ISEK-Auftaktforum in der Waldschule: Jetzt reden die Buchholzer mit

Von Kristian Stemmler

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„Die Stadt der SUVs und rasenden Rentner.“ Wenn dies vielleicht auch nicht die konstruktivste Antwort war auf die Frage, welches Image Buchholz hat, so war es doch wohl die amüsanteste. Man sieht, auch die humoristische Seite kam nicht zu kurz beim Auftaktforum zum ISEK-Prozess in der Aula der Waldschule mit rund 100 Besuchern. Wie berichtet, soll bis Ende 2014 ein „Integriertes Stadtentwicklungkonzept“ für Buchholz erarbeitet werden, das die Frage beantwortet, wie es in der Nordheidestadt bis 2030 weitergehen soll.

Ob dabei am Ende mehr als nur bedrucktes Papier herauskommt, sei dahin gestellt. Stadtbaurätin Doris Grondke, die den Prozess „angezettelt hat“, wie sie selbst sagte, räumte offen ein, dass in anderen Kommunen die erarbeiteten ISEKs des öfteren in der Schublade verschwunden seien. „Aber das wollen wir nicht“, betonte sie. Die starke Beteiligung der Öffentlichkeit und das „geballte Wissen der Verwaltung“ sollten dieser Gefahr entgegenwirken. Grondke: „Es geht nur gemeinsam.“ Die Zeiten der Planung am grünen Tisch gehörten der Vergangenheit an, die Stadt gehöre schließlich den Bürgern.

Da wollte auch Bürgermeister Wilfried Geiger (parteilos) nicht abseits stehen. Es sei „überfällig“, dass die Zukunft der Stadt systemisch durchdacht werde. „Wir haben zu oft reagiert und nicht agiert“, meine Geiger. Zu oft sei aus dem Tagesgeschehen heraus entschieden worden und Fehlentscheidungen könnten fatale Auswirkungen haben (dachte er da an das Debakel um das Gewerbegebiet III am Trelder Berg?). Mit der Entwicklung der letzten Zeit sei er zwar zufrieden, aber jetzt bestehe die Chance, unter Beteiligung der Bürger langfristige Ziele zu definieren – zum Beispiel ob Buchholz in 20 Jahren so etwas wie eine „Sun City“ für ältere Menschen oder eine junge, dynamische Stadt sein werde.

Für die Moderation des Prozesses engagierte die Stadt einen renommierten Moderator, Markus Birzer vom Hamburger Büro PlanKom, der in der Hansestadt zum Beispiel die Bürgerbeteiligung beim zweitgrößten Bauprojekt der Stadt, Mitte Altona, und bei den umstrittenen Esso-Häusern moderiert. Es werde in Buchholz „hoffentlich etwas weniger Konflikte“ beim ISEK-Prozess geben als dort, sagte er zur Begrüßung: „Aber völlig konfliktfrei wird es nicht ablaufen.“ Bei Birzers Abfragen ans Publikum stellte sich heraus, dass nur etwa ein Drittel in Buchholz geboren, die Mehrheit also Zugezogene waren.

Stadtplanerin Jutta Hiller von der Stadt stellte in Kürze den Ablauf und die Struktur des ISEK-Prozesses dar. Zwölf Themen, die zu vier Themenfeldern zusammengefasst wurden, sind für den Prozess definiert worden. Themenfeld 1: Stadtentwicklung, Wohnen und Mobilität, Themenfeld 2: Grün und Freiräume, Sport und Freizeit, Themenfeld 3: Soziales, Bildung und Kultur, Themenfeld 4: Wirtschaft, Einzelhandel und Tourismus. Querschnittsthemen, die bei der Analyse aller Themenfelder immer mitgedacht werden, sind: Klimaschutz, Chancengleichheit und demografischer Wandel.

Die Analyse des Ist-Zustandes soll weitgehend von der Verwaltung gestemmt werden, auch um die Kosten niedrig zu halten, für zwei Themen sind aber externe Gutachter engagiert worden, die sich gestern vorstellten. Der renommierte Kieler Sportexperte Prof. Robin S. Kähler soll ein Sportentwicklungskonzept erarbeiten. Kähler sorgte mit der Bemerkung, Buchholz habe doch eigentlich das Zeug zur „reinen Fahrradstadt, man braucht kein Auto hier“, für Gelächter und mit seinem Plädoyer, eine Förderung des Radverkehrs sei auch Sportentwicklung, für Applaus.

Kähler will die Bereiche Schulsport, Vereinssport und Freizeitsport genau unter die Lupe nehmen, wobei er vorab schon konstatierte, zumindest mit den Sportvereinen sei man in Buchholz sehr gut aufgestellt. Als zweiter Gutachter stellte sich der Architekt und Stadtplaner Volker Reimann vom Hamburger Büro F+B vor. Er soll eine Bevölkerungsprognose für Buchholz im Jahr 2030 erstellen und die aktuelle und zukünftige Wohnungsmarktentwicklung analysieren. Die letzten Untersuchungen besagten, so berichtete er, dass Buchholz bis 2020 weiter wachsen werde, sich dann das Wachstum aber zumindest verlangsamen werde.

Im zweiten Teil des Forums kamen die anwesenden Bürger zum Zuge. Die Veranstalter hatten Stellwände zu den einzelnen Themen aufgestellt, an denen das Publikum Anregungen und Kritik unterbringen konnte. Da las man dann zum Beispiel, dass in Buchholz Radwege fehlen, Bäume in der Innenstadt und Orthopäden. Einer wünschte sich mehr Sporthallen in der Stadt, ein anderer ein neues Kino, ein Dritter mehr Volkshochschulangebote. Der „grausame Weihnachtsmarkt“ wurde kritisiert, ferner der Umstand, dass nach 18 Uhr in der Innenstadt nichts mehr los sei, dass Buchholz eine „Spielhallencity“, eine „Staustadt“ und ein „städtebaulicher Würfelkasten mit schwindendem Grün“ sei.

Das Auftaktforum lässt hoffen, dass ein munterer Austausch zu der Frage entsteht, wie es mit Buchholz weitergehen soll. Wenn man auch konzedieren muss, dass wie schon bei den Foren zum Mobilitätskonzept, eher eine kleine Auswahl interessierter und engagierter Bürger erschienen war, viele Ratsmitglieder, Vertreter von Vereinen, der Kirche und der Wirtschaft. Aber ab sofort hat jedermann Gelegenheit seine Ideen und seine Kritik auch vom heimischen Schreibtisch aus vorzutragen – auf der seit heute freigeschalteten Homepage zum ISEK. Hier die Adresse: www.buchholz-zukunft-gestalten.de

Feuer frei!

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