Stadt bringt Flüchtlinge am Langen Sal unter – Protest programmiert?

DSC_0543Von Kristian Stemmler

Stehen Buchholz Proteste gegen Asylbewerber bevor, wie es sie in den vergangenen Wochen und Monaten an anderen Orten in Deutschland gegeben hat? Das ist angesichts der Pläne von Landkreis und Stadt zu befürchten – allen Bemühungen, dem schon im Vorfeld zu begegnen, zum Trotz. Seit einigen Tagen ist bekannt, dass auf einem Gelände an der Ecke Am langen Sal/Fischbüttenweg Container für 40 bis 60 Flüchtlinge aufgestellt werden sollen. Wie der buchholzblog bereits vor Wochen berichtete, muss der Landkreis Harburg, wie andere deutsche Kreise, in diesem Jahr erheblich mehr Asylbewerber aufnehmen.

Ob die Anwohner am Langen Sal und Fischbüttenweg die Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen, ist zweifelhaft. Noch ist das Areal ein idyllisches Fleckchen Natur am Stadtrand mit Obstbäumen und efeuberankten Zäunen, einem Tümpel und grasenden Kühen in Sichtweite. Vermutlich ist zumindest ein Teil der Anwohner nicht gerade erfreut, dass diese Idylle gestört werden soll.

Einen Vorgeschmack gibt ein Kommentar in diesem blog, der vermutlich von Anwohnern kommt. Darin heißt es, „Familien mit ihren Kleinkindern und Schulkindern – Eigentumshäuser, die an Wert zu verlieren, ganz zu schweigen von der sinkenden Lebensqualität – sind zutiefst entsetzt und erbost“.

Nach Jahren des Rückgangs oder der Stagnation bei den Anträgen von Asylbewerbern steigen die Zahlen in diesem Jahr wieder an, vor allem wegen neuer Krisen und Kriege in vielen Ländern. Mit den Zahlen nehmen auch die Proteste zu. Dabei sind meistens irrationale Vorstellungen und Ängste im Spiel, Klischees von kriminellen Südländern und dealenden Afrikanern. Immer wieder wird von Anwohnern auch der Wertverlust ihrer Immobilien beklagt.

Erst vor einigen Wochen geriet das Heidedorf Undeloh bundesweit in die Schlagzeilen, weil Bürger im Gemeinderat mit rassistischen Argumenten für Aufruhr gesorgt hatten. Zuletzt eskalierte der Protest gegen ein Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf, die NPD instrumentalisierte den Protest für ihre Zwecke. Ähnliches läuft aktuell auch in Hamburg-Lokstedt. Die mediale Berichterstattung über diese Vorgänge ist natürlich nicht geeignet, Ruhe in das Thema zu bringen.

Stadt und Landkreis geben sich bisher alle Mühe, für die Aufnahme der Asylbewerber zu werben. „Wir stellen uns der Verantwortung, Menschen in Not bei uns aufzunehmen“, sagte Bürgermeister Wilfried Geiger dem Wochenblatt. Der Landkreis hat in diesem Jahr bereits 246 Asylbewerber aufgenommen, berichtet die Zeitung, derzeit kämen pro Woche etwa 20 Flüchtlinge dazu. Meistens handelt es sich, so Reiner Kaminski vom Landkreis, um alleinstehende junge Männer. Die Herkunftsländer sind unter anderem Somalia, der Sudan, die Elfenbeinküste, Pakistan, Afghanistan, Syrien und Russland.

Auch die Buchholzer Verwaltung tut eine Menge, um den Flüchtlingen das Ankommen zu erleichtern. So hat das Integrationsbüro der Stadt einen Flyer drucken lassen, der wichtige Anlaufstellen enthält wie Grone-Schule, Diakonie oder das Mehrgenerationenhaus. Man sei dabei, „eine neue Form der Begrüßungskultur“ zu entwickeln, erklärte die Leiterin des Büros, Anja Pährisch, kürzlich im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Dörthe Heien, wies in der Sitzung auf das schwere Schicksal der meisten Flüchtlinge hin. Viele Migrantinnen, die sie aus dem Frauentreff kenne, seien traumatisiert. Sie bräuchten mehr als nur eine kurze Erstberatung.

Heien hat die Arbeit mit Migrantinnen in diesem Jahr zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. So startete sie mit der Diakonie eine Workshopreihe für Migrantinnen. In regelmäßigen Abständen finden niedrigschwellige Infovormittage zu alltagspraktischen Themen statt, die von 20 bis 25 Frauen besucht werden. Buchholzerinnen haben Patenschaften für einzelne Migrantinnen übernommen und helfen zum Beispiel bei Ämtergängen.

Die Flüchtlinge kommen in der Regel aus Ländern, in denen Krieg und Zerstörung um sich greifen, oft genug auch deshalb, weil der Westen dort seine eigenen Interessen verfolgt oder interveniert hat wie etwa im Irak, in Afghanistan und aktuell in Syrien. Schon allein deshalb ist es unsere Pflicht, diesen Menschen zu helfen. In Suerhop haben Anwohner gezeigt, dass das möglich ist. Dort betreuen Nachbarn die 22 Asylbewerber, die die Stadt untergebracht hat. Eine vorbildliche Initiative!

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2 Comments

  1. Wie wäre es denn, einfach mal zu akzeptieren,dass ich und die Mehrheit der Bevölkerung keine weiteren Fremden in diesem Land wollen! Am wenigsten in der Nachbarschaft!

    Stefan Gehrke

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  2. Liebe Buchholzer,
    in einigen Gegenden werden demnächst Asylbewerber untergebracht, dass kann man hier im Blog lesen.
    Zeigt ihnen das ihr mehr als nur Mitleid über das TV haben könnt. Zeigt den Menschen das ihr sie nicht verachtet, nehmt sie auf und lernt von ihnen wie sie von euch lernen.
    Helft ihnen bei der Integration und zeigt ihnen, dass ihr ihnen auch eine neue Heimat bieten möchtet. Nehmt einfach Kontakt auf, denn gerade schon der soziale Kontakt ist oft die größte Hilfe die man bieten kann.

    Stellt euch einfach vor ihr müsstet bei Nacht und Nebel euer Land verlassen, mit dem was ihr am Leib tragt und was ihr gerade so in einen Rucksack und eine Reisetasche bekommt. Stellt euch vor ein anderes Land nimmt euch als Flüchtling auf, und nun stellt euch vor was ihr in dem anderen Land von den heimischen Bürgern erwartet.

    Wenn Kristian es gestattet weise ich über den Artiken hier, auf meine Seite hin um einfach Anregungen zum Nachdenken zu geben.

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