexistischen Ausfällen auf „Bild“-Niveau begibt. Vielleicht sollte der eine oder andere Anzeigenkunde mal im Verlag vorsprechen, dass dies kein geeignetes Umfeld für seine Anzeigen ist. Die Anzeigenkunden sind ja so ziemlich die einzigen, auf die man in diesem Verlag hört…

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Kommentare
  1. anonymus sagt:

    Da kann man RBO nur uneingeschränkt zustimmen!
    Vorne diese unsägliche, menschenverachtende Schlagzeile und innen gleichzeitig
    hirnloser Sexismus!

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  2. RBO sagt:

    Auch der Titel zu der Brandtragödie in Eckel („Hier sterben zwei Kinder“) ist allerunterste Springer-Schublade – vor allem, wenn er direkt über einem „Weihnachtswunder“ steht. Aber dass es im Wochenblatt schon an Grundlagen fehlt (Recherche, Layout, Lektorat) ist ja auch keine neue Erkenntnis. Vielleicht sollten die mal jemanden fragen, der sich damit auskennt?

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  3. Soereen sagt:

    Da stimme ich Herrn Stemmler voll zu. Ich habe nur die Seite aufgeschlagen und die Zeitung komplett, ohne weiterzulesen, entsorgt. Mir hats gelangt. Sowas muss ich nicht haben.

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