Archiv für Juni, 2013

Von Kristian Stemmler

Die alte Eiche vor dem ehemaligen Madness-Haus wird immer mehr Kult. Jetzt sind schon mehr als 20 Zettel mit Gedichten, Sprüchen und ähnlichem am Baum und am Bauzaun um das Grundstück befestigt worden. Auch mit Blumen wird der Protest ausgedrückt. Und seit Freitag ist das Künstlerehepaar Iris und Edgar Brunner (ED) aus Heidenau vor Ort, um sich mit einer ungewöhnlichen Kunstaktion für die Rettung der Eiche, der alten Kastanie und des Madness-Hauses einzusetzen.

Edgar Brunner hat Fäden durch das Gitter des Bauzauns gezogen, in dem Blumen und Zettel befestigt werden können, und einige seiner in Acryltechnik gemalten Bilder am Zaun aufgehängt. Seine Frau hat auf einem Bogen Papier ihre Idee für eine „Oase“ an diesem Platz aufgeschrieben. „Hier sollte ein Ort der Erholung, des Friedens, des Teilens, der Ruhe, der Freundschaft und des Handelns entstehen“, heißt es da. Iris Brunner hat Flieder und Rosen aus ihrem Garten mitgebracht und am Zaun angeheftet.

„Wir stellen uns vor, dass an diesem Ort mitten in der Stadt ein schöner Garten entsteht, ein Forum, wo man sich trifft und miteinander Kaffee trinkt und sich austauscht“, sagt sie, „es muss auch Plätze geben, wo nicht der Kommerz regiert.“ Am Freitag hat das Ehepaar sich mit Freunden an der Eiche versammelt, um für seine Idee zu werben. „Leider hat das Ordnungsamt uns dann aber verboten, dass wir uns hier versammeln“, berichtet Edgar Brunner.

Es bleibt abzuwarten, wie Polizei und Verwaltung weiter auf die Aktionen an der Neuen Straße reagieren. Man muss wohl davon ausgehen, dass auch Investor Feldtmann die Entwicklung vor Ort beobachtet. Ihm dürfte die öffentliche Aufmerksamkeit für die beiden Bäume vor bzw. auf seinem Grundstück nicht gefallen. Denn natürlich möchte der Investor so reibungslos wie möglich sein gewinnbringendes Wohn- und Geschäftshaus auf dem Areal hochziehen.

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WerbemühleVon Kristian Stemmler

Das ist die Lösung! Der buchholzblog präsentiert exklusiv einen Plan, mit dem zugleich sowohl die Zukunft der Geschäftsleute von Dibbersen wie auch des Wahrzeichens des Ortsteils gesichert werden kann: die Werbemühle. Und zwar könnte die Mühle von Dibbersen, die ohnehin repariert werden muss, abgebaut und an dem Ort wieder aufgebaut werden, den die Geschäftsleute für ihren Werbepylon vorgesehen haben (der buchholzblog berichtete) – die Firmenlogos würden dann an den Windmühlenflügeln und am Mühlengebäude angebracht und wären weithin sichtbar!

Wie berichtet, befürchten die Geschäfte in Dibbersen nach Fertigstellung der Ortsumgehung einen erheblichen Kundenrückgang, weil der Durchgangsverkehr stark zurückgehen dürfte. Vor kurzem präsentierten sie der Öffentlichkeit ihre Pläne für einen mehr als 30 Meter hohen Werbepylon im Außenbereich, der auf die Betriebe aufmerksam machen soll. Die Kommunalpolitik sieht aber wenig Aussicht auf eine Realisierung, weil eine derart hohe Werbeanlage im Außenbereich nicht genehmigungsfähig ist.

Die Werbemühle wäre die Lösung des Problems, sie ist nicht ganz so hoch und man würde hier die Wirkung eines attraktiven und traditionellen Wahrzeichens mit der Werbewirkung der Firmenlogos kombinieren. Damit wäre auch die Frage von Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (SPD) beantwortet, die bei der Ratssitzung am Dienstag von der Verwaltung wissen wollte, wie es mit der Mühle weitergeht. Bei Straßenbauarbeiten hatte kürzlich der Ausleger eines Baggers die Mühle gestreift und einen Flügel heruntergeholt.

