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Archive for August 2013

Buchholz Park 1Von Kristian Stemmler

Setzt die FDP aus Profilierungssucht und für die privaten Interessen eines Ratsmitglieds die Zukunft des Buchholzer Krankenhauses aufs Spiel? Wer gestern abend bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung die Diskussion um die Nutzung des Zivildienstschulgeländes verfolgte, dem drängte sich zumindest dieser Verdacht auf.

Mit drastischen Worten machte Krankenhaus-Chef Norbert Böttcher klar, dass die von den Liberalen geforderte Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes zu zeitlichen Verzögerungen führen könnte. Die aber könnten den Status der Klinik und damit die medizinische Versorgung der Buchholzer Bevölkerung gefährden. „Ich bitte Sie dringend, es bei dieser Planung zu belassen“, appellierte Böttcher an die Ausschussmitglieder.

Wie berichtet, hat die FDP zwei Anträge gestellt, die gestern im Ausschuss diskutiert, aber noch nicht beschlossen wurden. Sie fordert für das Areal eine Rahmenplanung, die Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes, eine neue Anbindung und die Begrenzung der Wohnbebauung auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss. Der Verdacht liegt nahe, dass hinter den Anträgen auch die privaten Interessen von FDP-Ratsmitglied Jürgen Kempf stehen, der am Anfang des Hopfenbergs wohnt.

Derzeit lande der Rettungshubschrauber noch an der Feuerwehr, so Böttcher. Die Flugsicherung dulde das aber nur, weil der neue Hubschrauberlandeplatz auf dem Zivildienstschulgelände in Aussicht stehe. Auch den Status eines regionalen Traumazentrums und eines berufsgenossenschaftlich anerkannten Krankenhauses für Arbeitsunfälle habe sein Haus nur, weil der neue Landeplatz bald gebaut werden soll. Böttcher: „Wenn die Realisierung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, ist das in Gefahr. Das würde auch eine deutlich schlechtere Versorgung der Buchholzer Bevölkerung bedeuten.“

Wenn der Landeplatz, wie von der FDP vorgeschlagen, auf die andere Seite des Krankenhauses, zwischen die beiden dort befindlichen Parkplätzen verlegt würde, müsse ganz neu geplant werden. Die Flächen dort seien zudem nicht alle im Besitz des Krankenhauses. Zudem solle die Station M erweitert werden und die Einfahrt des Krankenhauses dann an diese Seite verlegt werden. Eine Liegendzufahrt und ein Hubschrauberlandeplatz schlössen sich aber gegenseitig aus, da bei Großereignissen Rettungsfahrzeuge bei einer Landung des Hubschraubers die Zufahrt nicht nutzen könnten.

Böttcher machte deutlich, dass die Belästigungen durch Hubschrauberlandungen und -starts gering sein werden: „Wir reden über zehn Bewegungen im Jahr.“ Das Buchholzer Krankenhaus wird nicht mit Schwerverletzten angeflogen. Ein Rettungshubschrauber wird nur angefordert, wenn bei einem Patienten „unter der Behandlung“ ein lebensrettender Eingriff am Kopf oder am offenen Herzen nötig wird und er oder sie verlegt werden muss. Vom Landeplatz werde man auch sonst nicht viel merken, erklärte der Krankenhaus-Chef: „Eine grüne Wiese mit einem roten H und ein Windsack, mehr ist da nicht.“

Auf Böttchers harsche Kritik reagierte FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, der die beiden Ergänzungsanträge seiner Partei vorher begründet hatte, ziemlich angefasst, wobei er sich nur noch mehr blamierte. Es sei „nicht fair“ ihm zu unterstellen, er wolle die Planung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben, jammerte er und warf Böttcher vor, mit „Totschlagargumenten“ zu arbeiten.

