In memoriam Neue Straße 8

Veröffentlicht: 2013-07-13 in Lokales
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DSC_9614Von Kristian Stemmler

Wieder fällt ein Stück altes Buchholz dem Abrissbagger zum Opfer. Arbeiter der Firma Heinrich Hauschild haben heute vormittag begonnen, das älteste noch erhaltene Haus an der Neuen Straße, auf dem Grundstück Nr. 8, abzureißen. „Es ist traurig, wie diese Stadt mit ihren historischen Gebäuden umgeht“, sagte Jan Bock, der für die Grünen im Stadtrat sitzt. Buchholz werde immer gesichtsloser, alles werde kommerziellen Interessen untergeordnet.

Das Gebäude wurde 1905 im klassizistischen Stil errichtet, 1910 zog hier der Kolonialwarenhändler Roeschmann ein, später hatte ein Friseur hier sein Geschäft, und Mitte der 90er zog das Kunsthandwerksgeschäft Madness ein. Wie berichtet, will Investor Feldtmann von der Helmut Feldtmann KG (Arbeitsbekleidung) an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus errichteten, die Rede ist von einem Ärztehaus. Demnächst will sich der Investor mit der Verwaltung zusammensetzen und seine Pläne präsentieren.

Das Gebäude ist nicht mehr zu retten, aber zumindest die alte Eiche vor dem Haus muss erhalten werden. Viele Buchholzer haben sich in den vergangenen Wochen an einer Zettelaktion für den Erhalt der Eiche und der Kastanie auf dem Grundstück beteiligt. Die Kastanie dürfte aber nicht zu retten sein, weil sie direkt im Baufenster steht. Und ob die Eiche überlebt, ist fraglich. Nach Informationen des buchholzblogs soll nach Abriss des vorhandenen Gebäudes ein Graben ausgehoben werden, um die Lage der Wurzeln der Eiche zu erkunden.

Im Nordheide Wochenblatt ist der Abriss des Madness-Hauses bisher nur im Nebensatz vermerkt worden. Während man das Schützenfest, das ja angeblich für die Pflege der Tradition steht, mit Sonderseiten abfeierte, ist das historische Gebäude offenbar keine Geschichte wert. Berichtet wurde allerdings über die Zettelaktion zur Rettung der Bäume und aktuell über die Fällung der alten Eiche vor der Polizei an der Schützenstraße. Sie war angeblich nicht standsicher. Macht ja nichts, dafür entsteht hier gerade ein wunderschönes Wito-Haus…

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Kommentare
  1. BlueBear sagt:

    Na ja , mit der historischen Bausubstanz sehe ich das in Buchholz nicht ganz so. Buchholz hat so als Stadt ja nicht unbedingt eine große und lange Vergangenheit. Aus drei Häusern wurde am Ende 19. / Anfang 20 JH durch die Eisenbahn ein eher zweckgerichteter Ort, der in keinster Weise zum Beispiel stadtentwicklungstechnisch auf eine Geschichte wie z.B. Lüneburg zurückblicken kann. Richtig ist aber, das die Entwicklung der Stadt in den letzten Jahren gesichtslos ist. Schlimm finde ich persönlich aber, was rings um die Stadt mit immer neuen Gewerbeflächen kaputt gemacht wurde/wird, obwohl die zuletzt ausgewiesenen Gewerbeflächen meist noch lange oder immer noch leer stehen. Am Beispiel Buchholz erkennt man sehr gut, wie wenig nachhaltig mit unserer Landschaft in Deutscland umgegangen wird. Ebenfalls ein gutes Beispiel, die sicherlich notwendige, aber eindeutig überdimensionierte Ortsumfahrung Dibbersen und die urprüngliche Ostringplanung.

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  2. jabo sagt:

    Das ist stark anzunehmen. Es sei denn, dass zuvor „aus Versehen“ ein Bagger gegen die Eiche fährt, ein bedauerlicher Unfall, versteht sich… Auch geradezu abstoßend, wie einerseits die letzten stadtgeschichtlichen und historischen Denkmäler der Stadt sukzessive zerstört werden, während gleichzeitig unverbesserlich das deutsche Brauchtum durch die Stadt marschiert und am Kriegerdenkmal der deutschen Helden von damals gedenkt… Zumindest dieses „Denkmal“ scheint auf ewig sicher…

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  3. BlueBear sagt:

    Ich denke, dass die Eiche und die Kastanie bei dem Madness-Haus bald das gleiche Schicksal ereilen wird, wie es dem Baum vor der Polizeistation ergangen ist.
    Ganz urplötzlich wird die Eiche ganz furchtbar krank und die Standsicherheit der Kastanie nicht mehr gegeben sein. Bums, und schon müssen sie weg. Das wäre ja nicht das erste Mal so.

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