Causa Stemmler – das Wochenblatt schlägt zurück!

Veröffentlicht: 2013-05-24 in Hintergründe, Lokales, Politik
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The empire strikes back – unter dieses Rubrum muss man wohl einen Beitrag im Nordheide Wochenblatt vom morgigen Sonnabend stellen. Unter der Überschrift „Ist Ratsherr noch tragbar?“ wird mein Beitrag in diesem blog über den Luxusshop „viel fein [feel fine]“ thematisiert, vor allem der Satz: „Und es wundert mich, dass sich all die Marginalisierten, die Abgehängten und Unterdrückten das gefallen lassen, dass all die Porsche Cayennes und BMW X 5 unbeschädigt in der Gegend herumstehen können.“ Dieser Satz führt zu der Unterzeile: „Kristian Stemmler steht nach Aufruf zur Sachbeschädigung in der Kritik“.

Das Imperium schlägt zurück – damit ist der Wochenblatt-Verlag gemeint, dem mein blog sicher schon länger ein Dorn im Auge ist. Als Konkurrent vielleicht nicht unbedingt, denn obwohl ich die Zahl von 50.000 Zugriffen vor kurzem überschritten habe, kann ich mit den Zugriffszahlen der Wochenblatt-Homepage ebenso wenig mithalten wie mit den Auflagen der Wochenblatt-Ausgaben. Aber ich habe das Wochenblatt immer wieder sehr direkt kritisiert und deren Kunden natürlich auch.

Die Kunden des Wochenblattes, das sind die Anzeigenkunden, zum Beispiel der in dem inkriminierten Beitrag kritisierte Luxusshop im Kabenhof. Dass der Wirtschaftslobby weder der buchholzblog noch mein Engagement im Stadtrat zusagt, kann man sich denken. Wobei ich mich über die Methoden des Wochenblattes doch ein wenig wundere. Ein Verlag übrigens, der selbst kein Benehmen hat – jedenfalls habe ich zum wiederholten Male auf eine Bewerbung für eine Stelle in dem Verlag keinerlei Reaktion bekommen. Vermutlich hat man die Bewerbung für einen Scherz gehalten…

Mein Kollege Oliver Sander, der den Beitrag verfasst hat, setzt natürlich die Linie seiner Chefs um. Bis zu einem gewissen Grad habe ich dafür Verständnis, musste ich als Redakteur des Hamburger Abendblattes doch auch vieles schreiben, was ich eigentlich nur schwer vertreten konnte. Aber in diesem Fall wundere ich mich schon etwas über die Recherchemethoden. Denn Kollege Sander behauptet, ich hätte gesagt, ich fände Sachbeschädigung als ultima ratio in Ordnung.

Tatsächlich habe ich den Kollegen an dem Tag, an dem mein Beitrag im blog für zahlreiche Zugriffe (fast 400) und Diskussionen sorgte, an der Kreuzung Bendestorfer Straße/Hamburger Straße getroffen. Ich saß auf meinen Fahrrad und wir sprachen kurz, bis die Ampel auf grün umsprang, über den Text, den er bereits gelesen hatte. Ich kann mich noch nicht einmal erinnern, was ich genau gesagt habe, eventuell habe ich eine ironische Bemerkung gemacht, die er ernst genommen hat.

So ein informelles Gespräch unter Kollegen auf der Straße zwischen Tür und Angel für einen Artikel zu nutzen, finde ich schon ein wenig merkwürdig. Vor allem auch deshalb, weil ich in diesem blog schon viel heftigere Sachen geschrieben habe, zum Beispiel den Satz: „Ob im Osten, ob im Westen, ein Mercedes brennt am besten.“ Darum ist es auch komplett absurd, wenn die Kreis-Linke, die Sander offenbar angesprochen hat, im Wochenblatt ankündigt, die Mehrheitsgruppe im Buchholzer Rat auf meine Tragfähigkeit anzusprechen.

Dazu muss man wissen, dass der Kreisverband der Linkspartei mich nach meinem Parteiaussschluss im Oktober 2012 erfolglos aufgefordert hat, mein Ratsmandat zurückzugegeben, damit ein Genosse nachrücken kann. Insofern ist es mehr als durchsichtig, wenn man sich jetzt mit dem Wochenblatt verbündet. Und es ist grotesk, weil die Antifa, der die Kreis-Linke eng verbunden ist, ja nun auch kein so klares Verhältnis zur Gewalt hat.

