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Archive for September 2013

imagesVon Kristian Stemmler

Heute waren sie alle noch mal da. Auf dem Buchholzer Wochenmarkt gab es einen Tag vor der Bundestagswahl kein Entkommen vor den Parteien. CDU und SPD Seite an Seite (wie demnächst wohl im Kabinett), die Zweitstimmenbettler von der FDP vor dem City Center neben ihrem neuen Konkurrenten, der Alternative für Deutschland (AfD), dann die auf ein zweistelliges Ergebnis hoffenden Grünen, Richtung Emporeteich die aus dem Bundestag ausscheidenden Piraten und vor der Galerie die einzigen Kriegsgegner im Bundestag, Die Linke.

Auch wenn die politische Ausrichtung des buchholzblogs im Großen und Ganzen kein Geheimnis sein dürfte, wird er keine Wahlempfehlung von sich geben. Oder vielleicht doch – der buchholzblog empfiehlt: Erststimme für Bracht-Bendt und Zweitstimme für die Eurorebellen von der AfD! Mit der Wahl von Bracht-Bendt könnte man den CDU-Kandidaten Michael Grosse-Brömer richtig ärgern und mit einer Stimme für die AfD, deren Spitzenkandidat Bernd Lucke in Winsen wohnt und im hiesigen Wahlkreis kandidiert, könnte man Schwarz-Gelb verhindern. Denn deren Einzug in den Bundestag würde die Machtarithmetik durcheinanderwirbeln.

Spiegel online machte gestern unter der Überschrift „Merkel muss die AfD fürchten“ auf dieses Phänomen aufmerksam. Die Umfrageinstitute sähen die Alternative bei vier bzw. 4,5 Prozent, da sich viele Wähler aber erst kurz vom Ankreuzen endgültig entscheiden, sei es im Bereich des Möglichen, dass die Eurorebellen die Fünf-Prozent-Hürde schaffen. Dann aber sei die Fortsetzung der CDU-FDP-Koalition so gut wie ausgeschlossen, alles laufe dann auf eine große Koalition hinaus (was natürlich eigentlich auch niemand wollen kann).

Die oben abgegebene Wahlempfehlung ist selbstverständlich nicht ernst gemeint, denn die Neoliberalen von der FDP sind ebenso unwählbar wie die dubiosen Rechtspopulisten von der AfD. Auch wenn es dieser Partei im Wahlkampf gut gelungen ist, sich auf das Euro-Thema zu konzentrieren und das Image einer rechtspopulistischen Gruppierung zu vermeiden, so tendiert der Verein doch bei genauerem Hinsehen genau in diese Richtung.

Wie bei wikipedia nachzulesen ist, fand etwa der Düsseldorfer Sozialwissenschaftler Alexander Häuser bei der AfD „nationale Untergangsprophezeiungen“ und „die gleichen Angstthemen und Ressentiments“ wie bei allen rechtspopulistischen Parteien Europas, die sie über das Thema Euro für eine „Politik des chauvinistischen Wutbürgertums nutzbar zu machen“ versuche. Trotz „Chaos und politischer Stümperei“, einem „autoritären Führungsstil“ und „dilettantischen Fehlern“ sei sie ein gefährlicher Anziehungspunkt für rechtspopulistische Einstellungen, weil führende Mitglieder eine „homophobe Familienpolitik und reaktionäre Forderungen hinsichtlich ostdeutscher Bodenenteignungen“ verträten.

Der Soziologe Andreas Kemper weist laut wikipedia darauf hin, dass die rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ der AfD als inoffizielles Parteiorgan diene. Die Partei bediene ähnliche Vorurteile wie Thilo Sarrazin, stelle sie aber weniger heraus als die rechtspopulistischen PRO-Parteien. Ihr „nationalliberaler“, mit der amerikanischen Tea Party vergleichbare Parteiflügel habe eindeutig homophobe und antidemokratische Tendenzen.

Das klingt alles plausibel, auf jeden Fall ist die AfD eine marktliberale Partei. Viele ihrer prominenten Vertreter stehen großen Unternehmen oder Pressure Groups der Wirtschaft nahe. Ihr Ziel ist grob gesagt, den Arbeitsmarkt und das Bildungswesen noch mehr den Interessen der Unternehmen anzupassen. Wer seine Stimme morgen tatsächlich an diese Truppe verschenken will, sollte das wissen!

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Disharmonien bis zum Schluss – das Tor zum Anwesen von P. C. Otto.

 

Was soll ich länger weilen, dass man mich trieb hinaus? Lass irre Hunde heulen vor ihres Herren Haus. (aus der „Winterreise“ von Franz Schubert)

Von Kristian Stemmler

Es war große Oper. Es gab viele Aufs und Abs, überraschende Wendungen und ein ausgesprochen ausgedehntes Finale – jetzt aber scheint der letzte Aufzug für den „Don Quichotte vom Höllental“ bevorzustehen. Nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg auch seine letzten drei Einsprüche abgeschmettert hat, soll das schwarz gebaute Haus von Tenor Prosper-Christian Otto im Sprötzer Wald am Brunsberg am kommenden Donnerstag geräumt und dann mit dem Abriss begonnen werden. Das berichtet die Harburger Rundschau. Um 8 Uhr wolle die Stadt mit Hilfskräften an der Straße Dependahl anrücken.

Angesichts seiner endgültigen Niederlage dreht Otto offenbar endgültig durch. In einem Brief an die Eltern der rund 800 Schüler der Musikschule, dessen Trägerverein er vorsitzt, wirft er mit haltlosen Vorwürfen gegen die Stadt um sich und droht mit einer Gebührenerhöhung, weil ein Büro der Musikschule, das sich bisher in seinem Haus befand, aufgelöst werden musste. Die Stadt reagierte jetzt mit einer geharnischten Pressemitteilung auf ihrer Homepage, die am Ende dieses Beitrags dokumentiert ist.

