Unglaublich! Wochenblatt druckt Todesanzeige von Neonazis für Kriegsverbrecher Erich Priebke

Veröffentlicht: 2013-10-22 in Politik
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Anzeige Priebke WochenblattVon Kristian Stemmler

Das darf doch nicht wahr sein! Im Nordheide Wochenblatt vom morgigen Mittwoch, das bereits im Internet abrufbar ist, erscheint eine Todesanzeige für den vor kurzem in Italien verstorbenen NS-Kriegsverbrecher Erich Priebke – aufgegeben von den Neonazi-Gruppierungen „Nationaler Widerstand Tostedt“ und „Nationaler Widerstand Unterelbe“. Ein Skandal!

In der zweispaltigen Anzeige, die zwischen den üblichen Todesanzeigen für Verstorbene aus der Region steht, ist lediglich der Name Erich Priebke mit Geburts- und Todesdatum aufgeführt, daneben steht ein Zitat von Gorch Fock: „Die Toten sind nicht tot, sie gehen mit uns, unsichtbar sind sie nur, unhörbar ist ihr Schritt.“ Darunter heißt es: „In tiefer Trauer NW Tostedt/NW Unterelbe“.

Angesichts dieser Anzeige, die dem Autor sofort ins Auge gefallen ist, fragt sich: Hat hier die Anzeigenabteilung geschlafen und nicht gesehen, wer der Verstorbene ist und wer die Anzeige aufgegeben hat? Oder hat man die Anzeige trotz des Wissens um den Hintergrund angenommen? Das eine wie das andere ist ein Skandal!

Der Name Erich Priebke ist zuletzt nicht nur in sämtlichen Nachrichten erwähnt worden, es bedarf auch nur einiger Klicks im Internet, um sowohl seine Bedeutung wie auch die Bedeutung der Kürzel „NW Tostedt“ und „NW Unterelbe“ zu ermitteln. So heißt es auf einer Homepage der Antifa: „In der Gruppierung NW Tostedt tummeln sich die politisch aktiveren Neonazis. Die Mitglieder des NW Tostedt besuchen regelmäßig Aufmärsche und Kundgebungen und treiben die Radikalisierung der rechten Szene maßgeblich voran.“

Der „Nationale Widerstand Tostedt“ hat auch eine eigene Homepage, auf der aktuell eine unerträgliche Relativierung der Verbrechen von Erich Priebke veröffentlicht wurde. In dem Beitrag heißt es unter der Überschrift „Seine Ehre hieß Treue“: „Das Schicksal wollte es, dass er durch einen Führerbefehl an der Vergeltungsaktion für einen feigen kommunistischen Anschlag, der 33 deutsche Soldaten und eine große Zahl unbeteiligter italienischer Zivilisten tötete, teilnehmen musste.“

Und weiter: „Kein Soldat auf der Welt, der die Regeln der Kampfsittlichkeit verinnerlicht hat, erschießt gerne zivile Geiseln. Dazu wird man abkommandiert. Kein Soldat auf der Welt kann sich einem solchen Befehl entziehen. Schon gar nicht, wenn der Befehl vom Staatsoberhaupt und Obersten Kriegsherren nachdrücklich erteilt wird.“ Und schließlich: „Jüdische Organisationen, die seit Jahrzehnten jeden kleinen Gefreiten mit biblischer Rachesüchtigkeit ausgraben, um ihn vor Gericht zu zerren, damit die Propagandakampagnen gegen unser Vaterland nicht ins Stocken geraten, hatten auch Priebke im Visier.“

Tatsächlich hat Erich Priebke unbestritten an der Erschießung von 335 Zivilisten in einem unbenutzten Steinbruchgelände nahe Rom, den Ardeatinischen Höhlen, teilgenommen. Nach einem Anschlag des italienischen Widerstands auf deutsche Soldaten des SS-Polizeiregiments „Bozen“ hatte die deutsche Armeeführung in Italien beschlossen, für jeden der getöteten 33 deutschen Soldaten zehn unbeteiligte italienische Passanten zu töten.

