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Archive for Juli 2013

Von Kristian Stemmler

Wochenblatt PökerDas Nordheide-Wochenblatt macht seinem Ruf als „Bild-Zeitung der Nordheide“ mal wieder alle Ehre. Ohne Rücksicht auf Verluste wird der Fall von Rolf Pöker, der aus der städtischen Notunterkunft an der Bremer Straße verbannt wurde, zum Skandal hochgeschrieben. Dabei biegt sich der Autor der Beiträge, Sascha Mummenhoff, die Dinge nach Belieben zurecht, übernimmt kritiklos die Angaben des vermeintlichen Willküropfers und lässt wichtige Fakten weg, um das Maximum an „human touch“ aus der Geschichte herauszuholen. Tatsächlich eignet sich gerade der Fall Pöker nicht für vorschnelle Urteile.

Unter der knalligen Überschrift „Stadt Buchholz treibt Rentner in den Wald“ berichtete das Wochenblatt am vergangenen Sonnabend groß auf der ersten Seite. Schon die Überschrift ist höchst tendenziös und versucht einen falschen Eindruck zu erwecken, ebenso wie der erste Satz: „Ich schlafe mitten im Wald“. Natürlich soll sich der Leser vorstellen, Rolf Pöker sei gezwungen, auf dem nackten Waldboden zu nächtigen. Erst wer sich zur Unterschrift des eingeklinkten Bildes vorarbeitet, stellt fest, dass Pöker tatsächlich auf der Veranda einer Hütte übernachtet hat.

In ähnlich tendenziöser Weise wird der Verlauf des Konflikts zwischen Pöker und der Stadt geschildert. Aus seiner Wohnung in der Notunterkunft habe er „ein behagliches Heim gezaubert“, doch dann habe man ihm das Wertvollste genommen: seine Tiere. Daraufhin sei er von der Stadt Buchholz auf die Straße gesetzt worden. Richtig ist, dass sich der Streit allem an den 15 Kanarienvögel und fünf Zwerghühnern entzündete, die Pöker hielt.

Mehrfach forderte die Stadt den Rentner auf, die Tiere abzugeben, weil sie zu Auseinandersetzungen mit anderen Bewohnern führten. Da er diesen Aufforderungen nicht nachkam, holte eine Verwaltungsmitarbeiterin schließlich in Begleitung der Polizei die Vögel ab. Nach der Abholung der Tiere eskalierte die Situation, woran Pöker nicht ganz unschuldig war. Er suchte die Hausmeisterin in ihrem Büro auf und bedrohte sie mit einem Pflasterstein. Dann warf er den Pflasterstein von draußen dreimal gegen die Scheibe des Büros, bis diese zerbarst.

Natürlich kann auch das Wochenblatt diesen Vorgang nicht ganz verschweigen, aber er wird so hingedreht, als sei der Steinwurf eine Verzweiflungsakt gewesen, den man einfach verstehen muss. Es seien Küken in der Wohnung zurückgelassen worden, die qualvoll verendet seien, wird der Rentner zitiert. Und weiter: „Der Rentner war fassungslos: ,Ich habe die Kontrolle über mich verloren, und einen Stein durch die Scheibe der Hausmeisterwohnung geschleudert, sagt der 74-Jährige mit brüchiger Stimme.“

Von verendeten Tieren weiß man bei der Stadt nichts. „Die Vögel sind ordnungsgemäß abgeholt und in Obhut gegeben worden“, sagt Heinrich Helms, Sprecher der Stadt Buchholz. Dies habe er dem Kollegen vom Wochenblatt auch so mitgeteilt. Offenbar wollte man sich aber die Geschichte nicht durch solche Einwendungen kaputt machen lassen…

In der Mittwochausgabe legte das Wochenblatt noch mal nach. Zwar hatte die Stadt inzwischen Rolf Pöker eine andere Wohnung angeboten, aber auch das wusste unsere Boulevardzeitung noch zu nutzen, um sich zu entrüsten. Auf der Eins wird ein Zitat, das man dem Rentner entlockt oder in den Mund gelegt hat, zur Zeile gemacht: „Ich bin ein Mensch zweiter Klasse!“ Im Text heißt es dann, Pökers neue Unterkunft sei in einem „menschenunwürdigen Zustand“ gewesen, als er sie bezog.

