Projekt Zivildienstschulgelände – die FDP und die Interessen des Herrn Kempf

Buchholz Park 2Von Kristian Stemmler

Die FDP ist bekanntlich so etwas wie die Verkörperung von Klientelpolitik und Vetternwirtschaft. Ein Beispiel aus der jüngeren Buchholzer Vergangenheit ist der Zuschuss zum Bau des umstrittenen Kletterturms am Holzweg, für den Blau-Weiß-Präsident Arno Reglitzky seinen Einfluss als liberaler Fraktionschef im Stadtrat nutzte. Jetzt bahnt sich ein neuer Fall von Vetternwirtschaft bei der Buchholzer FDP an: Die Fraktion versucht, die Planungen auf dem Zivildienstschulgelände zu korrigieren – offenbar stehen dahinter auch die privaten Interessen ihres Mitglieds Jürgen Kempf!

Mit einem Antrag vom 14. August fordert die FDP den auf dem Areal geplanten Hubschrauberlandeplatz zu verlegen, die Verkehrsanbindung zu ändern und die Gebäudekörper auf zwei Geschosse plus Staffelgeschoss zu begrenzen. All dies käme Jürgen Kempf und seinen Nachbarn zugute, denn der Mann ist Anwohner des Zivildienstschulgeländes. Er wohnt in einem Einfamilienhaus am Hopfenberg, und zwar am Anfang der Straße, so dass er und seine Nachbarn sowohl vom Hubschrauberlandeplatz wie auch vom Verkehr des Neubaugebiets unmittelbar betroffen wären.

Besonders dreist: Die FDP-Fraktion schiebt ökologische Gründe vor. Mehr als 8000 Quadratmeter Bäume und Grün im Stadtwald für die An- und Abflugschneise zu vernichten sei „nicht akzeptabel“ – einen solchen Einsatz für Bäume hätte man sich bei der Diskussion über die neue Baumschutzsatzung gewünscht! Dann müsse die Gefährdung der Bewohner des Gebäudes Hermann-Stöhr-Straße 1 durch mögliche Luftverwirbelungen bei Hubschrauberan- und -abflügen ausgeschlossen werden. Auch das ist vorgeschoben: Ein Experte hat im Stadtplanungsauschuss ausdrücklich erklärt, diese Gefahren seien ausgeschlossen.

Die FDP scheut sich auch nicht, die Interessen der Bewohner der geplanten Altenwohnanlage zu instrumentalisieren. Im Bereich der Anlage würde der Hubschrauberlandeplatz für „unzulässigen und unerträglichen Lärm“ sorgen, heißt es in der Begründung des Antrags. Darum fordern die Liberalen, den Landeplatz auf die andere Seite des Krankenhauses, in das kleine Waldstück zwischen den Parkplätzen zu verlegen. Nach meiner Erinnerung sind Standorte wie dieser von den Fachleuten auch geprüft, aber verworfen worden.

Auch beim zweiten Punkt des Antrags sind die Interessen von Kempf und Nachbarn zu erkennen. Die FDP lehnt die „strahlenmäßige Erschließung des B-Plangebietes allein über die als Anliegerstraßen verkehrsberuhigt ausgebauten einspurigen Straßen Hopfenberg und Hermann-Stöhr-Straße“ ab. Es seien die vorhandenen alternativen Direktanbindungs-Trassen an die Steinbecker Straße zu nutzen. Das ist ein Punkt, über den schon eher zu reden ist.

Natürlich will man am Hopfenberg auch nicht so große Gebäude in der neuen Nachbarschaft haben. Darum sollen die Gebäudekörper zwei Geschosse plus Staffelgeschoss nicht überschreiten. So etwas beantragt ausgerechnet eine Partei, die für gewöhnlich die Interessen ihrer Klientel, also vor allem auch Makler, Investoren, Grundstückseigentümer, nicht aus dem Auge verliert!

Am Mittwoch steht der Antrag der FDP im Stadtplanungsausschuss auf der Tagesordnung, man darf auf die Diskussion gespannt sein. Auf dem Tisch liegt auch ein zweiter Antrag der FDP zum selben Thema, in dem die Aufstellung eines Rahmenplans für das Krankenhaus, das Zivildienstschulgelände und das nähere Umfeld gefordert wird. Es solle darum gehen, die „städtebaulichen Erfordernisse und Möglichkeiten aus der Sicht aller Interessierten zu ermitteln“. Für welchen „Interessierten“ die FDP sich ins Zeug legt, scheint jedenfalls klar…

Advertisements

4 Comments

  1. Das ist wahrlich – einmal mehr – mehr als unverfroren! Gerade die FDP hat von jeher vehement jede Anstrengung bekämpft, Bäume oder Stadtgrün, Landschaft, Wald oder Biotope zu schützen!!!! Gerade die FDP schäumt jedesmal, wenn z. B. Geschosshöhen beschränkt werden sollen (wohlgemerkt, meistens in dörflichen geprägten Ortsteilen oder Randbereichen!) über eine „Regulierungswut“. Und im Übrigen: Buchholz soll doch dringlichstem Wunsch von CDU und FDP um jeden Preis wachsen!! Diese Verlogenheit ist doch echt zum Kotzen!!!

    Gefällt mir

  2. … und eins kann ich mir auch nicht verkneifen :
    Wer in die Nähe eines Krankenhauses zieht, der darf sich nicht wundern …

    Gefällt mir

  3. Die FDP sorgt sich um „unzulässigen und unerträglichen Lärm“ ?
    Die gleiche FDP die den Anwohner am Bünser Weg eine Schnellstraße (Ostring) vor die Tür knallen will ?
    Die gleiche FDP, die sehr starke treibende Kraft war, dass ein grausig lauter Hockeyplatz inmitten zwischen Wohnbebaung hingeferkelt wird ?
    Die gleiche FDP, die behauptet, dass Anwohner die sich gegen Sportplatzlärm wehren Kinderhasser sind ?
    Alle Menschen sind gleich, aber FDP-Mitglieder sind gleicher ?
    Nun gut, schön dass die Stadt wenigstens den „Arno-Reglitzky-Gedächtnis-Turm“ aus Steuergeldern finanziert hat, was interessiert einen da, dass ein Hubschrauber-Landeplatz an einem Krankenhaus eventuell Leben retten könnte.
    Über wieviele Flugbewegungen pro Sunde sprechen wir hier ?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s