Archiv für Dezember, 2013

Die Tage vor dem Jahreswechsel sind traditionell die Zeit der Jahresrückblicke. Da will auch der buchholzblog nicht zurückstehen. Im Stil des Hauses serviert er Ihnen, liebe Leserinnen und Lesern, hier einige Personen und Ereignisse des Jahres, die Buchholz beschäftigt haben. Stil des Hauses heißt: gern mit ironischem, auch mal sarkastischem Unterton, immer kritisch, manchmal polemisch, möglichst informativ, aber nicht langweilig.

Ich hoffe, dass sich die Erfolgsgeschichte des buchholzblogs, der kurz vor Weihnachten die Zahl von 100.000 Zugriffe erreichte (im Schnitt macht das täglich 250 bis 300) und mit dem Beitrag über den Medienhype beim Sturmtief „Xaver“ im bekannten BILDblog verlinkt wurde, auch in 2014 fortsetzt. Wenn man die Berichterstattung des Nordheide Wochenblattes verfolgt, das  nach dem Ende der HAN so gut wie keine Konkurrenz mehr hat, erscheint einem jede Alternative bitter nötig.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Jahreswechsel und ein gesegnetes neues Jahr und bitte alle um Entschuldigung, die sich persönlich durch Beiträge im blog herabgesetzt gefühlt haben.

Kristian Stemmler

—————————————————————————— DSC_0866

ABRISSUNTERNEHMER DES JAHRES

+++ Peter Rössner +++

Die Aufgabe hätte vielleicht Bürgermeister Wilfried Geiger oder einer seiner Mitarbeiter gern selbst übernommen. Aber es blieb dem Wenzendorfer Abrissunternehmer Peter Rössner überlassen, das berühmteste Haus der Nordheide dem Erdboden gleich zu machen. Am 26. September rückte Rössner mit einem 16-Tonnen-Bagger in der Straße Dependahl in Sprötze an, um mit dem Abriss des Anwesen des Berufstenors und Gerichtebeschäftigers Prosper-Christian Otto zu beginnen. Das Ende einer langen Geschichte.

Sein Grab hatte Otto sich selbst geschaufelt, indem er bis zum Bundes-verwaltungsgericht gegen einen Bebauungsplan geklagt hatte, der ihn zu einem Rückbau seines Hauses verpflichtet hätte. Er bekam recht, der B-Plan wurde kassiert – aber jetzt stand das Haus im Außenbereich und hatte keinen Bestandsschutz mehr. Das Resultat war eine Abrissverfügung der Stadt, die Otto nur noch herausschieben, aber nicht mehr aus der Welt schaffen konnte.

Mit seiner Verbohrtheit und Beratungsresistenz machte sich Otto übrigens so gut wie überall unbeliebt (vom Wochenblatt abgesehen). Seine Nachbarn werden ihn auch in Erinnerung behalten. Wenn in dem Wohngebiet ein Haus abbrennt, darf es nicht mehr wiederaufgebaut werden. Danke, Herr Otto!

—————————————————————————— Eine volle Amtszeit ist ihm zuviel: Wilfried Geiger kandidiert nicht erneut für das Bürgermeisteramt.

AUSSTEIGER DES JAHRES

+++ Wilfried Geiger +++

Mitte November platzte die Bombe. Der amtierende Bürgermeister Wilfried Geiger tritt bei der Bürgermeisterwahl im Mai 2014 nicht wieder an. Als Begründung gab er an, nach fast 45 Jahren im Dienst sich diese „Stressnummer“ nicht mehr antun zu wollen. Ein weiterer Grund war offenbar, dass die CDU keine eindeutige Rückendeckung für seine Kandidatur signalisiert hatte. Wie dem auch sei, nach diesem Schnitt wirkte Geiger richtig befreit (auf mich jedenfalls). Seinen Job hat er sicher nicht schlecht gemacht, wobei das nicht meine Richtung ist. Auf Wachstum und auf die Wirtschaft zu setzen, antiquierte Straßenbauprojekte wie den Ostring zu forcieren statt auf intelligente Verkehrslösungen zu setzen – damit wird man den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht. Mit einem grün geprägten Bürgermeister ist da wohl mehr drin…

