Buchholz, die Möchtegern-Stadt

Von Kristian Stemmler

DSC_9195Mit dem Abbau des Baugerüstes am neuen Gebäude der Volksbank wird das ganze Ausmaß des Desasters offenbar. Architektonisch ist dieser Bau eine mindestens ebenso große Katastrophe wie die Buchholz Galerie auf der anderen Seite des Marktes und macht die Verschandelung des Marktplatzes komplett. Wie das Einkaufszentrum ist auch das neue Geschäftshaus vor allem steinerner Ausdruck eines Prinzips, das zunehmend das Zentrum von Buchholz prägt: das Prinzip Möchtegern! Buchholz wird zur Möchtegernstadt!

Am Volksbankgebäude lässt sich das ganz gut entfalten. Der Bau ist von einer gewissen Protzigkeit, wirkt in meinen Augen aber zugleich unbedarft und kleinkariert. Der Rundbau zum Marktplatz hin mit seinem vorspringenden Dach kommt großspurig daher, wirkt aber komplett deplatziert angesichts der mittelmäßigen und langweiligen Fassade und Kinkerlitzchen wie den albernen Säulen. Tut mir leid, aber das Alles sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt. Man macht auf Großstadt, ist aber tatsächlich nur bieder und provinziell.

Genau dasselbe lässt sich auch von der Buchholz Galerie sagen, allgemein auch als „der Bunker‟ bekannt. Auch hier möchte man mithalten, möchte mondän sein, großstädtisch, schielt offenbar auf Vorbilder wie das Phoenix Center. Doch das geht grandios in die Hose. Außen und innen. Der Baukörper ist klobig, die Fassade monoton und fantasielos, die weißen Betonwände der Parkdecks obendrauf verhunzen die Silhouette der Stadt nachhaltig (zum Beispiel, wenn man über die Canteleubrücke auf Buchholz zufährt).

Aber auch im Inneren des Gebäudes wird es nicht besser. Die Passage von der Breiten Straße zum Peets Hoff ist zwar relativ breit und hoch, aber man hat mit dem Raum nichts anzufangen gewusst. Das Ganze hat die Atmosphäre einer Bahnhofswartehalle. Die Farbe des Bodenbelags ist öde und abweisend, die wahllos verstreuten Sitzelemente sind nichts weniger als elegant. Hinten an der Rolltreppe steht ein einsames Ausstellungsauto von Köhnke, dann hat man zwei alberne Beete mit Frühlingsblumen installiert. Das Alles ist provinziell und trostlos, von Shopping Malls wie dem Alstereinkaufzentrum, dem EKZ Hamburger Straße oder auch dem Phoenix Center ist man meilenweit entfernt.

Mir scheint, die Architekten haben aus dem zur Verfügung stehenden Raum nicht das Optimum herausholen können. Das Einkaufszentrum wirkt insgesamt eher klein, ja gestaucht. Man kommt vorn rein, geht ein paar Schritte, fährt Rolltreppe und ist schon fertig. Wenn es die Absicht der Macher war, den Eindruck von Großzügigkeit zu erzeugen, so ist das grandios daneben gegangen.

Die Buchholz Galerie, das neue Volksbankgebäude und andere Bauten im Zentrum sind insgesamt Ausdruck einer traurigen Selbstüberschätzung. Man macht auf Großstadt, schielt nach Hamburg, will zeigen, dass man vorne mit dabei ist. Das Ergebnis ist aber nur peinlich und provinziell, und der Stadt wird dabei auch noch der letzte Charme ausgetrieben.

Buchholz sollte den Abstand zur Großstadt als Vorteil betrachten, sollte seinen eigenen Stil entwickeln, sollte intelligente, kleinteilige Lösungen entwickeln, sowohl in der Stadtentwicklung wie in der Lösung von Verkehrsproblemen. Aber dazu bedarf es wohl einer anderen Führung im Rathaus, einer Führung, deren Politik weniger von Wirtschaftshörigkeit und Großmannssucht geprägt ist.

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14 Comments

  1. @YOMAAN: wie hätte man denn die Buchholz Galerie bspw. bauen sollen damit sie sich dem Stadtbild einfügt? So, dass Sie aussieht als wäre sie ca. 20 Jahre alt? ^^ Wir haben ja hier nun mal keine historische Altstadt…

    @BLUEBEAR: Alles ansichtssache finde ich, ich habe an keinem der genannten Bauwerke groß etwas auszusetzen. Und okay, wenn man nur an der Innenstadt festmacht findet man natürlich keinen Heidecharakter. Wenn man es mal als ganzes betrachtet und auch alle Ortsteile einschließt sehe ich den nach wie vor.

    Bezüglich weiterer Gewerbegebiete: Dafür wird es gar keine Baugenehmigungen geben. Buchholz hat nur Richtung Osten nennenswerte Kapazitäten für ein weiteres Wachstum. Und dort führt bis dato nicht mal eine Straße hin, diese Fläche müsste erstmal erschlossen werden und wird heute, meines Wissens nach, auch nicht gerade als Naherholungsgebiet genutzt… Oder verbringen SIe ihre Freizeit auf unfruchtbaren Feldern?