Die höheren Offiziere der SS, darunter auch Priebke, bildeten die Erschießungskommandos auf dem Steinbruchgelände, und erschossen die ersten zwölf Opfer eigenhändig. Priebke führte anschließend wahrscheinlich die Liste, von der die Italiener nach ihrer Erschießung gestrichen wurden. Dies alles ist auf wikipedia nachzulesen, ebenso wie diese Feststellung: „Priebke blieb zeitlebens überzeugter Nationalsozialist und zeigte keine Reue für das Massaker.“

Egal ob es ein Versehen oder Absicht war, in diesem Fall ist eine Erklärung und Entschuldigung der Führung des Wochenblatt-Verlages fällig. Das ist ein Skandal ersten Ranges!

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Kommentare
  1. buchholzblog sagt:

    Ich erinnere mich an die Anzeige für Marloh. Damals habe ich den Verlag angeschrieben und gegen den Abdruck protestiert. Es kam keinerlei Reaktion.

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  2. Anonymous sagt:

    Leider ist es nicht das erste Mal in jüngerer Vergangenheit, dass das Wochenblatt eine Todesanzeige für überzeugte und unbeirrbare Nazis abgedruckt hat. Vielleicht mag man mal recherchieren: Todesanzeige für Klaus-Christoph Marloh im März 2009… Hinter den Grundrechten darf sich das Wochenblatt nicht verstecken und wegducken, es kann nicht verpflichtet werden, solche Anzeigen abzudrucken!

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  3. BlueBear sagt:

    Unfassbar !

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  4. buchholzblog sagt:

    Danke für die Recherche, Olaf! Aufschlussreich!

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  5. Olaf Blohm sagt:

    Soviel zum Pseudonym Dr Gunther Kümel…

    Am 31. März 1965 fand eine Demonstration von Studenten, ehemaligen Widerstandskämpfern und Gewerkschaften gegen den antisemitischen Universitätsprofessor Taras Borodajkewycz statt. Vom RFS und einigen Burschenschaften wurde eine Gegenkundgebung veranstaltet, deren Teilnehmer unter „Proleten raus!“-, „Juden raus!“- und „Hoch Auschwitz!“-Rufen die Demonstration überfielen.[4] Dabei schlug der damals 24-jährige Amateurboxer[5] Kümel den 67-jährigen Demonstranten Ernst Kirchweger, einen ehemaligen KZ-Häftling, nieder und brach ihm dabei den Kiefer. Kirchweger starb zwei Tage später, ohne das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Kümel, der bereits früher wegen Hakenkreuzschmierereien und unter anderem zusammen mit Gerd Honsik verübten Anschlägen auf die italienische Botschaft und das Parlament in Wien verurteilt worden war, wurde dafür wegen Notwehrüberschreitung zu zehn Monaten Haft verurteilt.[6]

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  6. Olaf Blohm sagt:

    Es bedarf wohl keiner weiteren Diskussion, wenn jemand einen verurteilten Kriegsverbrecher mit einem verqueren Rechtsverständnis rehabiltieren möchte und dazu den Tod vieler Zivilisten als legitim rechtfertigt. Der Doktortitel im Pseudonym des Autors gibt den Artikel als auch den Urheber endgültig der Lächerlichkeit preis.

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  7. buchholzblog sagt:

    Ich geb diesen Kommentar frei, um mal die Denke von Leuten zu präsentieren, die das betreffende Massaker und die Rolle Priebkes verteidigen.

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  8. Dr. Gunther Kümel sagt:

    Wieso bezeichnen Sie Priebke als „Kriegsverbrecher“?