——————————————————————————

DSC_2057FLOP DES JAHRES

+++ Sturmtief Xaver +++

Kaum ein Orkan ist wohl jemals so promotet worden wie „Xaver“. Schon Tage vor seinem Eintreffen wurde im Blätterwald geraunt, da komme was auf uns zu wie im Februar 1962. Sogar Helmut Schmidt musste kurz vor seinem 95. noch mal an die Front und die Gemüter beruhigen: Die Deiche seien sicher hoch genug. Das waren sie auch, denn außer auf den Halligen und an der Küste stellte sich „Xaver“ als mittelmäßiges Sturmtief heraus. Sogar „Christian“ ein paar Wochen vorher hatte mehr Schäden verursacht. Verzweifelte Journalisten irrten mit Puschelmikrofon durch die Wallachei, um Sturmopfer aufzuspüren. Als Sturm und Medienhype abgeklungen waren, klopften sich die Medienleute gegenseitig auf die Schulter: Die Berichterstattung war angemessen – weil wir gewarnt haben, hat es so wenig Schäden gegeben. Klar doch!

——————————————————————————

An den Pranger gestellt: Baudezernentin Doris Grondke.

HOFFNUNGSTRÄGERIN DES JAHRES

+++ Doris Grondke +++

Sie hat ihren guten Job in einem renommierten Hamburger Architektenbüro aufgegeben, um einer Provinzstadt auf die Beine zu helfen. Die neue Buchholzer Stadtbaudezernentin Doris Grondke (im August ein Jahr im Amt) gab 2013 richtig Gas, ohne dass dies überall auf Gegenliebe stieß. Dass sie neue Verfahren und Instrumente der Stadtentwicklung einführte, eine neue Diskurskultur anregte und die Bürgerbeteiligung forcierte, fordert die Betonköpfe und Strippenzieher der Stadt heraus. Ihr wichtigstes Projekt trägt das Kürzel ISEK, die Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes, wie es das in anderen Kommunen längst gibt. Es soll belastbare Daten über den Stand der Dinge bringen, auf denen eine vernünftige Zukunftsplanung aufbauen kann.

Zu zwei Stadtspaziergängen und den ersten beiden Referaten der „Buchholzer Dialoge“ kamen hunderte Bürger. Grondke holte den Hamburger Oberbaudirektor Jörn Walter und den Oberbürgermeister von Ludwigshafen, Werner Spec, nach Buchholz (weitere folgen). Dass plötzlich Stadtentwicklung nach sachlichen Kriterien und zum Wohl der Allgemeinheit gemacht werden soll und nicht nach dem Gusto und für die Brieftasche einzelner, gefällt nicht allen, wie Grondke schnell feststellen musste. Als sich der Bau der neuen Sporthalle für die Mühlenschule in Holm-Seppensen verzögerte und die Kosten (moderat) anstiegen, wurde ihr das von CDU, FDP und der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) genussvoll persönlich angelastet. Das Hochbauliche Gutachterverfahren, das sie für die Auftragsvergabe eingeführt hatte, sei die Wurzel des Übels.

