Todesanzeige für Priebke im Wochenblatt sorgt für Diskussionen – Abdruck war ein Versehen

Von Kristian Stemmler

Der Skandal um die Todesanzeige für den NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke im Nordheide Wochenblatt sorgt für Aufregung. Im Internet wird der Vorgang zum Beispiel auf der Homepage freigeisterhaus.de kontrovers diskutiert. Auch im buchholzblog, der als erster auf die Anzeige aufmerksam gemacht hat, kommentieren Leser die Sache. Am Mittwoch sorgte der Artikel zum Thema für 721 Zugriffe, die zweithöchste Zahl seit Bestehen des blogs (Spitzenwert war 1061 am Tag des Bürgerentscheids zum Ostring).

Unterdessen wird klar, wie es zum Abdruck der Todesanzeige kommen konnte. Nach Informationen des buchholzblogs ist die Anzeige ins Wochenblatt hineingeschmuggelt worden. Der Mitarbeiter, der sie aufgenommen hat, konnte offenbar mit dem Namen Erich Priebke nichts anfangen, ebensowenig mit den Kürzeln NW Tostedt und NW Unterelbe und er fragte wohl auch nicht nach. Dass sich hinter den Abkürzungen die Neonazi-Gruppierungen Nationaler Widerstand Tostedt und Unterelbe verbergen, war ihm anscheinend nicht klar.

Es ist davon auszugehen, dass die Todesanzeige von einer Privatperson aufgegeben wurde, die den tatsächlichen Hintergrund verschwiegen hat. Auffällig ist, dass lediglich das Geburts- und das Sterbedatum von Priebke aufgeführt sind, aber nicht sein Geburts- und Sterbeort. Da es sich dabei um Hennigsdorf in Brandenburg und Rom handelt, beides Orte, die geographisch nichts mit dem Landkreis Harburg zu tun haben, hätte die Erwähnung zu Nachfragen führen können.

Dass es ihnen gelungen ist, diese Anzeige zu platzieren, dürfte bei den Nazis für diebische Freude sorgen. In der Redaktion des Nordheide Wochenblatts soll das Entsetzen dagegen groß gewesen sein. Anzeigenseiten werden normalerweise von der Redaktion nicht abgenommen. Wobei ich mich daran erinnere, dass zumindest beim Hamburger Abendblatt Todesanzeigen der Redaktion vorgelegt wurden, um sie auf prominente Namen zu überprüfen.

Auch wenn es sich um ein Versehen handelt, ist der Vorgang für den Wochenblatt Verlag natürlich mehr als peinlich. Die Anzeige konterkariert ein Stück weit das Engagement der Zeitung gegen Rechts. Denn ein solches Engagement kann man dem Wochenblatt nicht absprechen. Andererseits passt der Vorgang auch ins Bild, denn die Redaktion ist insgesamt zu nachlässig und inkonsequent, was extremistische Äußerungen angeht. So stehen in Leserbriefen immer wieder haarsträubende, teilweise auch fremdenfeindliche Aussagen.

Wie ich schon in meinem ersten Beitrag zum Thema geschrieben habe, sollte sich die Führung des Verlages für den Abdruck der Todesanzeige entschuldigen und den Vorgang erläutern. Ich unterstütze auch den Vorschlag des Tostedter Malers und Autors Erwin Hilbert, dass der Verlag den mit der Anzeige eingenommenen Betrag (vielleicht um eine nennenswerte Summe aufgestockt) spendet, am besten für Opfer faschistischer Gewalt. Man darf auf die morgige Ausgabe des Wochenblattes gespannt sein.

Natürlich melden sich in der Diskussion auch wieder Leute, die Erich Priebkes Verhalten rechtfertigen und das Massaker in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom, für das er zu lebenslänglicher Haft (später umgewandelt in Hausarrest) verurteilt wurde, relativieren. Am 24.1944 wurden in den zwei miteinander verbundenen Höhlengängen 335 Zivilisten hingerichtet, als Vergeltung für einen Bombenanschlag in Rom am Vortag, bei dem 33 Angehörige eines Südtiroler Polizeiregiments umgekommen waren.

Ich werde mich hier sicher nicht auf irgendwelche Argumente einlassen, dass derartige Erschießungen völkerrechtlich im Krieg erlaubt sind. Der gesamte Krieg war von Anfang bis Ende ein Verbrechen und dieses Massaker nicht weniger. Um einen Eindruck davon zu geben, wie unglaublich grauenhaft das Geschehen damals gewesen sein muss, zitiere ich hier einen Absatz aus wikipedia über die Erschießungen:

„Die Gefangenen wurden, die Hände mit Stricken hinter dem Rücken zusammengebunden, auf Lastwagen zu den Ardeatinischen Höhlen gebracht. Dort wurden sie in Gruppen zu je fünf Mann in die Höhlen geführt, mussten dort niederknien und erhielten auf Kommando von SS- Hauptsturmführer Carl-Theodor Schütz einen Genickschuss. SS-Hauptsturmführer Erich Priebke strich ihre Namen von der Liste. Die Hinrichtungen dauerten von etwa 14 Uhr bis gegen 19 Uhr. Als die Leichenberge zu hoch wurden, mussten die neuen Opfer sich auf die bereits getöteten legen. 80 bis 90 SS-Männer führten die Hinrichtungen durch. Die Gefangenen, die unter Bewachung vor den Höhlen warteten, konnten die Schüsse genau hören. Kappler beteiligte sich an den Erschießungen auch selbst. Ob die Opfer tot waren, wurde nicht kontrolliert. Nach Abschluss der Bluttat wurden die Höhlen gesprengt, manche mögen erst dabei umgekommen sein.“

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