Angesichts von Ottos bisherigen Eskapaden ist kaum zu glauben, was die Harburger Rundschau berichtet. Otto soll sich angeblich mit seinem Schicksal abgefunden haben. Das Blatt zitiert ihn mit den Worten: „Wir packen jetzt unsere Sachen und suchen nach einem Ausweichquartier.“ Hat der Berufssänger Kreide gefressen? Bisher hat er Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, ist sogar bis nach Karlsruhe gegangen, um den Abriss seines Hauses zu verhindern.

Ganz offenbar hat der Professor zumindest nichts dagegen, den letzten Akt vor einem mehr oder weniger großen Publikum zu spielen, warum sollte er sonst den Termin der Räumung bekannt geben. Die Buchholzer Verwaltung hätte das von sich aus nicht getan. Jetzt werden natürlich etliche Medienvertreter, vermutlich auch Fernsehen, vor Ort sein, sicher auch einige Schaulustige. Zu befürchten ist, dass Otto noch Boulevardmedien alarmiert, die die Hintergründe des Falls nicht kennen.

Die Stadt wird sich mit Sicherheit keine Blöße geben wollen und dürfte den Einsatz generalstabsmäßig vorbereitet haben. Neben den eigenen Mitarbeitern und Bauarbeitern werden vermutlich auch Einsatzkräfte der Polizei und andere Hilfskräfte vor Ort sein. Bürgermeister Wilfried Geiger hatte in der Ratssitzung am vergangenen Dienstag deutlich gemacht, dass man sogar Regelungen für den Fall getroffen hat, dass Otto und seine Frau untergebracht werden müssen (Notunterkunft Bremer Straße oder Zivildienstschule wurde hier von Ratsmitgliedern vorgeschlagen…).

Jegliches Mitleid mit Prosper-Christian Otto ist übrigens fehl am Platze. Der Tenor hat mit einer Mischung aus Halsstarrigkeit, Ignoranz, Maßlosigkeit und Unverschämtheit überall nur verbrannte Erde hinterlassen. Er hat die Verwaltung und den Rat kriminellen Verhaltens bezichtigt, sein gesamtes Umfeld in seinen Kampf hineingezogen, hat seinen Nachbarn im Wohngebiet Lohbergen mit seinem juristischen Feldzug geschadet (sie dürfen zum Beispiel ihr Haus nicht wiederaufbauen, falls es abbrennen sollte) und die Musikschule, deren Trägerverein er vorsitzt, in Geiselhaft genommen.

Auch jetzt noch kann Otto nicht damit aufhören, die Musikschule für seine Zwecke einzuspannen, wie oben erwähnt. In der Harburger Rundschau kündigte er bereits an, die Gebühren für die rund 800 Musikschüler müssten um acht Prozent steigen, wenn die Musikschule neue Räume anmieten müsste. Die Schule hatte bisher ein Büro in Ottos Haus, das sie aber jetzt räumen musste. Der neue Leiter, Thomas Hansen, zog in die beiden Räume im Dachgeschoss des Standesamtes, die der Musikschule auch bisher schon zur Verfügung standen.

Die Räume seien aber nicht ausreichend, wird Hansen zitiert, er sei auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. Er bedauere es sehr, dass die Musikschule in den Konflikt zwischen Otto und der Stadt hineingezogen worden sei. Dazu lässt sich anmerken, dass dies allein die Schuld des Sängers ist, der nicht zum ersten Mal die Musikschule als Druckmittel gegen die Verwaltung missbraucht. Es ist höchste Zeit, dass der Verein dieses Verhalten ihres Vorsitzenden thematisiert.

Die Stadt wird wohl nicht in die Verlegenheit kommen, das Ehepaar Otto unterbringen zum müssen. Otto hat offenbar eine Unterkunft an der Hand, das sagte er jedenfalls der Harburger Rundschau. Sie liege außerhalb von Buchholz, aber noch in der Nordheide. Er spiele mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen (eine gute Idee!). Was sich in der Sache bis heute abgespielt habe, sei „ein Stück aus dem Tollhaus“. Da hat er recht!

Und hier die Mitteilung des Pressesprechers der Stadt, Heinrich Helms, im Wortlaut:

Dieses Schreiben bringt das Fass zum Überlaufen. „Das können wir nicht auf sich beruhen lassen.“ Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse ist stinksauer. Grund ist ein Brief Prosper C. Ottos, den der in seiner Funktion als Vorstand der Musikschule für die Stadt Buchholz den Eltern der rund 800 Schülerinnen und Schüler geschrieben hat. Vor dem Hintergrund des jahrelangen Rechtsstreits zwischen Otto und Stadt um den Schwarzbau im Landschaftsschutzgebiet Lohbergen in Sprötze, „instrumentalisiert Otto die Schule für seine privaten Zwecke, stellt hanebüchene Behauptungen auf und verdreht den Sachverhalt“, empört sich Röhse, dessen Kinder die Musikschule ebenfalls besuchen.

In dem besagten Schreiben wirft Otto Bürgermeister Wilfried Geiger unter anderem vor, die Musikschule, die ein Büro in Ottos Haus betrieben hat, in den Konflikt mit hineingezogen zu haben. Er behauptet überdies, Geiger wolle Gerichtsentscheidungen nicht abwarten. Vielmehr müsse damit gerechnet werden, „dass der Bürgermeister das Musikschulbüro auch dann zerstören lässt, wenn die Rechtslage dies verbietet“. Deshalb müsse sich die Einrichtung neue Räume suchen. Weil das koste, hat Otto dem Schreiben gleich den neuen (erhöhten) Gebührentarif beigelegt. Er fordert die Eltern deshalb auf, sich an Geiger zu wenden, „der durch sein kompromissloses Verhalten die Notwendigkeit dieser Gebührenerhöhung erzwungen hat“.