Und natürlich setzte sich das Nordheide Wochenblatt – Interessenvertretung der Makler, Investoren und anderer Absahner – sofort an die Spitze und zettelte eine Kampagne gegen Grondke an, deren Ende nicht in Sicht ist. Hintergrund dieses Konfliktes sind sicher nicht nur die Profitinteressen einzelner, sondern auch die intellektuelle Rückständigkeit in weiten Teilen von Buchholz, sowohl in der Kommunalpolitik als auch in Verwaltung, Wirtschaft und Medien. Man kann nur hoffen, dass Grondke weitermacht und nicht irgendwann die Lust verliert und das Bauerndorf wieder sich selbst überlässt…

——————————————————————————

DSC_9614ÜBERLEBENDER DES JAHRES

++ Die Madness-Eiche ++

Dass man in Buchholz keine Rücksicht auf ortsbildprägende alte Gebäude nimmt, ist nicht neu. So konnte es eigentlich nicht verwundern, dass Mitte Juli das 1905 gebaute Haus Neue Straße 8, in dem sich zuletzt das Kunsthandwerksgeschäft Madness befand (jetzt auf der anderen Straßenseite), dem Erdboden gleich gemacht wurde. Das im klassizistischen Stil gebaute Haus war sicher das Schönste in der Straße, früher war hier der Kolonialwarenladen Röschmann, danach ein Friseur. Jetzt baut die Feldtmann KG dort ein Wohn- und Geschäftshaus, gesichtslos wie alle anderen.

Der Abriss war nicht zu verhindern, darum fokussierte sich die Sorge engagierter Buchholzer auf die alte Eiche vor dem Grundstück, die wegen des Bauvorhabens als gefährdet galt. Innerhalb weniger Tage wurden rund um den Stamm Dutzende von Zetteln mit Gedichten, Sprüchen, gemalten Bildern und ähnlichem befestigt, um den Baum zu retten. Der Protest hatte Erfolg – der Investor und die Stadt vereinbarten, dass das Baufenster zwei Meter nach hinten verlegt wird, so dass die Eiche aller Voraussicht nach überleben kann. Immerhin etwas!

——————————————————————————

DSC_7897

SIEGER DES JAHRES (IM NIVEAULIMBO)

Das Wochenblatt

Auch in diesem Jahr gelang es der Landkreis-„Bild“ wieder neue Tiefmarken beim journalistischen Niveau zu setzen. So druckte das Wochenblatt im Oktober – aus Versehen, wie später bekundet wurde – eine Todesanzeige für den in Rom verstorbenen NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke, die von Neonazigruppierungen aufgegeben worden war. Im selben Monat landete das Blatt im überregionalen BILDblog, weil man sich damit gebrüstet hatte, die Internationale Gartenschau in Wilhelmsburg totgeschwiegen zu haben. Dort hatte man sich erfrecht, bei der Vermarktung nicht mit dem Wochenblatt-Verlag zu kooperieren.

Vor allem aber machte das Wochenblatt wieder Politik, und zwar nach Gutsherrenart. Die neue Baudezernentin Doris Grondke wurde mit einer Kampagne überzogen, auch Bürgermeister Geiger bekam sein Fett weg. Das Schicksal eines Obdachlosen wurde instrumentalisiert, um die Verwaltung anzupinkeln. Beamten-Bashing auf allen Kanälen. Dafür jubelt man christliche Fundis, halbseidene Investoren und den Ostring hoch.

Eines sollte hier aber auch mal gesagt werden: Schuld an diesen Zuständen ist die Ausrichtung der Zeitung durch die Redaktions- und Verlagsführung. Die Kollegen in der Redaktion machen ihre Arbeit, fachlich gesehen, weitgehend ordentlich – und das unter, wie man hört, keinen besonders guten Arbeitsbedingungen. Hohe ethische Maßstäbe hat die ehrenwerte Familie Schrader nur, wenn sie andere unter das Fallbeil legt…