Reglitzky fühlte sich offenbar durch Böttchers ebenso professionell wie stichhaltig vorgebrachte Argumentation derartig auf den Schlips getreten, dass er meinte, dem Spitzenmanager Nachhilfe in Staatsbürgerkunde erteilen zu müssen. Der Stadtrat habe ja „eine gewisse Aufgabe“ und sei „nicht nur ein Abnickgremium“. Bürgermeister Wilfried Geiger beruhigte die Diskussion, in dem er vorschlug, wegen des vorherrschenden Zeitdrucks die Bauleitplanung weiterlaufen zu lassen und zum Hubschrauberlandeplatz ein eigenes Papier zu erarbeiten.

Überraschend bekam die FDP auch von der befreundeten CDU bei diesem Thema deutlich kontra. Peter Noetzel stellte klar, dass für ihn eine Verlegung auf die andere Krankenhausseite nicht in Frage kommt. „Das wäre viel zu dicht an den ersten Häusern dort“, sagte er, „dann würde ich da nicht mehr wohnen wollen.“ Am jetzt geplanten Standort seien die Belastungen durch den Landeplatz dagegen eher in Kauf zu nehmen.

Ein Kompromiss zeichnet sich dagegen beim Punkt Zuwegung ab. Etwas südlich vom Hopfenberg könnte eine Zufahrt zum Neubaugebiet entstehen, so dass der Verkehr, der durch Altenheim, Kita und Wohngebiet stark zunehmen wird, nicht über den Hopfenberg ablaufen würde. Bei einer Begehung des Gelände, zu der der Ausschuss sich vor seiner Sitzung traf, wurde auch diese Lösung besprochen und begutachtet.

Für FDP-Urgestein Jürgen Kempf und seine Nachbarn vom Hopfenberg wäre das doch schon mal ein Erfolg, oder? Um den Hubschrauber (zehn mal im Jahr!) werden sie wohl nicht herumkommen. Aber dieser Vorgang wirft erneut die Frage auf: Ist die FDP eigentlich noch zu retten?!

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Von Kristian Stemmler

Herbe Abfuhr für die FDP im Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung: Der Geschäftsführer des Buchholzer Krankenhauses, Norbert Böttcher, reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorstoß der Liberalen, den auf dem Areal der ehemaligen Zivildienstschulgelände geplanten Hubschrauberlandeplatz auf die andere Seite der Klinik zu verlegen. Böttcher machte klar, dass eine Verlegung des Landeplatzes aus mehreren Gründen nicht möglich ist.

Indirekt warf er der FDP sogar vor, die medizinische Versorgung der Buchholzer zu gefährden, weil eine Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes eine Zeitverzögerung bedeute, die den Verlust des Status als Traumazentrum und berufsgenossenschaftlich anerkanntes Krankenhaus für Arbeitsunfälle nach sich ziehen könne. Und das alles – wohlgemerkt –, weil offenbar FDP-Ratsmitglied Jürgen Kempf, der unter den Zuhörern saß, und seine Nachbarn vom Hopfenberg den Hubschrauberlärm nicht wollen.

Weitere Nachrichten aus dem Ausschuss: Der Peets Hoff soll nach vielen Verzögerungen jetzt endgültig am 28. August abgenommen werden und ab Mitte September voll nutzbar sein. Das versprach Tiefbau-Chef Jürgen Steinhage. Ob die Planungen für den Mühlentunnel weitergehen können, wird sich am 1. Oktober entscheiden. An diesem Tag befasst sich das Oberlandesgericht Celle mit dem Einspruch eines Unternehmens, das bei der Ausschreibung nur den zweiten Platz belegt hatte.

Die Verwaltung will die Anwohner der Lohbergenstraße befragen, ob sie eine Sperrung der Straße wegen der großen Staubbelastung wollen. Zugleich soll geprüft werden, ob der für das Jahr 2017 geplante Ausbau der Straße um ein oder zwei Jahre vorgezogen werden kann. Bei diesem Tagesordnungspunkt reagierten erregte Anwohner der Lohbergenstraße mit Zwischenrufen auf die Diskussion im Ausschuss.