Ottos Behauptungen sind rufschädigend und verletzen Persönlichkeitsrechte“, sagt Röhse. Die Abrissverfügung gegen Ottos Schwarzbau sei seit dem Beschluss des Lüneburger Oberverwaltungsgerichtes (OVG) vom März vergangenen Jahres rechtskräftig. Das sei sowohl dem Privatmann Otto wie auch dem Musikschulvorstand Otto bekannt. Die jüngsten Beschwerden Ottos beim OVG in dieser und in seiner privaten Sache seien überdies vom Gericht alle abschlägig beschieden worden. Das Gericht habe den Abriss des Schwarzbaus also nicht untersagt, sondern explizit erlaubt.

Es kann also gar keine Rede davon sein, dass der Bürgermeister ein Büro ohne Rechtsgrundlage zerstören lässt“, stellt Röhse klar. Hinzu kommt, dass der Bürgermeister in dieser Sache die einstimmige Auffassung des Rates vertritt. Darüber hinaus stellt die Stadt der Musikschule seit Jahrzehnten Büroraum im städtischen Standesamt zur Verfügung, den diese auch nutzt. So trägt das Schreiben der Musikschule bezeichnenderweise im Briefkopf als Absender eben diese Büroadresse in der Kirchenstraße. Unabhängig davon fördert die Stadt die Musikschule der Stadt Buchholz jährlich mit rund 80 000 Euro und stellt Schulen kostenlos für den Musikunterricht zur Verfügung.

Ob Ottos Strategie aufgeht, darf indes bezweifelt werden. „Da instrumentalisiert jemand die Schule für seine privaten Zwecke“, sagt einer der Adressaten des Briefes am Bürgertelefon. Das Fazit des Vaters: „Dieses Schreiben ist ein Frechheit.“ Die Stadt erwägt jetzt rechtliche Schritte gegen den Verfasser des Briefes.

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Das Schild am Laden Vom Fass

Das Schild am Laden Vom Fass

Auch nach der Übernahme durch einen US-amerikanischen Konzern geht es mit dem City Center weiter bergab. Im Erdgeschoss hat jetzt ein weiteres Geschäft dicht gemacht. Der Feinkosthandel Vom Fass, bei dem es Wein, Spirituosen, Öle und anderes gab, hat seit heute geschlossen. Nach dem Auszug von Heymann, der in die Buchholz Galerie wechselte, und Lidl herrscht im Erdgeschoss tote Hose. Aber auch im Obergeschoss des Einkaufszentrums ist die Laufkundschaft weniger geworden. Dort macht nach Information des buchholzblogs demnächst das Textilgeschäft Pretty Moden dicht. Nach wie vor leer stehen in diesem Stockwerk die Flächen, auf denen sich ein Geschenkartikelladen und eine Filiale der Bäckerei Seifert befunden haben. Der einzige Magnet im City Center ist noch Rossmann, auch die Fachgeschäfte wie Keese Optik, der Teeladen oder Tabakwaren Kahlert kommen dank ihrer Stammkundschaft über die Runden.

Von einem neuen Konzept für das marode Center ist bisher nichts zu sehen. Zwar sollen schon eifrige Herren durch die Shopping Mall gelaufen sein, um alles zu vermessen, aber mehr ist bisher nicht passiert. Wie berichtet, war Anfang Juli bekannt geworden, dass das US-amerikanische Unternehmen Cerberus Capital Management die insolvente Secur-Gruppe übernommen, zu der das City Center gehört. Angeblich sollen alle übernommenen Center modernisiert und weiterentwickelt werden.

Der Manager des City Centers, Franz Jebavy, jubilierte damals: „Jetzt geht es steil bergauf. Der neue Eigentümer erstellt neue Konzepte, es gibt schon einige Mietaspiranten, die für den Standort interessant sind.“ Bisher sind das nur schöne Worte. (kst)

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Ausriss Harder 2Von Kristian Stemmler

Klaus Harder ist erleichtert. „Mit dieser Lösung können wir leben. Dann hat ein jahrelanger Kampf gegen die Staubbelastung endlich Erfolg gehabt“, sagt der 83-Jährige. Harder vertritt die meisten der Anwohner des südlichen Teils der Lohbergenstraße und hat soeben vom Ergebnis der Fragebogenaktion der Stadt erfahren. Eine klare Mehrheit der Anwohner der Straße hat sich für eine weitere Sperrung ausgesprochen – die Lohbergenstraße soll jetzt bis zu ihrem Ausbau 2017 südlich der Wiesenstraße dicht gemacht werden.

Insgesamt befragte die Verwaltung 176 Anlieger der Lohbergenstraße, von denen 126 (71,6 Prozent) antworteten. Für eine Sperrung zwischen Wiesenstraße und Fuhrenkamp (Variante 1), wie sie seit einigen Wochen existiert, sprachen sich 62 Anwohner (49,3 Prozent) aus, für die Sperrung südlich der Wiesenstraße (Variante 2), bei der eine Zufahrt von der Wiesenstraße in den Fuhrenkamp möglich ist, waren 37 Anwohner (29,3 Prozent). 27 Befragte (21,4 Prozent) votierten für eine komplette Aufhebung der Sperrung. Damit sprechen sich 78,6 Prozent der Anwohner für eine Sperrung aus.