Der Vorschlag des buchholzblogs hätte ferner den Vorteil, dass der Betrieb der Mühle auf Dauer gesichert wäre. Natürlich würden die Firmen, deren Logos auf der Mühle angebracht werden, dem Mühlenverein ein angemessenes Honorar dafür zahlen. Und der Verein könnte mit Stolz darauf verweisen, ein bundesweit einzigartiges Mühlenmodell zu präsentieren. Da guckt garantiert jeder Autofahrer auf der nahen Autobahn hin – wenn die Logos sich fröhlich im Wind drehen!

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Von Kristian Stemmler

Buchholzer Naturfreunde haben den Kampf aufgenommen um zwei alte Bäume in der Innenstadt. An der alten Eiche vor dem Haus Neue Straße 8, in dem bis vor kurzem das Kunsthandwerk-Geschäft Madness beheimatet war und das einem Geschäftshaus weichen soll, sind mindestens ein Dutzend Zettel befestigt worden, in denen der Erhalt des Baumes und der Kastanie auf dem Grundstück gefordert wird – und fast täglich kommt ein neuer dazu. „Statt Einkaufsstadt lieber grüne Stadt“, heißt es da zum Beispiel, und: „Wir brauchen Bäume zum Leben, aber wir zerstören das Leben der Bäume!!“

Angefangen hat es offenbar mit einem Zettel, auf dem ein gewisser Thomas schrieb: „Jeder, der nicht will, dass dieser Baum gefällt wird, hängt seinen eigenen Zettel daran.“ Viele Naturfreunde folgten der Aufforderung, druckten auch literarische Texte aus, etwa von Alexander Solschenizyn: „Wir hatten den Stamm bereits auf den Bock gelegt wie auf einen Richtblock; doch wir wagten nicht, mit der Säge in seinen Hals zu schneiden. Wie hätte man ihn zersägen können? Wie sehr er doch leben will – stärker als wir.“

Auf einem anderen Bogen ist ein Gebet der Sioux abgedruckt, in dem es heißt: „Schenke mir Weisheit, dass ich die Lehre, die du in jedem Blatt, in jedem Felsen verborgen hast, erkennen möge.“ Und jemand anderes schmückte die Eiche mit einem Gedicht von Lothar Zenetti: „Die letzten Paradiese werden angepriesen und angeflogen. In Nordsibirien Wasser, das noch nicht gechlort ist, auf Bali eine Palme, die nicht im Kübel steht…“ In roter Schrift heißt es auf einem kleinen Zettel: „Verhindert einen Mord!“

Wie berichtet, soll das schöne alte Madness-Haus abgerissen werden. Investor Feldtmann will auf dem Grundstück ein mehrgeschossiges Geschäftshaus errichten, gerüchteweise ist von einem Ärztehaus die Rede. Madness ist vor kurzem auf die gegenüberliegende Straßenseite umgezogen. Die von SPD, Bündnis90/Grüne und mir gebildete Gruppe im Stadtrat hat bereits Anfang Mai einen Antrag aus meiner Feder eingebracht, um beide alten Bäume auf dem Areal, aber zumindest die Eiche zu retten. Am Donnerstag hat sich der Verwaltungsausschuss mit dem Antrag befasst.

„Die Verwaltung ergreift alle möglichen Maßnahmen um die Eiche vor dem Haus Neue Straße 8 (…) sowie die sich neben dem Gebäude befindende Kastanie, soweit sie unter Schutz steht, bei den bevorstehenden Bauarbeiten auf dem Grundstück so gut wie möglich vor Beschädigungen zu schützen“, heißt es in dem Antrag. Und weiter: „Sie nimmt Kontakt zu dem Investor bzw. den beteiligten Baufirmen auf, um sie auf die Bedeutung des Baumes/der Bäume hinzuweisen. Sie bestellt einen externen Baumpfleger, der während der Bauarbeiten für den Baum/die Bäume zuständig ist.“

Nach Informationen des buchholzblogs ist die Kastanie nicht zu retten, da sie mitten im Baufenster steht. Aber auch die Eiche, die auf öffentlichem Grund, aber sehr nahe am Grundstück gewachsen ist, ist akut gefährdet. Das alte Haus hat keinen Keller, das neue Geschäftshaus soll aber einen haben. Daher könnte es sein, dass die Wurzeln der Eiche irreversibel beschädigt werden. Wie es heißt, soll vor Beginn der Bauarbeiten ein Graben ausgehoben werden, um die Lage der Wurzeln festzustellen.