Einstimmig abgelehnt wurde der Antrag des Autors, ein Alkoholverbot im Rathauspark zu verhängen, um einer Verwahrlosung des Parks vorzubeugen und eine Handhabe gegen betrunkene Jugendliche und junge Erwachsene zu haben. Hier nutzte FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky die Gelgenheit, sich für die kritische Blog-Berichterstattung über seine Partei zu rächen und bezeichnete den Vorstoß als „Schnapsidee“ (was immerhin ein lustiges Wortspiel ist!). Auch die CDU – sonst immer für law and order zu haben – war fürs Weitersaufen (zumal die JU ja beim Stadtfest immer ne Menge Kohle mit dem Bierausschank im Park macht…).

Einer ernsthaften Diskussion befand man (von Grünen-Fraktionschef Joachim Zinnecker abgesehen) das Thema nicht für würdig. Das dürfte bei meinem nächsten Antrag anders laufen…

(Ausführliche Beiträge zur Sitzung des Stamobau-Auschusses folgen demnächst.)

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DSC_0340Von Kristian Stemmler

Was sind denn das für Schmierereien? Das wird ja immer schlimmer in Buchholz! So oder ähnlich denken wohl viele Buchholzer, wenn sie auf dem Vorplatz des Bahnhofs am Kabenhof oder am Nordeingang der Buchholz Galerie vorbeikommen. In knalligen Farben und in überdimensionalen Buchstaben sind dort Sprichwörter aufs Pflaster gesprüht worden, wobei das letzte Wort jeweils durch drei Punkte ersetzt wurde, also zum Beispiel: „Der Apfel fällt nicht weit vom …“

Tatsächlich sind die Graffiti das Ergebnis einer von der Stadt offiziell erlaubten Sprühaktion, mit der für die Demenz-Aktionswoche „Die Gedanken verblassen“ des Fotografen und Geschäftsmanns Frank Kettwig (Telecom-Studio) vom 26. August bis 1. September geworben wird. Am Bahnhof sprühten Schüler der BBS Buchholz vor einer Woche die ersten Sprüche auf, gestern wurde die Aktion vor der Galerie in Anwesenheit von Bürgermeister Wilfried Geiger, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltungsreihe übernommen hat, fortgesetzt.

Nach Angaben von Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt, hat die Verwaltung die ungewöhnliche Werbung erlaubt, weil es sich um einen guten Zweck handelt. Die Idee hinter der Sprühaktion sei, dass die Buchstaben nach und nach durch die Witterung verblassen, was dann das Verblassen der Erinnerung bei Menschen mit Demenz symbolisiere. Falls die Buchstaben nicht in absehbarer Zeit wieder verschwunden sind, habe Kettwig die Beseitigung auf eine Kosten zugesichert, so Helms.

Natürlich kann niemand bestreiten, dass Demenz ein drängendes Thema ist und eine Woche mit Veranstaltungen zu diesem Thema eine gute Sache. Andererseits frage ich mich, ob das rechtfertigt, dass eine dermaßen knallige Werbung auf den zentralen Plätzen der Stadt (als dritter Ort ist der Platz vor der Empore genehmigt) erlaubt wird, und das auch noch kostenfrei. Ich frage mich, ob das nicht einen Präzedenzfall schafft, und der nächste Organisator von Benefizveranstaltungen von der Stadt Ähnliches verlangen könnte.

Auch das Engagement von Frank Kettwig ist sicher nicht zu bestreiten. Andererseits wundere ich mich, dass im Programm ein Punkt heißt: „Vorführung und Beratung senioren- und behindertengerechter Telefone im Telecom-Studio“. Und auch dass die Ausstellungen zum Thema in der Buchholz Galerie stattfindet, mit der Kettwig nicht zum erstenmal zusammen arbeitet, legt nahe, dass da auch Geschäftsinteressen im Spiel sind.

Was meinen Sie?