Die Verwaltung schlägt jetzt die Variante 2 vor, „da die Anliegerstraße übermäßig als Abkürzung genutzt wird und dadurch auch in Trockenperioden im Herbst, Winter und Frühling bei geringen Geschwindigkeiten zu intensiver Staubentwicklung neigt“. Mit dieser Lösung werde der Durchgangsverkehr in beiden Richtungen aus der Lohbergenstraße ferngehalten, da der südliche Teil zur Sackgasse werde. Heute Abend (18.30 Uhr, Rathauskantine) befasst sich der Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung mit dem Thema, am 7. November beschließt der Verwaltungsausschuss.

Ist der seit Jahren schwelende Konflikt damit beigelegt? Klaus Harder und seine Mitstreiter hätten mit der dauerhaften Sperrung jedenfalls ihr Ziel erreicht, den Durchgangsverkehr aus der Lohbergenstraße zu verbannen. Seit das alte Kopfsteinpflaster vor zwölf Jahr mit Schotter überzogen wurde, klagen die Anwohner über eine oft unzumutbare Staubbelastung.

„An trockenen Tagen kann man zu bestimmten Zeiten nicht im Garten sitzen“, sagt Harder, „da rauscht ein Fahrzeug nach dem anderen vorbei und wirbelt den Staub zu uns auf.“ Morgens und mittags seit der Verkehr besonders stark, auch wegen der vielen Mütter, die ihre Kinder zur Wiesenschule oder dem benachbarten Kindergarten von St. Johannis bringen bzw. von dort abholen. „Die rasen hier oft ganz schön“, so der Rentner, der früher als Pilot prominente Politiker wie Franz-Josef Strauß, Heinrich Lübke und Ludwig Erhard geflogen hat.

In diesem Sommer nahm die Belastung noch einmal erheblich zu, als die K 28 in Seppensen gesperrt wurde und Autofahrer die Lohbergenstraße als Abkürzung nutzten. Die Stadt zog die Notbremse und sperrte die Straße zwischen Wiesenstraße und Fuhrenkamp. Harder und seine Mitstreiter waren zufrieden, aber die Sperrung rief Anwohner umliegender Straßen auf den Plan. 35 Anlieger der Straßen Alte Rennbahn, Wiesenstraße, Fuhrenkamp und Eichenkamp protestierten mit ihrer Unterschrift gegen eine dauerhafte Sperrung, weil sie zu unzumutbaren Umwegen führe.

Dieses Argument lässt Klaus Harder nicht gelten. So schlimm seien die Umwege nicht. Wenn eine Mutter zwei, drei Kilometer mehr fahren müsse, um ihr Kinder zur Kita zu bringen, sei das zumutbar. Harder verweist auf Bürgermeister Wilfried Geiger, der im Stadtplanungsausschuss erklärt hatte, er mute den Autofahrern lieber einen kurzen Umweg zu, als die Anwohner weiter der Staubbelastung auszusetzen.

Bis zum Ausbau der Straße 2017 wird die Lohbergenstraße jetzt also vermutlich voll gesperrt. Klaus Harder versteht allerdings nicht, warum die Lohbergenstraße überhaupt ausgebaut werden muss. „Unter dem Schotter ist ein wunderbares Kopfsteinpflaster. Warum legt man das nicht einfach wieder frei. Das wäre die einfachste, billigste und umweltverträglichste Lösung“, sagt er. Und vor allem wäre das auch ein natürliches Mittel gegen das Rasen auf der Lohbergenstraße.

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Von Kristian Stemmler

Hier schlug der Hockeyball ein - eine deutliche Delle im Blech!

Hier schlug der Hockeyball ein – eine deutliche Delle im Blech!

Im Streit um den Kunstrasenplatz an der Wiesenschule kehrt keine Ruhe ein. Ein neuer Vorfall sorgt jetzt dafür, dass die Anwohner wieder auf der Zinne sind. Ein Hockeyball, offenbar von einem Spieler von Buchholz 08 geschossen, traf auf einem angrenzenden Grundstück des Platzes ein geparktes Auto. „Wir fanden den Ball neben dem Auto. Die Motorhaube ist deutlich eingedellt, man mag sich die Wucht des Balles gar nicht vorstellen“, sagt Anwohnerin Dörte Nissen. Sie will jetzt einen Anwalt beauftragen, um Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

Der Vorfall bestätigt die schlimmsten Befürchtungen der Anwohner. „Nicht lange davor haben mein 14-jähriger Sohn und ich genau in der Flugschneise Laub gefegt. Der Ball wäre genau auf Kopfhöhe gewesen…“, sagt Dörte Nissen. Sie habe schon immer Angst vor diesen Bällen gehabt. Des öfteren werde beim Hockeytraining das Tor direkt vor ihrem Garten platziert, ohne einen Ballfangzaun oder andere Schutzvorrichtungen.

Auch Anwohner Gerd Schrader, der die Klage gegen den Betrieb des Kunstrasenplatzes beim Verwaltungsgericht Lüneburg mit initiiert hat, ist entsetzt über den Vorfall mit dem Hockeyball. „Die Verantwortlichen begreifen wohl erst, wenn ein Kind getroffen wird, dass ein Hockeyplatz in einem Wohngebiet eine Gefahr darstellt“, sagt er. Seit Monaten leidet die Familie Schrader unter dem Lärm auf dem Kunstrasenplatz und den Belästigungen durch das Flutlicht. Gerd Schrader ärgert sich vor allem über den Ersten Stadtrat und Sportdezernenten Jan-Hendrik Röhse.

Schrader wirft Röhse vor, kein wirkliches Interesse daran zu haben, die Anwohner vor dem Lärm und anderen Belästigungen zu schützen. So seien seine Versuche, die Situation zu verbessern, bisher eher kontraproduktiv gewesen. „Im Frühjahr 2012 ließ er zum Beispiel eine Folie am Ballfangzaun anbringen, in der Absicht, die Anwohner vor dem Flutlicht zu schützen. Der Effekt: Nicht ein Flutlichtstrahl wurde von unseren Häusern abgehalten, aber im Sommer wäre uns die Abendsonne genommen worden“, so Schrader. Zum Glück habe die Folie sich losgerissen und sei dann entfernt worden.