Es ist schlimm genug, dass das Madness-Haus, das schönste Haus an der Neuen Straße abgerissen wird, um einem gesichtslosen Geschäftshaus Platz zu machen. Desto wichtiger ist es, dass zumindest die alte Eiche gerettet wird – neben der Eiche beim Stadtcafé ist sie der letzte alte Baum an der Neuen Straße. Die Zettelaktion ist sicher eine gute Methode, um das Thema öffentlich zu machen. Die Gruppe im Stadtrat wird in dieser Sache auf jeden Fall Investor und Verwaltung weiter auf die Finger sehen.

Von Kristian Stemmler

Vor rund 40 Jahren begannen die Planungen für die Ortsumgehung Dibbersen, im Juli 2012 wurde in Anwesenheit politischer Prominenz der Erste Spatenstich gefeiert. Knapp ein Jahr später ist auch den Geschäftsleuten von Dibbersen aufgefallen, dass nach Fertigstellung der Umgehung im Mai 2015 erheblich weniger Fahrzeuge durch den Ort fahren werden. Sie luden kommunalpolitische Vertreter zu einer Präsentation ein – und forderten dabei in geradezu erpresserischer Manier, ihren Plan zu genehmigen: den Bau eines etwa 35 Meter hohen beleuchteten Werbepylons.

Da Gewerbetreibende heute dazu neigen, Politik und Verwaltung als Dienstleister zu betrachten, die ihnen einen ordentlichen Umsatz zu garantieren haben, war man arg verschnupft, dass die anwesenden Kommunalpolitiker auf die Gesetzeslage verwiesen. Werbeanlagen in dieser Größe sind in dem betreffenden Gebiet nicht genehmigungsfähig. Für die Geschäftsleute ist das nicht einzusehen. Rund 120 Arbeitsplätze seien gefährdet, wenn die Geschäfte im Ort – darunter Mc Donald’s, die Aral-Tankstelle, Baby One und das Gasthaus Frommann – wegen des reduzierten Durchgangsverkehr Kunden verlören.

Wie das Nordheide Wochenblatt vermerkt, waren zu der Präsentation Wolfgang Niesler, SPD-Fraktionschef im Stadtrat, Ortsbürgermeisterin Gudrun Eschment-Reichert (auch SPD) und der grüne Fraktionschef Joachim Zinnecker erschienen. Die anderen Ratsfraktionen glänzten mit Abwesenheit. Das hielt die örtliche FDP nicht davon ab, sich in einem Beitrag auf ihrer Homepage als Anwalt der Gewerbetreibenden zu gerieren und von der Ortsumgehung als einem „mächtigen Bauwerk“ zu fabulieren. Kritisieren können sie die Umgehung allerdings schlecht, war es doch ein Parteifreund, der damalige Verkehrsminister Jörg Bode, der sie beim Ersten Spatenstich in höchsten Tönen lobte.

Die Geschäftsleute sehen den Riesenpylon, der die Autofahrer auf die Läden im Ort hinweisen soll, als ihre Rettung. Die Politik habe gefälligst einen Bebauungsplan aufzustellen, mit dem der Pylon legalisiert werden könnte. Andernfalls seien sie schuld an eventuellen Firmenpleiten. Was die Gewerbetreibenden natürlich nicht erwähnt haben: Alle außer Frommann haben sich zu einem Zeitpunkt angesiedelt, zu dem die Planungen für die Ortsumgehung bereits liefen. Sie konnten wissen, dass die Umgehung eines Tages kommen würde.

Von Kristian Stemmler

Die Stadt Buchholz muss in den kommenden Monaten eine vergleichsweise große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen. Im Ausschuss für Wirtschaft und Soziales kündigte der Erste Stadtrat Jan-Hendrik Röhse an, dass demnächst 22 Asylbewerber in Buchholz untergebracht werden müssen. Für sie errichtet der Landkreis eine neue Unterkunft „in Modulbauweise“ – also Container – auf dem städtischen Gelände an der Bremer Straße. Röhse rechnet darüber hinaus mit weiteren etwa 50 Flüchtlingen, die 2013 in die Nordheidestadt kommen. Für sie sucht der Landkreis derzeit nach Unterbringungsmöglichkeiten.