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Von Kristian Stemmler

Wie zu erwarten war, bietet das Nordheide Wochenblatt der Buchholzer FDP mal wieder ein großes Forum. Statt zu skandalisieren, wie die FDP-Fraktion im Stadtrat in Sachen Zivildienstschulgelände offenbar die privaten Interessen ihres Mitglieds Jürgen Kempf vertritt, darf Arno Reglitzky, der inzwischen öfter im Wochenblatt zitiert und abgebildet wird als Heiner Schönecke, lang und breit begründen, warum das Projekt eine Rahmenplanung braucht. Das Wochenblatt gibt sich gern kritisch und investigativ – aber ist es tatsächlich nur dann, wenn es den Schraders in den Kram passt!

Natürlich will man sich keine Blöße geben und geht wenigstens im letzten Absatz auf den naheliegenden Verdacht ein, dass die Interessen von Jürgen Kempf, der am Anfang des Hopfenbergs wohnt, die Offensive der FDP zumindest angefeuert haben. Man gibt Reglitzky Gelegenheit, „Spekulationen“ zurückzuweisen, Kempf stehe dahinter, dass die FDP eine andere Verkehrsanbindung des Neubaugebiets verlange. Es werde einen beträchtlichen Zuwachs an Verkehr geben, der über andere Straßen geleitet werden könne.

Das ist ja völlig unstrittig und im Stadtplanungsausschuss auch schon diskutiert worden. Das Wochenblatt unterschlägt hier, dass Kempf und Nachbarn vor allem auch davon profitieren würden, wenn der Hubschrauberlandeplatz auf die andere Seite des Krankenhauses verlegt werden würde. Denn die An- und Abflugschneise des Rettungshubschraubers würde, wie die veröffentlichten Planungsskizzen zeigen, fast genau über das Haus von Kempf führen. Wie ich den Ratskollegen kenne, hatte er das P in den Augen, als er diese Planung zum erstenmal zu Gesicht bekam…

Auch die Reduzierung der Baukörper auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss ist eine Forderung, die wir so von der FDP eigentlich noch nicht gehört haben. Denn dort ist man bekanntlich immer dafür, viel und hoch zu bauen. In Sachen Zivildienstschulgelände sind die Buchholzer Liberalen aber auf einmal die größten Ökos und finden es gar paradox, dass das Ganze „Buchholz Park“ heißen soll, wo doch da soviel gebaut werden solle. Tut mir leid, aber da nicht die Interessen von Herrn Kempf und seinen Nachbarn zu erkennen, fällt mir schwer.

Peinlich, dass das Wochenblatt hier erneut Reglitzky & Co. als politische Gestalter und kritische Geister verkaufen! Und peinlich auch für Nicole Bracht-Bendt, dass sie diesen Vorstoß offenbar mitträgt. Wenn sie wirklich ein Direktmandat für den Bundestag erringen will, sollte sie sich aus diesen Untiefen lokaler Vetternwirtschaft heraushalten.

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Buchholz Park 2Von Kristian Stemmler

Die FDP ist bekanntlich so etwas wie die Verkörperung von Klientelpolitik und Vetternwirtschaft. Ein Beispiel aus der jüngeren Buchholzer Vergangenheit ist der Zuschuss zum Bau des umstrittenen Kletterturms am Holzweg, für den Blau-Weiß-Präsident Arno Reglitzky seinen Einfluss als liberaler Fraktionschef im Stadtrat nutzte. Jetzt bahnt sich ein neuer Fall von Vetternwirtschaft bei der Buchholzer FDP an: Die Fraktion versucht, die Planungen auf dem Zivildienstschulgelände zu korrigieren – offenbar stehen dahinter auch die privaten Interessen ihres Mitglieds Jürgen Kempf!

Mit einem Antrag vom 14. August fordert die FDP den auf dem Areal geplanten Hubschrauberlandeplatz zu verlegen, die Verkehrsanbindung zu ändern und die Gebäudekörper auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss zu begrenzen. All dies käme Jürgen Kempf und seinen Nachbarn zugute, denn der Mann ist Anwohner des Zivildienstschulgeländes. Er wohnt in einem Einfamilienhaus am Hopfenberg, und zwar am Anfang der Straße, so dass er und seine Nachbarn sowohl vom Hubschrauberlandeplatz wie auch vom Verkehr des Neubaugebiets unmittelbar betroffen wären.