Genauso sinnlos sei die Montage von Blechen an den Scheinwerfern gewesen. Sie sorgten lediglich dafür, dass im Herbst bei niedrigem Sonnenstand in seiner Wohnung unangenehme Blendwirkungen aufträten. Im Herbst 2012 habe Röhse dann mit der Schaltung des Flutlichtes experimentiert. Der Effekt sei diesmal gewesen, dass sich das Flutlicht nur auf einer Seite anschalten ließ und sich nun die doppelte Anzahl von Spielern auf der Seite austobten, auf der die meisten Anwohner leben.

Schrader wirft Röhse auch vor, gegen die auf dem Kunstrasenplatz trainierenden Vereine nicht wirklich durchzugreifen. So würden etwa Hockeyspiele immer wieder am Sonntag angesetzt, obwohl der Platz am Sonnabend ungenutzt sei. Oder sie würden als „besondere Ereignisse“ deklariert, um auch am Sonntag in der Mittagszeit spielen zu können. Vorfälle wie das Grillfest der 08-Hockeyherren am Sonntagmittag und die Tanzeinlage von 08-Tänzern am Sonntagmorgen (der blog berichtete) würden kurzerhand zu „Missverständnissen“ erklärt. Schrader: „Die Vereine haben hier doch Narrenfreiheit.“

Zuletzt stritt sich Schraders Frau Sabine mit Röhse über die Frage, was laut Sachverständigengutachten unter „Nutzungszeit“ zu verstehen ist. Für den Sportdezernenten ist das nur der reine Spielbetrieb. Für die Schraders ist das absurd. Sabine Schrader schrieb an Röhse: „Wenn die 18. Bundeslärmschutzverordnung schon das relativ geräuscharme Betreten und Verlassen des Platzes als Nutzungszeit wertet, wie kann dann ein einstündiger Einspielbetrieb keine Nutzung sein.“

Tatsächlich stellt sich die Frage, ob die Vorfälle der letzten Wochen und Monate die Position der Stadt vor Gericht stärken. Es sieht nicht so aus, als seien die Sportler, die den Kunstrasenplatz nutzen, für die heikle Situation vor Ort nachhaltig sensibilisiert worden.

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Reinhard Bonnke predigt den Massen - das Cover des Buches "Mission Gottesreich"

Reinhard Bonnke predigt den Massen – das Cover des Buches „Mission Gottesreich“

Von Kristian Stemmler

Sie sind radikal, sendungsbewusst und zunehmend erfolgreich: christliche Fundamentalisten in Deutschland. Die Bibel ist für sie die Lebens- und Glaubensgrundlage, andere Religionen lehnen sie ab, alle Nichtchristen wollen sie bekehren, Homosexualität gilt als Sünde, Sex vor der Ehe ist verpönt. – Mit diesen Worten beginnt das Buch „Mission Gottesreich“ von Oda Lambrecht und Christian Baars, das detailliert über die Umtriebe fundamentalistischer Christen hierzulande berichtet. Kritisch erwähnt wird in dem Buch auch explizit eine Gemeinde aus dem Landkreis Harburg: das Christus Centrum Tostedt (CCT) und ihr Pastor Ingolf Ellßel.

Völlig unkritisch berichtet dagegen das Nordheide Wochenblatt über die pfingstlich-charismatische Gemeinde. Gleich in zwei Ausgaben wird aus Anlass der 60-Jahr-Feier des CCT jeweils auf einer ganzen Seite die Geschichte und das Wirken der Gemeinde dargestellt. Unter der Überschrift „Nächstenliebe als Antriebsfeder“ darf der zweite Pastor, Andreas Timm, Harmlosigkeiten über „gelebten Glauben“ und den Willen, anderen zu helfen, von sich geben. In der aktuellen Mittwochausgabe wird das Programm der Jubiläumsfeier abgedruckt, verziert mit netten Fotos von jungen Sängern, darunter die zur Gemeinde gehörende Florence Joy (Gewinnerin der Sat 1-Show „Star Search“ 2004), und einer lustigen Kinderschar.

Dass in den redaktionellen Beiträgen kein einziges kritisches Wort zu finden ist, hat zum einen den Grund, dass es sich um bezahlte Seiten mit Anzeigen von Kunden und Unterstützern des CCT handelt. Zum anderen hat das Wochenblatt aber auch bereits mehrfach seine Unkenntnis der Hintergründe in der evangelikalen Szene bewiesen, etwa als sie das Oberhaupt der Neuapostolischen Kirche, einer schlimmen Sekte, hochjubelte (der blog berichtete),

Darum ist es der Zeitung offenbar auch nicht aufgefallen, dass im Festgottesdienst heute vormittag in Tostedt einer der gefährlichsten Protagonisten der christlichen Fundamentalistenszene seinen Auftritt hat: der Prediger Reinhard Bonnke. Dabei hätte es nur einiger Klicks im Internet bedurft, um sich über den Mann, der sich selbst auch gern als „Mähdrescher Gottes“ bezeichnet, zu informieren. Bonnke missioniert seit Jahrzehnten vor allem in Afrika, predigte in Ländern wie Nigeria und Kenia teilweise vor Hunderttausenden und transportiert dabei einen gefährlichen Aberglauben.

