Zivildienstschulgelände: Reglitzky blamiert sich im Stamobau-Auschuss

Buchholz Park 1Von Kristian Stemmler

Setzt die FDP aus Profilierungssucht und für die privaten Interessen eines Ratsmitglieds die Zukunft des Buchholzer Krankenhauses aufs Spiel? Wer gestern abend bei der Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung die Diskussion um die Nutzung des Zivildienstschulgeländes verfolgte, dem drängte sich zumindest dieser Verdacht auf.

Mit drastischen Worten machte Krankenhaus-Chef Norbert Böttcher klar, dass die von den Liberalen geforderte Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes zu zeitlichen Verzögerungen führen könnte. Die aber könnten den Status der Klinik und damit die medizinische Versorgung der Buchholzer Bevölkerung gefährden. „Ich bitte Sie dringend, es bei dieser Planung zu belassen“, appellierte Böttcher an die Ausschussmitglieder.

Wie berichtet, hat die FDP zwei Anträge gestellt, die gestern im Ausschuss diskutiert, aber noch nicht beschlossen wurden. Sie fordert für das Areal eine Rahmenplanung, die Verlegung des Hubschrauberlandeplatzes, eine neue Anbindung und die Begrenzung der Wohnbebauung auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss. Der Verdacht liegt nahe, dass hinter den Anträgen auch die privaten Interessen von FDP-Ratsmitglied Jürgen Kempf stehen, der am Anfang des Hopfenbergs wohnt.

Derzeit lande der Rettungshubschrauber noch an der Feuerwehr, so Böttcher. Die Flugsicherung dulde das aber nur, weil der neue Hubschrauberlandeplatz auf dem Zivildienstschulgelände in Aussicht stehe. Auch den Status eines regionalen Traumazentrums und eines berufsgenossenschaftlich anerkannten Krankenhauses für Arbeitsunfälle habe sein Haus nur, weil der neue Landeplatz bald gebaut werden soll. Böttcher: „Wenn die Realisierung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, ist das in Gefahr. Das würde auch eine deutlich schlechtere Versorgung der Buchholzer Bevölkerung bedeuten.“

Wenn der Landeplatz, wie von der FDP vorgeschlagen, auf die andere Seite des Krankenhauses, zwischen die beiden dort befindlichen Parkplätzen verlegt würde, müsse ganz neu geplant werden. Die Flächen dort seien zudem nicht alle im Besitz des Krankenhauses. Zudem solle die Station M erweitert werden und die Einfahrt des Krankenhauses dann an diese Seite verlegt werden. Eine Liegendzufahrt und ein Hubschrauberlandeplatz schlössen sich aber gegenseitig aus, da bei Großereignissen Rettungsfahrzeuge bei einer Landung des Hubschraubers die Zufahrt nicht nutzen könnten.

Böttcher machte deutlich, dass die Belästigungen durch Hubschrauberlandungen und -starts gering sein werden: „Wir reden über zehn Bewegungen im Jahr.“ Das Buchholzer Krankenhaus wird nicht mit Schwerverletzten angeflogen. Ein Rettungshubschrauber wird nur angefordert, wenn bei einem Patienten „unter der Behandlung“ ein lebensrettender Eingriff am Kopf oder am offenen Herzen nötig wird und er oder sie verlegt werden muss. Vom Landeplatz werde man auch sonst nicht viel merken, erklärte der Krankenhaus-Chef: „Eine grüne Wiese mit einem roten H und ein Windsack, mehr ist da nicht.“

Auf Böttchers harsche Kritik reagierte FDP-Fraktionschef Arno Reglitzky, der die beiden Ergänzungsanträge seiner Partei vorher begründet hatte, ziemlich angefasst, wobei er sich nur noch mehr blamierte. Es sei „nicht fair“ ihm zu unterstellen, er wolle die Planung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschieben, jammerte er und warf Böttcher vor, mit „Totschlagargumenten“ zu arbeiten.

Reglitzky fühlte sich offenbar durch Böttchers ebenso professionell wie stichhaltig vorgebrachte Argumentation derartig auf den Schlips getreten, dass er meinte, dem Spitzenmanager Nachhilfe in Staatsbürgerkunde erteilen zu müssen. Der Stadtrat habe ja „eine gewisse Aufgabe“ und sei „nicht nur ein Abnickgremium“. Bürgermeister Wilfried Geiger beruhigte die Diskussion, in dem er vorschlug, wegen des vorherrschenden Zeitdrucks die Bauleitplanung weiterlaufen zu lassen und zum Hubschrauberlandeplatz ein eigenes Papier zu erarbeiten.

Überraschend bekam die FDP auch von der befreundeten CDU bei diesem Thema deutlich kontra. Peter Noetzel stellte klar, dass für ihn eine Verlegung auf die andere Krankenhausseite nicht in Frage kommt. „Das wäre viel zu dicht an den ersten Häusern dort“, sagte er, „dann würde ich da nicht mehr wohnen wollen.“ Am jetzt geplanten Standort seien die Belastungen durch den Landeplatz dagegen eher in Kauf zu nehmen.

Ein Kompromiss zeichnet sich dagegen beim Punkt Zuwegung ab. Etwas südlich vom Hopfenberg könnte eine Zufahrt zum Neubaugebiet entstehen, so dass der Verkehr, der durch Altenheim, Kita und Wohngebiet stark zunehmen wird, nicht über den Hopfenberg ablaufen würde. Bei einer Begehung des Gelände, zu der der Ausschuss sich vor seiner Sitzung traf, wurde auch diese Lösung besprochen und begutachtet.

Für FDP-Urgestein Jürgen Kempf und seine Nachbarn vom Hopfenberg wäre das doch schon mal ein Erfolg, oder? Um den Hubschrauber (zehn mal im Jahr!) werden sie wohl nicht herumkommen. Aber dieser Vorgang wirft erneut die Frage auf: Ist die FDP eigentlich noch zu retten?!

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