Besonders dreist: Die FDP-Fraktion schiebt ökologische Gründe vor. Mehr als 8000 Quadratmeter Bäume und Grün im Stadtwald für die An- und Abflugschneise zu vernichten sei „nicht akzeptabel“ – einen solchen Einsatz für Bäume hätte man sich bei der Diskussion über die neue Baumschutzsatzung gewünscht! Dann müsse die Gefährdung der Bewohner des Gebäudes Hermann-Stöhr-Straße 1 durch mögliche Luftverwirbelungen bei Hubschrauberan- und -abflügen ausgeschlossen werden. Auch das ist vorgeschoben: Ein Experte hat im Stadtplanungsauschuss ausdrücklich erklärt, diese Gefahren seien ausgeschlossen.

Die FDP scheut sich auch nicht, die Interessen der Bewohner der geplanten Altenwohnanlage zu instrumentalisieren. Im Bereich der Anlage würde der Hubschrauberlandeplatz für „unzulässigen und unerträglichen Lärm“ sorgen, heißt es in der Begründung des Antrags. Darum fordern die Liberalen, den Landeplatz auf die andere Seite des Krankenhauses, in das kleine Waldstück zwischen den Parkplätzen zu verlegen. Nach meiner Erinnerung sind Standorte wie dieser von den Fachleuten auch geprüft, aber verworfen worden.

Auch beim zweiten Punkt des Antrags sind die Interessen von Kempf und Nachbarn zu erkennen. Die FDP lehnt die „strahlenmäßige Erschließung des B-Plangebietes allein über die als Anliegerstraßen verkehrsberuhigt ausgebauten einspurigen Straßen Hopfenberg und Hermann-Stöhr-Straße“ ab. Es seien die vorhandenen alternativen Direktanbindungs-Trassen an die Steinbecker Straße zu nutzen. Das ist ein Punkt, über den schon eher zu reden ist.

Natürlich will man am Hopfenberg auch nicht so große Gebäude in der neuen Nachbarschaft haben. Darum sollen die Gebäudekörper zwei Geschosse plus Staffelgeschoss nicht überschreiten. So etwas beantragt ausgerechnet eine Partei, die für gewöhnlich die Interessen ihrer Klientel, also vor allem auch Makler, Investoren, Grundstückseigentümer, nicht aus dem Auge verliert!

Am Mittwoch steht der Antrag der FDP im Stadtplanungsausschuss auf der Tagesordnung, man darf auf die Diskussion gespannt sein. Auf dem Tisch liegt auch ein zweiter Antrag der FDP zum selben Thema, in dem die Aufstellung eines Rahmenplans für das Krankenhaus, das Zivildienstschulgelände und das nähere Umfeld gefordert wird. Es solle darum gehen, die „städtebaulichen Erfordernisse und Möglichkeiten aus der Sicht aller Interessierten zu ermitteln“. Für welchen „Interessierten“ die FDP sich ins Zeug legt, scheint jedenfalls klar…

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Von Kristian Stemmler

„Was ist denn da los? Ist das eine Hochzeit?“ Die Jugendlichen, die wie jeden Abend vor dem Jugendzentrum toben, sind leicht irritiert. Im Rathauspark geht etwas Ungewöhnliches vor sich. Dort haben sich eine Menge Leute versammelt, die alle ganz in weiß gekleidet sind. Sie haben auf mitgebrachten Stühlen an ebenfalls weiß eingekleideten Tischen Platz genommen, trinken und essen, unterhalten sich. Nein, das ist keine Hochzeit, es ist auch nicht die „Weiße Wölfe Terrorcrew“ – hier wird der diskrete Charme der Buchholzer Bourgeoisie zelebriert: das erste Weiße Dinner der Stadt.

