Stadt startet ISEK – Buchholz sucht die Strategie für die Zukunft

Von Kristian Stemmler

ISEK – dieses Kürzel werden die Buchholzer in den nächsten Wochen und Monaten wohl öfter hören. Was sich ein wenig nach einer Gestalt aus der Bibel anhört, ist tatsächlich die Abkürzung für den Begriff „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“. Dabei handelt es sich um ein eingeführtes Instrument der Stadtplanung, das viele deutsche Städte bereits eingesetzt haben oder derzeit noch einsetzen, um ihre Zukunft zu planen. Jetzt reiht sich auch Buchholz hier ein: Mit einer Werkstatt der beteiligten Verwaltungsmitarbeiter startete die Stadt am Mittwoch einen breit angelegten Prozess, an dessen Ende ein ISEK für Buchholz stehen soll.

„Unser Motto ist: Zukunft für Buchholz gestalten. Das wird ein spannender Prozess, auf den ich mich sehr freue“, sagte Stadtbaurätin Doris Grondke, die das ISEK initiiert hat, bei einem Pressegespräch. Das Konzept, für dessen Erarbeitung gut eineinhalb Jahre angesetzt sind, wird die Frage beantworten, wohin sich die Stadt bis zum Jahr 2030 entwickeln soll. Neben der gesamten Verwaltung werden externe Experten, Vertreter der Wirtschaft und anderer gesellschaftlicher Bereiche, Vertreter des Stadtrates und vor allem auch die Bürger einbezogen. Grondke hofft darauf, dass das ISEK in Buchholz eine Aufbruchstimmung induziert, dass dabei viel Kreativität freigesetzt wird.

Bei der Erstellung des ISEK geht es darum, alle für die Entwicklung der Stadt relevanten Daten – und zwar in allen Bereichen von Kultur über Einzelhandel bis Sport und Tourismus – systematisch zu erheben und auf Grundlage dieser Daten konkrete Maßnahmen und Ideen zu entwickeln. Die Fragen, um die es dabei geht, sind zum Beispiel: Soll Buchholz wachsen und wenn ja, wo? Wie sollen sich die Grünflächen und die Gewerbeflächen weiterentwickeln? Was kann im Bereich Verkehr verbessert werden? Gibt es touristische Potenziale? Welche Ziele sind für die Innenstadt und den Einzelhandel erstrebenswert?

Um diese Fragen zu beantworten, haben die Planer im Rathaus, das ISEK-Kernteam besteht aus Grondke sowie Jutta Hiller und Anja Schwarz von der Fachabteilung Stadtplanung, ein ausgefeiltes Verfahren entworfen. Grundlage der Analyse ist eine unter dem Begriff SWOT stehende Bestandsaufnahme. SWOT ist das Kürzel für Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken). Zu dieser Bestandsaufnahme gehören etwa eine Wohnungsmarktanalyse und eine Prognose der Bevölkerungsentwicklung. Die Verkehrssituation wird genauestens durchleuchtet, genauso wie die Kultur- und Bildungsangebote, der Bedarf an Grün- und Gewerbeflächen, die Gesundheitsversorgung etc.

Diese Arbeiten werden hauptsächlich von der Verwaltung übernommen. Für eine Bevölkerungsprognose und das Wohnungsmarktkonzept hat Grondke Volker Reimann vom Hamburger Büro F+B verpflichtet, für die Aufstellung eines Sportentwicklungsplan den renommierten Experten Prof. Robin S. Kähler von der Kieler Uni. Das Einzelhandelsentwicklungskonzept soll ein noch nicht namentlich genannter Akteur aus Buchholz erarbeiten. Auch bei Runden Tischen und Expertengesprächen sollen Anregungen von außen eingeholt werden, bei zwei Stadtspaziergängen und Ortsbegehungen will man Eindrücke vor Ort sammeln.

Die bereits angelaufene Bestandsaufnahme und die Erstellung der Gutachten soll bis September abgeschlossen sein, so dass die vorliegenden Daten dann zu einer SWOT-Analyse verdichtet werden können. Daraufhin soll es am 18. September eine zweite Verwaltungswerkstatt geben. Am 30. September folgt eine Sitzung der Lenkungsgruppe. Diese 20köpfige Gruppe ist das Bindeglied zwischen Politik, Verwaltung und Akteuren vor Ort, steuert die Entwicklung des Prozesses und regt anschließend die Umsetzung der Projekte an.

Der Lenkungsgruppe werden die Verwaltungsspitze (Grondke, Bürgermeister Wilfried Geiger, Erster Stadtrat Jan-Hendrik Röhse), fünf Vertreter von Interessenverbänden, zum Beispiel von Naturschutz und Sport, sechs Vertreter des Stadtrats und vier Bürger angehören. Wer sich für einen der letztgenannten vier Plätze interessiert, kann sich per Mail unter zukunft-gestalten@buchholz.de bewerben. Wenn mehr als vier Bewerbungen eingehen, entscheidet das Los. Die Buchholzer Bürger können sich auch bei vier öffentlichen Foren am ISEK-Prozess beteiligen, das Auftaktforum findet am 23. Mai statt. Der Ablauf wird ähnlich sein wie bei den Foren zum Mobilitätskonzept.

Anfang 2014 sollen auf der Grundlage der SWOT-Analyse Ziele und Entwicklungsschwerpunkt für Buchholz bis zum Jahr 2030 formuliert werden. Von April bis Juli 2014 geht es dann darum, konkrete Maßnahmen in allen Bereichen zu überlegen, im Oktober soll ein Endbericht vorgelegt werden. Dann ist die Politik dran. Der Stadtplanungsausschuss und der Verwaltungsausschuss werden die Ergebnisse beraten, Ende November soll es dann einen Ratsbeschluss geben. Nach Abschluss des ISEK-Prozesses schließlich soll ein Umsetzungsbeirat dafür sorgen, dass die festgelegten Ziele auch wirklich verfolgt werden und nicht nur bedrucktes Papier übrig bleibt.

Um eine breite Akzeptanz für den ISEK-Prozess herzustellen, wird es natürlich auch eine begleitende Öffentlichkeitsarbeit geben, Berichterstattung in der lokalen Presse und Flyer zum Beispiel. Am 24. Mai soll die Homepage www.buchholz-zukunft-gestalten.de freigeschaltet werden, auf der Bürger direkt ihre Kommentare und Anregungen loswerden können. Unter der oben genannten Mailadresse können die Buchholzer sich für einen Newsletter eintragen.

Auf die Frage eines Kollegen, ob nicht die Gefahr bestehe, dass die Themen Ostring und Mühlentunnel, wie schon bei den Beratungen zum Mobilitätskonzept, alles andere überlagern, erklärte Grondke, sie hoffe, dass das nicht passieren wird. Beim ISEK gehe es aber um wesentlich mehr als nur um die Lösung von Verkehrsproblemen. Die Stadtbaurätin setzt darauf, dass der Prozess wie in anderen norddeutschen Städten Kräfte freisetzt und verweist auf ein Beispiel aus dem hohen Norden: „Eckernförde hat durch das ISEK einen richtigen Schub bekommen.“

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