Sprühaktion für Demenzwoche – Stadt gibt zentrale Plätze frei

Veröffentlicht: 2013-08-21 in Hintergründe, Lokales
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DSC_0340Von Kristian Stemmler

Was sind denn das für Schmierereien? Das wird ja immer schlimmer in Buchholz! So oder ähnlich denken wohl viele Buchholzer, wenn sie auf dem Vorplatz des Bahnhofs am Kabenhof oder am Nordeingang der Buchholz Galerie vorbeikommen. In knalligen Farben und in überdimensionalen Buchstaben sind dort Sprichwörter aufs Pflaster gesprüht worden, wobei das letzte Wort jeweils durch drei Punkte ersetzt wurde, also zum Beispiel: „Der Apfel fällt nicht weit vom …“

Tatsächlich sind die Graffiti das Ergebnis einer von der Stadt offiziell erlaubten Sprühaktion, mit der für die Demenz-Aktionswoche „Die Gedanken verblassen“ des Fotografen und Geschäftsmanns Frank Kettwig (Telecom-Studio) vom 26. August bis 1. September geworben wird. Am Bahnhof sprühten Schüler der BBS Buchholz vor einer Woche die ersten Sprüche auf, gestern wurde die Aktion vor der Galerie in Anwesenheit von Bürgermeister Wilfried Geiger, der die Schirmherrschaft über die Veranstaltungsreihe übernommen hat, fortgesetzt.

Nach Angaben von Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt, hat die Verwaltung die ungewöhnliche Werbung erlaubt, weil es sich um einen guten Zweck handelt. Die Idee hinter der Sprühaktion sei, dass die Buchstaben nach und nach durch die Witterung verblassen, was dann das Verblassen der Erinnerung bei Menschen mit Demenz symbolisiere. Falls die Buchstaben nicht in absehbarer Zeit wieder verschwunden sind, habe Kettwig die Beseitigung auf eine Kosten zugesichert, so Helms.

Natürlich kann niemand bestreiten, dass Demenz ein drängendes Thema ist und eine Woche mit Veranstaltungen zu diesem Thema eine gute Sache. Andererseits frage ich mich, ob das rechtfertigt, dass eine dermaßen knallige Werbung auf den zentralen Plätzen der Stadt (als dritter Ort ist der Platz vor der Empore genehmigt) erlaubt wird, und das auch noch kostenfrei. Ich frage mich, ob das nicht einen Präzedenzfall schafft, und der nächste Organisator von Benefizveranstaltungen von der Stadt Ähnliches verlangen könnte.

Auch das Engagement von Frank Kettwig ist sicher nicht zu bestreiten. Andererseits wundere ich mich, dass im Programm ein Punkt heißt: „Vorführung und Beratung senioren- und behindertengerechter Telefone im Telecom-Studio“. Und auch dass die Ausstellungen zum Thema in der Buchholz Galerie stattfindet, mit der Kettwig nicht zum erstenmal zusammen arbeitet, legt nahe, dass da auch Geschäftsinteressen im Spiel sind.

Was meinen Sie?

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Kommentare
  1. Uwe Schulze sagt:

    @ Sebastian Speetzen
    Moin Sebastian, du musst schon zugeben dass du dem Telekom Studio ein wenig mehr Aufmerksamkeit schenkst, und wir beide wissen auch warum 😉
    Die Aktion Demenzwoche selbst ist vom Autor auch nicht in Frage gestellt, nur die Art und Weise der der Umsetzung.
    Ich möchte allerdings auch wetten, dass wenn ich als private Person zur Aktionswoche im September 2013: „Engagement macht stark!“ – etwas anmelde und eine sehr ähnliche Aktion plane, dann bekomme ich die berühte Buchholzer rote Karte mit dem fetten “Nein” drauf zugesendet.
    Du kennst mich Sebastian, und von daher müsstest du auch wissen wovon ich schreibe.

    Viele Grüße Uwe

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  2. BlueBear sagt:

    Den Kern des Beitrages nicht verstehen zu können oder zu wollen, Herr Speetzen, und gleichzeitig dem Autor vorzuwerfen er hätte die Aktion nicht verstanden …
    schon klar!

