„Xaver“-Hysterie klingt ab – jetzt kommt die Rechtfertigungswelle!

Von Kristian Stemmler

Nach der Medienhysterie kommt jetzt die Rechtfertigungswelle. Natürlich klopfen sich alle Beteiligten, die das Sturmtief „Xaver“ in den vergangenen Tagen zum Monsterorkan hochgejubelt haben, gegenseitig auf die Schulter – es sei richtig gewesen in dieser dramatischen Dimension zu warnen, sonst hätte es mehr Schäden und Opfer gewesen. So oder ähnlich zu lesen etwa auf Spiegel online.

Selbstverständlich verkünden auch die meisten Meteorologen, die Berichterstattung sei angemessen gewesen. Kein Wunder, sie haben ja auch erheblichen Anteil an dem Hype. Die wachsende Konkurrenz zwischen den Wetterdiensten führt dazu, dass sie alle an die Öffentlichkeit drängen und so übertrumpft man sich schon mal mit Katastrophenszenarien. Kachelmann, geh du voran!

Dass es weniger Schäden und Opfer durch die Dramatisierung gegeben habe, ist eine laue Ausrede. Weniger Schäden hat es gegeben – im Landkreis Harburg etwa zehn Prozent der Schäden, die „Christian“ verursacht hat -, weil der Sturm wesentlich schwächer war als prognostiziert, zumindest im Binnenland.  Tatsächlich sorgt die maßlos überzogene Berichterstattung für eine allgemeine Abstumpfung. Beim nächsten wirklich schlimmen Orkan werden viele abwinken: Geht das schon wieder los!

Deshalb kann ich nur noch mal wiederholen: Hier ist ein relativ „normaler“ Sturm auf verantwortungslose Weise zum Jahrhundertorkan hochgeschrieben worden! Um deutlich zu machen, wie ein wirklich schlimmer Orkan aussieht, zitiere ich im folgenden einen Absatz aus dem Wikipedia-Artikel über den Orkan „Kyrill“ von 2007:

„Kyrill war ein Orkan, der am 18./19. Januar 2007 das öffentliche Leben in weiten Teilen Europas beeinträchtigte und in Böen Windgeschwindigkeiten bis zu 225 km/h erreichte. Er forderte 47 Todesopfer und führte zu erheblichen Sachschäden, zur vorzeitigen Schließung von Kindergärten, Schulen, Universitäten, Behörden und Betrieben sowie zu erheblichen Beeinträchtigungen im Energie- und Verkehrssektor. Über eine Million Menschen waren an diesem Donnerstag zeitweilig ohne Strom. Flüge mussten gestrichen, Fährverbindungen eingestellt und Straßen gesperrt werden. Der Bahnverkehr wurde in einigen Teilen Mitteleuropas nahezu vollständig eingestellt, so dass zehntausende Reisende betroffen waren.“

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