In der Nordheide hat es schon einige Aufführungen dieses Dîner en blanc gegeben, ein aus Frankreich importiertes Event (der blog berichtete), in anderen deutschen Städten wird bereits seit Jahren weiß diniert. In Hamburg findet an diesem Abend schon das vierte Weiße Dinner statt, und zwar in der Hafencity, der Veranstalter spricht von rund 6500 Teilnehmern. Etwas ist in Buchholz an diesem Abend allerdings anders: Hier findet, soweit sich das im Internet feststellen lässt, der erste politische Protest gegen ein Weißes Dinner statt, ein Schwarzes Dinner.

Die Idee dazu hatten der Blogger und Betriebsrat Uwe Schulze (www.gegengift.eu, dort gibt es auch einen weiteren Bericht zum Thema) und seine Mitstreiter Bärbel Liehr und Andreas. Angeregt von meinem Beitrag im buchholzblog, in dem ich das Weiße Dinner als „nutzlose Demonstration der Dekadenz“ bezeichnet hatte, formulierten sie in ihrem blog einen Aufruf, in dem es heißt: „Wir empfinden dieses Dinner als ein dekadentes Event, als rücksichtsloses Verhalten gegenüber sozialen Minderheiten“, gegenüber Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben oder für Dumpinglöhne schuften müssen.

Wie das Weiße Dinner fängt auch das Schwarze Dinner klein an. Da der Aufruf aus taktischen Gründen erst einige Stunden vor Beginn der Veranstaltung im Netz erscheint, sind an diesem Abend erst mal nur vier Personen ganz in schwarz erschienen: die drei Initiatoren und der Autor als Unterstützer. Wir nehmen auf Campingstühlen am Rande des Parks Platz. Auf dem mit einem schwarzen Tuch verhüllten Tapeziertisch haben wir unser eigenes kleines Stillleben komponiert. Kein kaltes Drei-Gänge-Menü wie bei den Weißen, sondern Butterbrote, Mineralwasser von Aldi und billige Würstchen von Lidl. Aldi-Tüten als Symbol von Armut und Segregation komplettieren das Bild.

Trotz unserer zahlenmäßigen Unterlegenheit ist die Aufmerksamkeit der weißen Fraktion, die fast 100 Leute zusammenbekommen hat, uns dennoch gewiss – zumal ein improvisiertes Pappschild mit der Aufschrift „Hartz-IV-Empfänger HIER“ die Blicke auf das Schwarze Dinner zieht. Immerhin, diverse Teilnehmer des Weißen Dinner scheuen nicht den Kontakt. Ein Mann mittleren Alters lichtet uns mit dem Handy ab, eine ältere Dame mit Rollator will uns Lebensmittel spenden und zwei andere Damen erkundigen sich freundlich nach unseren Motiven.

Auch die Medien, genauer gesagt: ein Medium, und die politische Prominenz kommen zu Besuch. Kollege Oliver Sander vom Nordheide Wochenblatt macht, nachdem er Organisator Stephan Jockel (ein diplomierter Controller, was immer das ist) interviewt hat, einen Abstecher an den „Katzentisch“. Wir erklären ihm wie auch den anderen Besuchern, dass wir das Weiße Dinner nicht stören wollen und jeder sich vergnügen möge, wie er lustig ist, auch wenn wir selbst dieses Event dekadent finden. Dass es uns darum geht, ein Zeichen zu setzen, aufmerksam zu machen auf das Wohlstandsgefälle hierzulande und auch in Buchholz.

Auch zwei Ratskollegen, die ich überraschend in weiß erblicke, schauen vorbei. Joachim Zinnecker, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister, hat sich mit seiner Frau zur Teilnahme entschlossen. Er denkt da eher staatstragend, sieht das Event als Aufwertung für die Stadt. Für unseren kritischen Einspruch zeigt er aber durchaus Verständnis. Ebenso wie Arne Ludwig, der für die Piraten im Rat sitzt. Er wechselt sogar mit seinem Stuhl für einige Minuten von der weißen Fraktion an unseren Tisch und bekundet Sympathie für unser Aktion. Auch weiß er zu berichten, dass einige Teilnehmer des Weißen Dinners leicht empört sind: Sie seien keineswegs so steinreich, wie das von uns offenbar angenommen werde.

