Peinlich! Wochenblatt bettelt kurz vor Abriss um Mitleid mit Otto

Veröffentlicht: 2013-09-25 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Einmal werden wir noch wach… Morgen fällt im Wohngebiet Lohbergen in Sprötze endlich der letzte Vorhang. Das schwarz gebaute Haus von Tenor Prosper-Christian Otto wird geräumt und abgerissen. Ob morgen schon mit dem Abriss begonnen wird, hängt wohl davon ab, wie weit das Ehepaar das Haus schon ausgeräumt hat. Die Stadt hat jedenfalls für alle Eventualitäten vorgesorgt und ist in der Lage, Ottos Hab und Gut selbst zu entfernen und einzulagern. Natürlich wird auch die Polizei vor Ort sein ebenso wie Rettungskräfte und weitere Hilfskräfte.

Kurz vorm Abriss blamiert sich das Nordheide Wochenblatt noch kräftig, indem es sich auf die Seite des Querulanten stellt und um Mitleid für ihn und seine Frau bettelt. In einem länglichen Kommentar unter der hanebüchenen Überschrift „Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke“ blättert Chefredakteur Reinhard Schrader die Geschichte des Falles auf. Als Otto das Wochenendhaus zum Wohnhaus Mitte der Achtziger ausgebaut habe, habe sich niemand daran gestört. Politiker und Verwaltungsleute hätten sich damals im Glanz des Heldentenors gesonnt.

Erst nachdem Otto erfolgreich bis zum Bundesverwaltungsgericht geklagt und dieses den Bebauungsplan für das Gebiet kassiert hatte, sei es mit dem Frieden endgültig vorbei gewesen. Schrader schreibt: „Von nun an kannte Bürgermeister Wilfried Geiger kein Pardon. Die Akte Otto wurde Chefsache, der Abriss seines Hauses mit aller Macht vorangetrieben. Im ebenfalls düpierten Präsidenten des Lüneburger Verwaltungsgerichts mag Geiger einen geneigten Unterstützer gefunden haben.“

Mit Verlaub, Herr Schrader, das ist doch Blödsinn! Sie lassen sich offenbar auf die Paranoia von Herrn Otto ein. Natürlich kannte die Buchholzer Verwaltung kein Pardon mehr – und das übrigens mit voller Unterstützung des gesamten Stadtrates! Denn Otto hatte ja nicht nur bis zum BVG durchgeklagt, er hatte auch zu dem Zeitpunkt schon nichts ausgelassen, um die Stadt zu provozieren. Unter anderem drohte er mit dem Abzug der Musikschule aus Buchholz und wurde von anderen Musikschulen des Landkreises darauf hingewiesen, dass er das gar nicht darf.

Zudem steht sein Haus nach dem Urteil des BVG jetzt im Außenbereich und hat keinen Bestandsschutz, muss also abgerissen werden. Dass die Verwaltung nach der Klagewelle und so, wie Otto sich verhalten hat, in diesem Punkt nicht nachgibt, ist mehr als verständlich. Dieses Vorgehen als Ausfluss von Geigers persönlichen Rachegelüsten zu interpretieren, gehört zu den üblichen Schraderschen Verschwörungstheorien. Und den Präsidenten eines Gerichts da mit reinzuziehen, ist billig. Aber das ist ja das Lieblingsthema das Wochenblattes: Beamten sind (von Ausnahmen abgesehen) unfähig!

Völlig inakzeptabel ist es, jetzt kurz vor Abriss noch auf die Tränendrüse zu drücken und die Erkrankung von Frau Otto zu instrumentalisieren, die offenbar an Multipler Sklerose leidet. „Aber ist es moralisch in Ordnung, einem 63-Jährigen und seiner schwer an Multipler Sklerose erkrankten Frau das Haus unterm Hintern abzureißen?“, fragt der Chefredakteur. Herr Schrader, ja das ist es! Erstmal wird das Ehepaar sicher auch nach dem Abriss nicht gänzlich verarmt sein und sich woanders noch etwas Neues aufbauen können. Und dann, um es zum x-ten Mal zu wiederholen: Otto hat sich und seiner Frau mit seiner Verbohrtheit alles selbst eingebrockt!