——————————————————————————

Stimmzettel Bürgerentscheid FORMULIERUNG DES JAHRES

+++ Die Frage des Ostring-Bürgerentscheids +++

„Soll der Beschluss des Rates der Stadt Buchholz vom 17. April 2012 (DS 11-16/0025.004), der zum Inhalt hat, die Verträge mit dem Landkreis Harburg zum Bau des Ostrings aufzuheben bzw. zu kündigen, zu Ziffer 2.), aufgehoben werden?“ – Diese völlig verquaste Formulierung wurde den Buchholzern am 20. Januar in ihren Wahlkabinen serviert, als sie dort zur Landtagswahl erschienen. Die Verwirrung war groß und trug vermutlich zum Sieg der Ostring-Befürworter bei. 61,7 Prozent stimmten für die Aufhebung der Verträge, also für den Ostring. Der Jubel der Ostring-Fans versandete allerdings schnell. Denn anders als die Initiatoren des Bürgerentscheids um den Unternehmer Timo Hanke suggeriert hatten, muss die Umgehung jetzt keineswegs gebaut werden. Ein vom Landkreis eingesetzter Spitzenjurist machte im Juli klar, dass die Aussichten, das Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg zu kippen, das den Planfeststellungsbeschluss zum Ostring kassiert hatte, gegen null tendieren.

Also, lieber Reinhard Schrader und ihr anderen Autofetischisten: Sorry, aber in den nächsten Jahren werdet ihr gelegentlich noch zehn Minuten auf der Hamburger Straße im Stau stehen müssen…

—————————————————————————— DSC_1342

YUPPIETRÄNKE DES JAHRES

+++ viel fein [feel fine] +++

Von allen Beiträgen im buchholzblog in den zwei Jahren seines Bestehens schießt der über den Ende April im Kabenhof eröffneten Luxusladen viel fein [feel fine] den Vogel ab. Mit 1786 Zugriffen ist er der am zweitmeistgelesene Beitrag im blog (nur übertroffen von dem Artikel über den Xaver-Hype), wird nach wie vor aufgerufen. Er hat mit 60 Anmerkungen die meisten Kommentare im blog und er hat auch außerhalb des Internets für Wirbel gesorgt. Die harsche und polemisch vorgetragene Kritik an dem obszönen Luxus, den dieser Laden repräsentiert, erregte die Gemüter. Das Nordheide Wochenblatt gab seinem Anzeigenkunden Flankenschutz und fischte einen Satz aus dem Beitrag: „Und es wundert mich zunehmend, dass sich all die Marginalisierten, die Abgehängten und Unterdrückten das gefallen lassen, dass all die Porsche Cayennes und BMW X5 unbeschädigt in der Gegend herumstehen können.“

Diese analytische Feststellung wurde als Aufruf zur Sachbeschädigung missverstanden und führte zu der Frage des Wochenblattes, ob so jemand noch Ratsherr sein kann. Kann er. Übrigens liege ich mit meiner Vermutung, dass die soziale Segregation in diesem Land zu wachsender Gewalt führt, offenbar nicht ganz falsch. Das zeigen die Gebäudeschäden an Luxushotels und Elbchausseevillen der letzten Tage in Hamburg. Man marginalisiert nicht ungestraft ganze Bevölkerungsschichten!

——————————————————————————

imagesNERVENSÄGE DES JAHRES

+++ Nicole Bracht-Bendt +++

In den Wochen vor der Bundestagswahl kam keiner im Landkreis an ihr vorbei. Das neoliberale Siegergrinsen von FDP-Nervensäge Nicole Bracht-Bendt überfiel Autofahrer und Passanten an allen wichtigen Aus- und Einfallstraßen. Auch wer zu Hause blieb, war nicht sicher vor ihr, da sie alle Haushalte mit Flyern terrorisierte, in denen sie ihr einfältiges Weltbild entfaltete. Der Grund für diesen propagandistischen Aufwand: Bracht-Bendt war von ihrer Partei nicht nochmal auf einen aussichtsreichen Platz der Landesliste gesetzt worden und wollte diesmal mit den Erststimmen in den Bundestag. Das scheiterte bekanntlich ebenso grandios wie generell der Einzug der Liberalen ins Parlament. Dieses wiederum war sicher eines der absoluten Highlights des Jahres!

DSC_0074Gloria in excelsis Deo,
et in terra pax hominibus bonae voluntatis.