Das ist mindestens leicht übertrieben. Tatsächlich ist die Wohnung wegen eines Missverständnisses nicht sofort gereinigt worden und in einer Abseite befinden sich Kartons und Müll. Das Wochenblatt weist noch darauf hin, dass aus einem Wasserhahn das Wasser in alle Richtungen spritzt. Natürlich wird auf der ersten Seite ein Foto der Abseite gezeigt. Hier ist deutlich erkennbar: Das Wochenblatt griff nach jedem Strohhalm, um den vermeintlichen Skandal am Laufen zu halten.

Tatsächlich ist der Fall viel zu komplex, um so besinnungslos drauf zu hauen. Rolf Pöker trägt mit seinem Verhalten die Hauptschuld an der Eskalation. Ob die Probleme durch die Haltung der Vögel in der Unterkunft an der Bremer Straße wirklich so groß waren, kann ich nicht beurteilen, aber die Bedrohung einer Mitarbeiterin und das Einwerfen der Fensterscheibe sind sicherlich gute Gründe, Pöker nicht mehr in der Notunterkunft zu beherbergen. Dass er auf einer Veranda im Wald nächtigen musste, ist natürlich nicht gut.

Was an der Aufmachung im Wochenblatt besonders ärgerlich ist: Hier wird offenbar ein menschliches Schicksal ausgeschlachtet, um Auflage zu machen. Hinter dem scheinbaren Engagement für einen Obdachlosen steckt keine konsequente Agenda des Blattes und erst recht keine konsistente politische Analyse. Im Gegenteil: Ansonsten hält man zu den Eliten des Landkreises, den Geschäftsleuten und Investoren, den Mächtigen und Reichen.

Um die Sache wieder auf eine sachliche Grundlage zurückzuführen, habe ich in meiner Eigenschaft als parteiloses Mitglied des Stadtrates von Buchholz zwei Anfragen an die Verwaltung gerichtet. Darin bitte ich um die Beantwortung der folgenden Fragen:

  1. Wie genau soll die Haltung von Tieren zu Streitigkeiten führen? Hat es derartige Streitigkeiten bereits gegeben? Wenn ja, bitte genau schildern, was vorgefallen ist.
  2. Wie soll die Haltung von Kanarienvögeln zu Streitigkeiten führen?
  3. Teilt die Verwaltung die Ansicht, dass es für Menschen, die in einer Notunterkunft wohnen, gerade weil sie oft auch unter Vereinsamung leiden, wichtig sein kann, ein Tier als Bezugsgröße zu halten?
  4. Sollte den Nutzern der Unterkunft nicht zumindest die Haltung von Kleintieren erlaubt werden?
  5. Was ist genau vorgefallen? Wie hat sich der Streit mit der Mitarbeiterin entwickelt?
  6. Hat es Gespräche mit Herrn Pöker gegeben?
  7. Warum musste die Polizei beim Abtransport der Tiere zugezogen werden?
  8. Hat die Mitarbeiterin oder die Stadt Anzeige gegen Herrn Pöker erstattet? Wenn nein: Warum nicht?
  9. Wie steht die Verwaltung dazu, dass Herr Pöker im Wald übernachten musste? Warum ist ihm nicht gleich eine andere Unterkunft angeboten worden?
  10. Wie will man künftige Auseinandersetzungen mit Herrn Pöker vermeiden?
  11. Ist es möglich, ihm in der neuen Unterkunft die – für ihn offenbar sehr wichtige – Haltung von Tieren in einem gewissen Umfang zu erlauben?