Das ist allerdings auch nicht der Punkt. Aber es zeigt sich doch auch hier, dass die Teilnehmer vom Habitus und ihrem Auftreten her so gut wie alle der Mittel- und Oberschicht zuzuordnen sind. Selbst wenn man theoretisch offen ist für alle, so kommt auch an diesem Abend wohl kein Hartz-IV-Empfänger auf die Idee, sich dem Weißen Dinner anzuschließen. Allein die Optik dürfte da eher abschreckend sein: Auch wenn das einheitliche Weiß – rein formal gesehen – durchaus ästhetisch wirkt, so ist die Anmutung dennoch edel und abgehoben. Meine Welt ist das nicht!

Die der Jugendlichen vom JUZ offenbar auch nicht. Nach einer Weile kommen sie neugierig an unseren Tisch und wollen wissen, was wir da machen: „Sind Sie Hartz-IV-Empfänger?“ Uwe Schulze verneint das: „Wir stehen hier für diese Menschen“, erklärt er, „wir wollen zeigen, dass es auch Menschen gibt, die sich nicht soviel leisten können.“ Das findet das Mädchen gut: „Da würde ich mich auf jeden Fall eher zu Ihnen setzen!“

Das begrüßen wir einhellig, müssen aber jetzt aufbrechen. „Wir haben unser Ziel erreicht, ein Zeichen gesetzt“, sagt Uwe Schulze. Das erste Schwarze Dinner deutschlandweit hat für Aufmerksamkeit und Diskussionen gesorgt. Sicher auch für Amüsement, was ja ebenfalls nicht verkehrt ist, denn ein gewisser satirischer Einschlag war durchaus eingeplant. Auch wenn es letztlich um eine ernste Sache und einen anhaltenden Kampf geht – denn die soziale Erosion wird wohl auch nach der Bundestagswahl im September weitergehen.

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Schwarz gegen Weiß im Rathauspark: In der zentralen Buchholzer Grünanlage fand heute abend das erste Weiße Dinner statt – und parallel auch das erste Schwarze Dinner der Stadtgeschichte, ja vermutlich sogar das erste Schwarze Dinner deutschlandweit. Was das Zahlenverhältnis angeht, lag das Weiße Dinner vorn: Rund 90 Menschen dinierten ganz in Weiß gekleidet an weiß gedeckten Tischen, während sich am Rande vier Personen zum Protestdinner ganz in Schwarz einfanden. Moralisch aber ging (jedenfalls aus meiner Sicht) das Schwarze Dinner als Sieger vom Platz!

Wie berichtet, hatten der Unternehmensberater Stephan Jockel und seine Frau Claudia zur Teilnahme am Weißen Dinner aufgerufen, einem aus Frankreich importierten Event, bei dem sich Menschen in weißer Kleidung zu einem Picknick an einem öffentlichen Platz treffen. Blogger Uwe Schulze und seine Mitstreiter Bärbel Liehr und Andreas hatten daraufhin aus Protest gegen die Veranstaltung, die sie als dekadent empfinden, zu einem Schwarzen Dinner eingeladen. Zu den dreien gesellte sich heute abend der Autor in seiner Funktion als Ratsherr und Blogger.

Bei einem reellen Butterbrot, Billigwürstchen und Mineralwasser von Aldi sahen wir uns das Treiben der weißen Partei an, die den halben Park mit Beschlag belegt hatte. Unser Auftauchen wurde dort mit einer Mischung aus Irritation, Amüsiertheit und Empörung verfolgt. Immerhin nahmen diverse Teilnehmer des Weißen Dinners Kontakt auf und zeigten sich dialogbereit. „Wir haben ein Zeichen gesetzt, und darauf kam es an“, bilanzierte Uwe Schulze.

Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst. (kst)

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