Von Kristian Stemmler

„Nun will der Lenz uns grüßen“ würde heute eigentlich besser passen als „O Tannenbaum“. So warm war es wohl selten an Heiligabend, deutlich über zehn Grad, dazu stürmt es ganz ordentlich – der Weihnachtsmann muss seine Mütze festhalten! Ansonsten war es heute Vormittag weniger hektisch, als ich erwartet habe. Zumindest auf dem Markt im Zentrum und im City Center ging es recht ruhig und gesittet zu.

Traditionell versammelte sich der Posaunenchor von St. Paulus am Vormittag auf dem Marktplatz vor der Uhr, stellte sich im Halbkreis auf und spielte die schönen alten Weihnachtslieder (und auch ein paar neue). Alte, Junge, Erwachsene, Kinder, Arme, Reiche blieben stehen und lauschten. Der junge Hinz & Kunzt-Verkäufer verließ seine Stellung vor dem City Center und gesellte sich dazu. Die Stimmung war feierlich und locker zugleich.

Ich denke, so etwas darf und muss auch mal erwähnt werden. Denn der buchholzblog kritisiert ja sonst gern und viel. Manchem Leser ist das sogar manchmal zu kritisch und zu negativ, wie ich hier und da zu hören bekomme. Dazu möchte ich folgendes anmerken: Unkritische Kopfnicker sind in den Medien genug unterwegs, viel zu viel wird zugedeckt und beschönigt.

Ich sehe meine Aufgabe aber darin zu analysieren und zu kritisieren, Missstände aufzudecken, den Finger in die Wunde zu legen. Und zwar nicht zum Vergnügen oder als Selbstzweck, sondern weil es immer darum gehen muss, ungerechte Strukturen zu benennen, Manipulation und Unterdrückung anzuprangern und damit mittelbar die Schwachen zu schützen. Das mag pathetisch klingen, aber so sehe ich meine Aufgabe als Journalist!

Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass man sich zu sehr auf das Negative fixiert. Aber nur wenn man sich mit den Dingen befasst, die schief laufen (und das ist ja nicht gerade wenig heutzutage), kann man sich wirklich über das Positive freuen. Und darum will ich an dieser Stelle an Heiligabend betonen, dass es neben den vielen Stinkstiefeln, die draußen rumlaufen, auch jede Menge Leute gibt, die sich bemühen, freundlich zu bleiben, anderen zu helfen, ohne selbst etwas zu erwarten, Böses nicht mit Bösem zu vergelten.

Ich glaube, diese Menschen sind gemeint, wenn in der Weihnachtsgeschichte bei Lukas von den Menschen die Rede ist, die „guten Willens sind“ und denen der Friede auf Erden (et in terra pax) gelten solle. Auch wenn das heute meist mit „Friede auf Erden den Menschen, an denen Gott Wohlgefallen hat“ übersetzt wird, finde ich die alte Lesart eigentlich stimmiger (ohne dass ich mich hier auf theoretische Erörterungen über die Rechtfertigungslehre einlassen möchte).

Jedenfalls möchte ich heute den Weihnachtsgruß des buchholzblogs den Lesern entrichten, die guten Willens sind. Sie werden wissen, ob Sie gemeint sind.

Satz des Tages

Veröffentlicht: 2013-12-23 in Politik
Schlagwörter:

Vierte Kasse bitte!