Mit seinem Werk „Christus für alle Nationen“ scheffelt der Prediger Millionen. Im Buch „Mission Gottesreich“ heißt es, dass er zum Beispiel 2007 einen Überschuss von zwei Millionen Euro erwirtschaftet hat. Dazu tragen auch seine vielen Bücher und Broschüren bei, die nach Angaben der Homepage des Werkes eine Gesamtauflage von rund 190 Millionen erreicht hätten und in 143 Sprachen übersetzt worden seien. Dabei propagiert er nicht nur immer wieder angebliche Wunderheilungen, er heizt auch die Spannungen zwischen Christen und Muslimen in diesen Ländern an, was bereits zu Hunderten von Toten geführt hat.

Immer wieder präsentiert Bonnke bei seinen Evangelisationen auf der Bühne Menschen, die ihr Glaube angeblich geheilt hat. Auf einer seiner DVDs sagt er: „Nun liebe Freunde, während ich Jahr für Jahr weltweit vor Millionen Menschen das Wort Gottes predige, geschehen Tausende und Abertausende Wunder. Blinde können sehen, Lahmen können gehen, taube Ohren öffnen sich, stumme Münder beginnen zu sprechen. Die Mächte der Finsternis werden zerstört und kostbare Leben werden wieder hergestellt.“

Nigeria ist ein Schwerpunkt von Bonnkes Aktivitäten. Dass es seit Jahren in dem Land erhebliche Spannungen zwischen Christen und Muslimen gibt, hält ihn nicht von seinen Kreuzzügen ab. Als er 1991 in der Millionenstadt Kano im Norden Nigerias predigen wollte, so berichtet „Mission Gottesreich“, kam es zu schweren Unruhen mit Hunderten von Toten. Muslime hatten sich provoziert gefühlt. Einige Städte im Norden Nigerias verhängten daraufhin ein Aufenthaltsverbot gegen Bonnke. Als er 1999 erneut in dem Land missionierte, wurden 16 Menschen bei einer seiner Veranstaltungen zu Tode getrampelt. Ende 2001 heizte er im Südwesten Nigerias den Religionskonflikt an, mehrere Kirchen wurden zerstört, ein Pastor totgeschlagen. Bonnke scherte das nicht: „Er reiste unter Sirengeheul in einer Mercedes-Limousine an.“

Dass die Gemeinde in Tostedt ausgerechnet einen solch mehr als dubiosen Mann als „Stargast“ für ihr Jubiläum engagiert (Bonnkes Homepage meldet übrigens, die Veranstaltung sei ausgebucht), das zeigt, wes‘ Geistes Kind man dort ist. Andererseits passt es auch, denn zumindest der einflussreiche Gemeindeleiter Ingolf Ellßel dürfte theologisch nicht weit weg von Bonnke sein.

„Ingolf Ellßel glaubt an Wunder und die heilende Wirkung des Gebets“, heißt es im Buch „Mission Gottesreich“, „er glaubt an das Gute und das Böse auf der Welt, an Gott, den Teufel und Dämonen. Es gibt sehr intelligente Dämonen, ich empfehle grundsätzlich, nicht mit ihnen zu reden, erklärt der Pfingstprediger zum Beispiel auf seiner CD Befreiungsdienst für Fortgeschrittene. Dämonenaustreibung ist aus seiner Sicht eine Aufgabe der Seelsorger.“

Ellßel ist nicht irgendjemand in der freikirchlichen Szene, er gehört zu den einflussreichsten pfingstlich-charismatischen Predigern. Seit 2001 ist er Vorsitzender der Europäischen Pfingstbewegung (PEF), bis September 2008 war er auch Präses des deutschen „Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden“ (BFP) und bis Mai 2008 Vorstandsmitglied der „Vereinigung evangelischer Freikirchen“ (VEF). Mitschnitte einiger seiner Predigten und Seminare kann man bei „Ellßel-Medien“ kaufen.

Auf einer CD, so zitiert das Buch, erklärt der Prediger, dass andere Religionen von Satan geschickt worden seien. „Grundsätzlich sollte man einen Moslem auffordern, dass er den Götzendienst des moslemischen Glaubens entsagt.“ Ellßel lehne Pluralismus ab, das mache das Volk anfällig für „okkulte Unterwanderung“. In seiner Gemeinde habe man sich für die Theokratie entscheiden, erklärte er in einer Predigt 2001.

Diese gefährliche Intoleranz ist typisch für viele freikirchliche Gemeinschaften, ebenso wie der abstruse Aberglauben an Wunderheilungen und Dämonen. Nach innen wird ein moralischer Rigorismus exekutiert, der oft zu einem enormen Gruppendruck führt. Wer den angeblich biblisch begründeten Direktiven nicht entspricht, zum Beispiel seinen Ehepartner verlässt, wird bestraft, geschnitten oder sogar ganz rausgeworfen. Wenn Kinder daheim geschlagen werden, interessiert das weniger, denn schließlich steht schon in der Bibel, dass die Eltern nicht mit der Rute sparen sollen.

Es ist erschreckend, wie wenig man in der Öffentlichkeit über diese Zustände weiß, wie wenig man von den theologischen Hintergründen versteht – und das Nordheide Wochenblatt ist da keine Ausnahme. Immerhin druckt die Zeitung in der Ausgabe vom 11. September einen Leserbrief des Tostedter Malers und Autors Erwin Hilbert ab, der vor dem CCT warnt. Darin heißt es: „Aus jahrelanger eigener Erfahrung kann ich nur davor warnen, sich in den Einflussbereich einer der vielen außerkirchlichen Gruppen und Gemeinschaften zu begeben. In ihnen dominiert oft, und meist von der Gruppe selber nicht erkannt, eine sektiererische und geistliche Enge.“

Und Hilbert fährt fort: „Hinzu kommt ein falsch verstandenes Heilig-Geist-Wirken, das die Menschen nicht in das zentrale Gnaden- und Heilsgeschehen Jesu Christi (Erlösung) führt, sondern sie an die Gruppe bindet und ihnen damit die persönliche Freiheit nimmt. Die Gläubigen enden meist in einem von Schmalspurtheologie beseelten Gedankengebäude ohne jegliche theologische Weite und Fundament!“

Das bringt es auf den Punkt!

