Veronika, der Lärm ist da!

Von Kristian Stemmler

Natürlich freue ich mich, wie wohl jeder andere Sterbliche, darüber, dass die Temperaturen anziehen, die Knospen explodieren und die Schlangen an den Eisbuden länger werden – kurzum: dass nach dem langen Winter der Frühling Einzug hält. Aber leider hat auch das Schattenseiten, wie ich feststellen musste. Und zwar ist der Sprung über die 20-Grad-Marke für viele Zeitgenossen offenbar das Signal, die Mitwelt penetrant mit Lärm zu terrorisieren. Veronika, der Lärm ist da!

Schon als am Sonntag zum ersten mal mildere Luft durch die Nordheide wehte, war das für zahlreiche Biker der Startschuss, mit ihren Maschinen durch die Gegend zu brettern. Und diese sind ja leider nicht selten dermaßen laut, dass es sich schon aus mehreren Kilometern anhört, als würde eine Tupolev mit Triebwerksschaden zur Landung ansetzen. Wobei nicht nur schwere Maschinen wie Harleys die Trommelfelle belasten, auch die bei der Jugend so beliebten Motorroller sind nicht gerade leise.

Am Montag kam dann die zweite Angriffswelle. Obwohl das Gras noch gar keine Gelegenheit zum Wachsen hatte, knatterten die ersten Rasenmäher los. Es gibt ja offenbar für einige Zeitgenossen nichts Schöneres, als ihrem Garten mit irgendwelchen Maschinen zu Leibe zu rücken – wir haben in unserer Nachbarschaft auch so einen: Gelbklinkerhaus, Koniferen, mit dem Lineal gezogene Rabatte. Und genau der hat natürlich am Montag seinen Rasenmäher rausgeholt. Reinhard Mey hat solche Leute treffend als „Gartennazis‟ bezeichnet!

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3 Comments

  1. Hallo Kristian,

    Vergessen werden darf auch nicht, dass im Frühjahr regelmässig die Kettensägen angeschmissen werden, um Bäume, von denen viele deutlich früher als die heutigen Bewohner da waren, zu entfernen. So mancher „Naturliebhaber“ fühlt sich in seinem klinisch reinen OBI- Garten von diesen stillen Riesen gestört, die ja nicht nur Sauerstoff produzieren, sondern im Herbst auch Unmengen an Laub erzeugen, dass mühsam entfernt werden muss. Die Stadt hat zwar eine Baumschutzsatzung, aber die ist nun wirklich nicht das Papier wert, auf dem sie steht.

    Dieter Rednak

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  2. Und dann wären dann noch die lieben Mitmenschen aus dem Nachbarreihenhaus, die den beginnenden Frühling täglich lautstark auf der Terrasse begrüßen und damit jegliche Vorfreude auf eine entspannte Tasse Kaffee samt Rhabarber-Baiser-Kuchen nach Feierabend in der frischen, warmen Luft erbarmungslos zunichte machen.

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  3. Was sollen wir denn erst sagen ? Frühlingsbeginn heißt Hockeybeginn auf dem Wiesenschulsportplatz, Fußballer sind auch noch da, und der Bolzplatztourismus beginnt … Lärm bis zum Dunkelwerden und weit darüber hinaus. Ach … waren das noch Zeiten, als bei uns nur die Rasenmäher vor sich hin lärmten.

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