Dibbersener Geschäftsleute erpressen Kommunalpolitiker: Wir wollen den Pylon!

Veröffentlicht: 2013-06-21 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Vor rund 40 Jahren begannen die Planungen für die Ortsumgehung Dibbersen, im Juli 2012 wurde in Anwesenheit politischer Prominenz der Erste Spatenstich gefeiert. Knapp ein Jahr später ist auch den Geschäftsleuten von Dibbersen aufgefallen, dass nach Fertigstellung der Umgehung im Mai 2015 erheblich weniger Fahrzeuge durch den Ort fahren werden. Sie luden kommunalpolitische Vertreter zu einer Präsentation ein – und forderten dabei in geradezu erpresserischer Manier, ihren Plan zu genehmigen: den Bau eines etwa 35 Meter hohen beleuchteten Werbepylons.

Da Gewerbetreibende heute dazu neigen, Politik und Verwaltung als Dienstleister zu betrachten, die ihnen einen ordentlichen Umsatz zu garantieren haben, war man arg verschnupft, dass die anwesenden Kommunalpolitiker auf die Gesetzeslage verwiesen. Werbeanlagen in dieser Größe sind in dem betreffenden Gebiet nicht genehmigungsfähig. Für die Geschäftsleute ist das nicht einzusehen. Rund 120 Arbeitsplätze seien gefährdet, wenn die Geschäfte im Ort – darunter Mc Donald’s, die Aral-Tankstelle, Baby One und das Gasthaus Frommann – wegen des reduzierten Durchgangsverkehr Kunden verlören.

Wie das Nordheide Wochenblatt vermerkt, waren zu der Präsentation Wolfgang Niesler, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (auch SPD) und der grüne Fraktionschef Joachim Zinnecker erschienen. Die anderen Ratsfraktionen glänzten mit Abwesenheit. Das hielt die örtliche FDP nicht davon ab, sich in einem Beitrag auf ihrer Homepage als Anwalt der Gewerbetreibenden zu gerieren und von der Ortsumgehung als einem „mächtigen Bauwerk“ zu fabulieren. Kritisieren können sie die Umgehung allerdings schlecht, war es doch ein Parteifreund, der damalige Verkehrsminister Jörg Bode, der sie beim Ersten Spatenstich in höchsten Tönen lobte.

Die Geschäftsleute sehen den Riesenpylon, der die Autofahrer auf die Läden im Ort hinweisen soll, als ihre Rettung. Die Politik habe gefälligst einen Bebauungsplan aufzustellen, mit dem der Pylon legalisiert werden könnte. Andernfalls seien sie schuld an eventuellen Firmenpleiten. Was die Gewerbetreibenden natürlich nicht erwähnt haben: Alle außer Frommann haben sich zu einem Zeitpunkt angesiedelt, zu dem die Planungen für die Ortsumgehung bereits liefen. Sie konnten wissen, dass die Umgehung eines Tages kommen würde.

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Kommentare
  1. BlueBear sagt:

    Was würde da wohl auf die Buchholzer Kommunalpolitik zukommen, falls der Ostring gebaut werden würde : Die Buchholzgalerie geht pleite. Kein Autofahrer sieht jemals wieder Buchholz City. Herr Geiger wird persönlich von dem Investor in 5 Buchholzer Ärztehäuser gewürgt. Aber um die Buchholzer Wirtschaftskompetenz zu retten, könnte man dann den Hamburger Fernsehturm anmieten und einen riesigen, beleuchteden Pfeil anbringen, der auf Buchholz zeigt. Zusätzlich mit einem überdimensionalen Schriftzug „viel fein“. In hundert Jahren gibt es dann eine Fernsehserie „Buchholz – Die vergessene Stadt“, unter anderem mit einer Folge „Als Buchholzer Politiker Dibbersen von der Karte radierten“.

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