    Geiselerschießungen sind völkerrechtlich rechtmäßige „Repressalien“.
    Das Völkerrecht hat dieses Instrument eingesetzt, um die Zivilbevölkerung im Krieg gegen Kriegseinwirkungen zu schützen. In einem Krieg haben nur die anerkannten Truppen das Recht zu Kriegshandlungen. Zivilisten dürfen sich nicht am Kampf beteiligen, sie sind als „Nichtkombattanten“ vor jeder Kriegshandlung zu schützen. Um diese Trennung zwischen Kriegern und Zivilisten zu gewährleisten, sieht das Völkerrecht Zwangsmaßnahmen gegen Übergriffe auf die Besatzungsmacht vor.

    Die Geiseln wurden von der Justiz Italiens gestellt, die zum Tode verurteilte Delinquenten ausgesucht und überstellt hat. Es handelte sich also nicht um „Passanten“. Im übrigen handelte es sich bei den durch die italienischen „Zivilisten“ Ermordeten der Südtiroler Polizeiabteilung nicht um Angehörige der SS. Ein bißchen mehr Ernsthaftigkeit bei der Recherche würde auch dem Buchholz-Forum gut tun.

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  9. antifascist action sagt:

    Der Mensch der hier in der Todesanzeige betrauert wird, war ein führender SS Mann, von dem wir wissen das er sich mit vollster Überzeugung Hitlers Befehlen gewidmet hat. Und auch nach dem 3. Reich zeigte er niemals Reue und blieb bis zum Letzten Moment überzeuger Nationalist (Faschist, Rassist, Antisemit,…) an diesem Umstand wird weder ein Fußballspiel noch eine sture bekiffte Katze etwas ändern.
    Das man um einen solchen Menschen nicht trauert sondern auf seinem Grab lieber tanzen sollte errscheint mir deshalb so logisch wie sinnvoll. Das Wochenblatt hat sich mit der Schaltung dieser Anzeige einen schwer verzeihlichen Fehler erlaubt und hat sich dafür zu entschuldigen.
    Menschen die sich hier seit Jahren bemühen antifaschistische arbeit zu leisten (damit meine ich ernsthafte Antifaschistische Aufklärungsarbeit und kein Fußballspiel Rumeierscheiß wie ihn Unterstützer des Forums für Zivilcourage nur zu gerne nutzt) fühlen sich hiermit zurecht vor den Kopf gestoßen.
    Und wer nun noch sagen kann das Erich Priebke die 100 Jahre gegönnt hat, weil er nur sein Leben bewahren wollte indem er von Hitler erteilte Befehle befolgt hat, dem sei gesagt das er hiermit eine extrem menschenverachtende Schiene fährt die auch höchst faschistoid ist.
    Nazis suchen es sich aus Nazis zu sein, sie sind nicht Opfern dieses achsoschlimmen Gesellschaft, sondern sie sind Nazis weil sie Menschenverachtent sind

    Deutsche Täter sind keine Opfer!
    Kein Vergeben-Kein Vergessen

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  10. einwissender sagt:

    @die Cannabis Katze

    Deinen Beitrag kann man in die gleiche Schublade mit deinem Usernamen stecken.

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  11. buchholzblog sagt:

    Das können fast alle NS-Verbrecher von sich behaupten: Das sie nur Befehle befolgt haben. Ein sehr schwaches Argument! Und was heißt hier, wer hat das Recht zu richten? Natürlich muss man das, was Priebke getan hat, moralisch einordnen. Für mich ist der Mann ein Kriegsverbrecher übelster Sorte!

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  12. Die Cannabis Katze sagt:

    @einwissender (oder besser Unwissender)
    Unabhängig von dem was ein Mensch in seinem Leben getan oder geleistet hat, über die Toten nur gutes hat mir mal jemand gesagt!
    Wenn ein Kommunist einen Nachruf auf einen anderen Kommunisten schreibt, wen stört es? Warum sollte also ein Nazi keine Todesanzeige für einen anderen Nazi aufgeben? Natürlich hätte das Wochenblatt, welches doch im Berichten grade über die Tostedter Naziszene die Nase immer weit vorne hatte, wissen müssen was mit NW-Tostedt gemeint ist, haben sie aber nicht. Jetzt steht eine Todesanzeige mehr in der Zeitung, na und?

