Hirnloses Halloween +++ Fraktion der Halloweenhasser wächst +++ Polizei warnt vor Auswüchsen

Halloween 3Von Kristian Stemmler

Rette sich, wer kann! Am morgigen Donnerstag steht das hohlste Fest des Jahres an, das aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten importierte Halloween, die Nacht vor Allerheiligen. Kürbisschnitzen in der Kita, Gruselevents in allen Discos, Horrorfilme im TV und marodierende Horden von Kids allüberall – der Halloweenhype wird jedes Jahr schlimmer! Zum Glück wächst offenbar zugleich die Zahl der Halloweenhasser. Das jedenfalls legt eine Umfrage nahe, die der buchholzblog vor kurzem veranstaltet hat.

Auch wenn die Umfrage natürlich nicht repräsentativ sein kann, zeigt sie doch eine deutliche Tendenz. Immerhin 57 blog-Leser haben an der Umfrage teilgenommen, was viel ist für einen blog, und von denen hat sich eine deutliche Zweiviertel-Mehrheit gegen Halloween ausgesprochen. Auf die Frage „Sind Sie auch genervt von Halloween?“ wählten 33 die Antwort „Ja. Der ganze Hype geht mir auf den Senkel!“ und 14 die Antwort „Mit hiesigen Traditionen und Bräuchen hat Halloween nichts zu tun. Es geht nur darum, den Konsum anzukurbeln.“

Lediglich zehn blog-Leser fühlten sich bemüßigt, das Gruselfest zu verteidigen. Sechs entschieden sich für die Antwort „Nein. Ich verstehe die Aufregung nicht. Das ist doch ein harmloses Vergnügen für Kinder und Jugendliche“ und vier für die Antwort „Auch wenn es ein US-Import ist. Eine Kultur lebt auch von importierten Festen und Bräuchen“.

Das ist ein deutliches Ergebnis, aber leider entkommt auch der Halloweenhasser diesem Fest nicht wirklich, es sei denn, er wohnt ganz oben in einem Mehrfamilienhaus oder tief im Wald. Denn die erwähnten Horden von Kindern und Jugendlichen klingeln fast an jeder Tür und fordern mit dem Ruf „Süßes oder Saures!“ zur Herausgabe von Süßigkeiten (oder teilweise auch schon Bargeld) heraus. Dabei lernen die Kleinen vor allem, dass man mit kaltblütiger Erpressung in dieser Gesellschaft offenbar weiterkommt.

Denn wer keine Süßigkeiten parat hat, die Kinder aus Abneigung gegen den Rummel verscheucht oder einfach die Rollos herunterlässt, muss mit Konsequenzen rechnen. Da wird schon mal der Briefkasten mit Schlagsahne aufgefüllt, das Türschloss mit Schnellkleber verziert oder die Fassade mit faulen Eiern beworfen. Auch Feuerwerkskörper kommen zum Einsatz. Also, decken Sie sich lieber morgen bei Lidl oder Aldi vorsorglich mit Süßigkeiten ein!

Dass Halloween längst kein so harmloses Vergnügen mehr ist, zeigt auch der Umstand, dass die Polizeiinspektion Harburg sich jetzt genötigt sah, in einer Pressemitteilung vor Auswüchsen zu warnen. „Auch in den vergangenen Jahren verzeichnete die Polizei leider oftmals Streiche, die die Grenze des Zumutbaren überschritten“, heißt es da. Die Palette reiche von eingeworfenen Scheiben über gesprengte Briefkästen bis zu verwüsteten Vorgärten.

Die Polizei erinnert die Halloween-Fans deshalb daran, dass der Spaß aufhört, wenn fremdes Eigentum beschädigt oder Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Das Legen von Bränden etwa könne eine schwerwiegende Straftat darstellen und das Abbrennen von Feuerwerkskörpern könne Geldbußen nach sich ziehen. Und wenn man etwa konkurrierende Gruppen bedroht, um ihnen die erbeuteten Süßigkeiten abzunehmen, dann sei das eine „räuberische Erpressung“. Das sind doch erfreulich klare Worte!

Sehr schön finde ich auch die Sätze: „Besonders wird auch noch einmal darauf hingewiesen, dass nicht alle Menschen den Halloween-Brauch kennen oder begrüßen. Gerade ältere Menschen oder auch Bürger aus anderen Kulturkreisen reagieren oft verängstigt, wenn in den Abend- und Nachtstunden plötzlich Fremde vor der Tür stehen und lautstark Süßigkeiten fordern.“

Übrigens: Morgen ist auch noch Reformationstag! Zugegeben, der Anschlag von 95 Thesen an eine Kirchentür gibt für eine Party nicht ganz so viel her wie der Auftritt von Hexen, Vampiren und Zauberern. Aber man kann ja auch mal einen Tag nicht feiern und stattdessen nachdenken, in eine Andacht gehen oder auch in sich. Wobei, nun ja, Letzteres ist vermutlich für viele Menschen nicht ratsam, weil sie da nichts vorfinden…

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1 Comment

  1. Sorry, konnte meine Eltern nicht abhalten, Kistenweise Süßkram zu kaufen… Aber 2012 kamen nur 4, 2011 sogar nur 2 Kinder zu uns, also ist das eher eine Ausrede für den Eigenbedarf…

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