Um es noch einmal klar zu stellen: In dem anfangs zitierten Satz habe ich keineswegs Sachbeschädigung begrüßt, ich habe lediglich meiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, dass die Marginalisierten dieser Gesellschaft so friedlich sind. Wie wir derzeit sehen, sind in Griechenland, Spanien und jetzt auch in Schweden ganz andere Dinge am Laufen. Ob es politisch Sinn macht, Luxuskarossen abzufackeln oder dergleichen, das ist eine Frage, über die man geteilter Meinung sein kann, die aber diskutiert werden sollte, zumindest unter Linken. Wobei das leider auch für viele Linke ein Tabuthema ist.

Und um auch das klar zu stellen: Ich denke gar nicht daran, mich dem Druck des Medienmonopolisten im Landkreis zu beugen und mein Mandat zurückzugeben. Wo sind wir denn?! Ich hab meinen Job im Axel Springer Verlag verloren, weil ich den Herren zu links war. Aber vom Wochenblatt-Verlag bin ich zum Glück nicht abhängig. Und für den buchholzblog arbeite ich unentgeltlich.

Ich will den Mund ja nicht zu voll nehmen: Aber das Vorgehen, das wir hier erleben, ist ein neues Beispiel dafür, wie gleichgeschaltet unsere Medien schon sind. Armes Deutschland!

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Kommentare
  1. buchholzblog sagt:

    Ich gebe diesen Kommentar mal frei, obwohl er mindestens grenzwertig ist. Aber es ist doch spannend zu sehen, wie beleidigend und persönlich Leute auf meine Gesellschaftskritik reagieren! Ich glaube, ich arbeite mehr als die meisten in Buchholz, da ich nicht nur meiner Tätigkeit als freier Journalist nachgehe, sondern mich auch noch ehrenamtlich im Rat engagiere und etwa alle zwei Tage einen Beitrag für den blog schreibe. Hier wird mal wieder das hohe Lied der Leistungsgesellschaft gesungen, in der es jeder schaffen kann, der fleißig ist, und alle, die von staatlichen Leistungen abhängen, faul und unwillig sind. Wie kann man so blöd sein, die Propaganda der Herrschenden so unkritisch nachzuplappern!

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  2. bernd sagt:

    Stemmler, Stemmler, Stemmler ne ne, was sollen wir mit dir noch machen???? Du hast ja nun gar nichts kapiert!!!!! Jeden und allen in die Suppe zu spucken zu versuchen und sich dann wundern, wenn man eine blutige Nase bekommt. Ich rede ungern anderen nach, aber es ist wirklich so, aus dir spricht der pure Neid!!!!! Der Neid der Besitzlosen.
    Als du beim Abendblatt warst und Geld verdient hast, hast du es gerecht aufgeteilt? Nein du kaufst dir ein Haus und ein Auto muss er auch haben. Jetzt wo Hartz 4 angesagt ist (höchstwahrscheinlich, weil du nicht arbeiten willst und in das System einfügen willst) da ist Geld zu haben scheiße. Was glaubst du denn, woher das ganze Geld für Hartz4 und andere Sozialleistungen herkommt? Na von denen die Geld haben! Oder glaubst du allen ernst, das druckt Merkel im Keller.
    Ich bin keiner der viel Geld hat, ich war ganz oben auf der Leiter und bin runtergefallen. Ich weiß, wie schwer der Weg nach oben ist. Nun habe ich nichts mehr, obwohl ich gerne mehr hätte, aber ich beneide nicht die, die oben sind.
    Unserer System kann und wird, so wie du es gerne hättest, nicht funktionieren, auch wenn es ein schöner Gedanke ist.
    Versuche doch lieber deine Energie in etwas zu stecken was sich lohnt!!! Z.B. in Arbeit. Ach ne nachher kommst du dann auch noch zu Geld und willst davon auch nichts abgeben und dann bist du so einer wie die anderen. Das wäre ja verrat, hahaha!
    Ich empfehle dir wie viele andere, hau endlich ab. Aber nicht in eine andere Stadt, sondern auf eine einsame Insel wo keiner wohnt und dich auch keiner stört. Dort kannst du dann deine eigene kleine kranke Welt aufbauen.

