Bürgermeisterwahl: Grüne nominieren Zinnecker – er will „Fronten aufbrechen“

ZinneVon Kristian Stemmler

Er will in Buchholz Fronten aufbrechen, die Verkehrsprobleme auf intelligente Weise lösen, die Innenstadt weiterentwickeln und einen neuen Stil im Rathaus einführen – Joachim Zinnecker tritt im kommenden Jahr bei der Wahl zum Bürgermeister an. Die Mitgliederversammlung des Ortsverbandes der Grünen am Montagabend im Deutschen Haus hat den 58jährigen einstimmig nominiert. „Ich bin voller Zuversicht, bei der Wahl ein sehr gutes Ergebnis zu erzielen“, sagte Zinnecker, „ich traue mir zu, die Stichwahl zu erreichen.“

Tatsächlich halten viele Beobachter den erfahrenen Kommunalpolitiker für den geeigneten Nachfolger von Wilfried Geiger, der nicht mehr antritt (der blog berichtete). Seit mehr als zehn Jahren ist Zinnecker im Buchholzer Stadtrat, führt die grüne Fraktion und zusammen mit SPD-Fraktionschef Wolfgang Niesler die rot-grüne Mehrheitsgruppe. Seine Beiträge offenbaren immer wieder seine analytische Begabung, politischen Instinkt und genaue Kenntnis der Hintergründe. Die Wahl zum zweiten Bürgermeister war da nur konsequent.

Auch für die Führung einer Verwaltung von rund 340 Mitarbeitern bringt Zinnecker Erfahrung mit. Der Ingenieur ist einer von zwei Geschäftsführern der servTEC in Hamburg, einer Tochter der Hamburg Wasser. Das Unternehmen entwickelt Problemlösungen für Abwasseranlagen und Glasfasernetze. ServTEC plant und baut unter anderem Leitungsnetze im In- und Ausland, um schnelle und sichere Datenverbindungen zu schaffen.

Auf der Mitgliederversammlung gab Zinnecker, dessen Kandidatur von der Buchholzer Liste unterstützt wird, einen ersten Vorgeschmack auf seine Pläne für Buchholz. Dass vielen Bürgern die ungelösten Verkehrsprobleme auf den Nägeln brennen, sei ihm klar. Darum müsse der Neubau des Mühlentunnels und der Bau der Südtangente vorangetrieben werden, schnell umzusetzen sei auch die kleine Umgehung der Innenstadt über den Langen Sal. Aber auch eine Optimierung der Stadt für den Radverkehr sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen den Stau.

Vor allem will der kommunikative Zinnecker, der in Buchholz gut vernetzt ist, in Politik und Verwaltung einen neuen Stil einführen. Er sei in der Lage, ein „breites Bündnis über Parteigrenzen“ zu schmieden. Schon im Beruf sei es ihm einige Male gelungen, Fronten aufzubrechen. Auch im Rathaus wolle er einen neuen Kommunikations- und Führungsstil implantieren: „Die Mitarbeiter bringen einem nur Vertrauen entgegen, wenn man sie einbindet und nicht ständig Alleingänge unternimmt.“

Aktuell sei es so, dass alles „über den Filter Bürgermeister“ läuft, und auch Fachbereichsleiter sich nicht trauten, mit Fraktionschefs zu reden. Das müsse anders werden, Politik und Verwaltung müssten offener miteinander kommunizieren. „Da muss man dann aushalten, dass auch mal eine nicht abgestimmte Meinung geäußert wird oder dass eine öffentliche Diskussion entsteht“, so Zinnecker. Er stehe jedenfalls für mehr Transparenz und Offenheit.

Am Montagabend gab es im Deutschen Haus noch eine zweite Personalie, die aber überraschender war als die erste. Zinnecker schlug den Mitgliedern Andreas Kakerbeck als seinen Wahlkampfmanager vor. Der Kaufmann war bis Anfang des Jahres für die CDU im Stadtrat, legte dann sein Mandat nieder und trat aus der Union aus. Kakerbeck outete sich als Anhänger von Joachim Zinnecker und präsentierte erste Ideen, wie man die „Marke Zinne“ im Wahlkampf promoten könnte. Die Mitglieder sprachen auch ihm einstimmig das Vertrauen aus.

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend war der Ausblick auf die Mitgliederversammlung der SPD am kommenden Sonnabend. Zum Bedauern der Grünen aber auch anderer Beobachter stellen die Sozialdemokraten an diesem Tag wohl einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl auf, vermutlich den Ortsvereinsvorsitzenden Remo Rauber. Seine Kandidatur wird schon deshalb kritisch gesehen, weil er derzeit Mitarbeiter der Tiefbauabteilung der Stadt ist und bei einer Wahl zum Bürgermeister Chef all seiner heutigen Vorgesetzten werden würde.

Vor allem wird aber wird das rot-grüne Lager gespalten, so dass am Ende der weniger chancenreiche Kandidat in die Stichwahl gehen könnte. Dann hätte der Kandidat des konservativen Lagers leichtes Spiel. Die CDU will übrigens im Januar entscheiden, wen sie auf den Schild hebt.

Die Unterstützung seiner Familie hat Joachim Zinnecker schon mal. Seine Frau Sabine, die selbst kein Mitglied der Grünen ist, wohnte der Mitgliederversammlung bei und überreichte ihrem Mann, mit dem sie 32 Jahre verheiratet ist, nach seiner Nominierung eine langstielige rote Rose.

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