Um nur einige Highlights aus Ottos Feldzug zu erwähnen: Als vor einem Jahr Außenanlagen auf seinem Grundstück entfernt werden sollten, beleidigte der Tenor die Beamten der Stadt mit dem Satz: „Hier werden Methoden wie bei den Nazis angewendet!“ Ähnliches hatte er zuvor bereits in einer Einladung zu einem Pressegespräch seiner Interessengemeinschaft Wohngebiet Lohbergen-Höllental formuliert, in der er das Vorgehen der Stadt so interpretierte: „Wer steckt dahinter? Rechtsradikales Gedankengut in der Verwaltung?“

Im Herbst 2010 erpresste er die Stadt mit der Drohung, die von ihm aufgebaute Musikschule aus der Stadt abzuziehen. Umgehend traten die Verantwortlichen der Musikschulen in Winsen und Seevetal auf den Plan, sprachen von einem Erpressungsversuch und erklärten, dass ein Trägerverein über die Zukunft der Musikschule entscheidet und nicht Otto oder seine Frau. Das hält den Professor nicht davon ab, die Musikschule jetzt wieder zu instrumentalisieren und deren Kunden mit einem Brief zu verunsichern, in dem er eine Gebührenerhöhung ankündigt (siehe eigener Beitrag im blog).

Auch den Stadtrat provozierte und beleidigte Otto nach Kräften. So übersandte er allen Ratsmitgliedern nach dem BVG-Urteil eine Kopie des Urteils und garnierte das mit dem netten Satz: „In der Hoffnung, dass die Stadt Buchholz nunmehr zu rechtsstaatlichem Handeln gegenüber den Bürgern in dem Plangebiet zurückkehrt und weitere gerichtliche Auseinandersetzungen dadurch vermieden werden können.“ Nach einem eher moderaten Antwortbrief des Rates rastete Otto restlos aus. Er beschuldigte die Politiker, sich kriminell zu verhalten und schrieb, es gehe allein darum, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden, „die nicht nur die finanziellen Ressourcen der Stadt Buchholz, sondern auch das Ansehen der neuen Ratsmitglieder massiv beeinträchtigen.“

Diese Beispiele illustrieren, wie unbelehrbar und maßlos in seiner Rechthaberei Otto vorgegangen ist. Natürlich ist es nicht schön, wenn das eigene Haus abgerissen wird, aber Mitleid ist dennoch fehl am Platz. Geradezu haarsträubend ist es aber, den Spieß einfach umzudrehen und den Vorgang als Rachefeldzug Geigers darzustellen. „Hier geht es nur noch um die Rache des kleinen Mannes, der nicht verknusen kann, vorgeführt worden zu sein“, schreibt Schrader und lässt keinen Zweifel, wen er mit „kleiner Mann“ meint: „Wilfried Geiger sollte den Abrissbagger absagen.“

Herr Schrader, das ist nun wirklich hannebüchen! Wenn Sie soviel Mitleid haben, können Sie Ottos doch bei sich aufnehmen oder ihm ne nette Summe spenden – Geld genug haben die Schraders doch!

PS: Die Stadt sollte sich mal überlegen, ob Sie diesem Verlag noch Aufträge gibt.

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Kommentare
  1. buchholzblog sagt:

    Dass ich nicht einstecken kann, ist ein Lacher! Ich erinnere mich an mehrere Diskussionen, bei denen ich, auch im Wochenblatt, aber ne ganze Menge einstecken musste! Ich glaube, es gibt kaum jemanden im politischen Raum in Buchholz der sich der Auseinandersetzung so stellt.

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  2. buchholzblog sagt:

    Als Administrator sichte ich die Kommentare, bevor sie veröffentlicht werden. Nicht freigegeben werden lediglich Kommentare, die beleidigenden Inhalt haben, rechtsradikales Gedankengut transportieren oder unverständlich sind.

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  3. Und weshalb werden dann von Dir unliebsame Kommentare gelöscht? Du kannst austeilen, aber nicht einstecken.