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  2. @Peter Noetzel: Ja, Ja…. genügend Naherholungsgebiete ! Noch ! Aber da wird schon unser toller Bürgermeister dafür sorgen, dass daraus Gewerbegebiete werden. Davon kann man nie genug haben. Und immer sinnvoll gebaut in Buchholz ? Soll ich lachen oder k….? Kabenhof ? Parkhaus Süd ? Zentrallager Möbel Kraft ? Buchholz Galerie ? Danke. Heidecharakter ? Welcher Heidecharakter ?

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  3. wenn du so fragst,“ja“ Sandparkplatz war viel schöner! es geht ja nicht darum grundsätzlich gegen modernes zu sein. Es wird immer davon gesprochen, dass die Stadt wachsen soll, nur wie weit? Und warum soll Buchholz sich mit Hamburg vergleichen?? Viele kleine Läden mit Charme und vor allem mit Qualität, dass würde mich freuen. Aber nein, hier wird ein Douglas wie die Entdeckung der neuen Welt gefeiert. Einkaufstadt Buchholz, lächerlich, wenn ich richtig einkaufen will (z.B Kleidung) fahr ich nach Hamburg. Soll eine Stadt wie Buchholz wachsen, weil ein Bürgermeister nach Einwohnern bezahlt wird?? zumindest ,würde dies die explosiv aus dem Boden schießenden Altenheime erklären. Als Stadt, muss man sich von Konzernen nicht so einfach über den Tisch ziehen lassen, ich denke da an ein Mc Donalds in Garmisch, der bei einem Neubau die Auflage bekam, sich dem Stadtbild anzupassen. Nun steht da ein Heustadl in dem Burger verkauft werden, “geht doch“!! In Buchholz ist nun aber eh Hopfen und Malz verloren, hier besteht leider keine Möglichkeit mehr, ein einheitliches Bild, oder den sogenannten roten Faden weiter zu ziehen.

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  4. Fanden die hier anwesenden den löchrigen Sandparkplatz denn schöner, dazu den schäbigen ehemaligen Edeka-Markt + die angrenzenden,hässlichen, grün-weiß bedachten Ranzläden daneben? Klar, man hätte die Galerie schöner bauen können, aber ein Fortschritt ist es allemal im Vergleich zu vorher…

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  5. Die sollen hier lieber mal nen gescheites Schwimmbad hinbauen, dies kleine Becken hier ist ja peinlich für sone weltstadt.

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  6. So ein Schwachsinn, also ehrlich. Die Bauarbeiten sind nicht mal beendet, schon wird alles kaputt geredet. Es gibt nun wirklich kleinere Städte mit protzigeren Bauwerken. Buchholz ist nun mal eine wachsende Stadt, das war sie schon bevor viele der Meckerköpfe hier angekrochen kamen. Wem das nicht passt der soll doch in den Osten ziehen, da gibt es massig Ortschaften die sich zurück entwickeln.

    Ich für meine Teil finde das man hier Buchholz bisher immer sinnvoll bebaut hat und meiner Meinung nach auch ohne den Heidecharakter zu verlieren. Wer Buchholz kennt weiß das es hier Naherholungsmöglichkeiten en Masse gibt.

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  7. Ich finde man sollte viel mehr mit Holz machen. Es ist nicht genug grün in Buchholz. Diese ganzen Asphaltflächen, einfach fürchterlich. Ich bin für Strassen aus Sand. Herzlich Willkommen in der Steinzeit! Ich warte auf den Tag an dem hier mal etwas positives steht.

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  8. ich möchte mit Buchholz nicht in Verbindung gebracht werden, denn Buchholz ist peinlich! Wir wohnen hier in der Heide, aber es wird von der ortsansässigen Politik alles dafür getan, dass man davon nichts mehr merkt. Wenn mich jemand fragt, wo ich wohne, antworte ich: in Holm Seppensen. Das dies ein Ortsteil von Buchholz ist, erwähne ich nicht und das geht schon mal soweit, dass wenn ich etwas Online bestelle, meine PLZ und Holm Seppenen nicht akzeptiert wird (das Pogramm sagt, dass die PLZ Buchholz ist, ich die Bestellung nich zu Ende ausführe). Ich wünsche mir, dass Holm Seppensen eigenständig wird! Schließlich ist bald Ostern, vielleicht schenkt mir jemand das eigenständige HoSe:-)

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  9. Wie kann man denn noch mit einer Buchholz-Galerie noch ein Stadtzentrum aufwerten wollen, wenn man das Entree der Stadt vom Bahnhof aus mit Kabenhof und Parkpalette Süd schon so versaut hat ? Wenn man mit dem Zug nach Buchholz reinkommt, denkt man doch, man kommt in die Bronx (Ich wollte hier New York nicht beleidigen).

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