 

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Von Kristian Stemmler

Schwerer Verdacht gegen den Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer: Hat er dafür gesorgt, dass Wahlplakate seiner Konkurrentin im hiesigen Wahlkreis, Nicole Bracht-Bendt (FDP), verschwinden? Dies legt zumindest eine Meldung in der aktuellen Ausgabe des Nordheide-Wochenblattes nahe.

Unter der Überschrift „Wer klaut Plakate von Bracht-Bendt?“ berichtet die Zeitung, dass vielerorts Plakate und Stellwände der FDP-Bundestagsabgeordneten verschwunden sind. Bracht-Bendt wird mit den Worten zitiert: „Mein Team kann kaum so schnell plakatieren, wie die Plakate verschwinden.“ Das Wochenblatt schreibt vielsagend: „Dafür ist die Plakat-Präsenz des CDU-Mannes aus Brackel um so größer.“ Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Tatsache ist, dass NBB vermutlich am 22. September kaum Chancen haben wird, das Direktmandat für den Bundestag zu erringen, dass sie aber Grosse-Brömer die entscheidenden Prozente wegnehmen könnte, so dass Svenja Stadler von der SPD die lachende Dritte wäre. Rein kriminalistisch gesehen, gibt es also durchaus ein Motiv…

Der buchholzblog präferiert allerdings die Theorie, dass es sich bei dem Plakateklauer entweder um einen Perversen handelt, der sein Schlafzimmer mit den Plakaten der liberalen Nervensäge tapeziert. Oder dass ein genervter Autofahrer sich zur Selbstjustiz entschlossen hat, weil er es einfach nicht mehr aushält, dass ihm an jeder zweiten Kreuzung das Keramikgrinsen der Kandidatin ins Gesicht springt.

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Die Stadt hat jetzt mit einer Erklärung auf ihrer Homepage buchholz.de auf die Exklusivmeldung des buchholzblogs über die Haushaltspanne reagiert. In dem Beitrag werden die Informationen des buchholzblogs bestätigt. Die Einbringung des Haushaltes verschiebe sich wegen eines Lochs von fünf Millionen Euro um zehn Tage, damit die Verwaltung das Zahlenwerk noch einmal detailliert unter die Lupe nehmen könne. „Wir nehmen uns die Zeit, um einen soliden Haushalt vorzulegen“, wird Geiger zitiert, „wir wollen einen Haushalt mit Augenmaß.“

Buchholz habe die Wirtschaftskrise zwar gut überstanden, so der Bürgermeister weiter, aber durch den Zensus habe die Stadt rund zwei Millionen verloren. Zudem habe sich die Gewerbesteuer mit einem Minus von etwa drei Millionen Euro deutlich schlechter entwickelt als erwartet. Bis zur Sondersitzung am 27. September (16 Uhr, Rathauskantine) soll das Loch geschlossen werden. In der Sondersitzung wird der Haushalt nicht nur, wie üblich, von Kämmerer Dirk Schlüter vorgestellt, sondern auch schon im Detail erläutert.

Einen soliden Haushalt vorzulegen, muss natürlich immer das Ziel der Verwaltung sein. Dennoch leuchtet mir als Laie nicht ganz ein, warum sich so plötzlich ein Loch von fünf Millionen Euro auftun kann. Dass der Zensus die Stadt Geld kosten würde, ist seit Wochen bekannt, und auch die Höhe der Gewerbesteuern müsste sich doch einigermaßen genau schätzen lassen. Jedenfalls ist das kein guter Start für die Haushaltsberatungen – und das dicke Ende kommt im Bürgermeisterwahljahr 2014 wohl noch, wenn uns die Altlast GE III Trelder Berg auf die Füße fällt. (kst)

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Von Kristian Stemmler

Blamage für Bürgermeister Wilfried Geiger und seinen Kämmerer Dirk Schlüter: Nach Informationen des buchholzblogs kann der Haushalt der Stadt Buchholz nicht wie geplant bei der turnusmäßigen Sitzung des Stadtrates am kommenden Dienstag eingebracht werden. Grund: Überraschend haben sich Deckungslücken in Millionenhöhe sowohl im Ertragshaushalt als auch im Investitionshaushalt aufgetan, vor allem offenbar weil sich die Steuereinnahmen nicht in der einkalkulierten Höhe eingestellt haben. Der Haushalt soll jetzt auf einer Sondersitzung des Rates am 27. September eingebracht werden.

Ein Grund für die geringeren Erträge der Stadt ist auch der Zensus, der Buchholz erheblich weniger Einwohner bescheinigte als die bisher einkalkulierten und damit zu geringeren Zuwendungen führte. Die Stadt hat wie viele andere Kommunen eine Klage gegen den Zensus angekündigt. Eine andere Belastung für den Haushalt von Buchholz ist das Gewerbegebiet III am Trelder Berg. Pech für die Buchholzer Verwaltungsführung, dass dieses Thema gerade jetzt wieder hochkommt, zum Beispiel im aktuellen Wochenblatt.

Die Zeitung berichtet, dass von den 318.00 Quadratmeter im GE III erst 118.000 verkauft sind. Hinzu kämen noch rund 52.000 Quadratmeter verpachtete Fläche. Das Problem dabei: Die Stadt sei verpflichtet, Ende 2014 sämtliche Grundstücke zurück zu kaufen, die bis dahin nicht verkauft worden sind. Bislang liege der Kontostand bei 14,321 Millionen Euro minus, die Stadt habe aber erst fünf Millionen Euro Rückstellungen gebildet.