Das Problem ist in der Öffentlichkeit bisher kaum angekommen: Weil die Bundesfinanzierung aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zum Jahresende ausläuft, sind die Stellen von Schulsozialarbeitern bedroht. Darum haben Schulleiterinnen und Schulleiter der Grundschulen des Landkreises Anhalt-Bitterfeld im Internet eine offene Petition gestartet, die jeder unterschreiben kann. Hier der Link: https://www.openpetition.de/petition/online/schule-ohne-schulsozialarbeit-wir-sagen-nein

Zur Begründung heißt es auf der Website: „Schulsozialarbeit wirkt präventiv. Sie hilft benachteiligten Kindern zu einer Chance an unseren Schulen. Sie gilt als Brückenfunktion bei Entwicklung gemeinsamer pädagogischer Ziele zwischen Schule und Jugendhilfe. Diese Hilfe brauchen wir dringend!!! Ein Wegfall der Schulsozialarbeit würde nicht nur die Schulen immens belasten, auch für zahlreiche Eltern und Kinder, in teils kritisch familiären Lebensumständen, würde der Schaden sehr groß sein.“

Also, bitte unterschreiben! (kst)

Ausriss StripperreportageVon Kristian Stemmler

In unserer durchsexualisierten Medienwelt ist man ja einiges gewohnt. Mit ein paar Klicks kann jeder Internetnutzer heutzutage pornographische Bilder und Videos aufrufen, in der Werbung und in der Filmbranche ist Sex ein bewährter Faktor zur Steigerung der Aufmerksamkeit. Aber ist das eine Entschuldigung dafür, wenn eine frei zugängliche Zeitung, die an alle Haushalte geht, sexistische Texte und Bilder transportiert?

Das Nordheide Wochenblatt fühlte sich bemüßigt, in seiner Ausgabe zum vierten Advent eine große Reportage über einen Auftritt dreier Stripper bei der „Ladies Night“ in Brackel, organisiert von den Sportvereinen MTV Brackel und MTV Marxen, zu drucken. Dieser Beitrag ist in Aufmachung, Bebilderung und Inhalt als durch und durch sexistisch zu bezeichnen – und das auf unterstem Niveau!

Schon der Anriss für die Reportage der jungen Kollegin Katja Bendig auf der ersten Seite mit einem Stripper in Weihnachtsmannmontur, ist unterirdisch, aber noch harmlos gegen die Aufmachung der Reportage auf Seite 5. „Ich hol den Knüppel raus“, heißt die Schlagzeile, darunter ist ein großes Foto zu sehen von „Stripper John“, der nur mit Unterhose bekleidet auf dem Schoß einer Frau sitzt. Mit beiden Händen hält er einen Vibrator zwischen seinen Beinen.

Das Wochenblatt gibt sich gern als Familienblatt, es bringt gern Human-Touch-Geschichten über krebskranke Kinder oder bedürftige Senioren (letzteres auf derselben Seite wie die Stripper-Reportage). Das Wochenblatt kommt als Anzeigenblatt fast in jeden Haushalt im Landkreis, es liegt auf vielen Küchentischen. Kinder und Jugendliche haben freien Zugang, es wird von 14-, 15-Jährigen ausgetragen. Es hat nichts mit Prüderie zu tun, wenn man vor diesem Hintergrund diesen Beitrag nur geschmacklos und daneben findet!

Dass in diesem Fall über strippende Männer geschrieben wird, macht die Sache keinen Deut besser, das ist nicht weniger sexistisch als ähnliche Beiträge über Frauen. Nur regen sich viele offenbar weniger auf. Der Beitrag der Kollegin fängt mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Muskeln und viel nackte Haut…“ an. Man stelle sich vor, ein Beitrag im Wochenblatt über Stripperinnen würde beginnen mit den Worten „Stramme Hintern, pralle Titten und viel nackte Haut…“ – der Aufschrei wäre wohl kaum zu überhören.

Im Text der Kollegin ist keine Spur von Kritik an der Veranstaltung zu erkennen. Auftragsgemäß fand sie alles offenbar unheimlich witzig. „John hält sich dezent ein Tuch vor sein bestes Stück“, schreibt sie und endet mit der Feststellung: „Er tritt nachher als Weihnachtsmann auf. Die Frage, ob er seine Rute zeigen wird, spare ich mir.“ Irrsinnig komisch!

