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Archive for August 2013

Von Kristian Stemmler

Wie zu erwarten war, bietet das Nordheide Wochenblatt der Buchholzer FDP mal wieder ein großes Forum. Statt zu skandalisieren, wie die FDP-Fraktion im Stadtrat in Sachen Zivildienstschulgelände offenbar die privaten Interessen ihres Mitglieds Jürgen Kempf vertritt, darf Arno Reglitzky, der inzwischen öfter im Wochenblatt zitiert und abgebildet wird als Heiner Schönecke, lang und breit begründen, warum das Projekt eine Rahmenplanung braucht. Das Wochenblatt gibt sich gern kritisch und investigativ – aber ist es tatsächlich nur dann, wenn es den Schraders in den Kram passt!

Natürlich will man sich keine Blöße geben und geht wenigstens im letzten Absatz auf den naheliegenden Verdacht ein, dass die Interessen von Jürgen Kempf, der am Anfang des Hopfenbergs wohnt, die Offensive der FDP zumindest angefeuert haben. Man gibt Reglitzky Gelegenheit, „Spekulationen“ zurückzuweisen, Kempf stehe dahinter, dass die FDP eine andere Verkehrsanbindung des Neubaugebiets verlange. Es werde einen beträchtlichen Zuwachs an Verkehr geben, der über andere Straßen geleitet werden könne.

Das ist ja völlig unstrittig und im Stadtplanungsausschuss auch schon diskutiert worden. Das Wochenblatt unterschlägt hier, dass Kempf und Nachbarn vor allem auch davon profitieren würden, wenn der Hubschrauberlandeplatz auf die andere Seite des Krankenhauses verlegt werden würde. Denn die An- und Abflugschneise des Rettungshubschraubers würde, wie die veröffentlichten Planungsskizzen zeigen, fast genau über das Haus von Kempf führen. Wie ich den Ratskollegen kenne, hatte er das P in den Augen, als er diese Planung zum erstenmal zu Gesicht bekam…

Auch die Reduzierung der Baukörper auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss ist eine Forderung, die wir so von der FDP eigentlich noch nicht gehört haben. Denn dort ist man bekanntlich immer dafür, viel und hoch zu bauen. In Sachen Zivildienstschulgelände sind die Buchholzer Liberalen aber auf einmal die größten Ökos und finden es gar paradox, dass das Ganze „Buchholz Park“ heißen soll, wo doch da soviel gebaut werden solle. Tut mir leid, aber da nicht die Interessen von Herrn Kempf und seinen Nachbarn zu erkennen, fällt mir schwer.

Peinlich, dass das Wochenblatt hier erneut Reglitzky & Co. als politische Gestalter und kritische Geister verkaufen! Und peinlich auch für Nicole Bracht-Bendt, dass sie diesen Vorstoß offenbar mitträgt. Wenn sie wirklich ein Direktmandat für den Bundestag erringen will, sollte sie sich aus diesen Untiefen lokaler Vetternwirtschaft heraushalten.

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Buchholz Park 2Von Kristian Stemmler

Die FDP ist bekanntlich so etwas wie die Verkörperung von Klientelpolitik und Vetternwirtschaft. Ein Beispiel aus der jüngeren Buchholzer Vergangenheit ist der Zuschuss zum Bau des umstrittenen Kletterturms am Holzweg, für den Blau-Weiß-Präsident Arno Reglitzky seinen Einfluss als liberaler Fraktionschef im Stadtrat nutzte. Jetzt bahnt sich ein neuer Fall von Vetternwirtschaft bei der Buchholzer FDP an: Die Fraktion versucht, die Planungen auf dem Zivildienstschulgelände zu korrigieren – offenbar stehen dahinter auch die privaten Interessen ihres Mitglieds Jürgen Kempf!

Mit einem Antrag vom 14. August fordert die FDP den auf dem Areal geplanten Hubschrauberlandeplatz zu verlegen, die Verkehrsanbindung zu ändern und die Gebäudekörper auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss zu begrenzen. All dies käme Jürgen Kempf und seinen Nachbarn zugute, denn der Mann ist Anwohner des Zivildienstschulgeländes. Er wohnt in einem Einfamilienhaus am Hopfenberg, und zwar am Anfang der Straße, so dass er und seine Nachbarn sowohl vom Hubschrauberlandeplatz wie auch vom Verkehr des Neubaugebiets unmittelbar betroffen wären.

Besonders dreist: Die FDP-Fraktion schiebt ökologische Gründe vor. Mehr als 8000 Quadratmeter Bäume und Grün im Stadtwald für die An- und Abflugschneise zu vernichten sei „nicht akzeptabel“ – einen solchen Einsatz für Bäume hätte man sich bei der Diskussion über die neue Baumschutzsatzung gewünscht! Dann müsse die Gefährdung der Bewohner des Gebäudes Hermann-Stöhr-Straße 1 durch mögliche Luftverwirbelungen bei Hubschrauberan- und -abflügen ausgeschlossen werden. Auch das ist vorgeschoben: Ein Experte hat im Stadtplanungsauschuss ausdrücklich erklärt, diese Gefahren seien ausgeschlossen.

Die FDP scheut sich auch nicht, die Interessen der Bewohner der geplanten Altenwohnanlage zu instrumentalisieren. Im Bereich der Anlage würde der Hubschrauberlandeplatz für „unzulässigen und unerträglichen Lärm“ sorgen, heißt es in der Begründung des Antrags. Darum fordern die Liberalen, den Landeplatz auf die andere Seite des Krankenhauses, in das kleine Waldstück zwischen den Parkplätzen zu verlegen. Nach meiner Erinnerung sind Standorte wie dieser von den Fachleuten auch geprüft, aber verworfen worden.