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  4. buchholzblog sagt:

    Ich habe mich nicht auf Otto eingeschossen, sondern sehe sein Verhalten kritisch und drücke das auch so aus. Gern auch polemisch!

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  5. buchholzblog sagt:

    Hallo Teo, wer sich auf die öffentliche Bühne begibt, muss mit Spott rechnen, besonders wenn er sich benimmt wie Herr Otto. Die Texte im buchholzblog sollen bewusst meinungsfreudig und gern auch mal sarkastisch oder beißend-polemisch sein, wenn es angebracht ist. In Hamburg würde sich wohl kein Mensch darüber aufregen, hier in Buchholz ist man einen derartigen Stil scheinbar nicht gewöhnt.

    Ich habe auch keinen Heidenspaß an dem „Leid“ von Herrn Otto, sondern machen mich über sein Verhalten lustig. Mit Verbitterung hat das erst recht nichts zu tun, sondern mit einer dezidierten Kritik auch an gesellschaftlichen Verhältnissen. Verbittert wäre ich, wenn ich nicht darüber schreiben würde.

    Was die Verhältnisse von Herr Otto angeht, liege ich wohl ziemlich richtig, denn er hat bisher sicher nicht schlecht verdient und seine Frau als (von der Stadt alimentierte) Geschäftsführerin der Musikschule sicher auch nicht.

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  6. Teo sagt:

    Hallo Herr Stemmler,

    alles was Sie über das Verhalten des Herrn Otto schreiben, zeigt die Reaktion eines Hilflosen und aus der Situation angstbesetzen Mannes. Ich frage mich, warum Sie scheinbar einen Heiden Spaß daran haben, dass ein Mensch sein Haus verliert! Es mag sein, dass Herr Otto sich die ganze Misere selbst zuzuschreiben hat, aber was weiß man schon warum er so reagiert. Sie scheinen sich auch über die Finanzielle Situation einiger Buchholzer Bürger auszukennen, woher diese Aussagen „der kann bestimmt, oder der hat doch, oder der ist doch nicht“. Ich bin ein Mensch, der gerne lebt und Leben lässt. Ich bin auch kein Gläubiger Mensch, aber durch Ihren Artikel bin ich versucht die Floskel vom „der werfe den ersten Stein“ aus dem Hut zu zaubern. Woher kommt diese Freude am leid dieses Mitmenschen!? Steckt da persönliches dahinter? Anderes ist schwer vorstellbar. Ich schätze Grundsätzlich Ihren Blog, muss aber feststellen dass sich im Laufe der letzten Zeit eine gewisse Verbitterung und Polemik in ihren Artikeln breit macht, die Ihnen nicht gut zu Gesicht stehen. Ich wünsch Herrn O und dessen Frau alles gute. Der Buchholzer Politik und dessen Machtverhalten den Untergang, denn nach meinen Werten geht man so mit Menschen nicht um. Ich bin davon überzeugt, dass sich immer besonnene Mittel und Wege finden lassen, man muss es aber wollen.

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  7. Honk sagt:

    Du hast Dich irgendwie dermaßen auf Otto eingeschossen, daß diesen Kommentar ausser Dir wohl niemand lesen wird:

    Da stehen 20 Schwarzbauten im Außenbereich. Die Stadt gibt sich Mühe, die Häuser zu legalisieren.
    So weit kann man jetzt schon geteilter Meinung sein.

    Ein Schwarzbau gehört sagen wir einem Querulanten, der es sich durch seine Art mit allen (na gut 99%) Leuten verdirbt.
    Den will man da natürlich(!) nicht wohnen haben, erst recht nicht in seinem – im Vergleich zu den zurückgebauten Häusern – Palast.

    Halt stop, worum geht es? Geht es um das Haus oder geht es nur noch darum, dem Querulanten eins beizupulen?
    Ich würde letzteres machen, wenn er mich so ärgert !!

    Das sollte die Stadt als öffentliche Gewalt aber nicht tun, Gesinnung (ausser rechts) geht sie verdammt nichts an!

    te verliert.

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