Es ist nicht das erste Mal, dass das Wochenblatt sich mit sexistischen Ausfällen auf „Bild“-Niveau begibt. Vielleicht sollte der eine oder andere Anzeigenkunde mal im Verlag vorsprechen, dass dies kein geeignetes Umfeld für seine Anzeigen ist. Die Anzeigenkunden sind ja so ziemlich die einzigen, auf die man in diesem Verlag hört…

So berichtete die Hamburger Morgenpost

So berichtete die Hamburger Morgenpost

Von Kristian Stemmler

Für bundesweite Schlagzeilen hat der Brand eines Doppelhauses in Eckel gesorgt. Bei dem Feuer in der Nacht zu Donnerstag sind ein elf Jahre alter Junge und ein zwei Jahre altes Mädchen ums Leben gekommen. Die Pflegemutter der Kinder (49) und ihr neun Jahre alter Pflegesohn konnten gerettet werden, die Frau kam mit lebensgefährlichen Brandverletzungen in eine Spezialklinik. Der Pflegevater (51) und sein zwölf Jahre alter Sohn hielten sich bei Ausbruch des Brandes bei Verwandten in Süddeutschland auf.

Gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag hatten Anwohner die Feuerwehr und die Polizei gerufen, weil aus den Fenstern einer Doppelhaushälfte am Vaenser Weg Flammen schlugen und Hilfeschreie zu hören waren. Schon vor dem Eintreffen der Feuerwehr stand das ganze Haus in Flammen, so dass weitere Feuerwehren nachalarmiert werden mussten. Insgesamt waren rund 120 Retter im Einsatz.

Der neunjährige Junge hatte sich mit seinem Hund vor den Flammen durch ein Fenster im Obergeschoss auf ein Vordach gerettet. Nachbarn holten ihn von dem Vordach, er wurde mit Brandverletzungen und einem Schock ins Krankenhaus gebracht. Den Einsatzkräften gelang es auch noch, die Mutter aus dem Haus zu retten.

Den Elfjährigen konnten sie nur noch tot bergen. Das zweijährige Mädchen wurde auch nach Abschluss der Löscharbeiten noch vermisst, ihre Leiche wurde erst bei einer Durchsuchung des Brandschutts, bei der auch ein Leichenspürhund der Polizei eingesetzt wird, am Donnerstagnachmittag entdeckt.

Auch die andere Doppelhaushälfte wurde schwer beschädigt, deren Bewohnerin konnte sich unverletzt in Sicherheit bringen. Der materielle Schaden wird auf mindestens 300.000 Euro geschätzt. Die Brandursache ist noch unklar, der Zentrale Kriminaldienst der Polizeiinspektion Harburg ermittelt, derzeit sind zwölf Beamten im Einsatz.

Einen Tag nach dem Brand hat die Gemeinde Rosengarten, zu der Eckel gehört, auf ihrer Homepage einen Spendenaufruf veröffentlicht. „Die Gemeinde ist tief bestürzt“, heißt es da. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Harburg-Buxtehude (BLZ 207 500 00) hat die Nr. 500 16 98, Verwendungszweck: Familie Meiser.

Kurz vor Weihnachten lädt die Hansestadt Hamburg zum langen Krawall-sonnabend. Rund 6000 Besucher werden bei drei Demonstrationen zu den Esso-Häusern, der Roten Flora und den Lampedusa-Flüchtlingen erwartet. Von diesen 6000 sollen etwa 3000 „gewaltbereite Linksautonome“ aus dem ganzen Land sein, wie die Hamburger Morgenpost meldet. Also, wenn Sie am Sonnabend nichts weiter vorhaben: Auf nach Hamburg! Machen Sie mit beim feierlichen Verwüsten eines Weihnachtsmarktes! Genießen Sie das dezente Klirren von Schaufensterscheiben! Nutzen Sie die Chance, bei Plünderungen das eine oder andere Schnäppchen zu ergattern! (kst)