Mehr Asylbewerber – Kreis baut neue Unterkünfte in Buchholz

Veröffentlicht: 2013-06-19 in Lokales, Politik
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Von Kristian Stemmler

Die Stadt Buchholz muss in den kommenden Monaten eine vergleichsweise große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen. Im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales kündigte der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse an, dass demnächst 22 Asylbewerber in Buchholz untergebracht werden müssen. Für sie errichtet der Landkreis eine neue Unterkunft „in Modulbauweise“ – also Container – auf dem städtischen Gelände an der Bremer Straße. Röhse rechnet darüber hinaus mit weiteren etwa 50 Flüchtlingen, die 2013 in die Nordheidestadt kommen. Für sie sucht der Landkreis derzeit nach Unterbringungsmöglichkeiten.

Eine Massenunterbringung von Flüchtlingen wolle man auf jeden Fall vermeiden, sagte Alfred Baum, Leiter des Fachdienstes Jugend und Soziales, dem Ausschuss. Auch in den geplanten Containern an der Bremer Straße werde für abgeschlossene Wohneinheiten gesorgt, was weniger problematisch sei als gemeinsame Küchen und Sanitärräume. Baum rechnet damit, dass auch afrikanische Flüchtlinge unter den Asylbewerbern sind und auf den Landkreis ähnliche Probleme zukommen wie auf Hamburg. Dort sorgen derzeit rund 300 Afrikaner, die über Italien eingereist sind, für Diskussionen.

Für das städtische Integrationsbüro bedeuten die steigenden Asylbewerberzahlen erhebliche Mehrarbeit. Man sei dabei, „eine neue Form der Begrüßungskultur“ zu entwickeln, sagte Anja Pährisch, Leiterin des Integrationsbüros, die im Ausschuss den Betreuungsbericht für den Zeitraum Sommer 2012 bis Sommer 2013 präsentierte. So wurde ein Flyer gedruckt, der die Adressen wichtiger Anlaufstellen wie Grone-Schule, Diakonie und Mehrgenerationenhaus enthält. Baum erklärte, man werde erst einmal versuchen, die Mehrarbeit mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen.

Schon in den zurückliegenden Monaten musste das Integrationsbüro den Schwerpunkt seiner Arbeit aufgrund der steigenden Zahlen von Asylbewerbern verlagern. Habe der Schwerpunkt der Arbeit in den vergangenen Jahren eher auf der „nachholenden Integration“ gelegen, so heißt es im Betreuungsbericht, so gehe es jetzt zunehmend um eine „Rundumerstbetreuung“. Diese umfasse alle grundlegenden Informationen rund um den Lebens-, Familien- und Schulalltag. Die Sprachförderung von zugewanderten Kinder und Jugendlichen und die Hausaufgabenhilfe ist weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt des Integrationsbüro.

So nutzten im ersten Schulhalbjahr 2012/13 insgesamt 72 Schüler die Förderangebote des Büros, im zweiten Schulhalbjahr waren es 71. Die Kinder und Jugendlichen bzw. deren Eltern kommen aus 22 Ländern. Polen ist dabei das häufigste Herkunftsland, gefolgt vom Libanon, Afghanistan und Pakistan. Eine weitere Gruppe sind kurdischstämmige Kinder und Jugendliche, die aus der Türkei und Syrien zugewandert sind. Herkunftsländer sind auch noch Serbien, Bosnien, Russland, die Ukraine, Georgien, Indien, Vietnam, Irak, Togo, Albanien und andere.

Für viele Flüchtlingsfamilien bedeutet das Leben in einem neuen Land eine akute Überforderung. Hier bestehe „umfangreicher sozialpädagogischer Betreuungsbedarf“, so der Betreuungsbericht. Auch zurückliegende Erlebnisse in ihrer Heimat belasten viele Flüchtlinge. Viele Migrantinnen, die sie aus ihrem Frauentreff kenne, so berichtete die Buchholzer Gleichstellungsbeauftragte Dörthe Heien im Ausschuss, seien traumatisiert. Sie bräuchten auf jeden Fall mehr als nur eine kurze Erstberatung.

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