Eine Massenunterbringung von Flüchtlingen wolle man auf jeden Fall vermeiden, sagte Alfred Baum, Leiter des Fachdienstes Jugend und Soziales, dem Ausschuss. Auch in den geplanten Containern an der Bremer Straße werde für abgeschlossene Wohneinheiten gesorgt, was weniger problematisch sei als gemeinsame Küchen und Sanitärräume. Baum rechnet damit, dass auch afrikanische Flüchtlinge unter den Asylbewerbern sind und auf den Landkreis ähnliche Probleme zukommen wie auf Hamburg. Dort sorgen derzeit rund 300 Afrikaner, die über Italien eingereist sind, für Diskussionen.

Für das städtische Integrationsbüro bedeuten die steigenden Asylbewerberzahlen erhebliche Mehrarbeit. Man sei dabei, „eine neue Form der Begrüßungskultur“ zu entwickeln, sagte Anja Pährisch, Leiterin des Integrationsbüros, die im Ausschuss den Betreuungsbericht für den Zeitraum Sommer 2012 bis Sommer 2013 präsentierte. So wurde ein Flyer gedruckt, der die Adressen wichtiger Anlaufstellen wie Grone-Schule, Diakonie und Mehrgenerationenhaus enthält. Baum erklärte, man werde erst einmal versuchen, die Mehrarbeit mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen.

Schon in den zurückliegenden Monaten musste das Integrationsbüro den Schwerpunkt seiner Arbeit aufgrund der steigenden Zahlen von Asylbewerbern verlagern. Habe der Schwerpunkt der Arbeit in den vergangenen Jahren eher auf der „nachholenden Integration“ gelegen, so heißt es im Betreuungsbericht, so gehe es jetzt zunehmend um eine „Rundumerstbetreuung“. Diese umfasse alle grundlegenden Informationen rund um den Lebens-, Familien- und Schulalltag. Die Sprachförderung von zugewanderten Kinder und Jugendlichen und die Hausaufgabenhilfe ist weiterhin ein wichtiger Schwerpunkt des Integrationsbüro.

So nutzten im ersten Schulhalbjahr 2012/13 insgesamt 72 Schüler die Förderangebote des Büros, im zweiten Schulhalbjahr waren es 71. Die Kinder und Jugendlichen bzw. deren Eltern kommen aus 22 Ländern. Polen ist dabei das häufigste Herkunftsland, gefolgt vom Libanon, Afghanistan und Pakistan. Eine weitere Gruppe sind kurdischstämmige Kinder und Jugendliche, die aus der Türkei und Syrien zugewandert sind. Herkunftsländer sind auch noch Serbien, Bosnien, Russland, die Ukraine, Georgien, Indien, Vietnam, Irak, Togo, Albanien und andere.

Für viele Flüchtlingsfamilien bedeutet das Leben in einem neuen Land eine akute Überforderung. Hier bestehe „umfangreicher sozialpädagogischer Betreuungsbedarf“, so der Betreuungsbericht. Auch zurückliegende Erlebnisse in ihrer Heimat belasten viele Flüchtlinge. Viele Migrantinnen, die sie aus ihrem Frauentreff kenne, so berichtete die Buchholzer Gleichstellungsbeauftragte Dörthe Heien im Ausschuss, seien traumatisiert. Sie bräuchten auf jeden Fall mehr als nur eine kurze Erstberatung.

Von Kristian Stemmler

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Jahrelang tat sich nichts auf dem Gelände der ehemaligen Zivildienstschule südlich des Krankenhauses, jetzt gibt es handfeste Planungen für das Gebiet. In der vergangenen Woche wurden die Pläne dem Ausschuss für Stadtplanung, Mobilität, Bauen und Ordnung vorgestellt. Die Vertreter des Stadtrates nahmen sie wohlwollend zur Kenntnis – im Gegensatz zu etwa einem Dutzend Anwohnern, die in den Ausschuss gekommen waren. Sie befürchten vor allem mehr Autoverkehr und mehr Lärm.

