Zettelaktion am Baumstamm – Buchholzer kämpfen um die alte Eiche vor Madness

Veröffentlicht: 2013-06-23 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Buchholzer Naturfreunde haben den Kampf aufgenommen um zwei alte Bäume in der Innenstadt. An der alten Eiche vor dem Haus Neue Straße 8, in dem bis vor kurzem das Kunsthandwerk-Geschäft Madness beheimatet war und das einem Geschäftshaus weichen soll, sind mindestens ein Dutzend Zettel befestigt worden, in denen der Erhalt des Baumes und der Kastanie auf dem Grundstück gefordert wird – und fast täglich kommt ein neuer dazu. „Statt Einkaufsstadt lieber grüne Stadt“, heißt es da zum Beispiel, und: „Wir brauchen Bäume zum Leben, aber wir zerstören das Leben der Bäume!!“

Angefangen hat es offenbar mit einem Zettel, auf dem ein gewisser Thomas schrieb: „Jeder, der nicht will, dass dieser Baum gefällt wird, hängt seinen eigenen Zettel daran.“ Viele Naturfreunde folgten der Aufforderung, druckten auch literarische Texte aus, etwa von Alexander Solschenizyn: „Wir hatten den Stamm bereits auf den Bock gelegt wie auf einen Richtblock; doch wir wagten nicht, mit der Säge in seinen Hals zu schneiden. Wie hätte man ihn zersägen können? Wie sehr er doch leben will – stärker als wir.“

Auf einem anderen Bogen ist ein Gebet der Sioux abgedruckt, in dem es heißt: „Schenke mir Weisheit, dass ich die Lehre, die du in jedem Blatt, in jedem Felsen verborgen hast, erkennen möge.“ Und jemand anderes schmückte die Eiche mit einem Gedicht von Lothar Zenetti: „Die letzten Paradiese werden angepriesen und angeflogen. In Nordsibirien Wasser, das noch nicht gechlort ist, auf Bali eine Palme, die nicht im Kübel steht…“ In roter Schrift heißt es auf einem kleinen Zettel: „Verhindert einen Mord!“

Wie berichtet, soll das schöne alte Madness-Haus abgerissen werden. Investor Feldtmann will auf dem Grundstück ein mehrgeschossiges Geschäftshaus errichten, gerüchteweise ist von einem Ärztehaus die Rede. Madness ist vor kurzem auf die gegenüberliegende Straßenseite umgezogen. Die von SPD, Bündnis90/Grüne und mir gebildete Gruppe im Stadtrat hat bereits Anfang Mai einen Antrag aus meiner Feder eingebracht, um beide alten Bäume auf dem Areal, aber zumindest die Eiche zu retten. Am Donnerstag hat sich der Verwaltungsausschuss mit dem Antrag befasst.

„Die Verwaltung ergreift alle möglichen Maßnahmen um die Eiche vor dem Haus Neue Straße 8 (…) sowie die sich neben dem Gebäude befindende Kastanie, soweit sie unter Schutz steht, bei den bevorstehenden Bauarbeiten auf dem Grundstück so gut wie möglich vor Beschädigungen zu schützen“, heißt es in dem Antrag. Und weiter: „Sie nimmt Kontakt zu dem Investor bzw. den beteiligten Baufirmen auf, um sie auf die Bedeutung des Baumes/der Bäume hinzuweisen. Sie bestellt einen externen Baumpfleger, der während der Bauarbeiten für den Baum/die Bäume zuständig ist.“

Nach Informationen des buchholzblogs ist die Kastanie nicht zu retten, da sie mitten im Baufenster steht. Aber auch die Eiche, die auf öffentlichem Grund, aber sehr nahe am Grundstück gewachsen ist, ist akut gefährdet. Das alte Haus hat keinen Keller, das neue Geschäftshaus soll aber einen haben. Daher könnte es sein, dass die Wurzeln der Eiche irreversibel beschädigt werden. Wie es heißt, soll vor Beginn der Bauarbeiten ein Graben ausgehoben werden, um die Lage der Wurzeln festzustellen.

