Kunstrasenplatz Wiesenschule – Tanzeinlage von 08 am Sonnabendmorgen verärgert Anwohner

Veröffentlicht: 2013-05-21 in Hintergründe, Lokales

Von Kristian Stemmler

Im Streit um den Kunstrasenplatz an der Wiesenschule kehrt keine Ruhe ein. Im Sinne des Wortes. Denn während die Stadt signalisierte, dass sie bei Ruhestörungen hart durchgreifen wolle, sorgt neuer Lärm für Verärgerung bei den Anwohnern und Beschwerden an die Verwaltung. So absolvierten die Lateintänzer von Buchholz 08 kürzlich mal eben ein spontanes Training auf dem Platz, am Sonnabendmorgen zu höllisch lauter Musik. Und die Hockeyherren von 08 feierten sonntags ein ausgelassenes Grillfest auf dem Kunstrasenplatz.

Wenn es wirklich die Absicht der Stadt ist, die Anwohner für die bevorstehende Auseinandersetzung vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg milde zu stimmen, wie das Wochenblatt vermutet, kann das vor diesem Hintergrund wohl kaum gelingen. Das Wochenblatt hatte berichtet, die Verwaltung werde gegen das verbotene Bolzen auf dem Platz durchgreifen. Die Polizei werde künftig die Personalien von kickenden Kindern und Jugendlichen aufnehmen. „So können wir gegebenenfalls Ordnungsgelder eintreiben und Anzeigen wegen Hausfriedensbruch stellen“, zitiert das Blatt den Ersten Stadtrat und Sportdezernenten Jan-Hendrik Röhse.

Die Anwohner sind allerdings momentan noch auf der Zinne. So schildert Anwohner Gerd Schrader, der zu den Klägern vor dem VG Lüneburg gehört, in einer Mail an Röhse in deutlichen Worten die neuen Lärmbelästigungen. Schrader beschwert sich darüber, dass am ersten Sonntag, an dem das Wetter den Aufenthalt auf der Terrasse und im Garten zugelassen habe, ein Spiel der Hockeyherren von 08 angesetzt gewesen sei. „Man kann sicher unter den Umständen eine Spielansetzung zulassen, man muss es aber nicht“, schreibt er.

Der Geräuschpegel der Partie, die inklusive Einspielen etwa zweieinhalb Stunden gedauert habe, sei so hoch gewesen, dass es unmöglich gewesen sei, auf der Terrasse ein Gespräch zu führen: „Ca. alle 10 bis 30 sec ein kanonenschlagartiger Knall als hockeyspezifischer Schall, bedingt durch Schläger auf Ball, Ball auf Torumrandung, Schläger auf Schläger, Schläger auf Tor. Ca. alle 20 bis 30 sec prollartiges Geschrei, gegenseitige Anmache und Beschimpfungen, ständige kreischartiges Kommentieren von Schiedsrichterentscheidungen, extrem lauter Torjubel, ständig lautstarke begleitende Traineranweisungen.“

Dass dieser Lärm laut einem Gutachten nicht als Belästigung einzustufen ist, hält Schrader für abenteuerlich. „Das geht meiner Meinung nach an der Wirklichkeit vorbei, und das Gutachten ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt wurde“, schreibt er an Röhse. Eine „völlig unnötige Belästigung“ sei die Grillparty nach dem Spiel gewesen, zu der die Sportler Bierzeltgarnituren aufstellten. Zwar sei die Feier nicht so laut wie das Spiel gewesen, aber „auch nicht leise“, zumal nebenbei noch gebolzt und Basketball gespielt wurde.

In einer Mail an einen anderen Anwohner, der sich ebenfalls beschwert hatte, bezeichnet Röhse die Grillparty als „Missverständnis“. Die Sportler seien davon ausgegangen, dass das Grillen erlaubt sei. Üblich und erlaubt sei aber nur, dass bei den jüngeren Jahrgängen ein kleinen Buffet für Spieler und Eltern aufgebaut werden. Künftig würden die Spieler ihre Zusammentreffen auf die Vereinsanlage am Seppenser Mühlenweg verlegen, verspricht der Sportdezernent und erklärt: „Es lag weder ein Missbrauch vor, noch gibt es eine Generalgenehmigung, nach der alles erlaubt ist.

Auch das Spontantrainung der Tänzer von 08 sei keine erlaubte Nutzung gewesen. Sie hätten sich „aus einer Laune heraus“ am Sonnabendmorgen „barfuß in der Morgensonne zu einer Tanzeinlage auf dem Platz entschlossen“. Keiner von ihnen habe sich Gedanken gemacht, dass die Anwohner sich gestört fühlen könnten. Röhse: „Auch die Tänzer haben wir auf die Regeln hingewiesen und uns versichern lassen, dass sich Derartiges nicht wiederholt.“

Ob diese Ansage ausreicht, um die Anwohner zu beschwichtigen, ist zweifelhaft. So oder so wird das Verwaltungsgericht entscheiden müssen, das laut Harburger Anzeigen und Nachrichten noch keinen Verhandlungstermin anberaumt hat. Die Zeitung schreibt, dass die Anwohner nach Ansicht von Rechtsexperten gute Chancen haben, den Rechtsstreit für sich zu entscheiden. Das aber würde bedeuten, dass die Stadt einiges an Geld in den Sand gesetzt hat. Aber in Buchholz ist es ja nichts Neues, dass man für den Sport Geld aus dem Fenster wirft.

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Kommentare
  1. BlueBear sagt:

    Lieber Herr Blohm, bitte erst informieren, bevor Sie so etwas von sich geben. Erstens haben wir acht Jahre lang in Ruhe hier gewohnt, bevor aus einem, bis dahin nicht beachtetem Dreckloch rücksichtslos ein Kunstrasenplatz gemacht wurde und sich der Sportbetrieb um ein Mehrfaches erhöht hat. Zweitens haben da keine „Kinder“ gegrillt sondern Erwachsene. Und es war Sonntag Mittag, andere Buchholzer müssen sich auch an die neue Buchholzer Lärmschutzverordnung halten. Bitte mal lesen, wurde gerade vor einem halben Jahr verabschiedet. Viele Grüße und nicht irgendwas beurteilen, wovon man keine Ahnung hat.

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  2. yomaan sagt:

    mal sehn wie lange es dauert, bis der neue Fußballplatz in Holm Seppensen für die Miniabteilung Fußball des Vereins umgesetzt wird und die ersten Nachbarn dumm schauen wenn Sie Sonntags von Schiri-Trillerpfeiffen geweckt werden:-) Aber der Rasenplatz an der Schule scheint ja nicht ausreichend zu sein, warum auch immer? Ich hoffe es wird nicht umgesetzt und die Spenden für diesen Schwachsinn bleiben aus.

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  3. Moment sagt:

    Hinzuzufügen ist, dass ein Teil der umliegenden Häuser vor der Schule und vor dem Sportplatz da war… und da war es „nur“ ein (wenn auch illegal errichteter) Schulsportplatz.

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  4. buchholzblog sagt:

    Soweit ich weiß, war vor dem Bau der Häuser nicht erkennbar, dass die Trainingszeiten derart expandieren würden. Insofern habe ich Verständnis für die Verärgerung der Anwohner.

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  5. Moment sagt:

    Wer wohl die „Rechtsexperten“ sind?

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  6. Olaf Blohm sagt:

    Sorry, aber für solche Nachbarn, die sich ein Reihenhaus direkt am Sportplatz bauen und dann den Vereinssport nicht ertragen und sich sogar über Grillen mit Kindern aufregen, habe ich nicht das geringste Verständnis.

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