Auch beim zweiten Punkt des Antrags sind die Interessen von Kempf und Nachbarn zu erkennen. Die FDP lehnt die „strahlenmäßige Erschließung des B-Plangebietes allein über die als Anliegerstraßen verkehrsberuhigt ausgebauten einspurigen Straßen Hopfenberg und Hermann-Stöhr-Straße“ ab. Es seien die vorhandenen alternativen Direktanbindungs-Trassen an die Steinbecker Straße zu nutzen. Das ist ein Punkt, über den schon eher zu reden ist.

Natürlich will man am Hopfenberg auch nicht so große Gebäude in der neuen Nachbarschaft haben. Darum sollen die Gebäudekörper zwei Geschosse plus Staffelgeschoss nicht überschreiten. So etwas beantragt ausgerechnet eine Partei, die für gewöhnlich die Interessen ihrer Klientel, also vor allem auch Makler, Investoren, Grundstückseigentümer, nicht aus dem Auge verliert!

Am Mittwoch steht der Antrag der FDP im Stadtplanungsausschuss auf der Tagesordnung, man darf auf die Diskussion gespannt sein. Auf dem Tisch liegt auch ein zweiter Antrag der FDP zum selben Thema, in dem die Aufstellung eines Rahmenplans für das Krankenhaus, das Zivildienstschulgelände und das nähere Umfeld gefordert wird. Es solle darum gehen, die „städtebaulichen Erfordernisse und Möglichkeiten aus der Sicht aller Interessierten zu ermitteln“. Für welchen „Interessierten“ die FDP sich ins Zeug legt, scheint jedenfalls klar…

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Von Kristian Stemmler

„Was ist denn da los? Ist das eine Hochzeit?“ Die Jugendlichen, die wie jeden Abend vor dem Jugendzentrum toben, sind leicht irritiert. Im Rathauspark geht etwas Ungewöhnliches vor sich. Dort haben sich eine Menge Leute versammelt, die alle ganz in weiß gekleidet sind. Sie haben auf mitgebrachten Stühlen an ebenfalls weiß eingekleideten Tischen Platz genommen, trinken und essen, unterhalten sich. Nein, das ist keine Hochzeit, es ist auch nicht die „Weiße Wölfe Terrorcrew“ – hier wird der diskrete Charme der Buchholzer Bourgeoisie zelebriert: das erste Weiße Dinner der Stadt.

In der Nordheide hat es schon einige Aufführungen dieses Dîner en blanc gegeben, ein aus Frankreich importiertes Event (der blog berichtete), in anderen deutschen Städten wird bereits seit Jahren weiß diniert. In Hamburg findet an diesem Abend schon das vierte Weiße Dinner statt, und zwar in der Hafencity, der Veranstalter spricht von rund 6500 Teilnehmern. Etwas ist in Buchholz an diesem Abend allerdings anders: Hier findet, soweit sich das im Internet feststellen lässt, der erste politische Protest gegen ein Weißes Dinner statt, ein Schwarzes Dinner.

Die Idee dazu hatten der Blogger und Betriebsrat Uwe Schulze (www.gegengift.eu, dort gibt es auch einen weiteren Bericht zum Thema) und seine Mitstreiter Bärbel Liehr und Andreas. Angeregt von meinem Beitrag im buchholzblog, in dem ich das Weiße Dinner als „nutzlose Demonstration der Dekadenz“ bezeichnet hatte, formulierten sie in ihrem blog einen Aufruf, in dem es heißt: „Wir empfinden dieses Dinner als ein dekadentes Event, als rücksichtsloses Verhalten gegenüber sozialen Minderheiten“, gegenüber Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben oder für Dumpinglöhne schuften müssen.

Wie das Weiße Dinner fängt auch das Schwarze Dinner klein an. Da der Aufruf aus taktischen Gründen erst einige Stunden vor Beginn der Veranstaltung im Netz erscheint, sind an diesem Abend erst mal nur vier Personen ganz in schwarz erschienen: die drei Initiatoren und der Autor als Unterstützer. Wir nehmen auf Campingstühlen am Rande des Parks Platz. Auf dem mit einem schwarzen Tuch verhüllten Tapeziertisch haben wir unser eigenes kleines Stillleben komponiert. Kein kaltes Drei-Gänge-Menü wie bei den Weißen, sondern Butterbrote, Mineralwasser von Aldi und billige Würstchen von Lidl. Aldi-Tüten als Symbol von Armut und Segregation komplettieren das Bild.

Trotz unserer zahlenmäßigen Unterlegenheit ist die Aufmerksamkeit der weißen Fraktion, die fast 100 Leute zusammenbekommen hat, uns dennoch gewiss – zumal ein improvisiertes Pappschild mit der Aufschrift „Hartz-IV-Empfänger HIER“ die Blicke auf das Schwarze Dinner zieht. Immerhin, diverse Teilnehmer des Weißen Dinner scheuen nicht den Kontakt. Ein Mann mittleren Alters lichtet uns mit dem Handy ab, eine ältere Dame mit Rollator will uns Lebensmittel spenden und zwei andere Damen erkundigen sich freundlich nach unseren Motiven.

