Piep, piep, piep, Stress, Stress, Stress – der Sound der Adventszeit. Ein Zwischenruf

Veröffentlicht: 2013-12-16 in Analysen, Hintergründe
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http://www.audiyou.de/beitrag/supermarkt2a3.html

Von Kristian Stemmler

Nicht dass es irgendjemanden noch interessiert, aber es ist vielleicht nötig, daran zu erinnern, dass die Adventszeit von ihrem Ursprung her eine Fastenzeit ist. Eine Zeit, die dem Verzicht und der Besinnung vorbehalten sein sollte, um schließlich in die Weihnachtszeit als eine Zeit der Feier und der Erfüllung zu münden. Dieser traditionelle und natürliche Rhythmus ist dank der Direktiven des Konsums heute praktisch auf den Kopf gestellt.

Von Besinnung ist kaum etwas zu merken in diesen Tagen. Der Advent ist für die Mehrzahl der Menschen inzwischen eher die stressigste Zeit des Jahres. Mit dem Termin 24. Dezember im Nacken hetzen die Leute von Besorgung zu Besorgung. Es müssen noch Geschenke gekauft werden, ein Tannenbaum muss her, Geschenkpapier, Kerzen, Karpfen und und und. Auf Weihnachtsmärkten und Betriebsweihnachtsfeiern gibt man sich die Kante. Keine Spur von Fasten – es ist ein Gesaufe und Gefresse!

Stress auf der ganzen Linie, wobei die vielen Besorgungen, der Termindruck nur eine Ursache sind. Der eigentliche, tieferwurzelnde Stress ist ein anderer. In den Wochen vor dem Fest werden wir auf allen Kanälen rund um die Uhr mit Werbebotschaften beschossen. Im TV, im Radio, im Internet und im öffentlichen Raum, überall weihnachtet es auf Teufel komm raus. Überall Tannenbäume und Lichterketten, glänzende Kugeln, Rauscheengeln und strahlende Sterne!

Dem Weihnachtsfuror entgeht keiner. Dabei geht es nicht im Geringsten um die Botschaft dieses christlichen Hochfestes, es geht nur darum, den Konsum anzukurbeln. Wir sollen kaufen, kaufen, kaufen! Die weihnachtlichen Symbole sind nur Vehikel, nur Beiwerk.

Natürlich hat Besinnlichkeit und Verzicht da keinen Platz, denn wir sollen ja in Bewegung gehalten werden. Wir sollen in die Läden laufen, wir sollen ständig das Gefühl haben, dass wir noch etwas vergessen haben, dass wir noch los müssen. So wird eine kollektive Hektik erzeugt, eine tiefgehende Nervosität, die schnell in Gereiztheit und Aggressivität umschlägt. In den verbliebenen Tagen bis zum 25. Dezember werden wir uns alle davon noch im Straßenverkehr und in den Einkaufszonen überzeugen können…

Das aber ist kein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern ein unvermeidbarer Kolleratalschaden in der Konsumgesellschaft! Wie Schleusenwärter den Wasserstand eines Flusses regulieren, so sorgt die Konsumgüterindustrie dafür, dass die Betriebstemperatur in der Adventszeit steigt. Das ist ein Frontalangriff!

Folgerichtig daher die Idee des Amazon-Gründers Jeff Bezos, die Pakete demnächst mit Drohnen auszuliefern. Unsere Weihnachtsgeschenke würden dann von einem Gerät gebracht, das den Amerikanern als Waffe dient, um überall auf der Welt Menschen ohne Gerichtsverhandlung hinzurichten. Eine konsequente Vermischung, denn wie Marshall McLuhan schon vor längerer Zeit feststellte, kennt der nächste Weltkrieg keinen Unterschied zwischen militärischem und zivilem Personal. Frohes Fest!

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Kommentare
  1. DagmarSchaller-Wolf sagt:

    Wie wahr!

    Gefällt mir

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