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DSC_0212Hier ein dringender Verkehrshinweise für alle Buchholzer und ihre Gäste: Meiden Sie unbedingt bis heute nachmittag den Buchholzer Marktplatz – dort hat sich heute die FDP breit gemacht und versucht unbescholtene Bürger zu infiltrieren! Und dabei gilt offenbar der Grundsatz: Je kleiner die Partei, desto mehr Platz braucht sie. Den halben Marktplatz hat die Drei-Prozent-Partei okkupiert, mit gelben Sonnenschirmen, zwei Parteibussen, Stellwänden, Bistrotischen und dergleichen mehr. Halten Sie vor allem auch Ihre Kinder fest! Die Partei hat Aktionen mit den Kleinen angedroht!

Wie zu hören ist, handelt es sich um eine Veranstaltung namens „Sommerdialoge“, zu denen die hiesige FDP-Bundestagsabgeordnete Nicole Bracht-Bendt und die FDP-Bundestagsfraktion einladen. Die lokale Presse berichtet, Bracht-Bendt führe einen direkten Erststimmenwahlkampf, ihr Motto sei „Ehrlich, eckig, nervig!“ oder so ähnlich. Im Nordheide Wochenblatt behauptet die Liberale: „Wir haben Deutschland wieder ein Stück liberaler gemacht“. Das ist fast korrekt. Ganz richtig muss es heißen: „Wir haben Deutschland wieder ein Stück neoliberaler gemacht“.

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Ein Paukenschlag in der Buchholzer Kommunalpolitik: Der Ostring ist fürs erste gestorben! Wie das Nordheide-Wochenblatt in seiner Sonnabend-Ausgabe berichtet, sieht ein vom Landkreis Harburg eingesetzter Spitzenjurist keinerlei Aussicht, das Urteil des Verwaltungsgerichts Lüneburg zu kippen, das den Planfeststellungsbeschluss zum Ostring kassiert hatte. Davon hätten Landrat Joachim Bordt und Erster Kreisrat Rainer Rempe jetzt Bürgermeister Wilfried Geiger bei einem Gespräch im Rathaus in Kenntnis gesetzt.

Das Votum des Juristen bedeutet: In diesem Jahrzehnt ist mit dem Bau des Ostring nicht mehr zu rechnen! Die Befürworter des Ostrings im Rathaus, zu denen Geiger gehört, und die Initiatoren des erfolgreichen Bürgerentscheids im Januar hatten gehofft, eine Berufung gegen das Urteil des VG Lüneburg zu erreichen. Wenn das nicht klappt, muss ein ganz neues Planfeststellungsverfahren in Gang gesetzt werden, was Jahre dauert.

Die Initiatoren des Bürgerentscheids haben also, das zeigt sich jetzt mit neuer Deutlichkeit, die Buchholzer unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an die Urnen gelockt. In den Flyern der Initative und in Gesprächen haben sie immer wieder den Eindruck erweckt, die Buchholzer Verkehrsprobleme würden schon bald gelöst sein, wenn die Wähler nur für den Ostring stimmten. Dann würden goldene Zeiten für die Stadt anbrechen – war wohl nix!!

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monopoly

Von Kristian Stemmler

Nichts ist mehr heilig, alles wird dem allgemeinen Leistungs- und Beschleunigungsfuror geopfert! Wie Medien jetzt übereinstimmend melden,  hat der US-Konzern Hasbro, der größte Hersteller von Brettspielen weltweit, eine neue, schnellere Version seines Klassikers  „Monopoly“ herausgebracht: „Monopoly Empire“. Der Skandal: In der Version ist das Gefängnis abgeschafft! Um Zeit zu sparen! Der buchholzblog  meint: So geht es nicht!

Hasbro bringt gleich mehrere Kurzversionen von Spieleklassikern auf den Markt. „Monopoly Empire“ soll nur noch 30 Minuten  statt drei Stunden dauern. In der neuen Kurzversion von „Scrabble“, die „Scrabble Flash“ heißt, kann ein Durchgang in  zweieinhalb Minuten beendet werden. Die Begründung für diese Strategie: Kinder und Jugendliche hätten immer weniger Muße,  sich mit Brettspielen zu befassen. Smartphones und Spielekonsolen versprechen schnellere Befriedigung. Bei Hasbro ist laut  „Wall Street Journal“ der Quartalsgewinn um 16 Prozent eingebrochen, bei den Jungen gar um 35 Prozent.