Auch die Medien, genauer gesagt: ein Medium, und die politische Prominenz kommen zu Besuch. Kollege Oliver Sander vom Nordheide Wochenblatt macht, nachdem er Organisator Stephan Jockel (ein diplomierter Controller, was immer das ist) interviewt hat, einen Abstecher an den „Katzentisch“. Wir erklären ihm wie auch den anderen Besuchern, dass wir das Weiße Dinner nicht stören wollen und jeder sich vergnügen möge, wie er lustig ist, auch wenn wir selbst dieses Event dekadent finden. Dass es uns darum geht, ein Zeichen zu setzen, aufmerksam zu machen auf das Wohlstandsgefälle hierzulande und auch in Buchholz.

Auch zwei Ratskollegen, die ich überraschend in weiß erblicke, schauen vorbei. Joachim Zinnecker, Fraktionschef der Grünen im Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister, hat sich mit seiner Frau zur Teilnahme entschlossen. Er denkt da eher staatstragend, sieht das Event als Aufwertung für die Stadt. Für unseren kritischen Einspruch zeigt er aber durchaus Verständnis. Ebenso wie Arne Ludwig, der für die Piraten im Rat sitzt. Er wechselt sogar mit seinem Stuhl für einige Minuten von der weißen Fraktion an unseren Tisch und bekundet Sympathie für unser Aktion. Auch weiß er zu berichten, dass einige Teilnehmer des Weißen Dinners leicht empört sind: Sie seien keineswegs so steinreich, wie das von uns offenbar angenommen werde.

Das ist allerdings auch nicht der Punkt. Aber es zeigt sich doch auch hier, dass die Teilnehmer vom Habitus und ihrem Auftreten her so gut wie alle der Mittel- und Oberschicht zuzuordnen sind. Selbst wenn man theoretisch offen ist für alle, so kommt auch an diesem Abend wohl kein Hartz-IV-Empfänger auf die Idee, sich dem Weißen Dinner anzuschließen. Allein die Optik dürfte da eher abschreckend sein: Auch wenn das einheitliche Weiß – rein formal gesehen – durchaus ästhetisch wirkt, so ist die Anmutung dennoch edel und abgehoben. Meine Welt ist das nicht!

Die der Jugendlichen vom JUZ offenbar auch nicht. Nach einer Weile kommen sie neugierig an unseren Tisch und wollen wissen, was wir da machen: „Sind Sie Hartz-IV-Empfänger?“ Uwe Schulze verneint das: „Wir stehen hier für diese Menschen“, erklärt er, „wir wollen zeigen, dass es auch Menschen gibt, die sich nicht soviel leisten können.“ Das findet das Mädchen gut: „Da würde ich mich auf jeden Fall eher zu Ihnen setzen!“

Das begrüßen wir einhellig, müssen aber jetzt aufbrechen. „Wir haben unser Ziel erreicht, ein Zeichen gesetzt“, sagt Uwe Schulze. Das erste Schwarze Dinner deutschlandweit hat für Aufmerksamkeit und Diskussionen gesorgt. Sicher auch für Amüsement, was ja ebenfalls nicht verkehrt ist, denn ein gewisser satirischer Einschlag war durchaus eingeplant. Auch wenn es letztlich um eine ernste Sache und einen anhaltenden Kampf geht – denn die soziale Erosion wird wohl auch nach der Bundestagswahl im September weitergehen.

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Schwarz gegen Weiß im Rathauspark: In der zentralen Buchholzer Grünanlage fand heute abend das erste Weiße Dinner statt – und parallel auch das erste Schwarze Dinner der Stadtgeschichte, ja vermutlich sogar das erste Schwarze Dinner deutschlandweit. Was das Zahlenverhältnis angeht, lag das Weiße Dinner vorn: Rund 90 Menschen dinierten ganz in Weiß gekleidet an weiß gedeckten Tischen, während sich am Rande vier Personen zum Protestdinner ganz in Schwarz einfanden. Moralisch aber ging (jedenfalls aus meiner Sicht) das Schwarze Dinner als Sieger vom Platz!

Wie berichtet, hatten der Unternehmensberater Stephan Jockel und seine Frau Claudia zur Teilnahme am Weißen Dinner aufgerufen, einem aus Frankreich importierten Event, bei dem sich Menschen in weißer Kleidung zu einem Picknick an einem öffentlichen Platz treffen. Blogger Uwe Schulze und seine Mitstreiter Bärbel Liehr und Andreas hatten daraufhin aus Protest gegen die Veranstaltung, die sie als dekadent empfinden, zu einem Schwarzen Dinner eingeladen. Zu den dreien gesellte sich heute abend der Autor in seiner Funktion als Ratsherr und Blogger.

Bei einem reellen Butterbrot, Billigwürstchen und Mineralwasser von Aldi sahen wir uns das Treiben der weißen Partei an, die den halben Park mit Beschlag belegt hatte. Unser Auftauchen wurde dort mit einer Mischung aus Irritation, Amüsiertheit und Empörung verfolgt. Immerhin nahmen diverse Teilnehmer des Weißen Dinners Kontakt auf und zeigten sich dialogbereit. „Wir haben ein Zeichen gesetzt, und darauf kam es an“, bilanzierte Uwe Schulze.

Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst. (kst)

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Von Kristian Stemmler

Doppelte Premiere in Buchholz: Heute soll in der Nordheidestadt nicht nur das erste Weiße Dinner stattfinden (sofern das Wetter sich hält), sondern auch das erste Schwarze Dinner! Als Kontrapunkt zum Upper-Class-Picknick, bei dem sich alle Teilnehmer ganz in weiß einfinden, wollen sich Buchholzer ganz in schwarz im Park versammeln – nicht um das Weiße Dinner zu stören, sondern um auf soziale Gegensätze aufmerksam zu machen.