Mit anderen Worten: Da hängt ein Damoklesschwert über der Stadt! Es wäre sicher nicht verkehrt, sich die Entstehungsgeschichte des Gewerbegebiets am Trelder Berg noch mal genauer anzusehen. Dabei ist nicht nur die Rolle von Bürgermeister Geiger, der damals Stadtkämmerer war, interessant, sondern auch die Frage, wer damals persönlich profitiert hat. Fakt ist jedenfalls, dass man damals schon als Laie erkennen konnte, wie überdimensioniert das Areal ist.

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DSC_0543Von Kristian Stemmler

Stehen Buchholz Proteste gegen Asylbewerber bevor, wie es sie in den vergangenen Wochen und Monaten an anderen Orten in Deutschland gegeben hat? Das ist angesichts der Pläne von Landkreis und Stadt zu befürchten – allen Bemühungen, dem schon im Vorfeld zu begegnen, zum Trotz. Seit einigen Tagen ist bekannt, dass auf einem Gelände an der Ecke Am langen Sal/Fischbüttenweg Container für 40 bis 60 Flüchtlinge aufgestellt werden sollen. Wie der buchholzblog bereits vor Wochen berichtete, muss der Landkreis Harburg, wie andere deutsche Kreise, in diesem Jahr erheblich mehr Asylbewerber aufnehmen.

Ob die Anwohner am Langen Sal und Fischbüttenweg die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen, ist zweifelhaft. Noch ist das Areal ein idyllisches Fleckchen Natur am Stadtrand mit Obstbäumen und efeuberankten Zäunen, einem Tümpel und grasenden Kühen in Sichtweite. Vermutlich ist zumindest ein Teil der Anwohner nicht gerade erfreut, dass diese Idylle gestört werden soll.

Einen Vorgeschmack gibt ein Kommentar in diesem blog, der vermutlich von Anwohnern kommt. Darin heißt es, „Familien mit ihren Kleinkindern und Schulkindern – Eigentumshäuser, die an Wert zu verlieren, ganz zu schweigen von der sinkenden Lebensqualität – sind zutiefst entsetzt und erbost“.

Nach Jahren des Rückgangs oder der Stagnation bei den Anträgen von Asylbewerbern steigen die Zahlen in diesem Jahr wieder an, vor allem wegen neuer Krisen und Kriege in vielen Ländern. Mit den Zahlen nehmen auch die Proteste zu. Dabei sind meistens irrationale Vorstellungen und Ängste im Spiel, Klischees von kriminellen Südländern und dealenden Afrikanern. Immer wieder wird von Anwohnern auch der Wertverlust ihrer Immobilien beklagt.

Erst vor einigen Wochen geriet das Heidedorf Undeloh bundesweit in die Schlagzeilen, weil Bürger im Gemeinderat mit rassistischen Argumenten für Aufruhr gesorgt hatten. Zuletzt eskalierte der Protest gegen ein Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf, die NPD instrumentalisierte den Protest für ihre Zwecke. Ähnliches läuft aktuell auch in Hamburg-Lokstedt. Die mediale Berichterstattung über diese Vorgänge ist natürlich nicht geeignet, Ruhe in das Thema zu bringen.

Stadt und Landkreis geben sich bisher alle Mühe, für die Aufnahme der Asylbewerber zu werben. „Wir stellen uns der Verantwortung, Menschen in Not bei uns aufzunehmen“, sagte Bürgermeister Wilfried Geiger dem Wochenblatt. Der Landkreis hat in diesem Jahr bereits 246 Asylbewerber aufgenommen, berichtet die Zeitung, derzeit kämen pro Woche etwa 20 Flüchtlinge dazu. Meistens handelt es sich, so Reiner Kaminski vom Landkreis, um alleinstehende junge Männer. Die Herkunftsländer sind unter anderem Somalia, der Sudan, die Elfenbeinküste, Pakistan, Afghanistan, Syrien und Russland.

Auch die Buchholzer Verwaltung tut eine Menge, um den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern. So hat das Integrationsbüro der Stadt einen Flyer drucken lassen, der wichtige Anlaufstellen enthält wie Grone-Schule, Diakonie oder das Mehrgenerationenhaus. Man sei dabei, „eine neue Form der Begrüßungskultur“ zu entwickeln, erklärte die Leiterin des Büros, Anja Pährisch, kürzlich im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Dörthe Heien, wies in der Sitzung auf das schwere Schicksal der meisten Flüchtlinge hin. Viele Migrantinnen, die sie aus dem Frauentreff kenne, seien traumatisiert. Sie bräuchten mehr als nur eine kurze Erstberatung.

Heien hat die Arbeit mit Migrantinnen in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. So startete sie mit der Diakonie eine Workshopreihe für Migrantinnen. In regelmäßigen Abständen finden niedrigschwellige Infovormittage zu alltagspraktischen Themen statt, die von 20 bis 25 Frauen besucht werden. Buchholzerinnen haben Patenschaften für einzelne Migrantinnen übernommen und helfen zum Beispiel bei Ämtergängen.

Die Flüchtlinge kommen in der Regel aus Ländern, in denen Krieg und Zerstörung um sich greifen, oft genug auch deshalb, weil der Westen dort seine eigenen Interessen verfolgt oder interveniert hat wie etwa im Irak, in Afghanistan und aktuell in Syrien. Schon allein deshalb ist es unsere Pflicht, diesen Menschen zu helfen. In Suerhop haben Anwohner gezeigt, dass das möglich ist. Dort betreuen Nachbarn die 22 Asylbewerber, die die Stadt untergebracht hat. Eine vorbildliche Initiative!

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