Es ist traurig und schon ein wenig beängstigend, dass viele Kinder und Jugendliche nicht mehr die Ruhe finden, sich tatsächlich  in ein Gesellschaftsspiel zu vertiefen. Völlig inakzeptabel ist aber die Abschaffung des Gefängnisses auf dem Monopoly-Spielbrett. Schon schlimm genug, dass Uli Honeß nicht in den Knast muss…

Das „Gefängnis“ steht bei Monopoly symbolisch für den letzten Rest von Strafbarkeit im kapitalistischen Windhundrennen. Nur auf diesem Feld müssen die Spieler bis zu drei Runden verharren, in denen sie darüber nachsinnen können, ob die Mieten in ihren Straßen nicht doch überhöht sind.

Darum rufe ich hiermit zur Gründung einer Iniative „Rettet das Monopoly-Gefängnis!“ auf. Wehret den Anfängen!

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Buchholz ist derzeit bundesweit in den Medien. Allerdings nicht gerade mit einem erfreulichen Thema. Landauf, landab wurde über die Razzia gegen sechs Neonazis berichtet, die das Terrornetzwerk „Kommado Werwolf“ darstellen sollen und von denen einer, der Obergefreite der Reserve Denny Reitzenstein, wie der blog bereits berichtete, in Buchholz lebt. Vor einer Woche bekam er Besuch von Fahndern, die im Auftrag der Karlsruher Bundesanwaltschaft unterwegs waren.

Jetzt bringt auch Spiegel TV einen Beitrag über die Razzia und die Hintergründe. Auch wenn ich es etwas skurril finde, wenn Reporter bei Neonazis an der Tür klingeln, frei nach dem Motto „Wir wollen mal nach dem Rechten sehen“, ist der Beitrag ganz informativ. Am lustigsten ist die Szene, in der der Schweizer Nazi Sebastien Nussbaumer, dessen Haftzelle bei der Razzia durchsucht wurde, auf Schwyzerdütsch Meinungsfreiheit einfordert.

Hier der Link zum Beitrag:

http://www.spiegel.tv/#/filme/terrornetzwerk-werwolf/

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Summertime,
And the livin‘ is easy
Fish are jumpin‘
And the cotton is high

Your daddy’s rich
And your mamma’s good lookin‘
So hush little baby
Don’t you cry

One of these mornings
You’re going to rise up singing
Then you’ll spread your wings
And you’ll take to the sky

But till that morning
There’s a’nothing can harm you
With daddy and mamma standing by

Summertime,
And the livin‘ is easy
Fish are jumpin‘
And the cotton is high

Your daddy’s rich
And your mamma’s good lookin‘
So hush little baby
Don’t you cry

DuBoseHeyward für die George-Gershwin-Oper Porgy and Bess

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Man glaubt es kaum: Mitte August soll der Peets Hoff endlich fertig gestellt sein! Das jedenfalls verspricht die Verwaltung. Wie berichtet, hatte es große Verzögerungen gegeben bei der Umgestaltung des Platzes südlich der Buchholz Galerie, für den die Stadt immerhin eine halbe Million Euro ausgibt. Ursprünglich sollte der Peets Hoff kurz nach Eröffnung der Galerie im Oktober 2012 in neuem Glanz erstrahlen. Doch dann zogen sich die Arbeiten immer mehr hin. Zuletzt wurde eine Fertigstellung Mitte Juli avisiert, jetzt also Mitte August.

Auf dem Platz wird jedenfalls fleißig gewerkelt in der aktuellen Bullenhitze. Lampen und Fahrradbügel sind bereits installiert, die Pflasterung in weiten Teilen erledigt. Am meisten Arbeit macht jetzt noch das Wasserspiel in der Mitte des Platzes. Optisch bestimmend, soviel ist jetzt schon erkennbar, werden auch die weißen Sitzelemente aus Beton sein. Mir gefällt der Stil, ehrlich gesagt, auf den ersten Blick nicht besonders, die Elemente sehen zu klobig und technisch aus und irgendwie unfertig. Um mal vorab ein kleines Meinungsbild zu erstellen, hier eine Umfrage zum Thema:

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Von Kristian Stemmler

„Tostedt ist bunt, und auch braun ist eine Farbe.“ Mit diesem Ausspruch, gemünzt auf das Auftreten der Nazis in der Region, sorgte im Juli 2010 der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Uwe Lehne, für Empörung. Seit Jahren versuchen die Polizei und andere Behörden die Aktivitäten und die Gefährlichkeit der Nazis herunterzuspielen. Seit gestern sollte das vorbei sein – dass die Razzia der Bundesanwaltschaft gegen eine mutmaßlich sich bildende rechte Terrorgruppe nach „Werwolf“-Muster auch in Buchholz stattfand, zeigt klar und eindeutig: In Buchholz, Tostedt, Hanstedt und anderen Heideorten sind hochgefährliche Nazi-Kader aktiv!

Bei dem in Buchholz von der Polizei überprüften Nazi handelt es sich um den Ex-Soldaten Denny Reitzenstein (29), eine Führungsfigur der rechten Szene in der Region. Er soll zu der in Hamburg und Umland verankerten Kameradschaft „Weiße Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ (WWT/HNK) gehören oder gehört haben. In einem sehr erhellenden Inforeader unter dem Titel „Den weißen Wölfen Terror machen!“ hat die Antifa viele detaillierte Informationen über diese Kameradschaft und ihr Umfeld zusammengetragen (https://linksunten.indymedia.org/de/node/77633 ). In dem Reader spielt Buchholz eine auffallend gewichtige Rolle – neben Reitzenstein werden noch weitere Kader namentlich genannt, die hier gemeldet sind und zu seinem Netzwerk gehören.

Im Jahr 2008 sei die „Weiße Wölfe Terrorcrew/Hamburger Nationalkollektiv“ zum erstenmal in Erscheinung getreten, heißt es in dem Reader. „Anfänglich als Fangruppierung der Rechtsrockband Weiße Wölfe und Sauftruppe wahrgenommen, zeichnet sich bis heute eine ernstzunehmende Entwicklung ihrer politischen Aktivitäten ab“, heißt es weiter. Das Aktionszentrum der WWT/HNK umfasse inzwischen die Verbreitung von Neonazi-Propaganda in Form von Texten und selbst gedrehten Videos im Internet und die gemeinschaftliche Teilnahme an Kundgebungen. Und auch die Einschüchterung und gezielte Angriffe auf Menschen, die nicht ihrer Ideologie entsprechen, gehörten zum Programm.

Große Aufmerksamkeit erregte die WWT/HNK im Dezember 2011, als sie in Harburg eine Spontandemo organisierte. 35 Neonazis mit Fackeln und weißen Masken, die sich selbst als „Die Unsterblichen“ bezeichneten, zogen durch Eißendorf. Im Anschluss kam es in Hamburg und Niedersachsen zu Hausdurchsuchungen in 17 Wohnungen. „In Buchholz traf es Tim Müller und Denny Reitzenstein, in Tostedt und Wistedt Phillip Tolksdorf, Fabian Rath, Ricardo Pazola und Andre Bostelmann“, heißt es in dem Inforeader. Die Gruppe zeigte sich unbeeindruckt: „Wir lassen uns aber nun durch die Aktion des Systems nicht einschüchtern und werden unseren Kampf weiterführen“, bloggte sie.

Der „Tag der deutschen Zukunft“, die große Nazi-Demo im Hamburger Osten am 2. Juni 2012 sei für die WWT/HNK ein wichtiger Schritt gewesen, um sich in der Hamburger Nazi-Szene zu etablieren. „So konnten sie Kontakte knüpfen und ihre Bedeutung für die Organisationsstruktur der rechten Szene ausbauen“, schreibt die Antifa. Von da an habe die NPD auch bei anderen Veranstaltungen auf die Struktur der Kameradschaft zurückgegriffen.