„Wir empfinden dieses Dinner als ein dekadentes Event, als rücksichtsloses Verhalten gegenüber sozialen Minderheiten“, heißt es in der Erklärung, mit der der Blogger Uwe Schulze (gegengift.eu) und seine Mitstreiter Bärbel Liehr und Andreas zum Schwarzen Dinner aufrufen. Das Weiße Dinner sei „eine Veranstaltung die von Prunk und Protz geprägt ist – und das, obwohl auch in Buchholz Menschen leben die nicht wissen, was und ob sie am nächsten Tag noch etwas zu essen oder zu trinken haben. Menschen die kein Dach über dem Kopf haben oder … Menschen die als Lohnsklaven für Dumpinglöhne ausgebeutet werden.“

Schulze und seine Mitstreiter rufen dazu auf, einfache Speisen mitzubringen, „Brot und Wasser von Aldi oder Lidl, jeder einen Stuhl“. Herzlich willkommen seien auch die Menschen, „für die wir an diesem Tag dort stehen“. Vorsorglich weisen sie darauf hin, „dass wir in keinem Fall das Weiße Dinner stören oder attackieren wollen, davon distanzieren wir uns. Wer sich uns also anschließen möchte, der macht dass in jedem Fall friedlich.“

Wie ich in diesem blog bereits geschrieben habe, halte ich das Weiße Dinner für eine Demonstration der Dekadenz und werde mich daher heute dem Protest anschließen. Natürlich ist es das gute Recht jedes Buchholzers am Weißen Dinner teilzunehmen und sich dort zu vergnügen – aber ebenso ist es mein gutes Recht, darauf aufmerksam zu machen, dass es hierzulande ein großes Wohlstandsgefälle gibt. Die Wohlhabenden machen sich immer mehr in den Innenstädten breit und tragen ihren Reichtum zur Schau, deshalb ist es wichtig, dass auch immer wieder auf die Armut in dieser Gesellschaft hingewiesen wird! Und das in aller Öffentlichkeit!

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Nach dem gewonnenen Bürgerentscheid im Januar waren die Befürworter des Ostrings wieder obenauf – doch die Euphorie war nicht von langer Dauer. Wie berichtet, tendieren die Chancen, das gerichtlich gekippte Planfeststellungsverfahren für das Straßenbauvorhaben noch zu retten, gegen null. Was das für das Projekt bedeutet, erläutert Peter Eckhoff, Fraktionschef der Buchholzer Liste im Stadtrat und Vorstand der BürgerInitiative Ostring (BIO), im Interview mit dem buchholzblog.

Peter, die lokalen Medien berichten, dass ein Spitzenjurist kaum Chancen für den Landkreis und die Stadt Buchholz sieht, den Beschluss des Verwaltungsgerichts Lüneburg vom November 2011, mit dem der Planfeststellungsbeschluss zum Ostring kassiert wurde, noch zu kippen. Ist das ein Grund zum Jubeln für die Ostringgegner?

Peter Eckhoff: Grund zum Jubeln gibt es erst, wenn die Vernunft siegt und der unsinnige Ostring endlich vom Tisch ist. Sollte es der vom Landkreis beauftragte Jurist tatsächlich als sehr unwahrscheinlich ansehen, den Beschluss des Verwaltungsgerichtes aus 2011 zu kippen, verstehe ich nicht, warum der Landkreis jüngst beantragt hat, das ruhende Beschwerdeverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht wieder aufzunehmen.

Wie schätzt Du persönlich die Aussichten von Kreis und Stadt ein?

Eckhoff: Die besseren Sachargumente liegen bei den Klägern. Die Rechtfertigung des Ostrings als Entlastungsstraße für den Innenstadtverkehr wurde gerade durch die Bürgerbefragung im Rahmen der Erstellung des Mobilitätskonzeptes erneut widerlegt. Nicht der Durchgangs-, sondern der innerstädtische Verkehr mit Ziel und Quelle im Buchholzer Stadtgebiet ist das Problem. Ein Ostring wird dieses nicht befriedigend lösen. Aber schon allein aus der Erfahrung heraus werden Beschwerdeverfahren zur Zulassung einer Berufung äußerst selten zum Erfolg geführt.

Rechnest Du damit, dass in diesem Jahrzehnt mit dem Bau des Ostrings begonnen wird?

Eckhoff: Nein, der Ostring wird nie gebaut.

Welche Möglichkeiten gäbe es noch, die Planung der Umgehung juristisch zu verzögern? Es sollen noch zwei Klagen von Bürgern vorliegen, die vom Trassenverlauf betroffen sind. Und Grünen-Fraktionschef Joachim Zinnecker sprach von der Möglichkeit, dass die geplante Trasse nicht dem Grundsatz des sparsamen Landschaftsverbrauchs entspricht.

Eckhoff: Es geht hier nicht um eine Verzögerung, sondern um die endgültige Verhinderung des Baus. Wenn diese nicht der Vernunft folgend über den politischen Weg erzielbar ist, dann müssen die Gerichte bemüht werden.

Zinnecker hat im Wochenblatt Kompromissbereitschaft für eine abgespeckte Variante des Ostrings signalisiert. Diese Variante unterstützt auch das Wochenblatt selbst. Wie siehst Du das?