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  3. buchholzblog sagt:

    Wie Sie meinen. Ich weise noch mal darauf hin, dass ich die Demenzwoche an sich für eine gute Sache halte – meine Anfrage betrifft lediglich die Form der Werbung. Ich verstehe nicht, dass hier einige so empfindlich reagieren, nur weil man ein paar Fragen stellt. Das scheint in Buchholz verbreitet zu sein. In Hamburg ist die Streitkultur eine andere.

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  4. Anscheinend haben Sie den Sinn dieser Aktion nicht ganz verstanden. Darum verlasse ich diese Diskussion jetzt. Hat einfach keinen Sinn mit Ihnen weiter zu diskutieren.

    Freundliche Grüße
    Sebastian Speetzen

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  5. BlueBear sagt:

    Nur mal eine Frage : Wird Demenz dadurch weniger gefährlich oder verliert es seinen Schrecken, wenn man bunte Bildchen in die Gegend sprüht ?
    Ich habe eigentlich gar nichts gegen diese Aktion, aber ich gebe dem buchholblog recht, bei der Frage : Würde die Stadt das auch erlauben bei einer Aktion gegen Neonazis ? Oder einer Aktion gegen Korruption ? Oder einer Aktion für den Umweltschutz ? Ich habe da so meine Zweifel.

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  6. buchholzblog sagt:

    Allgemeines Interesse schon, aber ob das überragend ist. Ich frage mich, ob die Stadt solche Werbung auch erlauben würde, wenn ein Veranstalter kommt, der Aktionen gegen Neonazis plant.

    Natürlich geht das Thema Demenz uns alle an, ebenso wie das Thema Krebs oder andere Themen. Jeder kann theoretisch an Demenz erkranken. Ich habe selbst schon mit Demenzkranken zu tun gehabt. Aber wie gesagt: Dass die Demenzwoche eine gute Sache ist, habe ich nie bestritten.

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  7. Ich habe nie behauptet das eine Demonstration gegen Massentierhaltung unwichtig wäre. Es ging mir viel eher um den Arbeitsaufwand der hinter der Organisation steckt.

    Und finden Sie nicht, dass das Thema Demenz im Interesse der Allgemeinheit liegt? Es geht in der Woche darum, auf das Thema aufmerksam zu machen, und es soll den Leuten zeigen wo sie sich Hilfe holen können wenn sie mal selber betroffen sind. Wo sind Sie selber in 10 Jahren? Können Sie ausschließen, dass Sie an Demenz erkranken? Und auch für jüngere Menschen ist die Demenz-Woche nicht uninteressant. Wer kann ausschließen, dass deren Eltern oder Großeltern irgendwann an Demenz erkranken. Und für wen die Woche auch noch wichtig ist, dass sind die Betroffenen. Die Erkranken und ihre Familien!
    Und jetzt sagen Sie nochmal das an dieser Woche kein überragend allgemeines Interesse besteht.

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  8. buchholzblog sagt:

    Ich möchte bezweifeln, dass viele Menschen härter als ich arbeiten, ohne dafür ein Danke zu bekommen. Neben der Tätigkeit für den blog und für die Politik muss ich ja auch noch als selbstständiger Journalist sehen, dass ich meinen Lebensunterhalt verdiene.

    Und selbst wenn, was heißt das? Es wird in der Öffentlichkeit immer noch nicht begriffen, dass Arbeitslose nicht privilegiert sind, weil sie ein so bequemes Leben führen – sondern dass sie doppelt bis mehrfach bestraft sind. Und zwar nicht nur dadurch, dass sie weniger zum Leben haben. Die Hauptstrafe ist, dass sie die ganzen Kontakte verlieren und die Alltagsstruktur, die das Arbeitsleben mit sich bringt. Das begreifen die meisten, die Arbeit haben, immer noch nicht.