Es ist schlimm genug, dass das Madness-Haus, das schönste Haus an der Neuen Straße abgerissen wird, um einem gesichtslosen Geschäftshaus Platz zu machen. Desto wichtiger ist es, dass zumindest die alte Eiche gerettet wird – neben der Eiche beim Stadtcafé ist sie der letzte alte Baum an der Neuen Straße. Die Zettelaktion ist sicher eine gute Methode, um das Thema öffentlich zu machen. Die Gruppe im Stadtrat wird in dieser Sache auf jeden Fall Investor und Verwaltung weiter auf die Finger sehen.

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Kommentare
  1. ED Edgar Brunner sagt:

    Es ist nicht nur das Ziel die Bäume zu erhalten und zu bewahren, es darf Ziel sein das Haus und die Bäume zu erhalten und zu bewahren, ich plane derzeit einen künstlerischen STILLEN Protest gegen den Abriss des Hauses.
    Viele sind eingeladen zur Eröffnung der Galerie Einklang mit Vernissage dieses Wochenende.
    Kunstausstellung auf dem Bürgersteig
    „NS Blutschuld in Buchholz“
    ED, Edgar Brunner

    DIE MALEREI BEWEGT
    KOPF UND HERZ
    SIE IST KRAFTVOLL UND
    VON STARKEN FARBKONTRASTEN
    GEFÜHLSKONTRASTEN GEPRÄGT

    9-18Uhr
    Neue Strasse 8 Bürgersteig
    Anmeldung Vernissage und Kontakt
    0173 24 21 762

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  2. BlueBear sagt:

    PS : Ich habe noch die Glanzleistung mit dem Oberflächenbelag in der Lohbergenstraße vergessen …

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  3. Dr. Dieter Rednak sagt:

    Vor einigen Jahren fragte mich ein Nachbar, ob wir nicht alle Linden aus unserem Garten entfernen könnten, da sie im Frühjahr sehr viel Blütenstaub produzieren und eine klebrige Schicht absondern würden, die auf den geliebten Autos unangenehme Spuren hinterlassen würden. Außerdem könnten wir dann die regelmässig wiederkehrende Plackerei mit dem Laub fegen im Herbst deutlich reduzieren.

    Dem guten Mann, der kein Pollenallergiker war, konnte ich die Vorteile der Bäume in keiner Weise beibringen. Für ihn zählte nicht ihre Sauerstoffproduktion und die positive Beeinflussung des Klimas, auch wollte er nichts davon wissen, dass viele von ihnen Mensch und Tier Nahrung geben – Tieren sogar Unterschlupf bei Gefahr und die Möglichkeit des Anlegens von Nestern anbieten -, nein, für ihn waren einige nur überflüssige „Dreckbäume“, die unbedingt weg gehörten, d.h., er sah in ihnen nur einen Fall für die Kettensäge.

    Wenn wir heute über den Wert eines Baumes reden, dann scheint es häufig nur um den jeweiligen Festmeterpreis zu gehen, den die Industrie für ihn zu bezahlen bereit ist. Das emotionale Gefühl, das Bäume uns vermitteln, lässt sich nun einmal schlecht in einer volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung darstellen.

    Buchholz wirbt gern damit, eine „Einkaufsstadt“ zu sein. Die Verfasser dieses einfachen Schlagwortes scheinen gänzlich vergessen zu haben, dass ein Gemeinwesen nur dann wirklich lebens- und liebenswert ist, wenn seine Bewohner hier gerne zu Hause sind und aus der „Einkaufsstadt“ erst eine gemütliche „Wohnstadt“ mit hoher Lebensqualität machen. Das aber ist ohne Bäume einfach nicht denkbar.

    Dieter Rednak

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  4. BlueBear sagt:

    Zitat : „Die Verwaltung ergreift alle möglichen Maßnahmen um die Eiche vor dem Haus Neue Straße 8 …“ – Tschüß Eiche, war ne schöne Zeit mit Dir.
    Die Verwaltung kann nicht : Sporthallen bauen, eine Kreuzung verkehrsgerecht umgestalten, Sportplätze einrichten ohne dass Anwohner drangsaliert werden, Fußgängerzonen vor Einkaufszentren in absehbaren Zeiträumen fertigstellen, Innenstadtverkehr zu lenken ohne autobahnähnliche Umgehungsstraßen vorzusehen, Lärmschutzordnung gerecht umsetzen, und und und … da soll eine Eiche überleben ? Schützenswert ? Schützenswert ist nur das neue Ärztehaus.

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