    Erich Priebke ist 100 Jahre alt geworden, es sei ihm gegönnt, jetzt ist er tot und hat immer noch keine Ruhe, wer hat das Recht zu richten?? Hatte Erich Priebke es damals? Wenn er den Befehlen nicht gefolgt wäre, dann wäre er als Befehlsverweigerer selbst erschossen worden. Hätte man dadurch die anderen Toten verhindert???
    Diese doppelte Moral ist einfach nur zum kotzen!!!!
    Mein Meinung ist immer die richtige Meinung, denn es ist meine Meinung!

    Und Ich behalte meine Meinung!!!

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  13. einwissender sagt:

    Das politische Engagement geht eindeutig zuweit und die Unwissenheit des Wochenblattes ist unterirdisch!

    Nicht zuletzt ist es widerlich, wie sich die Anzeigenaufgeber mit dieser Aktion brüskieren. Man merkt, dass es sich hierbei um Leute handelt, die weder die nötige Reife noch das nötige Wissen besitzen!

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  14. buchholzblog sagt:

    Erwin Hilbert aus Tostedt hat folgenden Kommentar geschickt:

    Ein Presseunfall der besonderen Art! Mein Leserbrief:
    Vergeblich habe ich mich über ein halbes Jahr bemüht ein sportliches Treffen mit den Tostedter Rechten und dem Forum für Zivilcourage zu organisieren. Dies sollte nach der Ladenschließung ein weiterer Schritt sein, der in einem fruchtbaren Dialog hätte münden können. Die „Rechten“ waren zu einem friedlichem Fußballspiel gegen das Forum und zu einem Dialogfrühstück glaubhaft bereit. Von Seiten des Forums, Ulli Grass und Pastor Meier, kam jedoch nur Ablehnung. Nun muss man sich nicht wundern, wenn „DAS SPIEL“ auf diese unerfreuliche Art weitergeht….. 1:0? Wann endlich begreift man dass solche „Spielchen“ Signale von Rechts sind, das da was im Untergrund brodelt, dem man sich schnellstens stellen muss um die Chance zu einer vertiefenden Begegnung und ein Aufbrechen der verhärteten Fronten zu nutzen? Wenn das nicht geschieht, wird die nächste rechte Generation weiter aufwachsen und gedeihen. Dem Wochenblatt rate ich seinen Fehler offen einzugestehen und die Geldeinahme für die leidliche Todesanzeige einer guten Sache zu spenden. Vielleicht sogar für das gemeinsame Würstchengrillen nach einem Dialogspiel mit den Rechten!
    Das wäre ein zufriedenes 1:1!
    Genaueres kann man hier entnehmen: http://www.himmelscafe.de/2006/main/newsContent/showTime.php?subaction=showfull&id=1357231944&archive&start_from&ucat&#content

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  15. buchholzblog sagt:

    Danke für Ihr Engagement! Das sehe ich auch so. Da muss was kommen vom Wochenblatt.

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  16. ein Leser sagt:

    Habe eben im Wochenblatt die Anzeige gesehen und einen Brief an die Redaktion gesandt. Danach bin ich durch Zufall auf diesen Blogeintrag gestossen. Danke, dass es noch mehr aufmerksame Buerger gibt.

    Hier ist eine Seite 1 -Entschuldigung der Wochenblatt-Redaktion fällig.
    Gleichzeitig eine umfassende Aufklärung der Hintergründe sowie eine
    Beschreibung der aktuell in unserem Landkreis bestehenden rechten Strukturen.

    Ein Grossteil der Buerger geht nämlich leider davon aus, daß sich das Thema „Rechts“ mit dem Verschwinden des Geschäfts „Streetwear Tostedt“ in der Region erledigt hat. Das Gegenteil ist leider der Fall…

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