    Bernd

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  3. Jedimaggio sagt:

    Ich empfehle die Lektüre von Stephané Hessels Essay „Empört Euch!“ oder auch die Schriften von Jean Ziegler. Gerade Ziegler gilt als einer der bekanntesten Globalisierungskritiker. Seine drastischen Worte und die ständig geäußerte Kritik an Politikern, Unternehmen, Banken kann natürlich nicht allen gefallen.
    Aber wer einmal wirklich strukturell gemachte Armut gesehen hat, kann seine Wut manchmal nicht so elegant zügeln wie die beiden genannten Herren. Das ist nicht immer schlau, aber vielleicht muss es auch mal sein.
    Schon Herbert Marcuse nannte dies „Repressive Toleranz“:
    „Toleranz gegenüber dem radikal Bösen erscheint jetzt als gut, weil sie dem Zusammenhalt des Ganzen dient auf dem Wege zum Überfluß oder zu größerem Überfluß. Die Nachsicht gegenüber der systematischen Verdummung von Kindern wie von Erwachsenen durch Reklame und Propaganda, die Freisetzung von unmenschlicher zerstörender Gewalt (…), die ohnmächtige und wohlwollende Toleranz gegenüber unverblümtem Betrug beim Warenverkauf, gegenüber Verschwendung und geplantem Veralten von Gütern sind keine Verzerrungen und Abweichungen, sondern das Wesen eines Systems, das Toleranz befördert als ein Mittel, den Kampf ums Dasein zu verewigen und die Alternativen zu unterdrücken. Im Namen von Erziehung, Moral und Psychologie entrüstet man sich laut über die Zunahme der Jugendkriminalität, weniger laut über die Kriminalität immer mächtigerer Geschosse, Raketen und Bomben, das reifgewordene Verbrechen einer ganzen Zivilisation.“
    in: Wolff, Moore, Marcuse, Kritik der reinen Toleranz, (Frankfurt: Suhrkamp, 1965, 1996 edition)

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  4. Dieter Rednak sagt:

    Es ist schon erstaunlich zu sehen, wie Kritik an einem kleinen Laden die Gemüter erregen kann. Mit dem Hinweis auf sündhaft teure Pralinen hat Stemmler offenbar einen Nerv getroffen, nämlich den des immer weiter, immer mehr, immer teurer. Solang konsumieren, bis der Arzt abwinkt und die nächste Intensivstation ein Bett anbietet.

    Die einen, die dieses Geschäft aufsuchen, tun das, um sich zu zeigen, kaufen aber wohl nicht die teuersten Produkte. Sie wollen nur in einer von ihnen als chic empfundenen Umgebung präsent sein und trinken dort ihren Kaffee. Die anderen wissen nicht, wie sie ihr Geld verbraten sollen und erwerben zum Cappucino gleich noch irgendwelchen überflüssigen Blödsinn hinzu.
    Aber warum dann diese ganze Aufregung? Warum empfiehlt man Stemmler, ganz weit weg zu ziehen, oder ihn gar vor Neid zerfressen zu halten? Darf er seine Meinung, die nicht in allen Punkten mit meiner übereinstimmt, nur noch hinter vorgehaltener Hand äußern? Ist Kritik an überteuerten Pralinen oder an Fahrzeugen der Luxusklasse so wie an Luxuswohnungen bereits Hochverrat?

    Kristians Äußerung, dass er sich über die Ruhe der „Marginalisierten“ gewundert habe, können viele nachvollziehen. Ein Aufruf zur Gewalt gegen Sachen im Sinne des Wochenblattes ist das nun wirklich nicht.
    Der ehemalige SPD-Chef Müntefering hat einmal gesagt, dass diejenigen, die nicht einer geregelten Arbeit nachgehen würden, auch nichts zu essen bekommen sollten. Im Sinne unserer Kreiszeitung könnte man diese leichtfertige Äußerung des SPD-Genossen als Aufforderung verstehen, ihnen zukünftig das Essen zu verwehren. Ein unbedacht hingeworfener Satz, kann somit umgedeutelt werden als Gewaltäußerung gegen Menschen.

    Hat das Wocheblatt es wirklich nötig, sich derart lächerlich zu machen?

    Dieter Rednak

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  5. BlueBear sagt:

    Eigentlich sollte man das Wochenblatt ja nicht zu ernst nehmen. Aber leider trägt es mit seiner Unterstützerrolle für die Parteien, die sich in Buchholz gegenseitig die dicken Kartoffeln zuschanzen (wollen) zur Meinungsverfälschung bei den Buchholzer Bürgern bei, so dass die persönliche Hetze gegen den politschen Gegner leider nicht so lächerlich ist, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Ich hoffe nur, dass jemand, der sich als einer der Wenigen mit den sozialen Spannungsfelder (auch hier in Buchholz) auseinandersetzt, dem Rat noch möglichst lange erhalten bleibt, selbst wenn ich mit den seinen Meinungen und Thesen nicht immer konform bin.

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