„Auch wenn einige Personen als sehr jung erscheinen, sind sie schon länger in der neonazistischen Szene unterwegs und durch ihr gewalttätiges Verhalten aufgefallen“, heißt es in dem Reader weiter. Dann werden Kader der Gruppe vorgestellt, von denen auffallend viele in der Nordheide aktiv sind. Über Reitzenstein heißt es, er sei bis September 2012 für den Blog der WWT/HNK verantwortlich gewesen. In diesem Monat habe er seinen Abschied von der WWT/HNK im Internet erklärt. Aktuell betreue er den Twitter-Account der „Aktionsgemeinschaft Nordheide“ sowie mehrere You-Tube-Accounts der Nazis und flute den Blog der AG Nordheide mit Propagandamüll, oute und bedrohe regelmäßig Angehörige der Antifa.

Bei Reitzenstein in Buchholz gemeldet ist laut Reader Maximilian Früchel. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung, weil er im September 2012 einen jungen Mann beraubt und gejagt hat. In Buchholz und Hamburg-Horn sei ein weiterer Nazi-Kader wohnhaft, Sebastian Rudow, genannt „Basti“. Er gehöre zu den Gründungsmitglieder der WWT/HNK. Im Januar 2010 musste er eine Gefängnisstrafe von 14 Monaten antreten wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und gefährlicher Körperverletzung. Seit seiner Entlassung sei eine Radikalisierung seiner politischen Ausrichtung und seiner Äußerungen festzustellen. Er soll eine führende Rolle in der Kameradschaft einnehmen.

Als gefährlich müssen offenbar auch Stefan Lüskow, wohnhaft in Drestedt, und Tim Müller aus Buchholz eingeschätzt werden. Lüskow ist Teil der Nachwuchsgruppe der WWT/HNK. Er habe in Buchholz bereits mehrfach versuchte, AntifaschistInnen anzugreifen, heißt es im Reader. Müller halte enge Kontakte zur NPD und habe an diversen Kundgebungen und Infoständen teilgenommen. Auch er sei an Angriffen auf AntifaschistInnen in Buchholz und Umgebung beteiligt. Der Reader nennt noch weitere Personen aus der Region namentlich und spricht von einem Netzwerk um Reitzenstein. Genannt werden noch zwei Personen aus Buchholz und drei Personen aus Hanstedt, von denen zumindest einer in Buchholz arbeitet (vielleicht bedient er Sie ja mal an der Supermarktkasse…).

Spätestens seit der Razzia vom Mittwoch ist klar, dass Buchholz und die Nordheide ein wichtiger Schwerpunkt neonazistischer Aktivitäten sind. Wenn die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe den Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung formuliert, lassen sich die Aktivitäten dieser Leute wohl kaum mehr verharmlosen. Wohin derartige Verharmlosungen führen, zeigt die Diskussion um die NSU in aller Deutlichkeit. Angesichts der aktuellen Razzia liest sich der Inforeader der Antifa geradezu prophetisch: „Viele Nazis sind bundesweit und international vernetzt, die meisten sind gewalttätig und einige bereit zu morden. Das bestehende Netzwerk kann jedem Nazi potenziell als Untergrundstruktur dienen.“ 

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Von Kristian Stemmler

Von wegen in Buchholz gibt es keine Nazis! Wie mehrere Medien melden, ist im Rahmen der von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe veranlassten Razzia gegen Rechtsextremisten in Norddeutschland, der Schweiz und den Niederlanden auch ein Verdächtiger in Buchholz überprüft worden. Das Wochenblatt berichtet, es handele sich um einen 29 Jahre alten Ex-Soldaten, der Gründer der „Aktionsgruppe Nordheide“ sein soll. Diese Gruppe sei ein „Zusammenschluss aus mehreren jungen heimattreuen Deutschen, die aktiv gegen dieses System auf die Straße gehen werden“. Nach Informationen des NDR handelt es sich bei dem Buchholzer um einen Denny R.

Die Bundesanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass die Überprüften nach dem Muster der Nazis ein „Werwolf-Kommando“ gründen wollten, um Terroranschläge gegen die Bundesrepublik zu begehen. Die Verdächtigten sollen bereits ein elektronisches Verschlüsselungsprogramm entwickelt haben, um geheim kommunizieren zu können. In der Schweiz wurde nach ARD-Informationen die Gefängniszelle von Sebastien N. durchsucht, der im vergangenen Jahr auf dem Bahnhof von Harburg festgenommen wurde. Er gilt als Anführer der mutmaßlichen Terrorzelle.