Eckhoff: Ich halte jede östliche Umgehung für nicht geeignet, den Innenstadtverkehr deutlich und spürbar zu entlasten. Zudem bin ich grundsätzlich gegen jeden unnötigen Flächenverbrauch und Straßenneubau. Sollte eine Prüfung der Entlastungswirkung meine Vermutung wider Erwarten doch widerlegen können, bin ich gerne bereit, meine Position noch einmal zu überdenken.

Eine solche Trasse müsste die Stadt möglicherweise selbst bezahlen, weil die Förderung des Kreises entfallen könnte. Ist das bezahlbar?

Eckhoff: Die Kassen sind bereits jetzt leer. Ich wüsste nicht, wo man die benötigten Gelder hernehmen könnte. Wenn überhaupt, dann wäre eine Finanzierung nur über eine Kreditaufnahme und zu Lasten anderer wichtiger Aufgaben (Kindergärten, Krippen, Schulen, Straßenerhaltung, Sportförderung, Kulturförderung etc.) möglich.

Wäre es nicht angesichts der neuen Probleme sinnvoll, den Ostring ein für allemal zu den Akten zu legen und sich um aktuelle Verkehrslösungen zu bemühen?

Eckhoff: Unbedingt; denn die Verkehrsprobleme in der Innenstadt sind auch dort vor Ort zu lösen und nicht am Rande der Stadt.

Die Initiatoren des Bürgerentscheids zum Ostring haben ja den Eindruck erweckt, wenn die Buchholzer mit Ja stimmen, würde die Umgehung bald kommen. Sind die Bürger da getäuscht worden?

Eckhoff: Eindeutig ja. Das haben sich die Initiatoren aber selbst zuzuschreiben. Wir hatten von der Buchholzer Liste rechtzeitig auf den politisch unsinnigen Bürgerentscheid und die Täuschung der Bürgerinnen und Bürger hingewiesen.

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DSC_9610Die alte Eiche vor dem Grundstück Neue Straße 8 ist voraussichtlich gerettet. Nach Informationen des buchholzblogs haben der Investor, die Feldtmann KG, und die Buchholzer Verwaltung vereinbart, dass das Wohn- und Geschäftshaus, das auf dem Gelände errichtet werden soll, zwei Meter nach hinten versetzt wird. Durch diese Maßnahme dürfte eine Beschädigung der Wurzeln des Baumes vermieden werden können.

Wie berichtet, machen sich viele Buchholzer Bürger Sorgen, dass die Eiche die Baumaßnahmen auf dem Grundstück nicht überlebt. Schon vor dem Abriss des alten, 1905 errichteten Gebäudes, in dem sich zuletzt das Kunsthandwerksgeschäft „Madness“ befand, hefteten Naturfreunde zahlreiche Zettel mit Gedichten und anderen Texten an die Eiche. Auch für die alte Kastanie, die auf dem Grundstück steht, wurde eine Lanze gebrochen. Sie ist aber nicht zu retten, weil sie mitten im Baufenster steht. (kst)

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Der grüne Buchholzer Ratsherr und Archäologe Jan Bock hat zusammen mit seiner Kollegin Sonja Nolte das erste Fachbüro für archäologische Dienstleistungen im Landkreis Harburg gegründet. Damit reagieren die beiden Archäologen auf die Entwicklung, dass Grabaufträge im Zuge von großen Baumaßnahmen meistens als Gesamtleistungen für Fachunternehmen ausgeschrieben werden. Im Interview mit dem buchholzblog erläutern Jan und Sonja, welche Dienstleistungen ihr neues Büro genau anbietet (weitere Infos auf der Homepage http://www.archaeologie-nordheide.de).

Jan und Sonja, Ihr habt jetzt das erste Fachbüro für archäologische Dienstleistungen im Landkreis Harburg gegründet. Wie kam es dazu?

Jan: Der Bedarf an privaten archäologischen Fachfirmen nimmt immer noch zu. Einerseits ist seit der letzten Novellierung des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes die Erfordernis und Kostenübernahme archäologischer Rettungsmaßnahmen besser geregelt worden – andererseits wird es für die zuständigen behördlichen Denkmalpflegestellen (zum Beispiel eine Kreisarchäologie) zunehmend schwieriger, freiberufliches Personal schnell und flexibel für Projekte „einzukaufen“.

Was sind die archäologischen Dienstleistungen, die Ihr anbietet?

Sonja: Alles von der Beratung von Bauherren, über einfache Flächenprospektionen bis hin zur kompletten Ausgrabung mit allem drum und dran. Darüber hinaus bieten wir auch noch spezielle Leistungen, wie beispielsweise das Transkribieren alter Schriften (Fraktur, Sütterlin) oder das Aufnehmen und Katalogisieren von (privaten) Sammlungen an.

Wie muss man sich Euer Vorgehen konkret vorstellen? In welchen Fällen werden archäologische Fundstellen vermutet?

Jan: Ob in einem Baugebiet archäologische Fundstellen bereits bekannt, zu vermuten oder möglich sind, prüft der zuständige Stadt- oder Kreisarchäologe und formuliert entsprechende Auflagen, die dann in die Baugenehmigung übernommen werden. Solche Auflage besagen zum Beispiel, ob eine Ausgrabung erforderlich ist und in welchem Umfang. Der Bauherr kann sich dann zur Erfüllung dieser Auflagen eine Grabungsfirma suchen, deren Arbeit aber unter fachlicher Aufsicht der Kommunalarchäologie steht.