    Dass Herr Kettwig Geld in seine Veranstaltungswoche investiert, ist sehr ehrenhaft, zumal er damit eine Menge riskiert. Denn so wichtig das Thema ist, glaube ich nicht, dass speziell zu den Vorträgen viele Leute kommen werden. Also, in Buchholz ist so eine Veranstaltungsreihe auf jeden Fall ein Risiko.

    Und was das Thema Demo angeht: Es stellt sich doch die Frage, ob es politisch und gesellschaftlich wichtiger ist, zum Beispiel gegen die Massentierhaltung zu demonstrieren oder über das Thema Demenz zu informieren.

    Werbung kann natürlich auch knallig sein. Aber zentrale Plätze der Stadt mit derartig großen und bunten Buchstaben zu besprühen – ich finde, da muss schon ein überragend allgemeines Interesse vorliegen.

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  9. Sie vergleichen hier nicht grade die Organisation einer Demonstration mit der Organisation einer Veranstaltung wie der Demenz-Woche oder? Hier werden nicht nur bunte Schilder bemalt und Leute zusammen getrommelt. Hier steckt RICHTIG Aufwand drin! Und so eine Veranstaltung ist teuer! Man bekommt leider nichts geschenkt, auch wenn es für den guten Zweck ist. Wie finanziert sich das? 3x dürfen Sie raten. Und glauben Sie wirklich das Frank Kettwig mit Gewinn aus der Demenz-Woche rausgeht, die er (nur mal nebenbei bemerkt) nicht als Unternehmer sondern als Privatperson veranstaltet?

    In einem Punkt muss ich Ihnen aber recht geben, man wird heutzutage mit Werbung zugeschüttet. Das heißt aber nicht das niemand mehr Werbung machen darf, sondern das bedeutet für die Menschen die Werbung gestalten, eine Werbung zu machen die aus der Masse heraus sticht. Ungewöhnliche, neue und aufsehen erregende Werbung ist das Stichwort! Und diese Aktion erregt aufsehen, aber in erster Linie für die Demenz-Woche und nicht für das Telecom-Studio.

    In Ihrem Artikel steht außerdem:
    „(…)ob das rechtfertigt, dass eine dermaßen knallige Werbung auf den zentralen Plätzen der Stadt (…) erlaubt wird(…)“
    Warum nicht? Meine Frage an Sie: Warum darf man keine knallige Werbung für eine gute Sache machen? Wollen Sie knallige Werbung verbieten? Ich bin gespannt auf Ihre Antwort und freue mich auf die weitere Diskussion.

    Achso. Bevor ich es vergesse möchte ich nochmal darauf eingehen das Sie hierfür kein Geld bekommen. Es gibt viele Menschen die härter arbeiten als Sie und dafür oft mal nicht mal ein Danke bekommen.

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  10. BlueBear sagt:

    Konstruktive Kritik ist eine Sache, andere Meinung auch. Was ich nicht verstehen kann, sind die ständigen persönlichen Beleidigungen gegen Herrn Stemmler, weil er hier polarisiert. Das Polarisieren halte ich für durchaus für legitim, vor Allem aber hier in Buchholz, wo vieles wirklich engstirnig ist und teilweise eine desaströse Lokalpolitik betrieben wird (in vielen Farben).
    Ich stimme mit Herrn Stemmlers Meinung auch nicht immer überein und ich stehe auch nicht so weit auf der linken Seite, aber es ist in diesem unseren Buchholz dingend erforderlich, das hier nicht alle das gleiche politische Lied mitsingen.
    Viele Grüße an Alle, ob schwarz, gelb, rot, grün, noch roter oder was auch immer.

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  11. buchholzblog sagt:

    Wie gesagt: Es ging darum, diese Form der Werbung zur Diskussion zu stellen. Ich bin der Ansicht, dass wir bereits dermaßen mit Werbung zugeschüttet werden, dass man das nicht auch noch ausweiten muss – selbst wenn es um eine gute Sache geht.