Die vom Hamburger Planungsbüro Elbberg vorgelegte Rahmenplanung, die in eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans münden soll, umfasst ein Gebiet von insgesamt 6,6 Hektar. Auf diesem Gelände soll der Neubau der Kita „Am Zauberwald“ mit 70 Plätzen, ein neues Senioren- und Pflegeheim mit 120 Plätzen für das sanierungsbedürftige Gebäude an der Steinbeker Straße und sechs Stadtvillen mit 50 Wohneinheiten errichtet werden. Ferner soll für das Krankenhaus ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet werden. Der Wald- und Parkcharakter des Gebiets soll weitgehend erhalten bleiben, neue Wege sollen es zum Stadtwald öffnen.

Der Geschäftsführer des Krankenhauses Buchholz, Norbert Böttcher, begründete vor dem Ausschuss die Notwendigkeit eines Landeplatzes für Hubschrauber. Das Krankenhaus habe technisch in den letzten Jahren aufgerüstet, stelle inzwischen die Notfallversorgung für den gesamten westlichen Landkreis und die stationäre Versorgung von mehr als 150.000 Menschen sicher. Auf Betreiben des Sozialministeriums habe man einen Masterplan für die Weiterentwicklung der Klinik vorgelegt, eine Bedingung für die Weiterentwicklung sei eine Landemöglichkeit für Rettungshubschrauber.

Zwar würden keine Verletzten oder Erkrankten mit dem Hubschrauber nach Buchholz geflogen, aber es komme vor, dass in Notfällen Patienten vom Krankenhaus mit dem Hubschrauber nach Hamburg gebracht werden müssten. Bisher habe es einen Landeplatz bei der Buchholzer Feuerwehr gegeben. Der müsste aber wegen einer Änderung der gesetzlichen Anforderungen für viel Geld technisch angepasst werden. Auch die Krankenhäuser in Winsen, Lüneburg, Rotenburg und Buxtehude hätten Hubschrauberlandeplätze.

Vier Varianten seien geprüft worden, so Böttcher, man habe sich für eine Fläche direkt am Krankenhaus in direkter Nähe zur Internistischen Abteilung und zum OP-Zentrum entschieden. Auf Nachfrage aus dem Ausschuss erklärte der Geschäftsführer dass ein Landeplatz auf dem Dach des Anbaus am Bettenhaus West nicht in Frage komme. Das Dach müsse für einen Landeplatz erheblich verstärkt werde, aus statischen Gründen sei eine riesige Betonwanne erforderlich. Die Kosten lägen bei mehr als einer Million Euro.

Was die Lärmemissionen durch die Hubschrauberlandungen und -starts angeht, versuchten Böttcher und die Gutachter etwaige Bedenken zu zerstreuen. Böttcher sprach von drei Landungen und Starts im Jahr, der Gutachter vom Hamburger Planungsbüro Argus von maximal 15 Flügen im halben Jahr bis zum Jahr 2023. Bei der Planung sei berücksichtigt worden, dass ein Gebiet, in dem 55 Dezibel (A) am Tag überschritten wird, von Wohnbebauung freizuhalten ist. Landungen und Starts in der Nacht würden die absolute Ausnahme sein, mit einem Spitzenpegel von 75 bis 80 dB (A) sei aber auch diese Belastung hinnehmbar.

Das neue Alten- und Pflegeheim soll unterhalb des Bettenhauses West als langgestrecker Baukörper mit drei Vollgeschossen und einem Staffelgeschoss gebaut werden. Wenn die Bewohner des bisherigen Heimes an der Steinbeker Straße umgezogen sind, soll das alte Gebäude saniert werden. Das Krankenhaus hat Interesse daran, dass dort kliniknahe Nutzungen einziehen. So gibt es bereits Anfragen von Arztpraxen, die gern ihren Sitz an das Krankenhaus verlegen sollen. Auch könnten in dem Gebäude ambulante geriatrische Leistungen erbracht werden.

Neben dem neuen Heim ist der Neubau der Kita „Am Zauberwald“ geplant. Das Gebäude der vom Krankenhaus im Auftrag der Stadt betriebenen Kita wurde 1972 für etwa 30 Kinder gebaut, heute beherbergt es 70 Kinder. Das Haus ist zu klein, das Heizungssystem ist ineffizient, in zwei Gruppenräumen kommt es zu Schimmelbefall, es zieht durch die Fenster. Für das Krankenhaus ist die Kita wichtig, weil die Mitarbeiter dort ihre Kinder unterbringen können. So gibt es die Möglichkeit, die Kinder ab Beginn der Frühschicht um sechs Uhr betreuen zu lassen.