Sonja: Bei größeren Vorhaben werden zumeist erst Suchgräben angelegt. Anhand der Menge, der Art und der räumlichen Verteilung der darin entdeckten archäologischen Funde und Befunde, das sind in erster Linie Verfärbungen im Boden, die zum Beispiel von Pfostenlöchern, Feuerstellen oder Gräbern herrühren, wird dann der Umfang und der räumliche Ablauf der Grabung festgelegt.

Sind archäologische Untersuchungen bei bestimmten Bauvorhaben gesetzlich vorgeschrieben?

Jan: Ja! Die Beteiligung der Archäologie im Zuge eines Baugenehmigungsverfahrens ist vorgeschrieben und entsprechende Auflagen werden Bestandteil der Baugenehmigung. Das Niedersächsische Denkmalschutzgesetz regelt außerdem, dass der Verursacher die erforderlichen archäologischen Rettungsmaßnahmen finanzieren muss.

Was für Funde sind es, mit denen man in unserer Gegend in der Regel rechnen kann? Aus welcher Zeit kommen die meisten Fundstücke?

Jan: Grundsätzlich sind bereits im Raum Buchholz (allein hier sind etwa 600 archäologische Fundstellen bekannt!) alle Zeitstellungen vertreten – von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter und schließlich auch Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg, die im Grunde auch zu Bodendenkmälern gezählt werden können.

Welche Kosten entstehen für Eure Dienstleistungen in etwa?

Sonja: Das lässt sich pauschal nicht sagen, da dies insbesondere bei Prospektionen und Ausgrabungen von verschiedenen Faktoren abhängt: Größe der Fläche, Bodenbeschaffenheit, Anzahl und Beschaffenheit der archäologischen Befunde, Anzahl der eingesetzten Personen, Zeitdruck des Bauherren…

Jan: Letztlich sind es für Bauherren und Investoren aber überschaubare Kosten, an denen kein Bauvorhaben scheitern würde… Im Übrigen können wir als Firma durchaus flexibel agieren: Wir könnten auf der gleichen Fläche nur mit einer kleinen Kernmannschaft deutlich länger graben oder aber mit hohem Personaleinsatz und langen Arbeitszeiten möglichst schnell arbeiten – je nachdem, ob Zeit oder Geld der entscheidende Faktor für den Auftraggeber ist.

Wen habt Ihr als Auftraggeber im Auge?

Sonja: Alle, die eine Ausgrabung durchführen lassen müssen! Natürlich in erster Linie Bauunternehmer.

Was sind das für Bauvorhaben, bei denen Archäologen zum Zuge kommen? Könnt Ihr theoretisch auch von Bauherren von Einzelhäusern beauftragt werden oder ist das eher unüblich?

Jan: Letzteres ist eher unüblich. Da es sich hierbei meist um kleine Flächen handelt, werden notwendige Rettungsmaßnahmen, falls sie denn erforderlich sind, zumeist von den jeweiligen Kommunalarchäologien in Eigenregie durchgeführt und sind in den allermeisten Fällen auch in wenigen Tagen erledigt…

Sonja: Wir übernehmen eher die größeren Ausgrabungen und die erfolgen auf entsprechend größeren Flächen – vor dem Bau von Biogasanlagen, von Gewerbeflächen oder Straßen, wie bei dem Neubau der B75 als Ortsumfahrung Dibbersen.

Was habt Ihr bisher beruflich gemacht?

Jan: Diverses… Während meines Studiums habe ich unter anderem als studentische Hilfskraft, als Researcher („Headhunter“) für ein Personalberatungsunternehmen und als Mitarbeiter in einer Anwaltskanzlei gearbeitet – außerdem natürlich auf verschiedenen archäologischen Ausgrabungen, auch in Ägypten.

Sonja: Ebenfalls Ausgrabungen, allerdings (bisher!) nur innerhalb Deutschlands. Ich arbeite aber auch seit fast sieben Jahren als Selbstständige für das Niedersächsische Landesmuseum Hannover. Dort neben der Museumspädagogik vor allem für einzelne archäologische Projekte, wie beispielsweise Grabungsnachbearbeitungen, Aufnahme von Funden sowie die Katalogisierung. Gerade mache ich die Inventur im Landesmagazin.

Bei welchen spektakulären Funden konntet Ihr dabei sein?

Jan: Hm, „spektakulär“ ist wirklich sehr relativ… Subjektiv bedeutend sind sicherlich andere Funde. Ich erinnere mich, wie ich mein erstes Skelett entdeckte, mit dem sich auch endlich ein mittelalterlicher Friedhof fand, den wir bereits zwei Wochen lang gesucht hatten…

Sonja: Ich glaube mein „spektakulärster“ Fund war eine über 10.000 Jahre alte geschnitzte Bernsteinperle. Aber genau genommen ist doch jeder Fund etwas Besonderes, oder?

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Von Kristian Stemmler

Auch wenn jeder Mensch, der alle fünf Sinne beisammen hat, wissen muss, dass die deutsche Fußballbundesliga ein großer Zirkus und ein Megabusiness ist, muss ich doch zugeben – es freut mich, dass die (fast) fußballfreie Zeit vorbei ist und in wenigen Stunden die Bundesliga wieder startet! Denn kommerziell ist heute ja fast alles, und immerhin ist die Bundesliga für jeden, der oder die sich für Fußball interessiert, gut gemachte Unterhaltung. Allerdings nur dann, wenn die Monokultur der letzten Saison aufgebrochen wird.

