Jetzt ist mal die Kultur dran und nicht der Sport! Empore soll umgebaut werden

DSC_9423Von Kristian Stemmler

Für manch alteingesessenen Buchholzer ist die Empore immer noch „der Bahnhof“, ein Fremdkörper am Marktplatz. Aber verglichen mit den protzigen und einfallslosen Neubauten in ihrer Nachbarschaft, Buchholz Galerie und Volksbankgebäude, ist das Veranstaltungszentrum ein architektonisches Glanzstück. Das einzige Problem des Gebäudes: Der Platz für Garderoben, Technik und die Vorverkaufsstelle ist von vornherein zu knapp kalkuliert worden, die Raumnot wurde quasi mit eingebaut. „Wir verwalten einen Mangel“, sagt Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke.

Mit dem wachsenden Erfolg in den letzten Jahren, den zunehmenden Zahlen von Besuchern und Veranstaltungen, ist das Raumproblem der Empore immer drückender geworden. Jetzt ist eine Erweiterung des städtischen Veranstaltungszentrums ins Auge gefasst worden, der heute abend tagende Verwaltungsausschuss dürfte die für die Planung vorgesehenen Mittel von 45.000 Euro freigeben. Das Hamburger Architekturbüro Johannsen und Partner wurde bereits für das Projekt ausgewählt.

Wenn irgendwo öffentliches Geld investiert wird, sind Kritiker meist nicht weit. Im Nordheide Wochenblatt vom Mittwoch beschwert sich ein gewisser Sven Kreuzhagen in einem Leserbrief darüber, dass die Empore „seit 22 Jahren nicht kostendeckend gearbeitet hat“, sondern dass sie mit Millionen von der Stadt subventioniert wird. „Dann langweilen Sie Ihre Leser doch bitte nicht mit einer kostenpflichtigen Büroerweiterung“, schreibt er. Nun, hier hat Herr Kreuzhagen offenbar etwas völlig falsch verstanden.

Das Veranstaltungszentrum Empore hat einen öffentlichen (und sozialen) Auftrag und ist ein Hauptpfeiler des kulturellen Angebotes in Buchholz. Das Geld für die Erweiterung ist dort auf jeden Fall besser angelegt als zum Beispiel für den derzeit diskutierten Anbau an die Nordheidehalle. Während sich das Angebot der Empore an jedermann richtet, sind die geplanten Sanitärräume am Holzweg für Randsportarten wie Lateinamerikatanzen gedacht.

Eine Stadt von der Größe von Buchholz sollte sich ein großes Veranstaltungszentrum leisten, das tun auch die meisten anderen Städte mit vergleichbarer Einwohnerzahl. Und natürlich arbeiten auch dort die Veranstaltungszentren nicht kostendeckend. Im Gegenteil! In anderen Städten ist der Zuschussbedarf erheblich höher. So pulvert Stade in das Stadeum mehr als eine Million jährlich, ebenso Brunsbüttel in das Elbeforum. Itzehoe gibt für sein Veranstaltungszentrum sogar über zwei Millionen im Jahr aus und Nienburg immerhin auch noch mehr als 600.000 Euro. Dagegen steht die Empore mit einem Zuschussbedarf von zuletzt 377.000 Euro richtig gut da.

Hennecke und seinem Team ist es gelungen, innerhalb von fünf Jahren den Zuschussbedarf um rund 100.000 Euro zu reduzieren. Und zwar durch eine Ausweitung und qualitative Steigerung des Programms und erfolgreiches Marketing. Hatte die Empore in der Saison 2008/09 noch rund 41.500 Besucher, so waren es in der Saison 2012/13 rund 61.000. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Abonnenten von 946 auf 1396. Seit dem Start hat die Empore die Zahl der Veranstaltungen fast verdreifacht, 191 waren es zuletzt, angefangen hat das Haus 1991 mit 72 Veranstaltungen im Jahr und 18.000 verkauften Karten. Wobei nicht das Theater das Geld bringt, sondern die freien Veranstaltungen wie etwa Konzerte oder Kabarettabende bekannter Künstler, zuletzt zum Beispiel Ulrich Tukur.

Wichtig ist Onne Hennecke dabei auch, dass die Empore einen sozialen Auftrag erfüllt, etwa indem man günstige Bedingungen für Vereine und Schulen anbietet. Die lokalen Theatertruppen oder Schulorchester können in dem Veranstaltungszentrum auftreten. Bei Benefizkonzerten werden Erlöse für einen guten Zweck erspielt. So spielt etwas demnächst das Polizeiorchester Niedersachsen in der Empore, der Erlös geht an den Schulverein der RealschuleI/IGS Buchholz.

So erfreulich der wachsende Erfolg für die Empore, so drängend sind mittlerweile die Platzprobleme. In der kleinen Vorverkaufsstelle drängen sich drei Mitarbeiterinnen, ein gedeihliches Arbeiten ist dort nicht möglich. Der Drucker steht in der Teeküche. Hennecke teilt sein Büro mit einer Mitarbeiterin, wenn er vertrauliche Gespräche führen will, muss er auf die Bühne oder etwa ins Lim’s ausweichen. Die Techniker sitzen in einem anderen Teil des Gebäudes, ganz oben, die Kommunikation muss derzeit über Mail oder Telefon laufen.

Auch die Garderoben sind zu knapp kalkuliert. Ab etwa 20 Mitwirkenden wird es richtig eng, dann muss auch der Hinterbühnenbereich fürs Umkleiden genutzt werden. Dann fehlen Stau- und Lagermöglichkeiten. Nach einer Veranstaltung muss regelmäßig bis zum nächsten Vormittag alles komplett abgebaut sein, um Platz für die nächste Veranstaltung zu machen.

Aufgabe des Hamburger Architekturbüros Johannsen und Partner wird es sein, sich eine intelligente Lösung für die Empore einfallen zu lassen. Ideen gibt es schon. Das Ziel ist jedenfalls, dass die Mitarbeiter und Mitwirkenden mehr Platz bekommen, die Büros an einem Ort sind und die Empore eine großzügige und moderne Vorverkaufsstelle bekommt, die ein Aushängeschild für das Haus ist. Wenn man sieht, wie viel Geld in Buchholz dem Sport hinterhergeworfen wird, sollte jetzt auch mal für die Kultur ordentlich investiert werden!

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