Bürgermeisterwahl: Geiger zieht zurück +++ Bringt die CDU jetzt Ehrenpfordt? +++ Grüne setzen auf Zinnecker, SPD auf Rauber

Eine volle Amtszeit ist ihm zuviel: Wilfried Geiger, hier im typischen grauen Trenchcoat, kandidiert nicht erneut für das Bürgermeisteramt.
Eine volle Amtszeit ist ihm zuviel: Wilfried Geiger kandidiert nicht erneut für das Bürgermeisteramt.

Von Kristian Stemmler

Paukenschlag in der Buchholzer Kommunalpolitik: Bürgermeister Wilfried Geiger (62) hat überraschend angekündigt, im Mai nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren. Dem Nordheide Wochenblatt sagte Geiger, er werde nicht erneut antreten. „Mein Bauch hat gesagt, mach weiter, mein Verstand sagt, es ist genug“, wird er auf der Homepage des Blattes zitiert. Und weiter: „Ich bin seit fast 45 Jahren im Dienst, seit fast sieben Jahren als Bürgermeister, das ist eine Stressnummer, bei der ich in letzter Zeit merke, dass das Abschalten zu Hause nicht mehr so einfach ist.“

In einer Presseerklärung erläuterte Geiger seine Motive für den Rückzug so: „Ich habe mir lange überlegt, ob ich für eine Amtszeit von jetzt 7 Jahren erneut antreten soll und darf. Ideen, diese Stadt weiter so positiv zu entwickeln wie in den letzten Jahren, habe ich genug. Aber wird es dieser Stadt gerecht, mit 62 Jahren dann bis zum 67. oder bis zum 69. Lebensjahr diese nicht leichte Aufgabe noch einmal anzustreben. Nach 44 Arbeitsjahren muss man nicht nur auf seine Familie und auf seine Gesundheit hören sondern auch auf seinen Verstand. Der sagt mir, dass diese nicht unerhebliche zeitliche und psychische Belastung wieder sehr hoch sein wird.“

Auch wenn er es sich in den nächsten Jahren durchaus zutrauen würde, das Amt auszufüllen, so der Bürgermeister weiter, seien sieben Jahre eine lange Zeit. Und weiter: „Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass unser schönes Buchholz eher keinen über 60jährigen Bürgermeister mehr braucht. Dass jüngere Kandidaten mit Erfahrungen für diese Aufgabe und mit größerer Ausdauer die Zukunft unserer Stadt in ihre Hände nehmen sollten.“ Aus diesem Grund habe er sich „schweren Herzens“ entschlossen, nicht erneut anzutreten.

Nach Informationen des buchholzblogs war für den Verzicht Geigers auf eine Kandidatur auch noch ein anderer Umstand ursächlich, wenn nicht ausschlaggebend. Das Wochenblatt deutet es im Beitrag von Chefredakteur Reinhard Schrader an. Die Buchholzer CDU hat offenbar nicht eindeutig signalisiert, dass sie die Kandidatur des parteilosen Geigers mittragen will. Und zwar offenbar vor allem deshalb, weil es Interessenten an dem Amt in den eigenen Reihen gibt.

Gehandelt wird da zum einen das CDU-Ratsmitglied Robert Ehrenpfordt. Der Berufssoldat dient im Range eines Kapitänleutnant in einem Führungskommando der Bundeswehr, er hat an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg Betriebswirtschaft studiert. Bei seiner Wahl in den Stadtrat 2001 war Ehrenpfordt mit 19 Jahren das jüngste Mitglied des Gremiums. Seit 2009 ist er Mitglied des Kreisvorstands der CDU. Seine Konkurrentin um die Kandidatur könnte Bettina Jägersberg (CDU) werden. Sie war von 2006 bis 2011 Ortsbürgermeisterin von Holm-Seppensen, gehört nach wie vor dem Ortsrat an.

Man darf also gespannt sein, wen die CDU bei der Kandidatenkür im Januar 2014 auf den Schild heben wird (und ob die FDP dem folgen wird). Auch deshalb, weil es neben Ehrenpfordt und Jägersberg noch einen anderen ernstzunehmenden Kandidaten gibt, der den beiden voraus hat, dass er die Buchholzer Verwaltung gut kennt: der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse. Er hat sich noch nicht öffentlich erklärt, es gilt aber als wahrscheinlich, dass er seinen Hut in den Ring werfen wird.

Im rot-grünen Lager sind, wie berichtet, zwei Kandidaten im Gespräch. Als sicher gilt, dass der Chef der Buchholzer SPD, Remo Rauber, im Mai antreten will. Er ist Mitarbeiter in der Tiefbauabteilung der Stadt und würde bei einer Wahl zum Bürgermeister einen Riesensprung nach oben machen. Als grüner Kandidat wird Joachim Zinnecker genannt, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat und Geschäftsführer einer Tochterfirma von Hamburg Wasser. Der erfahrende Kommunalpolitiker könnte der erste grüne Bürgermeister von Buchholz werden.

Noch steht aber die offizielle Zustimmung der Mitglieder der beiden Parteien aus. Die Buchholzer Grünen werden am morgigen Montag bei ihrer Mitgliederversammlung im Deutschen Haus über die Kandidatur von Joachim Zinnecker entscheiden, am Sonnabend will die örtliche SPD ihren Kandidaten küren. Die Bürgermeisterwahl selbst wird voraussichtlich am 25. Mai 2014 stattfinden. Es ist davon auszugehen, dass keiner der Kandidaten dabei die absolute Mehrheit erreichen wird, so dass drei Wochen später wohl eine Stichwahl ansteht. Dann wird vermutlich der Kandidat der CDU gegen einen der beiden Kandidaten des rot-grünen Lagers antreten.

Gesichert ist bisher nur die Kandidatur von Ronald „Ronny“ Bohn, Makler und Vorsitzender des TSV Sprötze. Er präsentiert sich als Mann der Wirtschaft, hat aber weder Erfahrungen in der Kommunalpolitik noch Verwaltungserfahrung vorzuweisen. Er dürfte chancenlos sein, aber dem konservativen Kandidaten noch Stimmen wegnehmen. Das ist ja auch nicht verkehrt!

Advertisements

2 Comments

  1. Zitat Geiger: „Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass unser schönes Buchholz eher keinen über 60jährigen Bürgermeister mehr braucht. Dass jüngere Kandidaten mit Erfahrungen für diese Aufgabe und mit größerer Ausdauer die Zukunft unserer Stadt in ihre Hände nehmen sollten.“ Nun weiß ich ja nicht genau, wie alt der Herr Zinnecker so ist, aber mich deucht, dass der Herr Bürgermeister einem potentiellen Nachfolger hier noch schnell einen verbalen Knüppel zwischen die Beine wirft. Da wirken die jüngeren Kandidaten aus dem „eigenen“ Stall doch gleich doppelt so dynamisch. Wirklich nette Geste an seinen Stellvertreter!

    Gefällt mir

  2. Man kann nur hoffen, dass unter dem künftigen Bürgermeister wieder mehr Politik für den Bürger gemacht wird, und nicht nur Lobbypolitik für bestimmte Interessengruppen und /oder für die Wirtschaft. Politik für die Bürger ist wohl bei bestimmten genannten Kandidaten aber nicht zu erwarten, dass zeigt die Erfahrung. Da lautet das Motto : Bei uns steht der Büger in der Mitte – also im Weg.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s