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  12. buchholzblog sagt:

    Ich weiß nicht, was dieser Anwurf mit dem Neid soll. Ich habe ja gar nicht bestritten, dass hier viel Engagement dahintersteckt. Auch sollten Sie etwas vorsichtig mit Ihrem Urteil sein, was ehrenamtliche Arbeit angeht. Für meine Person kann ich nur sagen, dass ich viele Stunden in der Woche für den blog verwende, für die ich keinen Cent sehe, und viele Stunden für meine politische Arbeit, für die ich ein paar Euros bekomme. Andere verdienen sich in derselben Zeit ne goldene Nase.

    Und woher, Frau Bennington, wollen Sie denn wissen, ob ich dazu fähig bin, derartige Aktionen zu organisieren. Ich habe u. a. bereits mehrere Demos organisiert und dafür z. T. viel Prügel bezogen, weil es um brisante Themen ging.

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  13. Natürlich darf man auch solche Aktionen kritisieren. Aber nur an den richtigen Stellen, und nicht an solchen „Sprühaktionen“. Ich finde es eher peinlich solche Aktionen zu kritisieren.
    Und selbst wenn andere Veranstalter das auch fordern…na und? Dann wird die Stadt wenigstens etwas bunter

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  14. Kathi sagt:

    Ich weiß nicht, ob Sie, lieber Herr Stemmler, auch nur den Hauch einer Ahnung haben, wie viel Zeit und Arbeit in diese Aktion gesteckt wurde. Einen solchen Text, wie von Ihnen geschrieben, kann wirklich jeder schreiben und veröffentlichen. Aber selber Aktiv werden und etwas bewirken, das schaffen die wenigsten. Stecken Sie bitte Ihren Neid ein und lassen Sie andere Leute Dinge bewegen, zu denen Sie niemals fähig wären.
    Hochachtungsvoll
    Kathi Bennington

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  15. buchholzblog sagt:

    PS: Wie Sie am Abstimmungsergebnis sehen können, auch wenn es sicher nicht repräsentativ ist, sind durchaus einige der Meinung, dass die Sprühaktion überzogen ist.

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  16. buchholzblog sagt:

    Warum soll das Satire sein? Erstens habe ich nicht bestritten, dass die Demenzwoche eine gute Sache ist und das Engagement von Herrn Kettwig anerkennenswert. Wenn Sie genau lesen, habe ich auch nicht zum Ausdruck gebracht, dass mich die Graffiti stören. Ich habe lediglich zu bedenken gegeben, dass andere Veranstalter so etwas vielleicht auch verlangen könnten und dass zumindest der Verdacht besteht, dass hier auch Geschäftsinteressen im Spiel sind. Es geht in dem Beitrag darum, einen Vorgang, der vielen Buchholzern auffällt, zur Diskussion zu stellen – darum auch die Umfrage. Ich bin im übrigen, generell der Auffassung, dass die wohltätige Ausrichtung einer Aktion oder Veranstaltung nicht dazu führen darf, dass man gar nicht mehr nachfragt oder kritisiert.

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  17. Ich weiß nicht ob Sie diesen Artikel hier ernst meinen oder ob Sie auf Satire umgestiegen sind. Die Demenz-Woche ist eine tolle Aktion um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Und sehen Sie da irgendwo auf den Sprüchen vor der Buchholz Galerie oder am Bahnhof das Logo vom Telecom-Studio? Ich nicht. Außerdem ist das nur Kreide-Spray und verblasst nach einiger Zeit. Wenn es Sie so sehr stört können Sie sich ja einen Schwamm nehmen und es wegwischen. Wäre nur schade drum.

    Freundliche Grüße
    Sebastian Speetzen

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  18. BlueBear sagt:

    Also, ich hätte für diese Aktion den Kunstrasenplatz an der Wiesenschule freigegeben. Dort hätte die Farbsprüherei keinen gestört. Und es hätte hervoragend gepaßt, denn dort wird sehr oft V E R G E S S E N, mal ein wenig Rücksicht zu nehmen.
    Aber im Ernst : Man wird ja sicher nicht dauerhafte Farbe verwenden, dann wäre ja das schöne, neue Pflaster vor der Buchholzgalerie (Foto) auf ewig gezeichnet.

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