Die Erschließung des Geländes soll über die Hermann-Stöhr-Straße von Norden her erfolgen. Volker Rathje vom Hamburger Planungsbüro Elbberg sprach von 600 bis 650 Fahrten am Tag, die aus der Neunutzung des Geländes zu erwarten seien, das sei ein Plus von sechs bis sieben Prozent zum derzeitigen Verkehrsaufkommen auf der Steinbeker Straße. Rathje bezeichnete dieses Mehr an Verkehr als „befriedigend“ und „gut abwickelbar“, was von Anwohnerinnen auf den Zuhörerplätzen mit vernehmbarem Murren quittiert wurde.

Eine Besonderheit des Geländes, so erklärte Rathje dem Ausschuss, sei die Topographie. Es fällt von etwa 78 Meter über Normalnull an der Steinbecker Straße über 70 Meter über Normalnull an der Zufahrt zur Zivildienstschule nach Westen bis auf etwa 60 Meter über Normalnull ab. Durch das „Auffädeln“ der Wohnbebauung entlang der Höhenlinien soll neben den privaten Gartenflächen eine öffentlich zugängliche Grünfläche zwischen den Hausgruppen entstehen. Diese Fläche soll als waldartig bepflanzte Parkanlage realisiert werden.

Die Eingriffe in den bestehenden Wald sollten minimiert werden, betonte Rathje. Für den Hubschrauberlandeplatz müsse aber eine Fläche von rund 8000 Quadratmetern gerodet werden, auch für das Heim und die Kita seien Eingriffe in den Waldbestand unvermeidbar. Insgesamt wird von einer zu rodenden Waldfläche von 1,4 Hektar ausgegangen, für diese Rodung wird es eine Ersatzaufforstung geben.

Die Ausschussmitglieder nahmen den Vortrag der Planer wohlwollend zur Kenntnis und lobten die gute Vorarbeit. Alle Fraktionen wiesen aber darauf hin, dass sie noch Zeit bräuchten, um sich eingehender mit dem Vorhaben zu befassen. Darum wurde der Beschlussvorschlag für den Verwaltungsausschuss leicht abgeändert. Um ein Signal für die weiteren Planungen zu geben, nahm der Ausschuss die Rahmenplanung „positiv zur Kenntnis“.

Was die Bedenken und den zu erwartenden Protest der Anwohner vom Hopfenberg angeht, so ist es sicher verständlich, wenn man angesichts eines solchen Bauvorhabens Fragen hat. Aber sowohl der Umfang des Kfz-Verkehrs durch die Neunutzung als auch der Lärm durch die (seltenen) Hubschrauberflüge erscheinen doch nicht so gravierend. Und wenn man in einer Stadt wohnt, muss man halt mit gewissen Belästigungen rechnen.

Für manche Parteien ist Vetternwirtschaft offenbar schon so selbstverständlich geworden, dass sie schwer beleidigt sind, wenn es einmal nicht so klappt wie erwartet. So verweigerten die Vertreter der Buchholzer CDU-Stadtratsfraktion jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung, Mobilität und Bauen (StaMoBau) dem Bebauungsplan Vaensen Zustimmung. Der Grund: Die Ratsmehrheit hatte die Pläne der CDU durchkreuzt, Weideland ihres Ratsherrn Hans-Heinrich Kröger, Landwirt in Vaensen, in Bauland umzuwandeln. Als Ergänzung zum B-Plan hatte die Union eine einzeilige Bebauung östlich der Vaenser Dorfstraße mit Ein- und Zwei-Familien-Häusern beantragt.

Im StaMoBau-Ausschuss erklärte Peter Noetzel für die CDU nun, man könne dem aktuellen Bebauungsplan Vaensen nicht zustimmen, weil die beantragte Wohnbebauung nicht mit aufgenommen worden sei. Es sei gar nicht einzusehen, warum an dieser Stelle nicht gebaut werden dürfe. Allerdings mochte Bündnispartner Arno Reglitzky von der FDP dieser Argumentation wohl nicht ganz folgen. Jedenfalls enthielt er sich, so dass im Ausschuss eine Mehrheit für den B-Plan zustande kam. Entscheiden wird jetzt der Verwaltungsausschuss am kommenden Donnerstag. (kst)