Darum fordere ich hier alle Leser des buchholzblogs auf, zehn Ave Marias dafür zu beten, dass die Bayern in dieser Saison ordentlich auf die Omme kriegen! Es wäre fatal und würde der Bundesliga viel von ihrem Reiz nehmen, wenn ein einzelner Klub mit seinen Millionen praktisch den Titel auf Dauer pachten könnte. Es darf einfach nicht sein, dass Geld für den Erfolg im Fußball allein bestimmend wird! Wenn Bayern München mit seinem zusammengekauften Megastarteam scheitern würde, wäre das ein Riesengewinn für den Profifußball.

Die Arroganz der Bayern ist ebenso unerträglich wie der Hype um den neuen Trainer, Pep Guardiola. Auch wenn ich nicht abstreiten will, dass der Mann persönlich durchaus sympathisch rüberkommt, ist das Theater um seine Person grotesk. In den letzten Wochen wurde ja noch das unbedeutendste Testspiel der Bayern im Fernsehen übertragen und jedes Lebenszeichen des Spaniers in den Medien protokolliert. Ich habe nur auf Liveticker gewartet wie „Pep Guardiola geht aufs Klo“ oder „Pep Guardiola isst seine erste Weißwurst“.

Dann gibt es ja inzwischen noch einen weiteren Umstand, der einen dabei unterstützt, die Bayern wirklich nicht zu mögen. Dass ausgerechnet der Präsident dieses Vereins im Mittelpunkt eines Steuerhinterziehungsverfahrens steht, ist symptomatisch für diesen Klub und für die Entwicklung im Profifußball insgesamt. Für diese Saison habe ich daher zwei große Wünsche: Bayern München wird nicht Meister – und Uli Hoeneß muss in den Knast!

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DSC_7897Von Kristian Stemmler

Für den ersten Geiger der Stadt brechen offenbar schwere Zeiten an. Jedenfalls ist er jetzt ordentlich unter Beschuss geraten. Viermal hintereinander ist der Buchholzer Bürgermeister vom Nordheide Wochenblatt, das ihn bisher relativ pfleglich behandelt hat, gehörig abgewatscht worden, dem Meinungsführer, ja Medienmonopolisten im Landkreis, der Bürgermeister machen und Bürgermeister stürzen kann. Fragen Sie mal Norbert Stein, Geigers Vorgänger…

Vielleicht ist es ja auch Zufall, aber es fällt doch auf. In der Ausgabe vom 24. Juli war es das Thema Ostring/Mühlentunnel, bei dem Chefredakteur Reinhard Schrader persönlich Geiger die Hammelbeine langzog. Unter der Überschrift „Pleiten, Pech und Pannen“ heißt es da: „Ostring und Mühlentunnel – Wie die Buchholzer Verwaltung die beiden wichtigsten Verkehrsprojekte verschlampt“. In dem Beitrag wirft Schrader der Verwaltung vor, offenbar Anfängerfehler bei der Vergabe des Planungsauftrags für den Neubau des Mühlentunels gemacht zu haben.

Hintergrund ist der Umstand, dass ein Unternehmen, das bei der Vergabe des Planungsauftrags für den Tunnelneubau unterlegen ist, vor das Oberlandesgericht Celle gezogen ist. Dadurch verschiebt sich die ohnehin zähe Planung des zur verkehrlichen Entlastung für Buchholz so dringend nötigen Neubaus weiter. Dass eine Firma die Stadt verklagt, ist noch kein Beinbruch, aber Schraders Bewertungen des Vorgangs sind eine Katastrophe für Geiger.

Ihm müsse die aktuelle Planungspanne angelastet werden, schreibt der Chefredakteur des Wochenblattes. Seine Verwaltung habe nicht dem billigsten, sondern dem „günstigsten“ Bieter den Zuschlag erteilt. Das sei nach Vergaberecht möglich, aber an die Erfüllung nachvollziehbarer Kriterien gebunden. Und die habe die Buchholzer Verwaltung leider nicht herausgearbeitet.

Schrader lastet Geiger aber nicht nur diese Panne an, sondern wirft ihm auch grundsätzlich vor, an den Verzögerungen beim Mühlentunnel schuld zu sein. Nachdem das Verwaltungsgericht Lüneburg das Planfeststellungsverfahren für den Ostring kassiert habe, habe der Bürgermeister sich unter dem Druck der neuen bunten Ratsmehrheit gezwungen gesehen, die Planung für den Neubau des Mühlentunnels wieder aufzunehmen.

Diese Planung sei aber nach Aussage von Norbert Stein (SPD) in seiner Amtszeit schon weit vorangetrieben worden. Geiger behaupte dagegen, alles seien nur unverbindliche Vorplanungen gewesen, er habe ganz von vorn anfangen müssen. Schrader schreibt: „Vieles spricht dafür, dass Geigers Vorgänger Stein die Wahrheit sagt.“

Für Geiger kommt es in dem Beitrag aber noch dicker. Zum Schluss kommentiert Schrader: „Es läuft wohl ähnlich wie beim Ostring. Auch dort wollte der Bürgermeister mit dem Kopf durch die Wand, schlug alle Warnungen vor hohen juristischen Klippen in den Wind – und ist gestrandet.“ Und in der Unterschrift zu einem Bild, dass Buchholz‘ Stadtoberhaupt mit Bürgermeisterkette zeigt, kulminiert die Kritik: „In der Verkehrspolitik erfolglos – wird die Bürgermeisterkette zu schwer für ihn?“

In der Ausgabe vom 31. Juli legt Schrader nach und kommt von der entgleisten Tunnelplanung zur Ostring-Misere. Unter der Überschrift „Weiter nach dem Prinzip Hoffnung?“ analysiert der Chefredakteur die jüngste Entwicklung in Sachen Ostring und lässt dabei erneut Geiger alt aussehen. Wie gemeldet, wollen Landkreis und Stadt Buchholz erreichen, dass das Oberverwaltungsgericht doch noch eine Berufung gegen die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Lüneburg vom November 2011 zulässt. Das VG hatte damals die Planung für den Ostring in toto kassiert.