Einige der Männer werden, so berichtet der NDR, offenbar mit der „Weiße Wölfe Terrorcrew“ in Hamburg in Verbindung gebracht. Die Neonazi-Gruppe wird vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet. „Ihr gehören etwa zehn Personen an, von denen die meisten als gewaltbereit einzuschätzen sind. Durch selbstbewusstes Auftreten bei Veranstaltungen und auch durch offensive Propaganda-Aktionen versucht, die Gruppe jüngere Aktivisten für sich zu gewinnen“, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2012. Vor einigen Wochen waren Aufkleber mit dem Namen der Gruppe nach Angriffen auf ein linkes Jugendzentrum in Bergedorf aufgetaucht.

Dass Buchholz heute bundesweit als einer der Orte der Razzia in den Medien ist, wird die Stadtväter nicht gerade erfreuen. In den vergangenen Monaten hat man sich immer bemüht, den Eindruck zu zerstreuen, in der Nordheidestadt seien Nazis nennenswert aktiv. Der buchholzblog hat immer wieder darauf hingewiesen, dass die Faschos natürlich auch in Buchholz ihr Unwesen treiben. Ob es sich dabei um 5 oder 50 handelt, ist ziemlich irrelevant. Wichtige Kriterien sind eher die Intensität ihrer Aktivitäten und die Gewaltbereitschaft – wie man sieht.

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Von Kristian Stemmler

Das Haus Neue Straße Nr. 8 ist Vergangenheit. Ein Abrissbagger der Nenndorfer Firma Heinrich Hauschild beseitigte heute die letzten Reste des 1905 im klassizistischen Stil erbauten Gebäudes, in dem zuletzt der Kunsthandwerksladen Madness residierte. Auf dem Grundstück liegt jetzt nur noch der Bauschutt, der nach und nach abtransportiert wird. Investor Feldtmann (Helmut Feldtmann KG) will auf dem Areal ein Wohn- und Geschäftshaus errichten.

Nach einem Bericht des Nordheide-Wochenblattes will Feldtmann im Erdgeschoss Läden unterbringen, in den oberen Etagen sollen zwei Arztpraxen und seniorengerechte Zwei- und Dreizimmerwohungen eingerichtet werden. Der Neubau solle im Herbst 2014 eingeweiht werden, sagte Feldtmann-Geschäftsführer Andreas Bendt, früherer Stadtdirektor von Buchholz, dem Wochenblatt. Einen Bauantrag habe man noch nicht gestellt, da es noch Gesprächsbedarf mit der Verwaltung gäbe. Dabei soll es auch um die beiden alten Bäume auf dem Gelände gehen.

Offenbar macht man sich auch beim Investor Gedanken, zumindest die alte Eiche auf dem Bürgersteig zu retten, für deren Erhalt sich zahlreiche Buchholzer einsetzen (der blog berichtete). Das Architekturbüro Weidling & Weidling, so das Wochenblatt, habe einen Alternativplan gezeichnet, der die Überlebenschancen der Eiche verbessern würde. Der Investor würde mit dem Gebäude zwei Meter nach hinten springen. Dann stünde das Haus allerdings auf der anderen Seite außerhalb des Baufensters. Es sei erklärtes Ziel die Eiche zu retten, erklärt Bendt in der Zeitung: „Uns liegt Baumschutz am Herzen, das haben wir mehrfach bewiesen.“

Auf den ersten Blick erscheint mir die Idee, das Gebäude nach hinten zu versetzen, als eine überzeugende Lösung. Wie berichtet, hatte die Gruppe aus SPD, Grünen und mir im Buchholzer Stadtrat einen Antrag eingebracht, in dem die Verwaltung aufgefordert wurde, alles zur Rettung zumindest der Eiche zu unternehmen. Die alte Kastanie auf dem Grundstück steht mitten im Baufenster und wird leider nicht zu retten sein.

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