Doch selbst wenn Landkreis und Stadt beim OVG Erfolg hätten, so Schrader, „stünden Stadt und Kreis im besten noch jahrelange Prozesse bevor“. So stünden etwa noch die beiden Klagen vom Trassenverlauf betroffener Ostring-Gegner im Weg. Und Joachim Zinnecker, Grünen-Fraktionschef im Stadtrat (und möglicher Gegenkandidat von Geiger bei der Bürgermeisterwahl 2014), habe angekündigt, prüfen zu lassen, ob der planfestgestellte Trassenverlauf den Grundsatz des sparsamen Landschaftsverbrauchs berücksichtige.

Zinnecker signalisiere Kompromissbereitschaft, heißt es weiter, er sei für einen „abgespeckten Ostring“ zu haben, von der Canteleubrücke hinter der Feuerwache entlang, unter der Bahn hindurch bis zum vorhandenen Nordring. Diese Version bevorzugt bekanntlich auch Schrader und legt sie in einem Kommentar dem Bürgermeister nah. „Ohne einen Kompromiss mit den derzeitigen Gegnern bleibt der Ostring das Phantom, das er seit fast 50 Jahren ist“, schreibt er. Und fragt in der Bildunterschrift zum Porträt von Geiger: „Zu wenig kompromissbereit?“

In derselben Wochenblatt-Ausgabe gab es noch eine Watschen für Geiger, eher beiläufig, aber nicht weniger heftig. Und zwar im Zusammenhang mit dem Fall von Rolf Pöker, dem Obdachlosen, der aus der Notunterkunft an der Bremer Straße geworfen wurde, nachdem er die Hausmeisterin bedroht hatte (siehe eigener Beitrag im blog).

Geiger habe in der Redaktion angerufen, schreibt Kollege Sascha Mummenhoff, der das Thema beim Wochenblatt bearbeitet. Er habe klar gestellt, dass sich Nachbarn über Pöker beschwert hätten, weil seine Vögel zu viel Lärm machen. Das aber sei, so Mummenhoff, „eine seltsame Erklärung“, denn die Wohnungen links und rechts von Pökers ehemaligem Domizil seien leer. Mit diesem Umstand konfrontiert, habe der Pressesprecher der Stadt, Heinrich Helms, nachgebessert: Der Bürgermeister meine die Wohnung, die an die Rückseite von Pökers Wohnung grenzt. Mummenhoff kommentiert das sarkastisch mit dem Nachsatz: „Aha“.

In der aktuellen Ausgabe des Wochenblattes vom 7. August kommt es dann noch mal faustdick. „Rathausrevolten in Buchholz und Winsen“ titelt das Blatt auf der Eins, Unterzeile: „Bürgermeister in der Kritik: Günstlingswirtschaft und absolutistisches Gebaren“. Thema des Beitrags sind Auseinandersetzungen zwischen Personalrat und Verwaltungsspitze in Buchholz und Winsen. „In beiden Stadtverwaltungen steht selbstherrliches Verhalten der Bürgermeister in der Kritik“, heißt es da. Winsens Bürgermeister André Wiese werde vorgeworfen, er regiere wie ein absolutistischer Monarch, Geiger werde „Personalferne und Günstlingswirtschaft“ angekreidet.

Im Artikel auf der Seite 6 ist es erneut Chefredakteur Reinhard Schrader, der den Bürgermeister von Buchholz schonungslos vorführt Hintergrund ist der Umstand, dass ein externer Schlichter herangezogen werden muss, um einen Streit zwischen Geiger und dem Personalrat zu klären. Die Einrichtung einer Einigungsstelle durch den Stadtrat sei nötig geworden, weil sich Personalrat und Bürgermeister bei Stellenbewertung und Postenverteilung gegenseitig blockieren.

Schrader schreibt: „Bürgermeister Wilfried Geiger ist seit seinem Amtsantritt vor sieben Jahren dabei, die Verwaltungsführung mit Mitarbeitern seines Vertrauens zu besetzen. Böse Zungen sagen dazu, der Bürgermeister umgebe sich mit Speichelleckern und Ja-Sagern. Während er diese Häuptlinge mit Aufstieg und Zulagen belohne, würden die Indianer, die aber die Arbeit machten, kurz gehalten, heißt es aus der Verwaltung.“ Und weiter unten: „Gleichwohl sitzen Geigers Günstlinge kommod auf ihren Posten.“

Das ist an Deutlichkeit kaum zu überbieten. Nachdem der Wochenblatt-Chefredakteur Geiger erst der Unfähigkeit in der Verkehrspolitik gezeiht hat, präsentiert er ihn jetzt auch noch als einen Politiker, der nach Gutsherrenart regiert und sich mit Speichelleckern umgibt. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt. Für Geigers Aussichten im nächsten Jahr noch mal Bürgermeister zu werden, soweit er das überhaupt vor hat, sind derartige Berichte jedenfalls nicht förderlich. Vielleicht nimmt ihm das auch die Lust, seinen Hut noch mal in den (Ost-)Ring zu werfen…

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